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  UE-Home → History → Online Empire 54 → Interview-├ťbersicht → PRIPJAT-Interview last update: 05.11.2020, 18:45:40  

PRIPJAT-Logo

Mit harschen und kompromi├člosen, aber dennoch gutgemachten und eing├Ąngigen Thrash Metal-Keulen haben im letzten Jahr vier Jungspunde aus dem Raum K├Âln auf ihrem ersten Demo mit dem Titel ┬╗Liquidators┬ź erstmals aufhorchen lassen. Dar├╝ber hinaus blieben die Burschen aber auch aufgrund ihres doch recht ungew├Âhnlichen Bandnamens in Erinnerung, schlie├člich benannten sie das Unternehmen nach der durch den Reaktorunfall von Tschernobyl zur Geisterstadt gewordenen Arbeiterstadt PRIPJAT.
F├╝hrt man sich die Hintergr├╝nde jedoch zu Gem├╝t, erschient die Namenswahl fast logisch, schlie├člich stammen mit Gitarrist Eugen Lyubavskyy und seinem auch das Mikro bedienenden Klampfen-Kumpanen Kirill Gromada zwei Bandmitglieder urspr├╝nglich aus der Ukraine, die jedoch erst hierzulande zueinander fanden, um in weiterer Folge auch die Band aus der Taufe zu heben. Eugen erhielt daher auch die "Aufgabe", uns einige Infos zum Thema preiszugeben, was er auch bereitwillig und binnen k├╝rzester Zeit erledigte.

PRIPJAT-Bandphoto 1

Wann seid Ihr nach Deutschland gekommen?

Ich war 10, Kirill schon etwas ├Ąlter. Da er aber j├╝nger ist als ich, kamen wir ziemlich zeitgleich an. Wir sind also schon eine Weile hier und f├╝hlen uns wohler als irgendwo sonst.

Wie seid Ihr beiden eigentlich zusammengekommen, um eine Band zu gr├╝nden?

[Lacht] Das ist fast schon ein Klischee. Ich kannte Kirill bis zur Bandgr├╝ndung nicht, obwohl wir beide aus Kiew kommen. Ab und an bin ich ihm in K├Âln beim Feiern ├╝ber den Weg gelaufen. Bei einem dieser "bierlastigen" Treffen quatschte er mich an, ob ich nicht ein Instrument spielen w├╝rde, und das tat ich tats├Ąchlich. Als er mir dann mit "La├č uns mal 'ne Thrash-Band gr├╝nden!" ankam, hab ich ihn nicht ganz f├╝r voll genommen, ging aber trotzdem ich in den Proberaum, einfach um zu schauen, was passiert. Und es passierte direkt eine Menge! Da waren zwar nur Kirill, Bobo, unser Drummer und ich, doch schon nach einer Stunde stand der erste Song ÔÇ║LiquidatorsÔÇ╣ - auch wenn dieser noch keinen Namen hatte, ebensowenig wie auch die Band selbst. Aber das "Riffen" ging uns einfach ganz locker von der Hand. Wir standen nur da, zockten und grinsten uns ununterbrochen an. Das sch├Ânste Gef├╝hl, das eine junge Band nur haben kann.

Weshalb eigentlich der ungew├Âhnliche, aber auch unmi├čverst├Ąndliche Bandname?

Oh, Mi├čverst├Ąndnisse gibt's dazu genug, oder zumindest Unverst├Ąndnis. Ich mu├č zugeben, da├č mich die Tschernobyl-Thematik schon immer stark fasziniert und betroffen hat - eigentlich schon vor meiner Geburt, denn der Reaktor explodierte kurz vor meiner Geburt. Meine Mutter hatte nat├╝rlich gro├če Angst, denn Kiew, das etwa 130 Kilometer von Tschernobyl entfernt ist, liegt weniger als 100 Kilometer vom damaligen Wohnort meiner Familie entfernt. Die Beh├Ârden hatten damals sch├Ân auf stumm geschaltet und die Menschen dadurch logischerweise total verunsichert. Also flog sie zu ihrer Verwandtschaft nach St. Petersburg, wo ich dann geboren wurde, obwohl das nicht so geplant war. Nicht zuletzt deshalb hat mich das ganze Thema wohl auch weiterhin stark fasziniert. Und ├╝brigens: Wenn ihr jemals in Kiew sein solltet, besucht unbedingt das Tschernobyl-Museum, es ist sch├Ân und bedr├╝ckend zugleich. Was die Wahl des Bandnamens angeht, hatte ich eine Liste mit Namen in den Proberaum geschleppt und, wir einigten uns auf PRIPJAT, da das einfach in jeder Hinsicht pa├čte. Die H├Ąlfte der Band stammt aus der Ukraine, und atomare Explosionen und Geisterst├Ądte erschienen auch passend f├╝r Heavy Metal. Auf Platz 2 der Liste stand ├╝brigens NUCLEAR CHAINSAW, jedoch haben wir bald entdeckt, da├č es eine Band dieses Namens schon in Italien gibt, und die sehen nicht nur genauso aus wie wir, die Jungs machen dazu auch noch Thrash Metal! Metaller sind offenbar ├╝berall auf dieser Welt gleich bescheuert. [lacht]

Hattet Ihr im Sinn, die Metalfans hierzulande auf diese Weise noch einmal auf diese Trag├Âdie aufmerksam zu machen?

Ja, absolut. Wir sehen uns nat├╝rlich nicht als eine Umweltschutzorganisation, aber mir pers├Ânlich war es schon wichtig, dieses vergessene Thema wenigstens ein bi├čchen ins Gespr├Ąch zu bringen. Wir haben gleich drei Songs, die sich unmittelbar mit der Katastrophe besch├Ąftigen. ÔÇ║LiquidatorsÔÇ╣ erz├Ąhlt die Geschichte der zum Tode verurteilten Helfer, die in den ersten Stunden der Reaktorexplosion geholfen haben. Diese armen Schweine mu├čten brennendes Graphit mit blo├čen H├Ąnden vom Dach schaufeln. Die durften da f├╝r zehn Sekunden hoch, schmissen einen Brocken runter und rannten zur├╝ck. Und das war auch schon das Todesurteil. Keine Wunder, da├č die erste Schicht wenige Wochen sp├Ąter an den Auswirkungen der Strahlen verstarb. Sehr viele weitere folgten, auch wenn die genauen Zahlen bis heute Staatsgeheimnis sind, obwohl es die Sowjetunion lange nicht mehr gibt.
Im Song ÔÇ║Acid RainÔÇ╣ geht es um Wei├čru├čland. Dort hat man damals wegen der Windrichtung das meiste an Strahlung abbekommen und wurde damit alleingelassen. Da wurde teilweise meilenweit Erde aufgesch├╝ttet, um das kontaminierte Zeug untenzuhalten. ÔÇ║Sons Of TschernobylÔÇ╣ schlie├člich handelt von der Generation nach dem Unfall, also von uns. Wir haben immerhin das Gl├╝ck keine offensichtlichen Sch├Ąden abbekommen zu haben, doch bei vielen Menschen ist das ganz anders, deshalb halte ich die Augen stark nach Krebssymptomen offen.

Eurer Thrash Metal kommt generell mit "Message" r├╝ber - war das von Beginn an eine Intention?

Ja, ich denke schon. Wir sind aber nicht wirklich durchweg ernste Zeitgenossen. Die meiste Zeit ├╝ber haben wir einfach sehr viel Spa├č zusammen, lachen und machen Quatsch. Auf der B├╝hne wollen wir aber etwas f├╝hlen, und das geht nun mal nicht mit Songs ├╝ber Bier und Titten - obwohl beides gro├čartige Themen sind. [lacht] Wir spielen sehr aggressive Musik, und dazu braucht man einfach passende Texte. Ich mag Bands mit belanglosen Lyrics nicht. Klar, da├č nicht jeder versteht, was Kirill ihm da entgegenbr├╝llt, aber es ist doch immer geil, wenn man die Musik einer Band mag und bei n├Ąherer Besch├Ąftigung merkt, da├č die sich den Kopf ├╝ber den Inhalt ihrer Songs zerbrochen haben. Trotzdem haben wir auch Spa├čsongs wie ÔÇ║ToxicÔÇ╣ am Start, in dem es um den Spa├č auf der B├╝hne, das ├ťbertragen der Energie auf die Fans und das gemeinsame "v├Âllig am Rad drehen" geht.

PRIPJAT-Headline

Bestehen Kontakte zu Bands in der Ukraine?

Leider noch nicht. Wir sind als Band ja noch relativ neu und setzen aktuell 100 Prozent auf das Live-Spielen. Daher haben wir erst mal auch ├╝berwiegend Kontakt zu deutschen Bands, obwohl wir auch schon sehr viele, nette Musiker aus anderen L├Ąndern kennengelernt haben. Wir z├Ąhlen uns jedoch weder zur deutschen, noch zur ukrainischen Szene, sondern einfach zu den Thrashern dieser Welt. Genau, wir machen "Global Metal"!

Seid Ihr mit den Resonanzen auf Euer Demo zufrieden gewesen?

Oh ja, das war gro├čartig. Wir haben das Gl├╝ck, da├č sich Kirill gut mit den Themen "Sound" und "Produktion" auskennt, und so hat er uns auch einen mehr als nur passablen Sound gebastelt, f├╝r ein Demo zumindest. F├╝r dieses haben wir in der Tat durchweg positive Beurteilungen bekommen. Die Highlights waren nat├╝rlich die Reviews auf metal.de, im LEGACY-Magazin und, da├č uns sogar ROCK HARD-Chef G├Âtz sein Wohlwollen ausgesprochen hat. F├╝r so ein Vier-Track-Ding ganz ordentlich.

Ein Review im HEAVY war ├╝brigens auch noch angedacht, doch leider... Egal, wie sieht es denn mit einem Nachfolger f├╝r ┬╗Liquidators┬ź aus?

Auch da sieht es - dank Kirill - ziemlich gut aus, denn er macht im Moment eine Ausbildung im "Golden Factory"-Studio in K├Âln, und wir durften dieses f├╝r unsere Aufnahmen mitbenutzen. Unser Debut ┬╗Sons Of Tschernobyl┬ź ist daher auch schon weitestgehend im Kasten und knallt jetzt schon ordentlich. Wir haben das Gl├╝ck, uns auf keine Vertr├Ąge einlassen zu m├╝ssen und werden wie bisher alles im Alleingang erledigen, worauf wir sehr stolz sind. Wir hoffen sehr, da├č es sp├Ątestens im Winter soweit sein wird und wir mit dem Album startklar sein k├Ânnen. Ob wir es dann selbst promoten oder nicht, steht aber noch nicht fest.
Sollte sich also jemand angesprochen f├╝hlen und Interesse haben - wir h├Âren uns gerne jedes Angebot an. Bis dahin gibt es aber Wichtigeres zu tun, n├Ąmlich die B├╝hnen dieser Welt abzurocken!
In diesem Sinne, Leute: "Thrash Till Death" - wir sehen uns im Pit!

http://www.facebook.com/pripjatband

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photo: zuggamasta.de

PRIPJAT im ├ťberblick:
PRIPJAT – Liquidators (Do It Yourself)
PRIPJAT – Sons Of Tschernobyl (Rundling)
PRIPJAT – ONLINE EMPIRE 54-Interview
┬ę 1989-2020 Underground Empire


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