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Konzeptalben bergen große Möglichkeiten und große Gefahren. Den Prog-Metallern von SUPERIOR ist es gelungen, eine Konzeptscheibe zu machen, die sowohl musikalisch als auch textlich ausgereift ist. Daher baten wir Gitarrist Michael Müller, uns in die Welt von »Ultima Ratio« einzuführen.

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Seit Eurer letzten Platte sind vier Jahre vergangen. Was ist in der Zwischenzeit bei SUPERIOR alles passiert?

Wir hatten große Hoffnungen in unsere '98er Platte »Younique« gesetzt, doch letztendlich hat es nicht so funktioniert, wie wir es erhofft hatten. Es war angedacht, daß wir vier bis sechs Wochen lang in ganz Europa auf Tour gehen sollen, besonders weil wir die vorhergehende »Behind«-Tour aufgrund von Janis Unfall abbrechen mußten. Doch es ging damals kein Package on the road, in das wir reingepaßt hätten. Wir saßen bis 1999 auf glühenden Kohlen und hat es dann doch nicht funktioniert. Wir waren lediglich in Frankreich auf Akustiktour und haben mit ANGRA und STRATOVARIUS vor 5.000 Leuten in Paris im Zenith gespielt.
Danach beschlossen wir, daß wir ein neues Kapitel aufschlagen müssen. Wir trennten uns freundschaftlich von unserem damaligen Label NOISE. Musikalisch hatten wir Lust darauf, die modernen Einflüsse von »Younique« beizubehalten, aber wieder mehr orchestrale Elemente wie auf unserem Debut »Behind« einzubauen. Dennoch war es wichtig, daß alles einen eigenen Charakter erhält, weil es unsere größte Phobie ist, bei einer neuen Platte nur ein Duplikat anzufertigen. Von Anfang 1999 bis Mitte 2000 haben wir einfach nur Ideen gesammelt und dabei kristallisierte sich langsam heraus, wie die neue Platte musikalisch ausfallen würde. Danach kam die Idee auf, ein Konzeptalbum in Angriff zu nehmen. Wir sind alle sehr große Fans von Filmmusik, so daß wir uns entschlossen, unseren eigenen Film zu drehen. Dieser ganze Prozeß hat eine unglaubliche Eigendynamik bekommen und wir haben uns zwei Jahre lang im Proberaum eingeschlossen, bis die Platte fertig war.
Danach haben wir wieder im "Roko Studio" die Platte aufgenommen, wobei wir dieses Mal sechs Monate Studiozeit zur Verfügung hatten. Daher war es uns auch möglich, im Studio manche Sachen umzuarrangieren, was zuvor nie möglich gewesen war. In Sachen Plattenvertrag hatten wir das Glück, daß uns unser französisches Label NTS die Treue gehalten hat. Sie entschlossen sich dann die Platte europaweit zu veröffentlichen und für jedes Land einen eigenen Vertriebspartner zu suchen. So erschien dann endlich »Ultima Ratio«.

War »Younique« im Nachhinein gesehen ein Fehler?

Ja und nein. Kommerziell gesehen war »Younique« ein Flop, so daß es für unser Vorankommen auf der Karriereleiter ein Fehler war. Für die musikalische Entwicklung und das kreative Zusammenarbeiten der Band war die Platte sehr gut. Wir sind immer noch sehr stolz darauf, daß wir eine Scheibe gemacht haben, über die überall in Extremen diskutiert wurde. Allerdings sind wir uns ebenso darüber bewußt, daß wir viele Fans mit der Platte verschreckt haben, weil sie von SUPERIOR etwas völlig anderes erwartet haben. Wir hatten gehofft, daß die Platte besser angenommen würde, aber uns war schon während der Aufnahmen bewußt, daß der Schuß völlig nach hinten losgehen könne. Aber es ist nun mal eine Tatsache, daß es in der Band extrem unterschiedliche Musikgeschmäcker gibt, die wir miteinander verbinden wollten. Man könnte fast sagen, daß »Younique« die Solowerke aller SUPERIOR-Musiker enthält, die auf einer Platte zusammengefaßt wurden. Der beste Vergleich, den ich zu »Younique« gehört habe, besagte, daß es ein Sampler mit zehn verschiedenen Bands sei, die zufällig den gleichen Sänger haben. Jeder hat seine Songs zu Hause fertiggestellt und im Proberaum wurden sie einfach nur noch einstudiert, während wir auf »Behind« alle Songs zusammen im Proberaum entwickelt haben. Für »Ultima Ratio« wollten wir wieder zu dieser Arbeitsweise zurückkehren.

Versuch' doch bitte, das Konzept von »Ultima Ratio« in Worte zu fassen.

Vordergründig ist es ein moderner Thriller, der sich um Religionswahn dreht. Wir geben dabei keine Wertung über Religionen ab, sondern wir schildern in einer fiktiven Story in etwas übersteigerter Form, was in unserer Zeit, in der sehr viel Orientierungslosigkeit herrscht, passieren kann, wenn eine Person - egal ob Politiker oder Religionsführer - auftaucht, die einen Weg vorgibt - ganz gleich wie fragwürdig dieser ist. Die Jahrhunderte haben uns gelehrt, daß Menschen für Manipulationen anfällig sind und daß Religion häufig mißbraucht wurde.
Es dreht sich um einen jungen Mann, der eine unglaubliche Aura hat und bald feststellt, daß er damit eine Menge bewegen kann. Er beschließt aus einer Laune heraus, Menschen um sich zu scharen und bald entsteht eine kleine Bewegung, die sich nach und nach zu einer großen Religion entwickelt. Das gesamte Konzept ist gespickt mit Stories um Liebe, Haß, Gewalt und so weiter - alle Elemente, die auch in einem Film sehr wichtig sind und die wir musikalisch hervorragend umsetzen konnten. Im Grunde verbirgt sich hinter allem eine sehr eigenwillige Interpretation des Neuen Testaments. Wenn man den Weg, den das Christentum genommen hat, in die heutige Zeit transferiert, könnte man bei »Ultima Ratio« landen.
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß die Geschichte bereits vor dem 11. September des letzten Jahres gestanden hat. Wir hatten nach jenem Tag kurz überlegt, ob wir alles abblasen sollen, weil wir nicht wie Wellenreiter wirken wollten. Aber letztendlich kamen wir zu dem Entschluß, daß es keinen geeigneteren Zeitpunkt geben könne, um die Geschichte von »Ultima Ratio« umzusetzen.

Wer hat den Hauptplot für die Geschichte entwickelt?

Im Grunde haben Bernd, Martin, Thomas und ich die Geschichte entwickelt, während wir Jan ganz bewußt als beobachtenden Kritiker genutzt haben. Michael war das ausführende Organ der Story.

Inwiefern hatte »Operation: Mindcrime« Vorbildcharakter?

Es kamen mehrere Dinge zusammen: Zum einen war es schon immer unser Traum, ein Konzeptalbum zu verwirklichen. Zum anderen sind wir alle Filmfreaks und das Thema "Religion" lang der Band schon immer sehr nahe. Außerdem steht es völlig außer Frage, daß »Operation: Mindcrime« für uns alle eine der größten Platten aller Zeiten ist. Es war uns bewußt, daß es unmöglich sein würde, unser Konzept völlig ohne Parallelen zu QUEENSRYCHEs Werk zu gestalten. Schließlich ist diese Platte ein Teil unserer Erlebniswelt und unserer Emotionen geworden und wir wollten uns nicht gefühlsmäßig völlig ausknipsen. Eine Zeitlang haben wir versucht, diese Parallelen bewußt zu umgehen, aber es wirkte dann zu angestrengt und hat folglich nicht richtig funktioniert. Also haben wir diese Ähnlichkeiten einfach zugelassen, zumal wir uns musikalisch in einer anderen Welt bewegen.

Und George Orwells "1984" hat sicherlich ebenfalls eine Rolle gespielt, oder?

Ich verehre dieses Buch, aber es war kein Hauptmotiv, sondern hat allenfalls hintergründig eine Rolle gespielt.

Zusätzlich zur Konzeptstory habt Ihr auch ein sehr aufwendiges Booklet für »Ultima Ratio« gestaltet.

Es war von vorneherein geplant, das Konzept ins Layout und das Booklet mit einfließen zu lassen. Da unser Gitarrist Bernd mittlerweile hauptberuflich als Layouter, Grafik- und Webdesigner arbeitet, hat er unsere Ideen umgesetzt. Wir wollten, daß das Booklet wie eine Dokumentation des Konzepts ausfällt.

Welchen Filmemacher würdet Ihr beauftragen, »Ultima Ratio« zu verfilmen?

Eine schwere Frage, denn wir verehren ganz verschiedene Filmemacher: Wir mögen ebenso abgedrehte Sachen von Tarantino wie bombastische Filme von Ford Francis Coppola. Hauptsächlich mögen wir sehr stimmungsvolle Filme mit entsprechender Musik. Ich glaube, unser Wunschkandidat wäre David Fincher, der "Sieben", "Fight Club" und "The Game" gemacht hat.

Welche Ideen habt Ihr, um »Ultima Ratio« auf die Bühne zu bringen?

Wir haben mit unserer Plattenfirma besprochen, was finanziell machbar ist. Zum einen sind sie auf der Suche nach einer Tour, auf die wir draufspringen können. Aber es existiert auch der Gedanke, auf eigene Faust loszuziehen und zweieinhalbstündige Shows an ausgewählten Orten zu spielen. Die Zukunft wird zeigen, was möglich sein wird. Auf jeden Fall werden wir in Paris im "Elysée Montmartre" eine großangelegte Show spielen, die mittels Bühnenbild und Animationen so ausfallen soll, wie der besagte Film aussehen würde - natürlich auf die Möglichkeiten eines Liveclubs angepaßt. Wichtig ist natürlich, daß dabei das Livefeeling nicht verlorengeht.

Und dort wird dann eine DVD mitgeschnitten?

Im digitalen Zeitalter ist diesbezüglich natürlich alles möglich. Allerdings würde ich vorrangig lieber eine Liveplatte machen, da wir die Erfahrung gemacht haben, daß die Kluft zu den »Younique«-Songs weitaus geringer ist, wenn sie gemeinsam mit den anderen Songs in ein Livekonzert eingebettet ist und die Akzeptanz seitens der Fans dann deutlich höher ist.
Allerdings kann ich ebenso sagen, daß wir Kontakt zu drei Filmstudenten von der Kölner Uni haben, die »Ultima Ratio« gerne als halbstündigen Kurzfilm umsetzen wollten und dabei natürlich auch von der Musik verwenden wollen. Noch gibt es diesbezüglich keine konkreten Pläne, aber wir haben mit ihnen über diese Möglichkeit gesprochen. Wir überlegen momentan, die Songs zu Filmmusik umzuarrangieren.
Außerdem gibt es auch die »Ultima Ratio«-Internetseite, auf der die komplette Story ganz ausführlich zu finden ist, die wir auf der CD natürlich nur in Auszügen verwenden konnten. Zudem wird auf dieser Seite die Geschichte noch weiterentwickelt und wir überlegen, diese dann als Hörspiel zu verwirklichen.
Es gibt viele verschiedene Ideen, die beweisen, daß das »Ultima Ratio«-Konzept noch längst nicht komplett ausgereizt ist. Die Zukunft wird zeigen, was sich unterm Strich verwirklichen läßt.

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Wir haben viel über die Gegenwart gesprochen. Wollen wir uns jetzt doch mal der Vergangenheit zuwenden: Ihr habt neulich unter dem Titel »Ancient Tapes« sämtliche alten Demos sowie einige Liveaufnahmen aus jener Zeit mittels CD-R veröffentlicht. Warum seid Ihr fast zehn Jahre später auf diesen Trichter gekommen?

Wir werden ständig bei Konzerten darauf angesprochen, daß es schade ist, daß diese Lieder in keiner Form mehr erhältlich sind. Also haben wir uns dazu entschlossen, alle Songs gebündelt als CD-R zu veröffentlichen. Es war zudem eine legitime Möglichkeit, unser arg gebeuteltes Bandkonto wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Wie haben uns nämlich alle privat bis ans finanzielle Limit bei der Geschichte eingebracht. Auch unsere Plattenfirma hat weitaus mehr Geld als geplant zugeschossen. Irgendwann waren wir an dem Punkt, daß wir Equipment brauchten, um die Songs live spielen zu können, aber wir hatten keinerlei finanzielle Reserven. So haben uns die »Ancient Tapes« geholfen, den festgefahrenen Kutter wieder flottzumachen und die Fans haben endlich das bekommen, worum sie schon immer gebeten haben. Zudem ist es eine Dokumentation unserer Vergangenheit.

Was kann man von SUPERIOR musikalisch in Zukunft erwarten. Muß man mit einem ähnlichen Keulenschlag rechnen wie bei »Younique«?

Nein, denn unsere Musik haben wir mit »Ultima Ratio« definitiv gefunden! Außerdem gibt es noch Material, das nicht mehr auf »Ultima Ratio« gepaßt hat, das sicherlich auf der nächsten Platte erscheinen wird. Wir sind allerdings sicher, daß das nächste Album kein Konzeptalbum wird.

»Ultima Ratio - Episode 2« wird also erst in zehn Jahren erscheinen, richtig?

Ja, ganz genau. [lacht]

http://www.meet-superior.de/

Vorbereitung, Interviews & Bearbeitung:
Stefan Glas

SUPERIOR (D, Kaiserslautern) im Überblick:
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – Ancient Tapes (Do It Yourself-Review von 2003)
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – Ultima Ratio (Rundling-Review von 2002)
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – UNDERGROUND EMPIRE 1-Interview
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Shirt Story"-Artikel
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – METAL HAMMER 13-14/90-"Living Underground"-Artikel
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – Y-FILES »UE«-"Living Underground"-Artikel
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SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – ONLINE EMPIRE 5-"Shirt Story"-Artikel
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – ONLINE EMPIRE 10-"Living Underground"-Artikel
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – ONLINE EMPIRE 13-Interview
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – ONLINE EMPIRE 48-"Living Underground"-Artikel
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – ONLINE EMPIRE 51-"Eye 2 I"-Artikel: »Moral Alliance - Live«
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 01.06.1990
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 24.10.2002
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 08.09.2008
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 24.09.2008
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 26.08.2009
SUPERIOR (D, Kaiserslautern) – News vom 30.11.2009
Playlist: SUPERIOR (D, Kaiserslautern)-Album »Bright As Night (Demotrack '90)« in "Playlist Metal Hammer 21-22/90" auf Platz 2 von Stefan Glas
Playlist: SUPERIOR (D, Kaiserslautern)-Liveshow Kaiserslautern, Kammgarn 18.12.2009 in "Jahrescharts 2009" auf Platz 5 von Stefan Glas
siehe auch: SUPERIOR auf dem Cover von UNDERGROUND EMPIRE 1
andere Projekte des beteiligten Musikers Bernd Basmer:
BACKTRACK (D) – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Shirt Story"-Artikel
CARISSA – News vom 06.03.2008
KOMA (D) – News vom 24.10.2002
RED RAVEN – Chapter Two: Digihell (Rundling-Review von 2017)
RED RAVEN – News vom 08.11.2014
andere Projekte des beteiligten Musikers Jan-Marco Becker:
BACKTRACK (D) – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Shirt Story"-Artikel
andere Projekte des beteiligten Musikers Michael Müller [I]:
Playlist: ASGARD (D, Kaiserslautern)-Album »Time To Go (Demosong '84)« in "Playlist Metal Hammer 02/91" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: ASGARD (D, Kaiserslautern)-Album »Time To Go (Demosong '84)« in "Playlist Metal Hammer 23-24/90" auf Platz 1 von Stefan Glas
KOMA (D) – News vom 24.10.2002
andere Projekte des beteiligten Musikers Martin Reichhart:
KOMA (D) – News vom 24.10.2002
RED RAVEN – Chapter Two: Digihell (Rundling-Review von 2017)
RED RAVEN – News vom 26.07.2012
RED RAVEN – News vom 08.11.2014
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