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  UE-Home → History → Online Empire 67 → Interview-Übersicht → Toseland-Interview last update: 04.12.2020, 15:33:10  

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Bis vor kurzer Zeit war James Toseland vorwiegend Sportfreunden ein Begriff, schließlich war der Brite lange Jahre als Motorrad-Rennfahrer aktiv. Verletzungsbedingt mußte er seine Laufbahn jedoch 2011 beenden und entschloß sich, auf Musik umzusatteln.

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Ganz ehrlich: Haben wir nur deshalb die Ehre, jetzt Deine Musik hören zu dĂŒrfen, weil Du das Motorrad-Fahren aufgegeben hast?

Nein, ĂŒberhaupt nicht! Musik begleitet mich schon viel lĂ€nger als der Sport. Ich hatte bereits als Kind einige Jahre lang Piano-Unterricht hier bei uns in Sheffield. Die Lust am Biken ist erst viel spĂ€ter in mir entflammt, wodurch die Musik zunĂ€chst ein wenig in den Hintergrund geriet. Jedoch nicht allzu lange, denn meine ersten Songs habe ich auch in meiner Zeit als aktiver Sportler geschrieben. Die Vorliebe fĂŒr Rockmusik - und speziell fĂŒr DEF LEPPARD, die in unserer Jugend die Helden der Stadt waren - war damals also schon vorhanden, selbst wenn ich zunĂ€chst Balladen komponierte. Nach dem Ende meiner Sportlerkarriere ergab sich die Zusammenarbeit mit diversen Musikern, wie beispielsweise mit dem frĂŒheren LITTLE ANGELS-SĂ€nger Toby Jepson, der noch heute zusammen mit mir komponiert. Management und Plattenfirma rieten mir damals jedoch, das Unternehmen als Band zu fĂŒhren, nicht zuletzt aus finanziellen GrĂŒnden. Meinen Namen habe ich beibehalten, weil die ursprĂŒngliche Idee ein Soloalbum war. Die Band kam erst spĂ€ter, der Name ist geblieben.

Interessant. Ich hatte zumindest bei deinem ersten Album »Renegade« den Eindruck, es wĂŒrde sich um den musikalischen Sololauf des Superbike-Weltmeister von 2004 handeln, der seine Ideen von diversen Gastmusikern umsetzen hat lassen.

Vielleicht wurde der Hintergrund nicht ausreichend kommuniziert. Dabei ist es in der Tat völlig anderes gelaufen. Je lĂ€nger ich nĂ€mlich ĂŒber eine Band nachdachte, um so stĂ€rker verspĂŒrte ich das GefĂŒhl, live auftreten zu wollen. Es gibt nĂ€mlich nichts Geileres fĂŒr einen Musiker, als seine Songs vor Publikum zu spielen!
Zwar waren zunĂ€chst vielleicht zehn Zuseher der Musik wegen anwesend, wĂ€hrend mich die anderen 70 Anwesenden als Biker in Erinnerung hatten, doch das hat sich inzwischen geĂ€ndert. Die Anzahl an geschĂ€tzten 70 Motorrad-Freaks ist zwar geblieben, die der Musikliebhaber bei meinen Konzerten aber sehr deutlich angestiegen. Dieser feine Unterschied war im Laufe des letzten Jahres immer deutlicher zu bemerken. Bei den ersten Gigs zur Promotion unseres neuen Albums »Cradle The Rage« war darĂŒber hinaus sogar zu erkennen, daß wir uns als Band zumindest hier in England sogar schon einigermaßen etablieren konnte.

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Das Leben eines Rennfahrers weist ohnehin eine Menge Parallelen zu dem eines Musikers auf, oder etwa nicht?

An Gemeinsamkeiten ist unbedingt die unglaubliche Menge an Adrenalin zu nennen, die freigesetzt wird. Zudem ist Motorradfahren seit jeher sehr Rock-affin, was nicht zuletzt auch durch die Bekleidung bestĂ€tigt wird. Der Rennzirkus und das Leben auf Tour sind ebenso sehr Ă€hnlich. Du gondelst durch die Weltgeschichte, wohnst permanent fernab von zu Hause und hast in erster Linie Deine Roadies oder Mechaniker um dich. Den wohl grĂ¶ĂŸten Unterschied sehe ich auf emotionaler Ebene. Wenn Du auf nĂ€mlich dem Rennbike sitzt, hoffst du möglichst niemand vor dir zu haben und auch hinter dir willst Du weder jemanden spĂŒren, noch jemanden sehen. Noch weniger könntest Du auch nur eine Sekunde in die Zuschauer blicken. FĂŒr einen Musiker auf der BĂŒhne ist genau das Gegenteil wichtig. Je nĂ€her man bei den Fans ist, um so besser!

Zuletzt konntet Ihr diesbezĂŒglich einen weiteren großen Schritt nach vorne tun, da Ihr eine Tour im Vorprogramm von BLACK STONE CHERRY absolviert habt. Wie ist es gelaufen?

Super! Es war unsere erste Tournee mit einer Formation dieser GrĂ¶ĂŸe und die wohl bis dato gewinnbringendste Angelegenheit fĂŒr uns als Band ĂŒberhaupt. Zum einen, weil wir viele neue Fans dazugewinnen konnten und zum anderen, weil mir so richtig bewußt geworden ist, daß in der Musik generell weniger AnimositĂ€ten vorherrschen als im Spitzensport!

http://www.toselandmusic.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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