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ARTILLERY
GAMA BOMB
TORTURE SQUAD
TANTARA

Wien, Escape Metalcorner

20.05.2013

Schon beim Eintreffen im Club durfte man die Frage stellen, ob sich tatsächlich dermaßen viele einheimische Banger in Richtung Gelsenkirchen begeben haben, um der diesjährigen Ausgabe des "Rock Hard Festivals" beizuwohnen, oder ob es etwa irgendwo anders eine "Konkurrenz-Veranstaltung" gibt, die mit wettbewerbsverzerrenden Marketing-Strategien die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ganz ehrlich, ich hab' keine Ahnung, weshalb dieses, wohl nicht nur auf dem Papier für traditionsbewußte Thrasher überaus spannende Package, das unter dem Tour-Motto "Speed Of Sound" läuft, auf nur spärliches Interesse stoßen konnte.
Doch wie auch immer, eines ist jedenfalls sicher: Diejenigen unter uns, die sich am Pfingstmontag dazu entschlossen haben, sich eine gepflegte Dosis brachialer Kost im "Escape" abzuholen, haben es genossen und werden (immer wieder) gerne wieder kommen!

Ein "Genußabend" bahnt sich schon früh an, ist doch schon bei meinem Eintreffen, als die Norweger TANTARA bereits kurz vor dem Ende ihres Sets stehen, die Stimmung trotz mehr als nur überschaubarer Menge gut. Daß sich die vier Burschen, die optisch nicht wirklich erkennen lassen, daß sie "schon" so um die 20 Lenze auf dem Buckel haben, bei der Darbietung auf ihr Vorjahrdebüt »Based On Evil« festlegen, ist klar. Ihre Wirkung verfehlen die Tracks aber auch bei jenen Anwesenden nicht, die bis dato noch gar nichts von dieser Truppe gehört haben. Zwar kommen die teils doch eher technisch angelegten, mit jeder Menge an Bay Area-Zitaten versehenen Nummern auf Konserve doch deutlich präziser, zumindest ein paar Fans dürften die Nordlichter auch bei uns gewinnen haben können.

TORTURE SQUAD-Liveshot

Deutlich bekannter scheint da schon das Material der danach die Bretter enternden Brasilianer TORTURE SQUAD zu sein. Kein Wunder, schließlich ist das Trio seit 20 Jahren im Underground unterwegs, und eben dieses Jubiläum ist auch das Tourmotto, das man auf einigen Shirt-Varianten verewigt hat, die allesamt (wie auch jene der Kollegen) für geradezu okkasionelle 15 Euro wohlfeil geboten werden. Das Dreigestirn schafft es mühelos, die Stimmung weiterhin anzuheben und läßt obendrein mehrfach erkennen, daß man knüppelharten Thrash auch mit filigranen Technikvarianten ausstaffieren kann, ohne dabei Groove vermissen zu lassen. Weitere Farbtupfer erhält das Material auch durch den Umstand, daß sich Gitarrist Andre Evaristo und Basser Castor den Gesang seit dem Ausstieg des etatmäßigen Sängers Vitor Rodrigues im letzten Jahr teilen. Mächtig!

GAMA BOMB-Liveshot

Was danach folgt, ist nur schwer in Worte zu fassen, denn ein derart überdrehtes und abgefahrenes "Gewusel" im "Escape" sieht man wahrlich nicht alle Tage. Keine Frage, die aus dem fernen Nordirland angetretenen GAMA BOMB wissen auch auf Tonkonserve, mit ihren ruppigen wie unterhaltsamen Thrash/Core-Kamellen für beste Stimmung zu sorgen, bei der Bühne-Präsentation muß man die Chose jedoch noch einmal um den Faktor "pure, unbändige Energie" multiplizieren, um sich ungefähr ein Bild davon machen zu können, was hier abgeht!
Dabei wirken vor allem die beiden Gitarristen kurz vor der Show, aber auch auf den Brettern selbst, zunächst ein wenig schüchtern und brav und sehen zudem in QUEEN- beziehungsweise THIN LIZZY-Shirts auch nicht unbedingt so aus, als ob sie darauf aus wären, für Alarm der Sonderklasse zu sorgen. Doch schon nach wenigen Songs (sagen wir so in etwa nach fünf, also nach gefühlten zehn Minuten Spielzeit) tobt der Mob und das bis einschließlich der Verabschiedung (die wiederum nach geschätzten 37 Nummern erfolgt, wodurch zumindest mir nach diesem Set klar ist, weshalb die Band noch nicht einmal ein Setlist auf die Bühne gepappt hat - sie hätten wohl zu lange gebraucht, um die Wände zu tapezieren...). Daß die Tracks des brandneuen Drehers »The Terror Tapes« perfekt ins Gefüge passen und sich Sänger Philly Byrne mit seinen witzigen Ansagen zusätzliche Sympathiepunkte abholen kann, rundet einen intensiven wie für die Band mehr als nur gewinnbringenden Auftritt ab, der mir im Nachhinein klarmacht, weshalb GAMA BOMB schon Jahre zuvor etwas von »Thrashing Like A Maniac« gefaselt haben... Spaßig und Imposant!

ARTILLERY-Liveshot 1

Nach der letzten, abermals angenehm kurz gehaltenen Umbaupause ist dann einmal mehr "Legendalarm" im Club angesagt, denn die dänische Thrash-Institution ARTILLERY gibt sich nach gut 20 Jahren (erinnert sich noch jemand - damals im "Rockhaus" zusammen mit HOLY MOSES?) endlich wieder einmal die Ehre in der Bundeshauptstadt. Doch auch für reiselustige Metaller, die sich in den letzten Jahren an Auftritten der Band im benachbarten Ausland ergötzen durften, stellt dieser Gig etwas Besonderes dar, schließlich gibt es mit dem augenscheinlich um mindestens 20 Jahre unter dem Altersdurchschnitt der restlichen Formation liegenden Michael Bastholm Dahl einen neuen Frontmann zu bestaunen, und eben jener ist, wie auch schon sein Vorgänger Søren Adamsen, nahezu allein für die "Show" auf den Brettern verantwortlich.
Daß die seit über 30 (!) Jahren von den Stützer-Brüdern Michael und Morten an den Gitarren angeführte Formation trotz mehr als nur eingeschränktem Bewegungsradius dennoch für ordentlich Bewegung im Auditorium sorgt, ist aber dennoch wenig überraschend. Weshalb? Ganz einfach, weil sich Gassenhauer wie ›By Inheritance‹, ›Bombfood‹, oder auch ›Khomaniac‹ einfach nicht abnutzen und auch lange Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinungsdatum noch für Alarm sorgen. Auch deshalb, weil die beiden Herren immer noch mit der Präzision eines Uhrwerks ihre Riffs aus den Griffbrettern hexen und damit wohl jeden Metaller in Ekstase versetzen können. Dennoch liegt der Schwerpunkt der Setlist auf neuerem Material, wobei anzumerken ist, daß die doch etwas "höhenlastigere" Stimme von Michael, der sich souverän durch seinen Auftritt ackert, dazu auch deutlich besser paßt. Allen voran die Granate ›10.000 Devils‹ vom 2009er Werk »When Death Comes« weiß zu überzeugen, aber auch die vom letzten Studiodreher »My Blood« stammenden ›Death Is An Illusion‹ und ›Dark Days‹ erweisen sich als Stimmungsgaranten.

ARTILLERY-Liveshot 2

Zwar ist es in Summe bei den Dänen deutlich ruhiger als bei den wahnwitzigen Nordiren zuvor, doch das ist logisch wie auch nachvollziehbar, denn zum einen ist die Meute vom vorherigen "Mosh-Alarm" doch in wenig ausgelangt, und zum anderen legen ARTILLERY generell nicht mit einem solchen "Grundspeed" an den Tag, wie es im Rennfahrerjargon so schön heißt. An der Klasse ihres Power Metal-durchzogenen, auf den herrlich old schooligen Brat-Klampfen der Gebrüder Stützer fundamentierten Thrash-Geschossen ändert das aber dennoch nichts!
Schade bloß, daß sich momentan offenbar nicht mehr Fans dafür interessieren!


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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