UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Underground Empire 7 → Rubriken-Übersicht → ''Über-, Ein-, Durchblick''-Artikel-Übersicht → URBAN WARFARE PRODUCTIONS-''Über-, Ein-, Durchblick''-Artikel last update: 05.11.2020, 18:45:40  

”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  URBAN WARFARE PRODUCTIONS-''Über-, Ein-, Durchblick''-Artikel

Date:  13.10.1992 (created), 07.03.2015 (revisited), 03.10.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

URBAN WARFARE PRODUCTIONS ist schon längst nicht mehr aktiv, und mir ist auch nicht bekannt, wann Gerry den Betrieb einstellte. Auf alle Fälle hatte er mir über die Jahre einige interessante Bands zukommen lassen. Außerdem half diese Story, die in der Abteilung "Ein-, Über-, Durchblick" plaziert wurde, den Ideenreichtum im Underground zu beleuchten.

Wie man sieht, ist das URBAN WARFARE PRODUCTIONS-Logo etwas wellig, was allerdings an der Originalvorlage lag. Heuer habe ich lediglich den äußeren Rahmen rechtwinklig und halbwegs gleichmäßig nachretouchiert, so daß dieser "Geburtsfehler" hoffentlich nicht mehr ganz so stark ins Auge sticht.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Überblick/Einblick/Durchblick-Logo 1 Überblick/Einblick/Durchblick-Logo 2

URBAN WARFARE PRODUCTIONS-Logo

Auch eine Organisation aus Übersee from the US of A soll in der "Über-, Ein-, Durchblick"-Serie des aktuellen UNDERGROUND EMPIRE vorgestellt werden. Es geht um URBAN WARFARE PRODUCTIONS, eine Organisation, die von Gerry Saracco gegründet und geleitet wird. Mehr will ich nicht vorwegnehmen, sondern es Gerry überlassen, URBAN WARFARE PRODUCTIONS vorzustellen.

Wann und wie kam Dir die Idee, URBAN WARFARE PRODUCTIONS aufzuziehen?

URBAN WARFARE PRODUCTIONS startete offiziell als ich Kontakt zu der All-Female-Thrash-Band BEDLAM bekam. Sie wußten ein wenig von der Underground-Szene, und so entschloß ich mich, ihnen zu helfen. Ich machte damals eine Menge Fehler, aber es half mir, viele zuverlässige Kontakte zu knüpfen. Das war etwa im Sommer 1991. Im Sommer 1992 bekam ich Kontakt zu CENTURY MEDIA RECORDS. Einer der Angestellten schlug mir vor, ich sollte anfangen, Publicity für Bands machen, so wie er das auch tat. Als CENTURY MEDIA ihr New Yorker Büro schlossen (und mir nicht die 200 Dollar zahlten, die sie mir für Transportkosten noch schuldeten!), kopierte ich ihre Liste mit Magazinen und Fanzines, und so war ich endlich bereit loszulegen.

Was machst Du mit URBAN WARFARE PRODUCTIONS genau für die Bands?

URBAN WARFARE PRODUCTIONS hat eigentlich zwei Abteilungen. Ursprünglich wollte ich einen Vertrieb aufbauen. Ich hatte einige gute Bands an der Hand (beispielsweise BEDLAM, VISIONARY oder DESADE), aber irgendwie führte das nirgendwohin. Also hörte ich auf, als Vertrieb für amerikanische Bands zu arbeiten. Für amerikanische Bands mache ich und meine Partner Publicity. Es ist also das gleiche, was Promoter von Plattenfirmen tun. Wir helfen amerikanischen Bands, Fanzines zu erreichen, von denen wir fühlen, daß sie ihre Musik mögen. Viele Bands schicken ihre Tapes einfach zu den falschen Zines und kriegen postwendend Verrisse. Das ist eine Verschwendung von guten Tapes und Portokosten. Für eine Gebühr schicke ich und meine Partner das Material der Bands zu den passenden zuverlässigen Fanzines, sammeln dann die Besprechungen und erstellen eine Pressemappe. Wir arbeiten auch in geringem Umfang mit Radiostationen zusammen (hauptsächlich in Übersee), aber gerade auf diesem Sektor ist es sehr schwer. Ich kenne über 350 Fanzines weltweit, und ich weiß, daß es noch Tausende andere gibt! Der Underground ist so unüberschaubar, und es ist unmöglich, alles abzudecken! Wir helfen den Bands ebenso dabei, Vertriebe in Europa und Japan zu finden, sofern dazu eine Möglichkeit besteht.

Ich weiß, daß Du beispielsweise für VISIONARY, DESADE oder WINTERS BANE arbeitest. Wie wählst Du die Bands aus, mit denen Du zusammenarbeitest?

Hmm, wie ich schon sagte, sind VISIONARY und DESADE Teile meiner früheren Versuche, einen Vertrieb aufzubauen. Im Grunde arbeite ich nun nicht mehr für sie, außer, daß ich noch die Tapes verkaufe, die ich hier habe. WINTERS BANE gab mir ein anderer Promoter ab, und ich war sehr froh darüber. Primär suchen ich und meine Partner nach Bands, bei denen wir das Gefühl haben, daß wir ihnen helfen können. Natürlich muß ich zuerst die Musik einer Band gehört haben, um herauszufinden, wie weit ich eine Band pushen kann. Wenn ich eine Band nicht total mag, arbeite ich nicht für sie. Ich denke nämlich, daß es nicht fair ist, Geld von Bands zu nehmen und dann nicht 100 Prozent zu geben. Den Bands, die ich wirklich mag, unterbreite ich ein Angebot. Wir verhandeln über die Vergütung, Länge der Zusammenarbeit, usw. und unterzeichnen darüber einen Vertrag. Meine Klienten senden mir jeden Monat meine Gebühr, Demos plus Infos, etc., welche ich dann an Zines verschicke. Alle zwei bis drei Wochen schicke ich den Bands eine Aufstellung, welche Fanzines ich angeschrieben habe und informiere sie über Resonanzen. Ich versuche ebenso, für Bands Interviews mit verschiedenen Zines zu arrangieren. Hauptsächlich versuchen wir, Bands zu finden, die in eine der folgenden Kategorien passen: 1.) Bands, die kaum oder keinen Umgang mit dem Underground haben oder 2.) Bands, die so viel Post haben, daß sie Hilfe brauchen, so daß sie sich auf ihre Fans konzentrieren können. Wir hoffen natürlich, daß unsere Bemühungen einer Band helfen, einen Vertrag zu kriegen. Da wir unsere Gebühren ziemlich niedrig halten, hoffen wir, daß uns eine Band auch treubleibt, nachdem sie unter Vertrag sind. Da wir der Band dann ja schon geholfen haben, wissen sie, daß wir zuverlässig sind. Manche Promoter pushen nicht jede Band gleich stark. Das kann den Bands schaden, und ich denke, daß so was eine Schande ist!

Du arbeitest auch mit europäischen Bands wie beispielsweise MEGORA. Wie hat das angefangen? Was tust Du für diese Bands? Nur Vertrieb oder mehr?

Mit MEGORA bin ich auf Umwegen in Kontakt gekommen. Ein Kontakt in Neuseeland bot mir fünf Demos von MEGORA an, die er nicht mehr absetzen konnte. So habe ich die fünf Demos genommen, konnte sie aber bislang noch nicht alle verkaufen. Als ich feststellte, daß es nicht funktionierte, einen Vertrieb für amerikanische Bands aufzuziehen, beschloß ich, die Sache von einer anderen Seite anzupacken. In Deutschland gibt es eine Menge Vertriebe, und alle laufen recht gut. In Amerika gibt es nur wenige. Amerikaner sind nicht so open-minded der Musik gegenüber wie die meisten Europäer, die ich kenne. Ich beschloß also, Demos von Bands aus Übersee in Amerika zu verkaufen. Mein Freund Andy Siry schlug mir vor, daß ich Cover kaufe und dann eigene Tapekopien mache. Wir probierten es mit DARK MILLENNIUM aus, und schon bald wurde es die Standardvorgehensweise. Es läuft also folgendermaßen ab: Ich kriege Demos von Bands, die ich mir anhöre. Wenn ich sie mag, kaufe ich gewöhnlich zehn Cover für je 1 US-Dollar, plus etwa zehn Stück, um die Band zu promoten. Außerdem schickt mir die Band ein Mastertape. Ich kaufe Leerkassetten und ziehe selbst die Kopien. Das ermöglicht zwei Dinge: 1.) die Bands sparen Portokosten und 2.) ich kann die Preise niedrig halten, bei etwa 4 Dollar bis 5 Dollar. Ich probiere immer, die Preise niedrig zu halten, so daß eventuell mehr Leute sich ein Demo kaufen. Im Moment arbeite ich großteils mit Death Metal-Bands, weil sich diese Demos derzeit am besten verkaufen. Da ich jedoch nicht viel Death Metal höre, bin ich sehr wählerisch und arbeite nur mit Bands, die sehr gut sind. Im Moment stehen folgende Bands in meiner Liste: AGONIZE (Dänemark), CONCRETE SLEEP (Schweden), DARK MILLENNIUM (Deutschland), DARK PHASE (Türkei) und TEMPERANCE (Schweden). Ich arbeite derzeit auch an einem Deal mit PICOROCCO RECORDS aus Chile. Ich würde ebenfalls gerne mit europäischen Bands arbeiten, die so wie PRONG, HELMET oder verschiedene Seattle-Bands klingen. Wenn eine europäische Band uns anheuern möchte, damit wir sie in den USA promoten, dann wäre das echt cool!

Was muß also eine Band tun, wenn sie will, daß Ihr in den Staaten aktiv für sie werdet?

Amerikanische Bands brauchen nur an einen von uns dreien zu schreiben. Europäische Bands, die URBAN WARFARE abchecken wollen, müssen mich anschreiben. Alles weitere habe ich hoffentlich ausführlich genug in den vorhergehenden Fragen erläutert.

Somit wäre die Vorstellung hoffentlich rundum komplett. Vielleicht wäre es ja für die ein oder andere Band eine Möglichkeit, ihren Namen in den Staaten etwas unter's Volk zu mischen. Wie effektiv URBAN WARFARE PRODUCTIONS arbeiten, kann ich natürlich nicht sagen, aber in der derzeitigen Situation muß man einfach mal Sachen ausprobieren, in der Hoffnung, daß sie fruchten. Ich kann zumindest versichern, daß Gerry einer der "postaktivsten" Typen ist, die ich kenne, und daher glaube ich wirklich, daß er alles versucht, was er kann. Antesten - was hat man schon zu verlieren?

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

© 1989-2020 Underground Empire


Where am I? What is this place? A few details about the history of the magazine you just stranded in:
Button: here