UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  VANIZE-Interview

Date:  14.05.1994 (created), 10.02.2015 (revisited), 01.03.2015 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich in der Wohnung von einem der VANIZE-Musiker in Wuppertal einfand, um die Band zu interviewen; zuvor hatte ich mir übrigens noch ein kurzes Fährtchen mit der Wuppertaler Schwebebahn gegönnt. :-) Ich hatte mich damals einige Tage im Ruhrpott aufgehalten und die Gelegenheit genutzt, um die Band face-to-face zu interviewen.

Ansonsten handelt es sich hierbei um eines der vielen "zweiteiligen" Interviews in UNDERGROUND EMPIRE 7: Aufgrund der langen Ausbrütungsdauer dieser Ausgabe, mußten einige Stories einfach nochmal aufgefrischt werden, um nicht wie Schnee von gestern dazustehen. Doch immerhin war dies eine gute Möglichkeit, die Stories zu retten, denn es wäre wahrlich schade gewesen, wenn man sie hätte über Bord werfen müssen - dann hätte UNDERGROUND EMPIRE 7 ja gar kein Telephonbuchformat angenommen... ;-)

Das oben bei "created" angegebene Datum bezeichnet übrigens den Tag, an dem der Text fertiggestellt wurde. Die erste Version des Interviews stammt vom 14. März 1993; wann ich allerdings die Band besucht und interviewt hatte, weiß ich nicht mehr genau.

VANIZE sollten in den kommenden Jahren sehr aktiv sein, auch wenn sie den Durchbruch nie schafften. Das in der Story erwähnte neue Label, das den Namen CHEERIO RECORDS trug, ging leider sehr schnell in die Knie, doch VANIZE sollten in der Folgezeit die Unterstützung durch Udo Dirkschneiders BREAKER RECORDS erhalten, das mit dem NUCLEAR BLAST-Label paktierte. Diese beiden Scheiben haben wir allesamt reviewt, die entsprechenden Links findet Ihr unten in der Übersichtsbox.

In dieser Zeit stieß auch irgendwann Rolf Munkes als Gitarrist zur Band, den wir später auch bei MAJESTY oder seinem eigenen EMPIRE-Projekt erleben konnten. VANIZE waren auch an der Livefront durchaus gut vertreten und auch gelegentlich im Vorprogramm von U.D.O. zu bewundern. Doch trotz aller Bemühungen war es damals einfach nicht die richtige Zeit für handgemachten Riff-Metal aus deutschen Landen - womit wir wieder bei der Einleitung der Story wären.

Daher sollte einige Zeit kaum etwas von der Band zu hören sein, bevor man dann wieder erwachte. Mit dem zurückgekehrten Gitarristduo Markus Becker und Carsten Herdecke veröffentlichte die Band 2006 auf eigene Kappe eine neue CD namens »Raw«. Diese sollte allerdings auch nicht den gewünschten Erfolg einstreichen, so daß es nach und nach stiller um die Band wurde. 2010 konnten wir nochmal eine Nachricht von der Homepage aufklauben, aber man kann wohl davon ausgehen, daß die Band sich mittlerweile aufgelöst hat, auch wenn nie eine entsprechende offizielle Nachricht publiziert wurde.

Natürlich möchte ich an dieser Stelle das - wen interessiert's, daß Eigenlob angeblich stinken soll..? - unglaubliche Design des Interviewtitels im gedruckten Heft erwähnen. Die Band selbst hatte ja das Stichwort im Verlauf des Interviews gegeben - und drohte mir umgehend Schläge an, wenn ich eben jenes "Killing Nightingales" zum Interviewtitel erheben würde. Logo, daß ich da besonders tief in die Trickkiste greifen mußte: Also suchte ich mir eine peppige Schrift, stellte diese mittels CorelDraw dreidimensional dar und füllte sie dann noch mit mehreren Verlaufsrastern. Der Weißanteil von selbigen wurde dann beim Druck mit Farbe aufgefüllt (in der ersten Auflage von UNDERGROUND EMPIRE 7 analog zum Cover des '93er VANIZE-Demos und später auch des »Twins?«-Covers mit Cyan, in der zweiten Auflage mit Magenta), so daß das Endergebnis richtig opulent aussah. Heute mag als vielleicht diverse Webformulare geben, die nach der Eingabe der Worte "Killing Nightingales" in Millisekundenschnelle etwa 100 ähnliche Designs raushauen, aber damals bedeutete das technischen Maximalaufwand. Und außerdem sieht es derart klasse aus, daß wir es als Abschluß der Story abbilden mußten - ganz gleich, ob es dann wirklich anfängt, etwas streng zu müffeln...

Apropos Farbe: Zudem sollten noch das Logo - will heißen der Schriftzug plus die Masken - teilweise eingefärbt werden, und wir ließen auch die Augen farbschillernd aufblitzen, was besonders mit der Magentafärbung cool aussah. Auch hiermit wollten wir den Effekt des Democovers nachempfinden, obwohl es hier nur einfarbig möglich war. Allerdings wurde das "Augengimmick" im Verlauf des Druckvorgangs mittels Löschstift eliminiert. Dies hatten wir bei einigen anderen Farbeffekten ebenso gemacht, um aus den UE-Printerzeugnissen soweit wie möglich zu Individuen zu machen. Besitzer der gedruckten Ausgabe können ja mal schauen, welche Familienmerkmale ihr Sprößling hat.

Darüber hinaus wollten wir das Logo noch ein zweites Mal verwenden: Die reinen Buchstaben des Logos - also ohne die Masken - sollten auf der zweiten Seite des Interviews hinter den Text gelegt werden. So sieht zumindest meine alte Satzdatei aus, doch im gedruckten Resultat ist es nicht zu sehen. Ich habe nicht den blassesten Schummer, wie und wo es auf dem Weg von meinem PC über das Belichtungsstudio zur Druckerei verschwunden ist.

Auch phototechnisch bilden wir in der Onlineversion beide Besetzungen der Band ab, obgleich im gedruckten Heft lediglich das Photo mit der neuen Besetzung vor Andrés Drumset abgedruckt war. Allerdings hat uns Archiv noch ein Photo der Demobesetzung, die während des ersten Interviewtermins noch aktiv war, ausgespuckt, das heuer - ganz im Sinne der Chronologie - die Story eröffnet. Zudem haben wir nun noch jene Singleshot ausgepackt, die seinerzeit zusammen mit dem Erstling »Twins?« verschickt wurden. Zur Abrundung der Story war André so freundlich und hat uns aus seinem Archiv ein weiteres Bandphoto aus seinen VANIZE-Tagen zur Verfügung gestellt. Danke dafür, alte Socke!

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

VANIZE-Logo

Traditioneller Metal war in den letzten ein, zwei Jahren absolut nicht angesagt. Jedoch könnte diese Stilrichtung schon bald wieder eine verstärkte Beachtung erhalten, da es mittlerweile wieder etliche Bands gibt, die diesem Stil mit Bravour neues Leben einhauchen. Perfektes Beispiel dafür sind VANIZE, die mich mit ihren beiden Tapes schwer beeindruckt haben. So trudelte ich also eines Tages irgendwo in Wuppertal im Wohnzimmer von VANIZE-Basser Marcus Bielenberg ein, wo mich außerdem Sänger Peter Dirkschneider und Gitarrist Markus Becker erwarteten. Drummer Pierre Fienhold hatte gerade seinen Bandurlaub genommen. Stattdessen beteiligte sich Marcus' Katze rege am Interview, indem sie das Mikro mit einer Maus verwechselte und mal kräftig annagte.

VANIZE-Headline

VANIZE sind aus DANTON hervorgegangen, wo Peter gesungen hatte und bei denen Marcus nach Aufnahme der »Way Of Destiny«-Scheibe eingestiegen war. Wie führte der Weg von DANTON zu VANIZE?

Peter: Bei DANTON hatten sich Grüppchen gebildet. Wir wollten nach der Platte mit zwei Gitarristen weiterarbeiten, und ich wollte einen neuen Gitarristen in die Band haben, der neue Impulse bringen kann, während der Rest dafür war, daß der Basser an die Gitarre wechselte und ein neuer Bassist gesucht wurde. So kam Marcus von MORDOR zu DANTON. Aber irgendwie hat es zwischen uns nicht mehr funktioniert, und ich kriegte Streit mit den anderen, so daß ich in den Sack gehauen hab' und am gleichen Tag noch Marcus anrief, ob er mit mir ginge. Also haben wir uns zusammengetan und begonnen, Musiker zu suchen. So kamen wir irgendwann zu Christian Sumser, der heute bei RISK spielt, und zu Ex-STEELER-Drummer Jan Yildiral. Marcus hat noch seinen ehemaligen Bandkollegen Michael Stötzner von MORDOR angequatscht, und so sind wird in Herde entstanden. Nach einem Jahr merkten wir, daß Jan die Sache nicht ernst genug nahm. Später ging Christian zu RISK, und so lebten wir uns langsam auseinander. Irgendwann hat Marcus mit seiner alten Combo TAZ aushilfsweise rumgezockt und lernte so Markus und Carsten Herdecke kennen, die dann unsere beiden Gitarristen wurden. Bei der Suche nach einem Schlagzeuger meldete sich Pierre von SYRACUSE, und so waren wir komplett.

Marcus: Das war der Punkt, an dem wir wieder bei Null anfingen und begannen, eigene Stücke zu machen und uns dahin vorzuarbeiten, wobei uns allerdings Carsten wieder verließ, weil er Band und Beruf zeitlich nicht unter einen Hut kriegen konnte. Es folgte wieder der Kampf um die zweite Gitarre, den wir aufgaben und uns entschlossen, mit einem Gitarristen weiterzumachen. Wir kennen mittlerweile so ziemlich alle Gitarristen dieser Gegend, und da war keiner, der geeignet gewesen wäre. Zudem verstehen wir uns sehr gut untereinander, und so ist es schwer, jemand Neues zu finden, den man so integrieren kann, daß das gleiche Verständnis gegeben wäre.

VANIZE-Bandphoto [vorhergehende Besetzung mit Pierre Fienhold]

DANTON wurden immer mit ACCEPT verglichen...

Peter: Was ich aber nie verstanden habe! Okay, wenn man sich meinen Namen und meine Stimme anhört - vielleicht. Aber ich habe nie verstanden, was DANTON musikalisch mit ACCEPT zu tun haben sollte. Sicher, es waren Einflüsse da, allein schon, weil der DANTON-Gitarrist bei ACCEPT-Gitarrist Wolf Hofmann Gitarre spielen lernte. Wenn ich heute die Platte höre, so kann ich diese Vergleiche absolut nicht verstehen, denn es hat mit ACCEPT überhaupt nichts zu tun! Okay, mein Gesang klingt ähnlich, ist aber nicht das selbe. Wenn man genau hinhört wird man feststellen, daß ich höher und quiekiger singe als mein Bruder und eben auch nicht so viel mit der Stimme machen kann wie er, denn er macht schließlich schon seit 20 Jahren Musik. Okay, man kann mit dem Namen etwas hausieren gehen. Aber wenn jemand Geld in eine Band investiert, muß doch in erster Linie mal die Musik stimmen. Wenn ich einer Band einen Plattenvertrag geben würde und hätte nun die Band an der Hand, bei der Jürgen Blackmore spielt, dann würde der Name sicherlich ziehen, aber die Musik müßte trotzdem was taugen. Ich finde es wesentlich wichtiger, daß wir wegen der Musik akzeptiert werden und nicht, weil ich so heiße! Bei DANTON lief mir alles zu sehr über meinen Namen. Als wir uns bei VANIZE zusammentaten, machten wir uns klar, daß die Vergleiche wegen des Namens kommen werden, daß es uns aber scheißegal sein würde. Wir sind uns im Klaren, wie wir VANIZE aufziehen wollen und wir nicht das P. D. PROJECT sind!

Diese Vergleiche, die Euch nicht so angenehm zu sein scheinen, können sicher auch bei VANIZE passieren. Daher meine Frage, weshalb Ihr live ›Balls To The Wall‹ spielt, da das solche Vergleiche gewiß begünstigt!

Peter: Das ist richtig! Aber als wir damals anfingen und ein Liveprogramm zusammenstellten, waren wir noch auf etliche Coverversionen angewiesen. Ein Song wie ›Balls To The Wall‹ ist für mich natürlich am einfachsten zu singen, während ich mit QUEENSRŸCHE, o.ä. meine Probleme gehabt hätte. Es hat damals echt Spaß gemacht, aber mittlerweile spielen wir den Song live nicht mehr.

VANIZE-Bandphoto 1 [mit André Hilgers]

Was steht für Dich eigentlich im Vordergrund: das Ärgernis, ständig mit Udo verglichen zu werden, oder aber die Tatsache, daß man eher auf Euch aufmerksam werden könnte, weil Du Udos Bruder bist?

Peter: Damals bei DANTON sagte ich dem Plattenheini, dem Karl-Heinz Rinne da, daß er das Ding nicht zu sehr auf mich aufziehen solle, und er versicherte mir sofort, daß er das nicht tun würde. Dann kam im METAL HAMMER eine Anzeige, auf der nur ich zu sehen war mit dem Satz "featuring Peter Dirkschneider". Deswegen hab' ich ganz schön Streß mit der Band gekriegt. Als ich in den Proberaum kam, dachte ich, sie wollten mich erschlagen, obwohl ich nichts dafür konnte. Deshalb habe ich mir bei VANIZE gesagt, daß man meinen Namen so weit wie möglich raushalten sollte. Lediglich als wir einen Drummer suchten, haben wir meinen Namen in der Kleinanzeige abgedruckt, weil wir hofften, daß wir so eher einen Drummer finden. Genauso wenig wird Udo für uns einen Deal organisieren. Ich habe schon viel früher mit ihm darüber gesprochen, und er meinte, das sei der falsche Weg, weil man all die Arbeit, Probleme und Tiefschläge erst mal erlebt haben muß. Er gibt mir natürlich gerne Ratschläge, aber das war's.

Okay, der Name "Dirkschneider" soll in diesem Interview das letzte Mal gefallen sein...

Peter: Du kannst mich ja Schneider nennen, und mit Vornamen heiße ich Dirk!

Alles klar! So soll es geschehen! Im Info zu Eurem aktuellen Demo bezeichnet Ihr dieses Tape als das erste Demo. Jedoch hattet Ihr schon zuvor ein Tape mit den drei Songs ›Hell Is Back‹, ›Overkill‹ sowie ›Troublemakers‹, welches auch auf dem neuen Demo zu finden ist, aufgenommen. Warum wird dieses Tape nicht erwähnt?

Marcus: Das erste Tape war nur gedacht, um Liveauftritte auszumachen. Dafür muß man immer ein Tape haben, und da wir noch nichts hatten, nahmen wir die drei Songs als Schnellschuß am Wochenende auf. Irgendwie muß das Tape über Umwege zu Dir gelangt sein. Es war jedoch nie geplant, diese Kassette zu veröffentlichen.

Peter: Einige von uns hatten bis dato nur mit 4-Spur-Rekordern im Proberaum gearbeitet, und so konnten sie auch mal reinschnuppern, wie man im Studio arbeitet. Das neue Demo dagegen ist von Anfang an zum Verkauf und zum Bemustern von Zeitungen und Plattenfirmen entwickelt worden.

Laßt uns doch etwas über Eure Texte reden! Ist ›Troublemakers‹ ein autobiographischer Text?

Marcus: Wenn man komponiert und ein Riff hat, muß man sich irgendwann etwas einfallen lassen, was man drauf singen kann. Dann fällt Dir irgendwelcher Quatsch ein, der Dir gerade durch die Birne fliegt, und so waren plötzlich die "Troublemakers" da, und ich hab' mir dann so eine ROSE TATOO-mäßige Geschichte einfallen lassen, die aber nicht ernstzunehmen ist. Der Text paßt auf jeden Fall zum Charakter des Liedes!

VANIZE-Singleshot: Peter Dirkschneider

Andere Texte jedoch sind sehr ernsthaft. ›Hell Is Back‹ beispielsweise geht um einen Soldaten, der in Vietnam war und immer noch von Visionen verfolgt wird, sofern ich den Text richtig verstanden habe!

Peter: Ja, da haben wir uns schon unsere Gedanken gemacht. Bei DANTON gingen die meisten Texte um Liebe, Amore und blablabla. Da haben Marcus und ich uns drüber unterhalten, daß das nicht der richtige Weg ist. Solche Texte wollen wir daher nicht machen. Mittlerweile versuchen wir, auch politische Aspekte in die Texte reinzubringen und andere Sachen, so daß es sich lohnt, den Text abzudrucken und daß ihn der Hörer liest. Es sollte nicht immer, aber immer öfter (Clausthaler - alles, was ein Tier braucht... - Red.) ein Aussage drin sein, die die Leute zum Nachdenken anregt.

Markus: Als wir ›We're Back‹ schrieben, hätten wir nie gedacht, daß der Text so aktuell werden würde. Es geht um diese Dritte-Reich-Brüder, die plötzlich anfangen, auf Ausländer loszugehen. Die Sache war damals noch nicht aktuell, aber sie hat uns einfach beschäftigt, so daß wir den Text dazu schrieben.

Marcus: Ich finde es enorm wichtig, daß man mit den Texten wirklich etwas zu sagen hat, denn es soll schließlich immer noch ein paar Leute geben, die sich Gedanken machen (Ja, sie sollen angeblich noch nicht ganz ausgestorben sein... - Red.). Es muß auch mal ein lockerer Text wie ›Troublemakers‹ erlaubt sein, aber im großen und ganzen sollte Substanz in den Texten sein!

Peter: Es ist auch für den Sänger wichtig, einen Text zu haben, der Sinn ergibt, so daß man viel besser weiß, wie man den Text singen muß, was man betonen muß, usw. Es gibt auch Sänger, die einfach einen Text runtersingen, ohne zu wissen, um was es geht. Das wußte ich früher auch nicht, aber solche Sachen lernt man dazu. Da kriege ich natürlich aus familiären Kreisen Tips und Tricks, wie man das zu machen hat.

Euer Bandname! Er klingt nach Venedig, was aber auf gut Englisch "Venice" heißen würde. Wie kommt Ihr zu der Kreation "VANIZE"?

Peter: Sollen wir ihm die Wahrheit erzählen? Okay, wir saßen also im Proberaum und suchten nach einem Bandnamen. Wir hatten eine ellenlange Liste mit Namensvorschlägen, darunter solche Späßchen wie "Killing Nightingales" (So einfach findet man einen Titel für ein Interview... - Red.), und da lag ein Schuhkarton, auf dem "Venice", der Name der Schuhfirma, stand. Der Klang gefiel uns, jedoch hatte ich die Idee, die Schreibweise etwas abzuändern, so daß es praktisch ein Eigenname wird, und schon hatten wir unseren Namen.

VANIZE-Singleshot: Markus Becker

In Eurem Logo sieht man zwei Masken. Bei den alten Griechen waren eine weinende und eine lachende Maske zusammen das Symbol fürs Theater. Bei Euch scheinen beide Masken zornig zu blicken. Besteht für Euch da in irgendeiner Form ein Bezug?

Markus: Wir haben einen Painter in Düsseldorf, der uns den Schriftzug entworfen hat. Ich nehme an, er hat den Namen mehr auf Venedig bezogen, wo man sich zur Karnevalszeit mit Masken verkleidet, als wir das im Sinn hatten. Als er aber mit seinem Entwurf rüberkam, gefiel er uns sehr gut. Das aggressive Aussehen soll wohl zur Musik passen.

Peter: Der Painter arbeitet viel für Hard'n'Heavy-Bands und in seinem Klischee, scheinen die zornig blickenden Masken dazugehören. Ich sehe in der Art der Masken eine gewisse Härte, und da wir keine Kaffee-und-Kuchen-Musik machen, finde ich, daß es paßt.

Resonanzen auf Euer Demo? Soviel ich weiß, wart Ihr im METAL HAMMER immerhin mal Demo des Monats...

Peter: Von den Käufern haben wir bislang noch keine schlechten Resonanzen gekriegt. Bei den Magazinen können wir noch nicht viel sagen, da wir praktisch noch keine Reviews gesehen haben. Plattenfirmen haben wir auch bemustert, und da laufen einige Sachen, ohne daß derzeit etwas konkret ist.

Ich behaupte jetzt mal, daß VANIZE das Problem haben, daß sie musikalisch durch Peters Stimme sehr eingeschränkt sind. Einen melodischen, eingängigen Refrain wird er nie singen können!

Peter: Ja, da hast Du recht (Verdammt, er stimmt mir zu! Und ich hatte mich schon so auf eine Diskussion gefreut... - Red.). Mit meiner Stimme kann ich nicht alles machen. Es ist ein Lernprozeß für mich, in Zukunft Dinge zu erreichen, die heute unmöglich sind. Wir sind mit meiner Stimme ein bißchen festgefahren. Unheimlich variable Klamotten kann man mit mir nicht machen. Aber wenn man alles richtig verpackt, kann man es trotzdem verkaufen.

Markus: Ich kenne Peter schon ziemlich lange, und daher berücksichtige ich beim Songschreiben von vornherein die Möglichkeiten seiner Stimme. Daher lasse ich Sachen weg, mit denen er mit seiner Stimme nicht klarkommen würde. Wenn es um melodiösere Sachen geht, werden wir in Zukunft verstärkt Gewicht auf Backgroundgesang legen.

VANIZE-Singleshot: Marcus Bielenberg

Mir fiel auf, daß Ihr probiert, mit Hilfe von Harmoniegitarren melodische Aspekte reinzubringen!

Markus: Das ist genau richtig! Als sich die zweite Gitarre verabschiedete, mußte ich mir überlegen, wie ich die Gitarrenarbeit am besten gestalte, und so fiel mir auf, daß es am schönsten ist, wenn ich unter die Soli noch eine Rhythmusgitarre drunterlege, den Gesang durch Harmoniegitarren unterstütze, etc. Trotzdem ging es mir darum, nicht zu übertreiben, so daß man live das bringen kann, was man auf dem Demo hört.

Ihr orientiert Euch zweifelsohne an der Musik der 80er. Welche Chancen hat man damit in den 90ern?

Peter: Eine gute Frage! Ich bin mit dieser Musik großgeworden. Es ging etwa 1976 mit AC/DC los, und um diese familiäre Geschichte kam ich auch nicht so ganz rum. Ab irgendeinem Zeitpunkt fand ich die Sache gut, irgendwann noch besser, usw. So kommen viele Einflüsse aus dieser Richtung. Die Chancen hängen im Endergebnis auch daran, wie die Musik promotet wird, wenn man einen Deal hat. Was mir derzeit fehlt, ist der Wille, Bands aufzubauen. Man wirft stattdessen lieber eine Band auf den Markt, und wenn sie nicht läuft, kickt man sie wieder. Das ist totales Verheizen! Chancen sind zweifelsohne da, aber ich finde es brandwichtig, daß die richtigen Leute mit Dir zusammenarbeiten.

Somit möchte ich VANIZE wünschen, daß sie die Leute finden, mit denen sie es packen können. Die Demos verkünden umfangreiches Potential und die übrigen Songs von VANIZE, die sie neulich in einer "Mitternachts-Aktion" live im Studio aufgenommen haben, welche sie mir vorspielten, krachen richtig gut.
Gleiches Fazit kann ich heute, einige Monate nach dem Interview ziehen, da mir ein Tape der ersten VANIZE-CD vorliegt. Die Kassette enthält elf hervorragende Tracks, druckvoll, aggressiv, aber auch eingängig. Aus diesem Grund wurde Peter nochmal zur Interviewauffrischung gebeten!

Erzähle uns doch bitte etwas über Euren Erstling!

Die Aufnahmen fanden im Februar im "Studio Fleck" in Wuppertal statt. Wir hatten alle möglichen Firmen abgeklappert und ein paar nette Absagen gekriegt, weil wir ja doch 'ne Kopie von ACCEPT wären. Wenn man richtig hinhört und ein bißchen Musikverständnis hat, wird man jedoch feststellen, daß das nicht der Fall ist. Daß es von der Stimme her ähnlich klingt, liegt in der Familie, aber die Musik ist doch eindeutig etwas anderes. Die schönste Absage erhielten wir von RCA, unter der groß stand, "Wir haben das Original, das reicht uns!" Haben wir uns eingerahmt. Also haben wir ein Band mit elf Songs fertiggemacht und werden nun zwecks Bandübernahmevertrag wieder alles abklappern, wobei nun niemand mehr die Katze im Sack kaufen muß. Sollte das wieder nix werden, dann wird die Sache über unser neues Management laufen, denn die haben gerade zusammen mit Peter Krick (der Mann, der seinerzeit »Way Of Destiny« von DANTON produzierte - Red.) von den "Skyline Studios" in Düsseldorf und Werner Kleinhans, dem ehemaligen AXXIS-Bassisten, eine Plattenfirma gegründet, die in LONG ISLAND auch einen guten Vertrieb haben, so daß die CD wirklich überall zu kaufen sein wird.

VANIZE-Singleshot: André Hilgers

Songmäßig habt Ihr recht viel Demomaterial verwendet, aber in ›Overkill‹ oder ›TV Control‹ ist doch noch einiges außen vor geblieben!

Wir hatten etwa 18 bis 20 Songs zur Auswahl, von denen wir elf genommen haben. Die restlichen Songs werden auch weiterhin live gespielt und stehen außerdem für die nächste Platte zur Verfügung, denn sollte die Sache funktionieren, wäre in etwa einem Jahr schon wieder ein Studiotermin angesagt.

Außerdem wurde ›We're Back‹ zu ›They're Back‹!

Richtig! Wir haben uns entschlossen, den Text ein wenig zu entschärfen, weil man ihn hätte falsch verstehen können. So ist er doch deutlicher zu kapieren, besonders für die Leute, die im Englisch nicht so fit sind. Am Ende wären es noch die Nationalhymne der Braunen geworden, und darauf haben wir nun wirklich keine Lust!

Stehen für die CD schon Titel und Cover fest?

Wir haben uns drüber unterhalten, ob wir einen deutschen Titel wählen sollten, der dann »Maskenball« lauten würde. Außerdem haben wir da noch die etwas ironische Idee, das Ding »A·C·C·E·P·T« zu nennen. Aber das waren bislang alles mehr spaßhafte Ideen, die wir im Proberaum diskutiert hatten. Akut ist noch nichts! Am Cover arbeitet derzeit ein Künstler. Es wird sicher etwas mit den Masken zu tun haben!

Außerdem habt Ihr Ende letzten Jahres den Drummer gewechselt!

Ja, unser neuer Mann ist André Hilgers, der mal bei NINJA getrommelt hat. Er hatte schon früher sein Interesse bekundet, bei uns zu spielen. Von Pierre haben wir uns wegen seines mangelnden Einsatzes und ein paar anderen Kleinigkeiten getrennt. Ein Anruf, und dann war André da!

VANIZE-Bandphoto 2 [mit André Hilgers]

Ein Anruf, und dann sah das VANIZE-Interview so aus, wie es sein sollte, um direkt an Peters Worte anzuschließen. Hoffen wir, daß eine Firma schlau genug ist, das Band zu veröffentlichen, auch wenn die Musik von VANIZE nicht gerade ultra-hip ist. Jedoch tröstlich zu wissen, daß, egal wie die Story ausgeht, die CD etwa im Oktober bei jenem neugegründeten Dreiergespann veröffentlicht wird. Bis dann seid Ihr jedoch gezwungen zu warten, denn das VANIZE-Demo ist mittlerweile ausverkauft, so daß es derzeit kein käufliches Material gibt.

http://www.vanize.com/

info@vanize.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

VANIZE-Original-Interviewtitel-Design

 

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