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WARBRIDE-Logo

Nachdem wir uns neulich schon mal - sozusagen "Blog-getriggert" - dem Thema MALIBU BARBI zugewendet hatten und für RUDE GIRL - wie gemeldet - mittlerweile eine MySpace-Seite gibt, wollen wir uns noch einem Los Angeles-Girl Metal-Seitenausläufer widmen, auch wenn er mittlerweile wohl nicht mehr ausschlägt: WARBRIDE. Hier kreuzen sich nämlich einige Fäden dieser Szene.

So war die Hauptantriebskraft der Band die Gitarristin Lori Linstruth, die wir in den letzten Jahren bei STREAM OF PASSION und aktuellerdings GUILT MACHINE erleben konnten. Sie machte sich aus dem kalifornischen Santa Barbara auf die Socken und zog nach Los Angeles, um eine melodischen Heavy Metal-Band auf die Beine zu stellen: WARBRIDE. Doch bevor es so weit war, machte sie eine kurze Zwischenlandung bei einer Band, deren Wurzeln tief in die L.A.-Szene hineinreichen, so daß wir dies später als Anlaß für einen Exkurs nehmen: JADED LADY.

WARBRIDE-Bandphoto 1987: Janna James, Sandy Sledge, Nancy H. alias ''Raeanna de Huffe'', Velia Garay, Lori Linstruth

Für die in Entstehung befindlichen WARBRIDE soll auch ein gewisser Mike Terrana mal vorgespielt haben, doch die erste Besetzung ist etwas weiter oben zu sehen: Bassistin Janna James (die in den kommenden Jahren auf eine recht illustre Geschichte verweisen kann, denn sie war ein Teil von NO SHAME im letzten US-Abschnitt von deren Bandgeschichte und sollte dann mit ihren schamlosen Kolleginnen gemeinsame Sache mit Ron Keel bei dessen FAIR GAME machen), Drummerin Sandy Sledge (die eben von jenen oben erwähnten RUDE GIRL und MALIBU BARBI stammte), Sängerin Nancy H. (die als "Raeanna de Huffe" die Bühne erklomm), Keyboarderin Velia Garay und Lori.

WARBRIDE-Bandphoto 1989: Janna James, Susie Shubert, Lori Linstruth, Michelle Lee, Velia Garay

Nach einiger Zeit stieg Sandy aus, und es sollten unzählige weitere Besetzungswechsel folgen, was sicherlich ein Grund dafür war, warum WARBRIDE nie über das Demostadium hinauskamen. Doch immerhin brachte man es zu drei Demos: Das erste erschien 1988 nachdem Sandy die Band verlassen hatte und enthielt die beiden Songs ›Sail On‹ und ›Slaves Of The Sword‹. Ein Jahr später brachte man sogar fünf Songs zu Band: ›Nevermore‹, ›The Tower‹, ›I Follow Your Star‹, ›Chains‹ und ›Without You‹. Eingespielt wurden sie von obenstehender Besetzung aus dem Jahr 1989 mit der neuen Sängerin Susie Shubert, Lori Linstruth, Janna James, Velia und der neuen Schlagzeugerin Michelle Lee.

WARBRIDE-Bandphoto 1990: Velia Garay, Joyce Corradetti, Randee Robbins, Michelle Lee, Lori Linstruth

Anschließend stieg Janna aus, für die Joyce Corradetti den Baß übernahm. Doch damit nicht genug, denn auch Susie Shubert verließ die Band und Randee Robbins wurde neue Sängerin. Sie stammte von der Speed Metal-Band RED HOT aus Columbus in Ohio und war auch unter dem Namen Randi Bowles-Meentzen bekannt. Leider ist über RED HOT kaum etwas bekannt, so daß es nicht zu einem weiteren Exkurs reicht; man weiß lediglich, daß Randi später die Band SISTER STRANGE gründen sollte. Denn: Leider sollte auch diese Version von WARBRIDE nicht lange zusammenbleiben. Zwar hatte WARRIOR-Gitarrist den Mädels angeboten, ein Demo mit ihnen zu produzieren, doch dabei entstand nur ein Song: ›Rulers Of The Night‹. Anschließend zerbröselten WARBRIDE. Lori zog nach Schweden und schloß sich den ebenfalls in ihren letzten Zügen liegenden ICE AGE an.

WARBRIDE-Bandphoto 1991

Allerdings sollte Velia nochmal einen letzten Versuch mit neuen Musikern machen: Mit Suzanne Hearts am Mikro (ehemals DEATHSLAYER - und diese New Yorker Kulttruppe wird uns anschließend zu einem weiteren Exkurs anstiften), Samantha Taylor an der Gitarre (die später mit PHANTOM BLUE auf Europatour ging, wo sie als Bassistin fungierte und auf Rana Ross folgte, bevor dann Dyna Shirasaki diesen Job übernahm; Dyna war übrigens zwischenzeitlich auch ein Mitglied von SISTER STRANGE - wie klein die Szene doch ist...), Kim Smith am Baß und Michelle Pickering am Schlagzeug zog die WARBRIDE ein letztes Mal in die Schlacht, doch es sollte nur ein sehr kurzer Einsatz werden. Ein in Angriff genommenes Demo blieb in den Anfängen stecken, Velia trennte sich von den anderen Musikerinnen, die dann ihrerseits kurzfristig als HEROINE weitermachten. Auch Velias Plan, das Demo mit neuen Musikern zu vollenden, kommt nicht mehr zur Ausführung.

Ein weiteres WARBRIDE-Kapitel beginnt 2003/'04, das wir in den News begleitet haben. Doch selbiges warf kein zählbares Resultat ab, sondern man sollte wohl eher davon ausgehen, daß WARBRIDE mittlerweile eingeschlafen sind - auch wenn die Homepage noch vorhanden ist:

http://www.warbride.net/

 

OBSESSION [US, CA]-Logo

LEATHER ANGEL-Logo

JADED LADY-Logo

Kommen wir also zu unserem ersten Exkurs, dem ausgedehnteren der beiden - obwohl der Kontaktpunkt nur minimal ist: Wie oben erwähnt, war Lori Linstruth ganz kurz Mitglied bei JADED LADY. Doch bevor es zu dieser Begegnung kommen sollte, hatte die Band schon etliche Jahre Erfahrung gesammelt.

So startete die Band etwa 1981 unter dem Namen OBSESSION, doch wurde schon recht bald zu einem Namenswechsel gezwungen, was auf die gleichnamige Combo um Michael Vescera zurückzuführen war. Doch der neue Name LEATHER ANGEL paßte ohnehin viel besser zu den vier Mädels Terry O'Leary (v), Debbie Wolf (g), Cathy Amanti (Bass) und Krissi North (d), wie dieses Photo bestätigt:

LEATHER ANGEL-Bandphoto 1983: Debbie Wolf, Terry O'Leary, Cathy Amanti, Krissi North [»We Came To Kill«-Coverphoto]

Es handelt sich dabei um das Coverphoto der 1983 erschienen »We Came To Kill«-EP. Die Legende will übrigens, daß das Logo der Band einem Techtelmechtel zwischen einer der lederangelnden Musikerinnen und Nikki Sixx entsprang, denn der MÖTLEY CRÜE-Bassist entwarf eben jenes Konstrukt nebst des zugehörigen Sterns. »We Came To Kill« erschien bei dem Winzlabel MIAMI 1992 RECORDS AND TAPES und sollte auch deren einzige Veröffentlichung bleiben, da das Label umgehend vom Pleitegeier verschluckt wurde. Obgleich »We Came To Kill« eine gute Scheibe ist, auf der vor allem die Gitarrenarbeit von Debbie beeindruckt (und die daher heute verdientermaßen ein gesuchtes Sammlerstück ist), sollte sie LEATHER ANGEL kaum nach vorne bringen.

LEATHER ANGEL-Bandphoto 1984: Kerry James, Debbie Wolf, Cathy Amanti, Terry O'Leary, Danelle Kern

Zunächst verstärkten sich die Mädels noch mit Danelle Kern als zweite Gitarristin, doch im Lauf des Jahres 1984 begann es zu kriseln: So feuerten die Mädels nicht nur ihren Manager Keith Dyson, sondern Schlagzeugerin Krissi stieg aus. An ihre Stelle rückte Ex-TANTRUM-Lady Kerry James. In dieser Zeit ist nicht nur das obenstehende rare Photo entstanden, sondern die Band kam auch in Kontakt mit Produzent Michael Wagener. Doch das wurde wieder hinfällig, als im März 1985 Gitarristin Debbie ausstieg, um ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen. Selbiges wurde jedoch nie spruchreif, so daß sie ein letztes Mal auf sich aufmerksam machte, als sie bei MALIBU BARBI spielte. Doch dann verliert sich die Spur von Debbie.

JADED LADY-Bandphoto [ca. 1985-'86, geschätzt]

Mitte 1985 entschlossen sich die restlichen vier Mädels zu einem Namenswechsel und nennen sich - allem Anschein nach - etwas genervt JADED LADY. Obiges Photo müßte jene Urbesetzung zeigen - sofern mich mein Adlerauge nicht trügt - denn hier müßten (ohne jegliche Garantie!) von links nach rechts Sängerin Terry O'Leary, Schlagzeugerin Kerry James, Bassistin Cathy Amanti und Gitarristin Danelle Kern zu sehen sein.

Recht flott entstehen zwei Demos, die jedoch auch nicht den gewünschten Karrieresprung bringen, so daß die Band wieder auseinanderfällt: Im April 1986 packt Kerry James aus gesundheitlichen Gründen ihre Sticks ein, und Mary Jo La Roche besetzt nun den Platz am JADED LADY-Schlagzeug. Einige Monate später verläßt auch Danelle die Band, doch dieser Platz ist nicht so schnell wieder zu besetzen, sondern erst im Laufe des Jahre 1987 findet sich Sylvia Cei ein. Die Vermutung liegt also nahe, daß Lori in diesem Zeitraum bei JADED LADY einen Zwischenstop einlegte. Dies würde auch zum zeitlichen Rahmen der WARBRIDE-Gründung, die 1987 erfolgte, passen. Als Ergänzung sei noch gesagt, daß Danelle Kern uns um die Jahrtausendwende bei Lana Lane begegnen wird, für die sie mehrere Alben einspielt.

JADED LADY-Bandphoto [ca. 1988]:

Nachdem sich die neue JADED LADY-Besetzung gefunden hat, erscheint 1988 ein weiteres Demo und die Band taucht auf dem Dokumentarfilm von Penelope Spheeris, "The Decline Of Western Civilization Part II: The Metal Years" auf. Doch dann scheinen die Ladies endgültig erschöpft zu sein, denn man hört lediglich noch etwas von einem kurzfristigen Soloversuch von Sängerin Terry O'Leary, der aber auch im Sande verläuft. 1991 startet Terry zusammen mit Ex-JADED LADY-Finalgitarristin Sylvia Cei eine Band namens THIGH HIGH, die es aber auch nur zu einem Demo bringt.

 

MARAUDER [US, NY]-Logo

DEATHSLAYER-Logo

HELICON [US]-Logo

Nun wird es Zeit für den DEATHSLAYER-Exkurs, der uns ans andere Ende Amerikas führt: Suzanne Hearts (geborene Morovic) kam in der Tat von New York nach Los Angeles gezogen, wo sie Mitglied von WARBRIDE wurde. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon einige Jahre in der New Yorker Szene auf dem Buckel.

1981 hatte Suzanne zusammen mit Johnny, die sich beide den Bühnennamen "Hearts" gaben, die Band MARAUDER formiert. Etwa ein Jahr später stießen Bassist John Forte und Drummer Steve Alliano als Rhythmusmannschaft hinzu, und die Band benannte sich in DEATHSLAYER um; die New Yorker Crossover-Metaller MERAUDER waren sicherlich nicht der Motivator für diesen Schritt, denn diese Combo wird erst 1990 an den Start gehen.

DEATHSLAYER-Bandphoto 1983

Die Band kam gut in die Gänge, denn schon in der zweiten Ausgabe des Jahres 1983 der britischen Kultpostille METAL FORCES wurde ein 4-Song-Demo mit den Stücken ›Journey For Life‹, ›Witches Haven, Devils Cove‹, ›Need For Life‹ and ›Passion Flight‹ besprochen und obenstehendes Photo veröffentlicht.

DEATHSLAYER-Bandphoto [ca. 1984]

Es erschienen zwei weitere Demos von DEATHSLAYER, die beide 1984 veröffentlicht werden. Eines von beiden enthält die Songs ›Silver Legacy‹, ›Devil's Daughter‹, ›Windfallen Angels‹ und ›Asmodeus‹, während das andere Demo den Titel »Cry Of The Swords« trägt und die Lieder ›Strange Illusions‹, ›Cry Of The Swords‹, ›The Night Of The Burning Cross‹, ›Journey For Light‹, ›Deathslayer‹ und ›Raven's Nest‹ enthält.

DEATHSLAYER-Bandphoto [ca. 1984]

Zwei der »Cry Of The Swords«-Nummern schaffen es gar, höhere Weihen zu erlangen: ›Journey For Light‹ landet auf dem großartigen »New York Metal '84«-Sampler, wo es in guter Gesellschaft mit CITIES, VIRGIN STEELE, BLACKLACE oder OVERKILL ist. ›Raven's Nest‹ parkt auf dem »Iron Tyrants«-Sampler ein, wo sie mit Bands wie TYTON, ENFORCER oder NASTY SAVAGE gemeinsame Sache machen.

DEATHSLAYER-Bandphoto [ca. 1984]

Doch dies reichte nicht aus, die Gruppe stabil zu halten: John Forte wurde durch Hugh Essay ersetzt, und die Band benannte sich in HELICON um, bevor sie kurze Zeit später zerfiel. Immerhin reichte es noch, untenstehendes Photo anzufertigen, während von dem Nachfolgeprojekt bis dato noch kein Bilddokument aufgetaucht ist.

HELICON [US]-Bandphoto [ca. 1985]

Während Steve Alliano sich den Brooklyn-Thrashern PRIMAL SCREAM anschloß, war Suzanne kurzzeitig bei der All-Girl-Band TOKYO ROSE an Bord. Doch dann gründete sie und Johnny 1986 zusammen mit einer neuen Rhythmusmannschaft, bestehend aus Bassist Paul Ross und Drummer Michael Hamboussi, eine Band namens BEWITCH. Nach dem ersten Auftritt entschied man sich zu einer Umbenennung gen MASK. Die Band existierte bis 1988 und nahm ein Demo auf, schaffte es jedoch auch nicht, richtig abzuheben. Suzanne und Johnny spielten anschließend noch ein weiteres Demo ein, das im Homestudio des zukünftigen TYPE O NEGATIVE-Muckers Josh Silver entsteht, bevor das Paar 1990 nach Los Angeles umzieht, wo Suzanne dann bei DEATHSLAYER andockt und sich für uns der Kreis schließt. Im neuen Millennium folgte für Suzanne noch die THE WORKER DRONES/THE DRAGONFLY-Episode, auf die wir in den News hingewiesen hatten. Doch auch von dieser Truppe war schon lange nichts mehr zu hören gewesen. Demzufolge hat Lori, die Miss WARBRIDE schlechthin, aus dieser ganzen Sippschaft den längsten Atem gezeigt, da sie heute noch aktiv ist.

Somit wäre dieser längliche Ausflug beendet, der uns an beide Küsten Amerikas geführt hat und die Laufbahn von etlichen weiblichen Protagonisten der Metalszene in den Achtzigern - als das schöne Geschlecht noch eine Ausnahmeerscheinung im harten Musikzirkus war - bis in die Neunziger (und teilweise darüber hinaus) beleuchtet. Doch jetzt wollen wir der metallischen Kriegsbraut ihre verdiente Ruhe lassen.


Stefan Glas


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