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  UE-Home → History → Online Empire 61 → Interview-Übersicht → CRAZY LIXX-Interview last update: 20.05.2022, 17:47:01  

CRAZY LIXX-Logo

Da die schwedischen Sleaze-Rocker CRAZY LIXX für ihr viertes Werk auf einen Titel verzichten und lediglich das Bandlogo auf dem Cover prangt, mußten wir selbstverständlich den Grund dafür in Erfahrung bringen. Gitarrist Andy Zata nahm sich unseres Wissensdursts an.

Andy, ich hoffe mich aufgrund meiner Unkenntnis nicht in die Nesseln zu setzen, muß aber mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus fallen und zuallererst natürlich wissen, was es mit dem nicht vorhandenen Titel auf sich hat.

CRAZY LIXX-Bandphoto 1

Nichts von dem, das Ihr wahrscheinlich in den meisten Fällen an Erklärungen zu hören bekommt! Es hat weder etwas damit zu tun, daß wir jetzt ein anderes Label hätten und somit einen neuerlichen "Startschuß" abgeben müßten und noch weniger mit der Erfüllung von Verträgen oder so. Ich verstehe die Frage natürlich, aber: Ein solches Album hat doch jede Band, warum also nicht auch wir? [lacht]

Der Schwede wirkt bestens gelaunt, was wenig verwundert, ist er zum Zeitpunkt unseres Frage-Antwort-Spielchens doch in Barcelona auf Urlaub. Da die Verbindung zu seinem Handy zunächst jedoch als eher "suboptimal" zu bezeichnen ist, läßt die Leitungsqualität zwar zu wünschen übrig, nicht jedoch seinen Rededrang und schon gar nicht mein Nachhaken.
Es stimmt zwar durchaus, daß fast jede Band ein solches Teil in ihrer Discographie hat, warum aber wirklich?

Wir haben uns ganz bewußt gegen einen Titel ausgesprochen. Zum einen, weil wir der Meinung sind, daß wir als CRAZY LIXX an einem Punkt angekommen sind, an dem wir als natürlich gewachsenes Gefüge wahrgenommen werden wollen, und zum anderen soll damit in gewisser Weise verdeutlicht werden, daß sich nun endlich alle Einzelkomponenten, die den Erfolg einer Band ausmachen - sprich, die Musiker, die Songs, der Sound und das gesamte Drumherum - zu einer homogenen Einheit verbunden haben. Als Neuanfang im eigentlichen Sinne soll die aktuelle Bandsituation aber dennoch nicht verstanden werden, denn in einem solchen Fall hätten wir das Album unter einem anderen Bandnamen auf den Markt gebracht.

CRAZY LIXX-Headline

Nachvollziehbar ist Eure Intention auf jeden Fall, doch ganz so fremd sollte ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl für Euch nicht sein. Zumindest auf der Bühne seid Ihr bislang immer als homogene, verschworene Einheit aufgetreten.

Die Livesituation war immer schon etwas ganz Besonderes für uns. Dennoch ist dieses Gefühl für uns leider alles andere als selbstverständlich. Speziell im Vorfeld der Aufnahmen zu unserem letzten Album »Riot Avenue« stand die Band unter gar keinem guten Stern. Im Gegenteil, als sich unser langjähriger Drummer Joél Cirera kurz vor den Aufnahmen dazu entschlossen hatte, die Band zu verlassen und sich bald darauf auch noch unser damaliger Bassist Luke Rivano aus dem Staub machte, war die weitere Existenz von CRAZY LIXX phasenweise mehr als nur fraglich und hing am berühmten seidenen Faden.
Im Nachhinein betrachtet konnten wir uns zwar auch mit »Riot Avenue« durchaus achtbar aus der Affäre ziehen und sehen das Album mittlerweile auch als einigermaßen erfolgreich an, dennoch hätte man viel mehr daraus machen können. Als ich 2008 bei der Band eingestiegen bin (Andy, der sich damals noch Andy Dawson nannte, ersetzte Vic Zino, der sich in Richtung HARDCORE SUPERSTAR verabschiedete - Walter) war alles noch in bester Ordnung, auch weil die Besetzung stabil war. Als die Band kurz vor den Aufnahmen zu »Riot Avenue« über geraume Zeit nur noch aus Sänger Danny Rexon, Edd Liam, meinem Partner an der Klampfe, und mir bestand, waren wir ziemlich am Ende unser Kräfte.
Du kannst mir glauben, daß es nichts Mühsameres gibt, als sich immer wieder nach Musikern umsehen zu müssen, bevor es überhaupt erst ans Komponieren gehen kann. Das nervt auf Dauer gehörig und geht einem irgendwann dermaßen an die Substanz, daß es zumindest mich nicht wundert, wenn sich Musiker frustriert und angewidert komplett aus der Szene verabschieden.

So gesehen können wir wohl von Glück reden, daß sich die Situation bei Euch wieder einigermaßen beruhigt hat.

Exakt. Als sich Joél zu seiner Rückkehr entscheiden hat können, war ein erster Lichtstreif am Horizont zu erkennen, und als wir bald darauf in Jens Sjöholm endlich wieder einen Bassisten rekrutieren konnten, der nicht nur sein Instrument beherrscht, sondern darüber hinaus auch den Willen zeigt, längerfristig mit uns im Kollektiv zu arbeiten, war die Motivation endlich wieder da, und wir konnten uns mit Vollgas an die Arbeit machen. An Jens imponiert mir auch seine jugendliche Unbekümmertheit und außerdem konnte uns dieser Bursche auch einen gehörigen Tritt in den Hintern verpassen. [lacht] Checkt mal seine andere Band SOLITY, und Ihr wißt, was ich meine - der Junge versteht es einfach perfekt, Dampf zu machen!

Davon konnten sich Eure Fans in den letzten anderthalb Jahren auf diversen Bühnen bereits ein Bild machen. Diese Bühnen-Power auf das Album zu transferieren, scheint Euch auch ein Anliegen gewesen zu sein.

Absolut! Das und das Bandgefühl an sich waren für uns von Anfang die essentiellsten Komponenten für alles weitere und daher auch die Voraussetzungen für dieses Album. Aus dieser Einstellung resultiert im Endeffekt auch die Entscheidung, die Produktion selbst zu übernehmen. Ganz sicher waren wir uns dabei zunächst zwar nicht, da ein Außenstehender einfach nicht jene Betriebsblindheit an den Tag legt wie einer der involvierten Musiker, aufgenommen haben wir - Sänger Danny und ich - die Scheibe aber dann doch im Alleingang. Mit ein Grund war dafür war logischerweise auch die finanzielle Situation, wobei wir allerdings insofern Glück hatten, da wir selbst für den Mix von Chris Laney die Kosten denkbar gering halten konnten.

CRAZY LIXX-Singleshot: Andy Zata

Das Ergebnis gibt Euch recht, denn die neuen Songs klingen dank des erdigen Sounds ein wenig rauher als Eure früheren. Noch effizienter aber habt Ihr aber mit Hooks herumgeschleudert. Die Tracks gedeihen dadurch zum Großteil auf Anhieb zu amtlichen Ohrwürmern, auch wenn mir phasenweise doch ein Vergleich zu HARDCORE...

..SUPERSTAR, ich weiß und hab' das schon einige Male gehört. So was stört mich aber nicht weiter, denn es ist definitiv keine Schande, mit diesen Jungs verglichen zu werden! Außerdem spielen wir ja auch nicht unbedingt etwas stilistisch großartig Unterschiedliches und obendrein kennen wir uns untereinander schon seit langer Zeit, wodurch uns diese Referenz mittlerweile eher zum Schmunzeln animiert. Daß dieser Vergleich speziell bei der Neueinspielung unserer ersten Single ›Heroes Are Forever‹ immer wieder mal auftaucht, macht die Chose sogar richtig amüsant, denn weißt Du, wer damals bei CRAZY LIXX mit dabei war und für viele der Riffs und Melodien verantwortlich war?

Sicher: Vic Zino.

Genau! Ich denke, daß sich sämtliche Fragen zu diesem Thema dadurch von selbst beantwortet haben.

Nicht aber jene, wem denn diese Damenstimme gehört, die unter anderem im absolut hitverdächtigen ›Girls Of The 80's‹ für feine Backing Vocals sorgt?

Mats Leven. [lacht] Nee, der ist zwar sehr wohl in dieser und in sechs anderen Nummern zu hören, für die weiblichen Gesangspassagen haben wir uns aber mit Tave Wanning verstärkt, die momentan mit ADRENALINE RUSH durchzustarten versucht und einen wirklich guten Job erledigt hat.

http://www.crazylixx.com/

info@crazylixx.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

CRAZY LIXX im Überblick:
CRAZY LIXX – Crazy Lixx (Rundling-Review von 2015)
CRAZY LIXX – Loud Minority (Rundling-Review von 2007)
CRAZY LIXX – ONLINE EMPIRE 51-Interview
CRAZY LIXX – ONLINE EMPIRE 56-"Living Underground"-Artikel
CRAZY LIXX – ONLINE EMPIRE 61-Interview
CRAZY LIXX – ONLINE EMPIRE 64-"Living Underground"-Artikel
CRAZY LIXX – News vom 02.04.2008
CRAZY LIXX – News vom 04.06.2010
CRAZY LIXX – News vom 20.07.2011
CRAZY LIXX – News vom 16.02.2012
CRAZY LIXX – News vom 19.06.2012
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