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"Nordic Nexus Of Nemesis Tour 2013"
mit

STRATOVARIUS
AMARANTHE
SEVEN KINGDOMS

Wien, Szene

26.03.2013

Auch wenn man durchaus zugegeben muß, daß die Finnen bereits bessere Zeiten hatten und man viele Fans seit Beginn der "Post-Tolkki"-Ära wohl erst wieder zurückgewinnen muß, erscheint es ein wenig merkwürdig, daß man - den zum einen stilistisch nur bedingt passenden und zudem auch zielgruppen-technisch eher anderes gelagerten - AMARANTHE dermaßen viel Spielzeit anberaumt.
Doch die "Nordic Nexus Of Nemesis"-Tour sieht tatsächlich ein Double-Headliner-Billing vor, auch wenn die finnischen Routiniers tagtäglich die eigentliche "Spitzenposition" besetzen dürfen. Vielleicht ist es ja auch nur eine "Sicherheitslösung", auf die sich STRAOVARIUS hier einlassen, um nicht noch weiter an Boden zu verlieren.

Aber wie auch immer, der Schachzug der vermeintlich "unpassenden" Kombination erweist sich als kluger, denn schon zum Zeitpunkt meines Eintreffens in der "Szene" ist diese verdammt gut gefüllt. Anhand der unterschiedlichen T-Shirts beziehungsweise der mannigfaltigen Optik des Publikums ist obendrein zu erkennen, daß die schwedischen "Zeitgeist-Modernisten" ebenso freudig erwartet werden wie die finnische Melodie-Ikone. Die schon zu diesem Zeitpunkt bemerkbar Stimmung läßt obendrein noch darauf schließen, daß auch die als Opener engagierten SEVEN KINGDOMS ihre Sache gut machen. Leider haben die Amis ihre erste halbe Stunde Spielzeit zwar bereits absolviert haben, das Melodic-Unternehmen aus Florida scheint aber souverän gewesen zu sein, jedenfalls wirkt es kurz vor dem Ende nicht minder gutgelaunt als das Auditorium und versorgt uns zum Abschluß ein letztes Mal mit einem Hinweis auf das wenige Monate zuvor veröffentlichte aktuelle Album »The Fire Is Mine«. Die Band hat mit Sabrina Valentine zudem eine sehr agile und stimmkräftige Dame an vorderster Front, die phasenweise auf sympathische Art an Doro denken läßt. Ein weiterer Grund, weshalb die Truppe hier und heute auch so manch' neuen Fan gewinnen kann. Durch die offene und ungemein fanfreundliche Art der Formation dürften auch nach dem Set sogar noch weitere dazugekommen sein, weshalb der Florida-Fünfer sein Wien-Debut wohl als vollen Erfolg verbuchen kann. Bravo!

AMARANTHE-Liveshot

Dennoch ist das nicht mehr als "Stimmungs-Lüftchen", denn hält man sich die Publikumsreaktionen unmittelbar vor Beginn des Auftrittes des "gemischten" Schweden-Sextetts AMARANTHE vor Augen, wird selbst einem diesbezüglichen Skeptiker wie meiner Wenigkeit sofort klar, daß die Modern Metaller schwer angesagt sein müssen und dementsprechend euphorisch empfangen werden. Und ganz ehrlich, selbst mich überrascht die Formation mit ihren ersten Tracks, denn von der Bühne aus präsentiert klingt das Material deutlich heftiger als auf Konserve. Dennoch: Hier von "Metal" zu sprechen halte ich für übertrieben, auch wenn die Gitarre live ganz ordentlich brät und das Dreigestirn - bestehend aus der unter anderem auch schon von KAMELOT als Gastsängerin verpflichteten Elize Ryd, Sänger Jake Lundberg und Grunz-Gurgler Andreas Solverström - an vorderster Front sich ordentlich ins Zeug legt, um "Party" zu veranstalten.
Doch das Treiben auf der Bühne wirkt auf mich dennoch einfach viel zu einstudiert und die Songs phasenweise irgendwie zu konstruiert. Auch die Tatsache, daß die Rhythmus-Fraktion zwar solide, aber dennoch viel zu leise und zu unauffällig agiert trägt nicht gerade zum Faktor "Metal" bei, noch weniger jedoch die permanent präsenten Synthesizer-Klänge (oder was auch immer da manchmal "trötete"...), die noch nicht einmal von einem "menschlichen" Keyboarder stammen.
Genug gemeckert, denn andererseits muß man AMARANTHE attestieren, "ihr" Publikum nach allen Regeln der Kunst verwöhnen zu können, und dieses dankt es mit nicht abflauendem Applaus und vielstimmigem, wie auch lautstarkem Mitsingen. Apropos: Vor allem bei den Refrains kommt mir als Referenz immer wieder die "Ursuppe" der schwedischen Musikszene - ABBA - in den Sinn - was als Ehre für AMARANTHE verstanden werden soll! Durchaus lobenswert auch, wie locker und lässig die Band mit ihren Refrains fast schon "um sich schmeißt" und dadurch auch mangelnde Ausstrahlung und Charisma wettzumachen imstande ist. Bei aller "Üppigkeit" erweist sich die Spielzeit für die eingefleischten Fans in den vordersten Reihen klarerweise als viel zu kurz, und man ist bestrebt, die Band zu einer Zugabe zurück auf die Bühne zu schreien, was diese auch binnen Sekunden tut, um weitere Exponate ihres Schaffens darzubieten, um die anberaumte Spielzeit von knapp mehr als 70 Minuten auszukosten. Für AMARANTHE und ihre Klientel mit Sicherheit ein denkwürdiger Abend, für den "Rest" im Publikum eher ein Grund in der Pause danach (mehr oder weniger ernsthaft) nach "Alternativ-Möglichkeiten" für die nächsten STRATOVARIUS-Shows zu philosophieren, wobei mir die "Local Support-Variante" auch im Nachhinein noch am besten gefällt und ich im konkreten Fall sowohl SERENITY, als auch DESERT SIN oder DRAGONY bevorzugt hätte!

STRATOVARIUS-Liveshot

Egal, denn der "Headliner" steht ja erst auf den Brettern und dieser - als Fazit gleich vorweg - erweist sich als solcher und vermag - trotz eines erkältungsgeschwächten Timo Kotipelto - viel an verlorenem Boden wieder gutmachen. Daß die Setlist jede Menge Auszüge aus dem aktuellen Album »Nemesis« enthalten wird, war absehbar und auch logisch, daß sich die Finnen aber dermaßen darauf versteifen, daß ihr aktueller Dreher die Hälfte der Spielzeit ausmacht, kommt aber doch überraschend. Ebenso die Tatsache, daß sich STRATOVARIUS als perfekt aufeinander eingespieltes Kollektiv präsentieren. Klar, die Herrschaften sind Profis, und von daher ist ein solches Auftreten auch zu erwarten, doch wie uns die Vergangenheit mehrfach gezeigt hat, ist das - gerade im Falle STRATOVARIUS - keineswegs selbstverständlich.
Von daher gibt es an diesem Abend also nichts zu meckern - außer, ja, ich weiß, die Setlist hätte für den einen Zuschauer noch "Song X" enthalten sollen, und so weiter und so fort... - denn die aktuellen Nummern - allen voran das live zum Brecher avancierende ›Halcyon Days‹ und das verspielte ›Fantasy‹ - erweisen sich allesamt als überaus bühnentauglich und werden von den Fans auch mehr als nur positiv aufgenommen.
Zwar ist die Stimmung logischerweise bei den Klassikern am besten, doch das von den alten Bühnen-Füchsen Kotipelto und Johansson ausgedachte, geschickte Wechseln von "alt" zu "neu" erweist sich als absoluter Volltreffer. Schließlich kommt so selbst das auf Tonträger nicht ganz so prickelnde ›Stand My Ground‹ (inklusive amtlicher Keyboard-Soloeinlage von einem überraschend zurückhaltend wirkenden, ausschließlich banddienlich agierenden Tastenzauberer Jens Johansson) verdammt gut an, wohl nicht zuletzt deshalb, weil es zwischen dem Ohrwurm ›Eagleheart‹ und dem Evergreen ›Black Diamond‹ perfekt plaziert ist und man gar nicht anders kann als mitzugehen. Imposant ist aber nicht nur das Solo des Keyboarders, auch Rolf Pilve erweist sich als absoluter Könner hinter seinem Arbeitsgerät und versetzt zahlreiche der Anwesenden in Staunen. Ein würdiger Nachfolger für Jörg Michael, wobei ich mich von der Art und Weise wie Rolf mit dem Publikum interagiert sogar mehrfach an seinen Vorgänger erinnert fühle.
Als einziger Wehmutstropfen bleibt vielleicht noch anzumerken, daß die Show ein klein wenig kurz geraten ist, was in Anbetracht der zum Glück nur bei den Ansagen zu bemerkenden verkühlungsbedingten Stimmprobleme von Timo jedoch nachvollziehbar ist. So gesehen muß man vor der Akustikversion von ›Forever‹ den Hut noch ein wenig tiefer ziehen, während sich Timo die danach benötigte Pause hätte locker gönnen und es sich beim Finale ›Hunting High And Low‹ sogar durchaus auch mit einer Tasse Tee auf den Brettern gemütlich hätte machen können.
Zum Abschluß nämlich zeigt sich das Publikum in Wien als stimmgewaltig und textsicher, weshalb sich dieser Ohrwurm als Stimmungshöhepunkt des gesamten Abends erweist und der Band noch minutenlang danach gehuldigt wird. Welch' grandiose Hook hier in die Welt gesetzt worden ist, erfahre ich einmal mehr auf dem Nachhauseweg, denn selbst eineinhalb Stunden danach ertappe ich mich dabei, den Refrain dieser Nummer zu summen.
Bis zum nächsten Mal und dann eventuell doch mit anderer "Gefolgschaft", aber das hatten wir schon...


Walter Scheurer

Photos: Stefan Glas [Photo & ]

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