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HEATHEN
GENERATION KILL
DUST BOLT
ENCLAVE (A)

Wien, Escape Metalcorner

13.06.2013

Da die inzwischen auf Hochtouren laufende Festivalsaison und der Termin mitten in einer Arbeitswoche an sich nicht gerade die günstigsten Voraussetzungen für eine Veranstaltung dieser Art sind, muß ich gestehen, vom überaus regen Interesse an diesem Package zum Zeitpunkt meines Eintreffens im "Escape" überrascht zu sein.

Dabei läßt sich nicht einmal die "Ausrede" anwenden, der "Local Support" hätte für etliche zahlende Gäste mehr im Auditorium gesorgt, die sich bald wieder verkrümeln würden. Im Gegenteil, denn die dafür engagierten Burschen von ENCLAVE haben ihre Arbeit zwar bereits verrichtet und dabei - unabhängig von eventuellen "Begleitern" - keineswegs für Abwanderungstendenzen gesorgt, sondern mit ihrem griffigen Thrash für offensichtliche Zufriedenheit im Publikum gesorgt. So kann man ausschließlich positive Worte über die Jungs vernehmen, was auch anhand der allgemein herrschenden Stimmung im Club nachzuvollziehen ist.

Dichtes Gedränge herrscht in diesen Minuten auf der Bühne, denn während die Burschen des Openers ihr Equipment versorgen, sind die Bayern DUST BOLT schon dabei, sich auf ihren Aufritt vorzubereiten. Dieser verläuft dann ebenso ansprechend, auch wenn man eine gewisse Nervosität erkennen kann. Kein Wunder, hält man sich vor Augen, daß dieser jungen Band die Chance anberaumt worden ist, mit einer Genre-Legende unterwegs zu sein. Dennoch bin davon überzeugt, daß wir von diesen Jungspunden in Zukunft noch einiges zu hören bekommen, zum einen weil die Jungs die Tracks ihres Debuts »Violent Demolition« (von dem sich vor allem ›Toxic Attack‹ als toller Live-Abräumer erweist!) auch live gut umzusetzen wissen, und zum anderen, weil man Motivation und Ambition in jeder Note und jeder Bewegung verspüren kann. Genau so muß das sein, nur weiter so!

GENERATION KILL-Liveshot

Interessant an diesem Tour-Package ist wohl auch die Mischung, denn im Anschluß an den "Nachwuchs" machen sich die Szene-Haudegen GENERATION KILL bereit, um für Stimmung zu sorgen. Zwar ist »Red, White & Blood«, das Erstlingswerk der US-Amerikaner ein klein wenig in der allgemeinen Veröffentlichungsflut untergegangen und der Name des Unternehmens wird immer noch zumeist auf Rob Dukes reduziert, dennoch ist schon nach wenigen Minuten klar, daß die vom EXODUS-Fronthünen als "echte Band" betrachtete Formation zweifelsohne ein solche ist - eine verdammt gut eingespielte und als Kollektiv funktionierende noch dazu. In Form der vom Debut stammenden Tracks ›Hate‹ und ›Feast For The Wolves‹ kredenzt die Formation zunächst die erwartungsgemäß deftige, Hardcore-lastige Thrash-Kost, doch Rob und seine Mitstreiter (unter anderem mit dabei: Rob Moschetti am Baß, von dem man zwar seit langer Zeit nichts mehr gehört hat, der aber immer noch mit seinem druckvollen Spiel und einer unvergleichlichen Mimik wie zu besten M.O.D./PRO-PAIN-Tagen imponiert) lassen uns an einem Auftritt teilhaben, der eine Menge echter Überraschungen zu bieten hat. Nicht nur, daß die Band unerwarteterweise einige Tracks eines erst in einigen Monaten zu erwartenden Zweitlingsalbums kredenzt, man darf bei einigen dieser Nummern auch über eine melancholische, fast schon in Richtung ALICE IN CHAINS tendierende Gangart staunen. Zudem klappen diverse Kinnladen ob der Tatsache, daß Rob in diesen Momenten mit einer unglaublich ausdrucksstarken und intensiven Klargesangstimme zu überzeugen weiß, in Richtung Grundwasser.
Alter Schwede, steht hier tatsächlich derselbe Koloß von Frontmann vor uns, der bei EXODUS den Eindruck erweckt, er würde uns eigenhändig würgen, wenn wir nicht mitgehen? In der Tat, wobei er vor allem in ›Prophets Of War‹ eine unglaublich entspannte und beeindruckende Gesangsvorstellung abliefert. Stark! Rob zeigt sich generell von seiner nettesten Seite, so nimmt er sich nach dem Set alle Zeit dieser Welt, um mit Fans zu plaudern oder für Photos zu posieren. Daß der Kerl ein überaus sympathischer und redseliger, sowie zu diversesten Scherzen aufgelegter Zeitgenosse ist, rundet den positiven Eindruck der Person Rob Dukes noch weiter ab und sollte sämtliche kritischen Stimmen (auch die zu seinen "unsympathischen" Darbietungen bei EXODUS) verstummen lassen, zumal er auch auf der Bühne einen unterhaltsamen Eindruck vermittelt, als die Band mit einer einwandfreien Version von ›Disposable Heroes‹ kurz vor dem Ende den Club zum kollektiven Ausrasten bringt.

HEATHEN-Liveshot

Eine schlaue Idee der Tourveranstalter war es auf jeden Fall, die Fans von GENERATION KILL erst einmal ordentlich in Fahrt bringen zu lassen, doch ganz ehrlich und bei allem Respekt, selbst wenn man auf jeglichen Support verzichtet hätte, wäre aus dem "Escape" an diesem Abend ein Tollhaus geworden, schließlich sind HEATHEN eine Legende und werden deshalb schon in der Umbaupause in Form von Sprechchören auf die Bühne gebeten. Dieser euphorische Empfang zaubert den Musikern logischerweise ein zufriedenes Lächeln ist Gesicht und scheint das Quintett, das sich für diese Tournee mit Jon Dette am Schlagezeug verstärkt hat, sogar noch weiter anzuspornen. Spielfreude pur gepaart mit technischer Brillanz dominieren ganz klar die nächste gute Stunde, dennoch sind es logischerweise die Songs an sich, die für Entzücken sorgen.
Nicht ihrem Anspruch verfügen diese obendrein auch über eine schier unglaubliche "Halbwertszeit", die sich einmal mehr darin manifestiert, daß man diese Herren aus der Bay Area geradezu euphorisch empfängt, obwohl deren immer noch aktuelles Album »The Evolution Of Chaos« mittlerweile gut dreieinhalb Jahre auf der Rille hat. Das muß der Truppe erst einmal jemand nachmachen!
Der Beweis für die zeitlose Klasse ihrer Songs folgt dann auch gleich mit dem Einstieg, denn wer mit einer Abrißbirne vom Schlage ›Dying Season‹ ein Konzert eröffnen kann, hat definitiv schon gewonnen. Bestens in Stimmung - aber auch bei Stimme - und zudem als "Moderator" durch das Programm führend, läßt uns David White immer wieder wissen, wie sehr sich seine Mitstreiter und er freuen, wieder in Europa loslegen zu können. Diese Freude wird vom Publikum einhellig geteilt, und so ist es ganz egal, ob weiteres Material vom erwähnten Album aufgetischt wird (ganz großes Kino einmal mehr: ›Arrows Of Agony‹, aber auch ›No Stone Unturned‹ läßt keinen Nacken zur Ruhe kommen) oder aber man auf Klassiker wie ›Mercy Is No Virtue‹ oder ›Open The Grave‹ zurückgreift, die Meute ist begeistert und sorgt für Alarm, während sich die Band förmlich in einen wahren Rausch spielt. Als zusätzlicher Hingucker erweist sich einmal mehr die Mimik von Lee Altus, der seine Soli mit seinem gesamten Körper "mitlebt". Sein Kompagnon Kragen Lum fiedelt nicht minder effektiv, bleibt aber in Sachen Stageacting ebenso zurückhaltend wie Basser Jason Viebrooks. Gesondert gelobt, weil mit bemerkenswerter Coolness und unglaublich präzise agierend, wird jedoch Jon Dette, der den Eindruck erweckt, er wäre schon seit Jahren bei HEATHEN mit dabei und nicht eben mal nur kurzfristig als Aushilfe für die Tournee an Bord geholt worden. Dieser Tatsache ist im Endeffekt auch das einzige Manko dieses Abends zuzuschreiben. Da offenbar einfach nicht mehr Zeit für Jon im Vorfeld blieb, sich weitere Songs anzueignen, kann die Band den "Zugabe"-Forderungen des Publikums aus nachvollziehbaren Gründen nicht nachkommen.
Aber wirkliches Gemecker gibt ohnehin keines, im Gegenteil, es herrscht Einigkeit über die Klasse dieses Konzertes, das jeder Zeit gerne zur "Wiederholung" angesetzt werden darf...


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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