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Die Schweden PERSUADER w├Ąhnte ich ehrlich gesagt in (oder zumindest knapp vor) Walhalla, da es seit ihrem 2006er Album ┬╗When Eden Burns┬ź verd├Ąchtig still um die Burschen aus Umea geworden war und man noch nicht einmal in den Untiefen des Undergrounds von etwaigen T├Ątigkeiten etwas mitbekommen konnte. Doch unverhofft kommt bekannterma├čen oft, und so liegt mit ┬╗The Ficiton Maze┬ź zu Beginn des noch ganz jungen, neuen Jahres endlich ein weiterer Hammer aus der Mache dieser Burschen vor.
Dieser stellt nicht nur eindrucksvoll unter Beweis, da├č PERSUADER im melodischen Power Metal immer noch eine feine Adresse sind, das Album l├Ą├čt auch einige bis dato noch zu vernehmende "moderne" Elemente im Klangbild vernehmen.

PERSUADER-Bandphoto 1

Zeit also, sich mit der Band in Verbindung zu setzen und sie mit diversesten Fragen zu konfrontieren. Drummer Efraim Juntunen war so frei, uns jede Menge Informationen aus dem Lager der Truppe mitzuteilen, hatte jedoch selbstverst├Ąndlich einmal die lange Wartezeit auf den neuen Dreher zu er├Ârtern.

Eigentlich sah es nach der Ver├Âffentlichung von ┬╗When Eden Burns┬ź gar nicht schlecht aus. Nach einigen erfolgreichen Gigs hier in Schweden waren wir sogar kurz davor, eine US-Tournee zu organisieren. Doch leider kam uns erneut eine gesch├Ąftstechnische Panne dazwischen, weshalb wir uns einmal mehr in unserer Karriere mit jenem Ph├Ąnomen, das wir intern als "der Band-Fluch" bezeichnen, auseinandersetzen mu├čten.
Wie Ihr vielleicht noch wi├čt, waren wir f├╝r unser drittes Album bei DOCKYARD 1 unter Vertrag, die kurz nach der Ver├Âffentlichung dieser Scheibe ihren Betrieb aufgrund von finanziellen R├╝ckst├Ąnden f├╝r immer einstellen mu├čten. Das raubte uns zu einem gewissen Grad nat├╝rlich die Motivation, denn wenn Ihr Euch zur├╝ckerinnert, waren wir schon zu Beginn unserer Musikerlaufbahn bei einem ebenso l├Ąngst nicht mehr existierenden Kleinlabel (das Debut ┬╗The Hunter┬ź erschien bei LOUD'N'PROUD - der Verf.) unter Vertrag und gerieten auch mit unserem zweiten Album ┬╗Evolution Purgatory┬ź und NOISE RECORDS in ein ├Ąhnliches Dilemma. Von daher wu├čten wir zwar, da├č man diesbez├╝glichen Problemen als Band immer hilflos ausgesetzt ist und waren auch recht schnell wieder soweit, an das Komponieren von neuen Tracks heranzugehen, dennoch waren wir uns klar, in diesem Fall einen "Neustart" zu wagen zu m├╝ssen. Wenn man noch dazu mitverfolgt, was die "Konkurrenz" in der selben Zeit schafft, und das nur weil sie auf einen funktionierenden Businesspartner bauen kann, zweifelt man mitunter doch schon an seinem Schicksal. Dazu mu├č man auch noch anf├╝gen, da├č sich - v├Âllig unabh├Ąngig von der Musik - in den letzten Jahren auch das Privatleben jedes einzelnen Bandmitglieds - sei es durch die Gr├╝ndung einer Familie, durch Jobwechsel oder durch Hausbau - ver├Ąndert, weshalb die Priorit├Ąten von uns auch nicht unbedingt bei PERSUADER gelegen hatten. Da wir bis vor kurzer Zeit noch nicht einmal einen gemeinsamen Proberaum hatten, war das Komponieren im Kollektiv lange Zeit einfach unm├Âglich, und ich mu├č zugeben, da├č ich meine Zweifel hatte, wie und ob es mit der Band ├╝berhaupt weitergehen w├╝rde.

Okay, und ich dachte schon, Ihr h├Ąttet Euch zu sehr auf diverse Nebenbaustellen gest├╝rzt und diese anstelle von PERSUADER vorangetrieben. Wobei ich Euch auch diesbez├╝glich ein wenig aus dem Radar verloren habe...

Nachvollziehbar, denn durch unsere Privatgeschichten haben wir nicht ├╝berm├Ą├čig viel gemacht. GUILLOTINE sind im Moment ├╝berhaupt auf Eis gelegt und zwar so lange, bis Nils Eriksson und Fredrik Mannberg mit den Arbeiten am n├Ąchsten NOCTURAL RITES-Album fertig sind. Die beiden sind damit ebenso eingespannt wie Daniel (Sundbom, Gitarre - der Verf.) und ich aktuell wieder bei PERSUADER und deshalb mu├č eben dieses Unternehmen ein wenig zur├╝ckstecken. Dennoch wird es irgendwann mal auch ein neues GUILLOTINE-Album geben, schlie├člich ist Material daf├╝r schon jetzt in H├╝lle und F├╝lle vorhanden. Zu tun gab es aber dennoch immer schon genug. Ich selbst habe w├Ąhrend der "PERSUADER-Pause" bei NAGLFAR bei einigen Konzerten ausgeholfen, was nicht nur Spa├č gemacht, sondern mich auch in Form gehalten hat. Emil (Norberg, Gitarre) und unser S├Ąnger Jens Carlsson waren und sind ├╝brigens mit Hingabe am Komponieren von neuem Material f├╝r SAVAGE CIRCUS, lassen sich aber auch nicht hetzen, sondern suchen momentan den optimalen Gitarrensound. Wie Du merkst, waren wir zwar nicht wirklich in den Medien pr├Ąsent, haben aber auch keineswegs auf der faulen Haut gelegen!

Und irgendwann hat sich sogar noch der Wunsch nach diesem "Comebackalbum" eingeschlichen. Ich denke, die Bezeichnung daf├╝r ist durchaus berechtigt, oder?

"Comeback" trifft absolut zu, denn viele Fans d├╝rften uns l├Ąngst f├╝r mausetot gehalten haben. [lacht] So richtig ins Rollen kam die Geschichte jedoch erst wieder, als wir allesamt unsere privaten Belange soweit geregelt und einen Proberaum organisiert hatten. Erst danach war es wieder m├Âglich, konzentriert an der Band arbeiten zu k├Ânnen, wonach es nicht immer ausgesehen hatte. Ich pers├Ânlich wollte das Kapitel aber auf jeden Fall "offiziell" abgeschlossen wissen, selbst wenn wir uns nicht dazu entschlossen h├Ątten, mit Volldampf weiterzumachen. Doch s├Ąmtliche Gedanken an ein Ende der Band waren ohnehin bald verflogen, denn die Ideen sind f├Ârmlich aus uns herausgesprudelt. Mit der Motivation kam auch der Glaube an die Sache zur├╝ck, und auch die Zusammenarbeit mit unserem neuen Label hat uns weiter angespornt. Kurzum. Wir sind wieder voll im Saft und hungrig!

PERSUADER-Bandphoto 2

Wann ungef├Ąhr habt Ihr denn mit dem Komponieren und den Aufnahmen f├╝r ┬╗The Fiction Maze┬ź begonnen?

Also die ersten Songfragmente haben bereits einige Zeit auf dem Buckel, denn schon ein knappes Jahr nach der Ver├Âffentlichung von ┬╗When Eden Burns┬ź hatten wir reichlich Ideen auf Lager, die wir auch entsprechend aufgezeichnet hatten. Zwar haben wir in der Zwischenzeit alles einigerma├čen ├╝berarbeitet und umge├Ąndert, die Basis von beispielsweise ÔÇ║Falling FasterÔÇ╣ ist aber dennoch schon vor Jahren gelegt worden. Manchmal dauert es eben seine Zeit, ehe sich die Klasse einer Idee voll erschlie├čt, und es sind oft eben die kleinsten Details, die noch fehlen, damit ein Track z├╝ndet.

Gab es denn eine bestimmte Intention, die Songs heftiger klingen zu lassen?

Nein, nicht unbedingt. Ich w├╝rde diese Entwicklung als nat├╝rlichen Proze├č betrachten. Uns war jedoch von Beginn an klar, da├č die Essenz von PERSUADER diese Mischung aus heftigen Riffs, feinen Melodien und pr├Ągnanten Chor-Ges├Ąngen ist, und das konnten wir auch erneut umsetzen. Da Jens seinerseits die Meinung vertrat, sein Gesang w├╝rde einen erh├Âhten Beitrag an "Screams" ben├Âtigen, haben wir ihn erst einmal machen lassen. Da uns das Ergebnis dann aber mehr als nur zufrieden stimmte, gab es keinerlei Grund, nachtr├Ąglich etwas zu ├Ąndern.

Der gute Mann scheint generell erst so richtig aus sich herausgehen zu k├Ânnen, seit er sich ausschlie├člich auf den Gesang konzentriert. Warum hat er die Gitarre denn eigentlich an den Nagel geh├Ąngt?

Das hat sich damals bei den Aufnahmen zu ┬╗When Eden Burns┬ź ergeben. Jens hatte n├Ąmlich gro├če Zweifel, da├č er der Anforderung weiterhin standhalten k├Ânnte, die immer komplexer werdenden Gitarrenparts zu spielen und gleichzeitig auch den Gesang einwandfrei hinzubekommen. Nach kurzer ├ťberlegung brachten wir damals unseren alten Kumpel Daniel ins Spiel, der seit damals unser zweiter Gitarrist ist. Der Kerl ist eine echte Bereicherung f├╝r uns, vor allem auf der B├╝hne, auch wenn sich Jens mittlerweile manchmal ein wenig "verloren" f├╝hlt ohne Gitarre. Doch das wird sich alles geben, ver├Ąndert werden mu├č jedenfalls das Line-up nicht.

Logisch, denn auch im Studio scheint die Zusammenarbeit perfekt zu laufen - nachzuh├Âren brandaktuell auf ┬╗The Fiction Maze┬ź. Worin siehst Du denn die gravierendsten Unterschiede zu Euren fr├╝heren Scheiben?

Nun ja, ich w├╝rde sagen, wir haben noch nie derma├čen vielschichtig und abwechslungsreich geklungen und das ohne dabei unsere fr├╝heren Werke komplett aus den Augen zu verlieren. Im Gegenteil, ich denke, man kann sogar unsere Roots als Melodic Death Metal-Band besser denn je heraush├Âren. Wir sind wirklich vollauf zufrieden mit dem Teil, und zwar in seinem gesamten Umfang, inklusive der knackigen Produktion. Es f├╝hlte sich auch verdammt gut an, da├č wir uns bei der Auswahl des Bonustracks f├╝r die japanische Version von ┬╗The Fiction Maze┬ź nur schwer auf einen Track einigen konnten, denn alle Kandidaten hatten Qualit├Ąt. Jetzt sind wir nat├╝rlich gespannt, wie das Album ankommen und aufgenommen wird. Jedenfalls bleibt nichts unversucht, da├č sich die Scheibe auch verkauft, so wird es neben diversen anderen Formation ┬╗The Fiction Maze┬ź auch als Double-Picture-Disc zu kaufen geben. Vor allem auf den Sound der Vinyl-Edition darf man sich freuen, schlie├člich wurde das Teil daf├╝r gesondert gemixt und klingt wahrlich m├Ąchtig!

Da w├Ąre es doch auch an der Zeit, das Album im Zuge einer Tournee vorstellig zu machen, oder?

Klar w├Ąr' das cool. Doch bevor wir uns diesbez├╝glich in Unkosten st├╝rzen, werden wir noch ein wenig abwarten, wie das Album ankommt. Bislang ist uns zwar ausschlie├člich positives Feedback zu Ohren gekommen, ein wenig Geduld werden wir jedoch noch aufbringen m├╝ssen, bevor es an die Planung gehen kann. Da├č wir wirklich gerne live spielen w├╝rden, und das nicht nur hier bei uns, sondern auch bei Euch in Mitteleuropa, steht dagegen au├čer Frage!

Nachvollziehbar. Welche Erfahrungen habt Ihr denn auf Euren fr├╝heren Gigs und Tourneen sammeln k├Ânnen?

Nur gute. Ich kann mich sogar noch verdammt gut an die allererste Show von uns erinnern. Das war in den sp├Ąten 90er Jahren und zwar zusammen mit diversen anderen Bands, wie beispielsweise NOCTURNAL RITES und MESHUGGAH und war ein voller Erfolg. Mit den RITES sind wir ohnehin ├╝ber GUILLOTINE seit jeher mehr oder weniger verwandt, und zu MESHUGGAH blicken wir seit diesem Gig respektvoll auf, denn derma├čen brachial und dennoch perfekt und tight spielt keine andere Band! Ewig in Erinnerung bleiben wird mir auch unser erster Gig in Paris. Zum einen, weil wir uns nicht wirklich viel erwartet hatten und der Club sprichw├Ârtlich durchgedreht ist und zum anderen, weil dort ein Typ im Club war, der danach PERSUADER-Briefmarken anfertigen hat lassen und uns diese danach zukommen hat lassen. Echt irre!

In der Tat. Ob Euch noch einmal etwas derma├čen Skurriles widerf├Ąhrt, bleibt zwar erst einmal abzuwarten (Na ja, wir k├Ânnen da mitreden, denn der "100% Metal Postman" hat uns bekanntlich auch schon einen Brief zugestellt. - Red.) ich gehe aber davon aus, da├č Ihr zumindest den einen oder anderen Schritt f├╝r die Zukunft sehr wohl schon geplant habt?

[Lacht] Da man ja nie wei├č, was kommt, kann man auf so etwas auch nicht wirklich setzen. So bleibt f├╝r uns vorerst also nichts anderes als abzuwarten, wobei wir aber vorwiegend den Livesektor im Auge behalten werden. Allerdings - und darauf bin ich sehr stolz - haben Emil und ich tats├Ąchlich schon damit begonnen, erste Ideen f├╝r ein weiteres Album auszuarbeiten. Es sollte also innerhalb der n├Ąchsten Dekade klappen, erneut eine PERSUADER-Scheibe auf den Markt bringen zu k├Ânnen! [lacht]

Und wann auch immer diese erscheinen mag, eines ist fix: Solange man hochwertigen Stoff, wie er auf ┬╗The Fiction Maze┬ź enthalten ist, geliefert bekommt, kann es jederzeit sein, da├č PERSUADER dem einen oder anderen Fan sogar eine Reihe Sondermarken wert sind!

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emil@persuader.nu

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

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