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THUNDERMOTHER-Bandphoto 1

Mit »Road Fever« bekommen wir dieser Tage ein fettes Rock'n'Roll-Brett aufgetischt, das auf Anhieb für beste Laune sorgt. Überzeugen kann die Scheibe jedoch nicht nur durch rohes und griffiges Material, auch die dreckige Gesangsdarbietung des All-Girl-Quintetts THUNDERMOTHER weiß zu gefallen.
Dabei war es Gründerin und Gitarristin Filippa Nässil überhaupt nicht wichtig, sich ausschließlich Mädels für ihre Formation zu suchen. Doch dazu später mehr, zunächst wurden wir in Form einer Kurzfassung über ihre eigentliche Intention sowie die Bandgeschichte informiert.

Ich wurde offenbar irgendwann mal in frühester Jugend vom sogenannten Rock-Virus befallen, und seit diesem Zeitpunkt schwebte mir vor, eines Tages selbst eine Band zu gründen. Als ich dann erste Songs auf meiner Gitarre geschrieben hatte und mich immer stärker darum bemühte, meinen Traum einer Rock-Band zu verwirklichen, mußte ich feststellen, daß ich damit in meiner Heimat in Südschweden nicht viel reißen würde. Deshalb faßte ich den Entschluß, mich in Stockholm niederzulassen, um dort mein Glück zu versuchen und THUNDERMOTHER aus der Taufe zu heben. Wie auch immer das zu schaffen war, wußte ich zwar nicht, der Name für das Unternehmen war mir aber schon zuvor klar.

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Eine sehr ähnliche Idee hatte zu diesem Zeitpunkt offenbar auch noch einige andere Menschen, stimmt's?

[Lacht] Ja, da war mir das Glück hold! Das wirklich sensationelle für mich in Stockholm war, daß ich innerhalb ganz kurzer Zeit viele Musiker kennenlernen konnte, unter anderem eben Giorgia Carteri. Wir verstanden uns auf Anhieb, nicht zuletzt, weil wir mit derselben Absicht unsere Heimat verlassen hatten. Noch beeindruckender war für mich jedoch, daß Giorgia von Italien aus loszog, um hier Anschluß an eine Rock-Band zu finden. Da gehört einiges dazu!
Zwar dauerte es noch eine gewisse Zeit bis wir das endgültige Line-up zusammenstellen konnten, an THUNDERMOTHER-Songs haben wir aber schon damals gebastelt. Sehr hilfreich dafür waren auch diverse Rock-Clubs hier in der Gegend. Dort läßt es sich nämlich nicht nur fein abhängen, sondern durchaus auch fokussiert arbeiten. So kamen wir schlußendlich auch mit unserer Sängerin Clare Cunningham in Kontakt, die sich von Irland über England nach Stockholm aufmachte, um zu rocken. Das muß sich erst einmal vorstellen: Clare war mit ihrem Freund von Irland nach England übersiedelt, war mit ihm zusammen in ein feines Häuschen eingezogen. Alles wunderbar, doch dann packte sie der Rock-Traum, und weg war sie! Mir war sofort klar, daß wir auch sie dabei haben mußten. So eine Story ist einfach ein Wahnsinn!

Fehlte nur noch die Rhythmusfraktion, für die Ihr Tilda Stenqvist (Drums) und Linda Ström (Baß) rekrutieren konnten. Somit war die "All-Girl-Band" komplett. War es denn Dein Ziel, ausschließlich Mädels für die Formation zu gewinnen?

Nein, überhaupt nicht! Das hat sich tatsächlich rein zufällig ergeben. Gerade in der Anfangszeit hatten wir nämlich auch einige Burschen im Line-up, doch deren Auffassung vom Betreiben einer Rock-Band war mitunter eine völlig andere als meine.

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Den Umstand vorwiegend männliche Fans zu beeindrucken, selbstredend auch aus der Szene selbst, führst aber nicht einzig auf die Musik zurück, oder?

Mir ist schon klar, daß es für manches Männlein immer noch etwas Besonderes sein dürfte, wenn fünf Mädels auf der Bühne stehen und ihm den Hintern wegrocken. Der Großteil des Feedbacks, das wir bislang erhalten haben, beschränkte sich jedoch sehr wohl auf die Songs selbst. Aber auch auf die Energie, die wir auf der Bühne offenbar freisetzen können. Also bitte - diesbezüglich ist es wohl völlig egal, daß wir weiblich sind. Wir würden uns aber noch nicht einmal für Photo-Sessions dazu überreden zu lassen in, sagen wir mal, "finanzträchtigere" Outfits zu schlüpfen. Uns gibt es einfach nur so wie wir sind, und das immer und überall. Wir sind geboren für den Rock'n'Roll und der kennt keine Geschlechtertrennung!

Mir sind beim Hören mehrfach GIRLSCHOOL als Vergleich in den Sinn gekommen. Inwiefern haben Euch die "Mütter" aller hart rockenden All-Girl-Truppen denn beeinflußt?

Ich muß zwar zugeben, die musikalischen Vergleiche inzwischen durchaus nachvollziehen zu können, doch bis vor kurzer Zeit war mir diese Band nur dem Namen nach bekannt. Ich besitze noch nicht einmal eine Scheibe von GIRLSCHOOL! Dennoch haben wir uns durchaus an jener Phase orientiert, als diese Band ihre ersten Alben veröffentlicht hat.

Interessant. Verrätst Du etwas über Deine beziehungsweise Eure musikalischen Vorlieben?

Das sind zwar zu viele um hier loszulegen, aber in Kurzform kann man wohl auch sage: "Alles was rockt!". Aber wirklich rockt, meine ich. Auch meine Vinyl-Sammlung läßt sich grundsätzlich auf diesen Terminus reduzieren. Allerdings kann durchaus rare und unbekannte Bands bei mir im Archiv finden. Ich hab' beispielsweise ein Faible für die deutschen BULLET, die längst Geschichte sind und wohl nur noch einigen Szenekennern ein Begriff sein werden.

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Dadurch läßt sich auch Eure Vorliebe für einen zwar reduzierten, aber dennoch effektiven Sound erklären, oder etwa nicht?

Jawohl! Nicht nur beim Komponieren, auch was die Aufnahmen betrifft, haben wir Wert darauf gelegt, ein möglichst authentisches Rock-Feeling entstehen zu lassen. So etwas geht meiner Meinung nach mit moderner Produktionstechnik aber nicht. Da lasse ich mir nichts vormachen! Deshalb habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, mich an den Aufnahmen im Stockholmer "Cobra Studio" selbst zu beteiligen. Es war einfach wunderbar, mit aus den 70ern und frühen 80ern stammenden Instrumenten zu arbeiten und unsere Ideen umsetzen zu können. Nicht zuletzt deshalb ist »Road Fever« ein Rockalbum ganz nach meinem Geschmack geworden, und zwar in jeder Weise!

http://www.thundermother.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Fredrik Danielsson [Photo 1], Stephansdotter Photography [Photo 2], Philip Truong [Photo 3]

THUNDERMOTHER im Überblick:
THUNDERMOTHER – Black And Gold (Rundling-Review von 2022)
THUNDERMOTHER – Heat Wave (Rundling-Review von 2020)
THUNDERMOTHER – Heat Wave (Deluxe Edition) (Rundling-Review von 2021)
THUNDERMOTHER – Road Fever (Rundling-Review von 2015)
THUNDERMOTHER – Thundermother (Rundling-Review von 2018)
THUNDERMOTHER – ONLINE EMPIRE 65-Interview
THUNDERMOTHER – News vom 02.04.2015
THUNDERMOTHER – News vom 28.01.2017
THUNDERMOTHER – News vom 31.03.2017
THUNDERMOTHER – News vom 17.04.2017
THUNDERMOTHER – News vom 19.04.2019
THUNDERMOTHER – News vom 18.05.2019
THUNDERMOTHER – News vom 16.09.2021
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