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  UE-Home → History → Online Empire 54 → Interview-Übersicht → MASTERSTROKE (SF)-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

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Vier Jahre sind ins Land gezogen, ehe uns die Finnen MASTERSTROKE endlich einen Nachfolger für ihr letztes Album »As Days Grow Darker« anzubieten haben. Wer denkt, die Jungs hätten es sich dabei einfach nur mal gutgehen lassen, irrt jedoch, denn auch wenn sie sich 2011 eine Pause verordnet hatten, war man alles andere als untätig im Lager der Band. Mehr noch, auf den ersten Eindruck hin könnte man fast meinen, MASTERSTROKE hätten sich neu erfinden wollen, schließlich klingt das neue Album »Broken« ungewöhnlich heftig und dunkel und läßt ebenso eine bislang noch nicht dagewesene Affinität zu technischer Herangehensweise erkennen.
Ob der Titel tatsächlich als Programm zu verstehen ist oder doch nicht, und was generell so los gewesen ist bei den Finnen erklärte mir Keyboarder Jussi Kulomaa, der meine Ansichten zum neuen Alben aber nicht ganz teilt.

MASTERSTROKE (SF)-Bandphoto 1

Für mich klingt »Broken« fast schon nach einem Neubeginn, zumindest aber nach einer geänderten Direktive hinsichtlich der stilistischen Ausrichtung. Gab es denn eine Intention, wie die neuen Songs klingen sollen, als Ihr Euch an das Songwriting herangemacht habt?

Nicht wirklich. Die Songs haben sich im Prinzip im Laufe der Zeit erst in diese Richtung hineinwickelt. Ich verstehe zwar was Du meinst, allerdings sehen wir das nicht ganz so kraß, denn eigentlich haben wir "nur" exakt dort weitergemacht, wo wir mit »As Days Grow Darker« aufgehört haben. Niko (Rauhala, Sänger und Gitarrist - der Verf.) hatte schier endlos viele Ideen für Songs und Riffs, die wir dann im Kollektiv ausgearbeitet haben. Es ist allerdings korrekt, daß sich die aktuellen Songs ein wenig anders anhören. Eine Intention steckt aber wirklich nicht dahinter.

Kann es denn sein, daß sich Eure selbstauferlegte "Pause" auf die neuen Songs ausgewirkt hat?

Auch das stimmt nicht ganz, denn ein großer Teil des Songmaterials war bereits fertig, ehe wir uns zu einer Zwangspause verdonnerten. Da wir diesmal jedoch viel Zeit im Proberaum und auch im Studio verbrachten, kann man zumindest sagen, daß wir intensiver an unserem Songmaterial gebastelt haben als je zuvor. Es ist im Nachhinein allerdings verdammt schwierig zu rekonstruieren, was sich wie auf die Songs ausgewirkt hat. Tatsache ist aber auf jeden Fall, daß Niko in dieser "Pause" Gesangsunterricht genommen hat und die Aufnahmen für ihn die bis dato einfachsten überhaupt gewesen sind.

Kann es sein, daß Ihr Euch in dieser "Ruhephase" eventuell auch hinsichtlich Eurer Hörgewohnheiten einigermaßen an Neuland herangewagt habt und daher von bis dato noch nicht auf Eure Musik abfärbende Bands inspiriert worden seid?

Auf jeden Fall! Da wir uns nahezu rund um die Uhr mit Musik unterschiedlichster Art beschäftigen, kann so etwas immer passieren. Vor allem auch deshalb, weil wir uns diesbezüglich keinerlei Limits auferlegen und wirklich für so ziemlich alles offen sind. Zugeben, es gibt schon so einige Neuerungen in unserem Klangbild.

Eben. Besteht denn auch ein Zusammenhang zwischen den nunmehr in erhöhter Anzahl vorhandenen technischen Parts und dem Umstand, daß Ihr einfach mehr Zeit zum Üben hattet?

Diese Passagen sind im Laufe des Entstehungsprozeß entstanden, wobei ich zufügen möchte, daß Technik zwar gut und auch wichtig ist, aber mit Sicherheit nicht die musikalische Essenz für unsere Songs. Aber ja, es stimmt schon, daß es phasenweise vorgekommen ist, daß wir uns bei den Aufnahmen diverse Parts gegenseitig vorgespielt haben und die anderen Bandmitglieder - nach dem Motto, "Hört mal zu, klingt das nicht cool?" - davon überzeugen wollten. Übertrieben haben wir dennoch nicht. [lacht]

Das nicht, dennoch klingt Ihr nun einfach unerwartet "anders". Die Kurzfassung meines Eindrucks lautet in etwa so: »Broken« beinhaltet auf jeden Fall jede Menge an eher nach NEVERMORE und Konsorten tönenden Parts, die Ihr mit den für MASTERSTROKE typischen Melodien und Refrains zu einer stimmigen Mischung kombiniert habt. Darauf können wir uns sicher einigen, oder?

Sicher, denn man kann als Band ja nicht plötzlich etwas komplett anderes von sich geben. Es ist aber auf jeden Fall sehr spannend für uns, die Reaktionen auf »Broken« mitzuverfolgen. Da wir ohne Rücksicht auf irgendetwas anderes an dem Album gearbeitet haben, ist es jetzt um so interessanter, die unterschiedlichen Gesichtspunkte und Meinungen von außen darüber zu vernehmen.

Wie würdest Du denn das neue Album im Vergleich zu Euren früheren Werken beschreiben?

Eine wirkliche Neuerung war die Verwendung von siebensaitigen Gitarren, mit denen wir zwar schon auf dem letzten Album erste Versuche unternommen hatten, die wir jedoch erst für »Broken« richtig einzusetzen wußten. Dadurch ist es uns gelungen, die Songs düsterer, heavier, aber auch atmosphärisch dichter zu gestalten. Dadurch wußten wir, daß wir uns nicht in unserem angestammten Metier, dem melodischen Power Metal, festfahren würden.

Wenn es bei MASTERSTROKE mit dem Schreiben neuer Songs losgeht, gibt es welches gemeinsame Ziel?

Einen guten Song zu schreiben. Ende. That's it!

Alles klar. Habt Ihr denn eine Idee, was mit »Broken« zu erreichen sein könnte?

Aber sicher doch. Wir hoffen, nun mehr Fans erreichen zu können und dadurch auch zu mehr Gigs zu kommen. Logisch, oder? Das tut zwar jede Band, aber nicht jede gibt es offen zu. [lacht]

MASTERSTROKE (SF)-Bandphoto 2

Gute Einstellung. Wie darf man sich den Ablauf beim Songwriting vorstellen?

Auch wenn wir uns alle irgendwie daran beteiligen, ist es immer noch so, daß Niko für den Großteil des Materials zuständig ist. Für »Broken« haben sich zwar auch Marko (Kolehmainen - Baß) und Markus (Kekoni - Gitarre) als Songwriter eingebracht, den Löwenanteil trägt aber immer noch eindeutig Niko bei. Zunächst sind da zumeist ein oder mehrere Riffs, auf denen wir aufbauen. Mein Beitrag als Keyboarder folgt meistens erst gegen Ende, häufig zeitgleich mit dem Aufarbeiten der Gesangsmelodien und Texte. Nur ganz selten, wie zum Beispiel bei ›As We Crawl‹, steht der Text bereits, auch wenn die Musik selbst erst fertiggestellt werden muß. Eine "Erfolgsformel" gibt es dafür einfach nicht, und wichtig ist ohnehin nur das Ergebnis.

Die von dir schon kurz angesprochene dunkle Atmosphäre macht für mich einen essentiellen Bestandteil von »Broken« aus. Ich nehme einmal an, die ist auch erst entstanden und war nicht als "Vorgabe" vorhanden?

Sowohl, als auch. Manche Songfragmente, wie auch die Texte, haben mehr oder weniger danach verlangt, und von daher war es uns schon klar, in welche Richtung diese Nummern gehen müßten. Und da wir mit dem Ergebnis der ersten Tracks durchweg zufrieden waren, haben wir uns danach sehr wohl auch daran orientiert.

Nicht ganz so düster wirkt dagegen das Artwork. Wer hat es denn gestaltet?

Wie schon für »As Days Grow Dark« JP Ahonen, ein hierzulande bekannter Comic-Zeichner. Janne (Juutinen, der Drummer der Band - der Verf.) und ich sind große Fans seiner Arbeiten, und von daher war es uns eine Ehre, erneut mit JP zu arbeiten. Die Zusammenarbeit mit ihm ist wirklich fein, da paßt einfach alles!

Freut mich zu hören, daß es auch diesbezüglich rundläuft bei Euch, wie Ihr generell den Eindruck erweckt, daß momentan alles im Lot ist. Um uns davon überzeugen zu können, wäre es fein, wenn man MASTERSTROKE in Bälde auch auf den Bühnen in Mitteleuropa zu sehen bekommen könnte. Geht da was?

Schwierig, weil momentan ein echtes Überangebot an Tourneen herrscht und sich kaum noch jemand an Bands heranwagt, die nicht von Anfang an Erfolg garantieren. Verständlich, denn es kostet eine Stange Geld, um eine Truppe wie uns samt Equipment über die baltische See zu karren. Wir fühlen manchmal regelrecht gefangen hier. [lacht] Aber vielleicht kann uns ja jemand "befreien".

Keine Angst. Kommt Zeit, kommt "Rettung". Und wenn vielleicht nicht direkt für MASTERSTROKE, dann eventuell über eine andere Baustelle. Wie ist es denn diesbezüglich um Euch bestellt? Eine Zeitlang war ein Teil von Euch ja mit CRYSTALIC unterwegs...

Das stimmt. Niko und Janne haben irgendwann zu Beginn der 2000er Jahre bei CRYSTALIC mitgewirkt, aber das ist lange her, und die beiden haben sich entschlossen, sich nur noch auf MASTERSTROKE zu konzentrieren. In der Zwischenzeit gibt es zwar RUASTE, eine Punk-Formation bei der Janne und Niko auch mitmachen, aber dieses Projekt wird eher auf Sparflamme betrieben. Auch unsere weiteren Nebengeschäfte sind aktuell eher als "Ausgleich" zu betrachten. Generell kann man festhalten, daß MASTERSTROKE unsere absolute Priorität genießt, auch wenn so mancher mit Job und Familie dafür schon weniger Zeit aufbringen kann, als ihm lieb ist. Und nur so zur Info nebenbei: Auch CRYSTALIC existieren nach einer Pause wieder und haben in neuer Besetzung auch schon einen Song eingespielt!

Coole Geschichte, aber wohl noch Zukunftsmusik, ehe wir darüber berichten können. Apropos "Zukunft", kannst Du zum Abschluß bitte für uns einen Blick in die Kristallkugel wagen?

Ich sehe Gigs, viele Gigs. [lacht] Und außerdem jede Menge an neuen Songs, wobei einige davon auch tatsächlich schon existieren! Also abwarten, was da noch auf Euch zukommt.

Das tun wir gerne und hören bis dahin »Broken« rauf und runter und lassen uns von den sieben Saiten in den Banger-Himmel beamen!

http://www.masterstroke.info/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Markus Povelainen

MASTERSTROKE (SF) im Überblick:
MASTERSTROKE (SF) – Broken (Rundling-Review von 2012)
MASTERSTROKE (SF) – Facing The Truth (Do It Yourself-Review von 2003)
MASTERSTROKE (SF) – Sleep (Rundling-Review von 2008)
MASTERSTROKE (SF) – ONLINE EMPIRE 54-Interview
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