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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  CLASSICA (H)-Interview

Date:  12.10.1993 (created), 13.11.2012 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Besagte Widrigkeiten sollten CLASSICA wie eigentlich auch mehr oder minder alle ihre Landsmänner nicht überwinden und erfuhren keine internationale Anerkennung. CLASSICA sollten mit sich ständig ändernden Besetzungen noch bis ins neue Millennium bestehen, wobei sie musikalisch etwas härter zur Sache gingen. Ihr Meisterstück hatte die Band allerdings mit ihrem '93er Kassettenalbum abgeliefert, das wir mit diesem Interview gewürdigt hatten.

Die Story hatten wir übrigens recht aufwendig gestaltet, denn wir hatten das Cover, das aussah, als würden auf dunkelblauem Samt das goldene Bandlogo sowie ein Wappen mit einem großen "C" liegen (also jenes Design, das nun zur Eröffnung der Story zu sehen ist), als Texthintergrund verwendet. Dann kam die designtechnische Irrsinnstat - zumindest für die damalige Zeit; die Computerprogramme waren natürlich noch längst nicht so weit wie heute, wo ein solches Design ein Kinderspiel wäre. Ich schnippelte also zuerst das Innere des Wappens heraus, um dann dort das Bandphoto einzusetzen, so daß dieses also wappenförmig erscheint. Dann wurde die ganze Angelegenheit als Hintergrund verwendet. Ergo: Das Cover wurde auf dezente Grauwerte reduziert, so daß man den Text darüberfließen lassen konnte. Dies galt allerdings nicht für das Photo, das mit vollem Schwarzweiß-Spektrum in der Seitenmitte auftaucht. Daher mußte der Text passend an diesen Stellen ausgespart werden, da er natürlich nicht über das Bild laufen durfte. Doch die Postscript-Exportformate, die es damals gab, zeigten nach dem Einbau der Datei in Photoshop nur eine sehr grob aufgelöste Vorschau, die zudem nicht in den exakten Größenverhältnissen vorlagen. Kurz: Man konnte nur vom Gefühl her die Datei plazieren, in der Hoffnung, daß man nicht allzu sehr am Ziel vorbeischießt.

Wie gesagt: Heute wäre dieses Design im Handumdrehen zu basteln, doch damals war es eine ziemliche Harakiri-Aktion. Ich kann mich noch gut erinnern, daß alle Beteiligten im Belichtungsstudio und der Druckerei, die mir zuvor abgeraten hatten, diesen Versuch zu wagen, nicht schlecht staunten, daß auf den fertigen Reprofilmen das Bild wirklich fast perfekt an der Stelle saß, an der es geplant war, obwohl ich es beim Zusammenbauen doch nur über den Daumen peilen konnte. Der Metal-Gott ist mit den Mutigen! :-)

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

CLASSICA [H]-Design

Es erweist sich doch immer wieder als zweckmässig, diverse Connections zu haben! Da Gerald und ich gleichermassen von CLASSICA in Extase versetzt wurden, konnte es keine Frage geben - diese Band muß fürs neue Heft interviewt werden. Doch da war ein kleines Problemchen: CLASSICA stammen bekanntlicherweise aus Ungarn und sprechen dummerweise kein Wort Englisch. Da wäre guter Rat teuer gewesen, so daß wir alle im Endergebnis hätten in die Röhre gucken müssen, und uns wäre eine super-talentierte Band durch die Lappen gegangen. Doch an dieser Stelle kommt das oft zitierte Vitamin "B" ins Spiel, welches nicht nur ernährungsphysiologisch essentiell ist. Ich fragte also Joseph Szarka, der beim ungarischen METAL HAMMER/H schreibt und mit dem ich schon lange in Verbindung stehe, ob er die Rolle des Mittelsmann und Dolmetschers übernehmen könne. Er stimmte sofort zu und erhielt einen Stapel Fragen, den er in Richtung CLASSICA konvertieren sollte. Doch leider hatte Joseph gerade während dieser Zeit alle Hände voll zu tun, so daß ich lange nichts mehr von ihm hörte, und er mir schließlich mitteilen mußte, daß es ihm derzeit unmöglich sei, das Interview zu führen. Das CLASSICA-Interview schien sich also zerschlagen zu haben. Doch dann kam uns die Idee, einfach mal Robert Ruszthy mit dem gleichen Anliegen zu belästigen. Sowohl Gerald als auch ich kennen Robert schon sehr lange, und er war es auch, der uns überhaupt auf die Fährte von CLASSICA gebracht hatte. Da Robert erst dieser Tage das Management für CLASSICA übernommen hat, erklärte er sich sofort bereit, unsere Fragen in einer Blitzaktion ins Ungarische zu übersetzen und die Antworten von Drummer Ferenc Weitner wiederum ins Deutsche zu übertragen. So hatte ich knapp sieben Tage später das vollständige Interview, so daß es zeitlich noch realisierbar war, das Teil ins neue UNDERGROUND EMPIRE zu stopfen. Etwas umständig vielleicht, aber der einzige Weg, um CLASSICA zu interviewen. Und so präsentieren wir Euch hiermit nicht gerade wenig stolz CLASSICA, eine der aufregendsten Bands unserer Tage und hoffen, daß es uns in Zukunft viele gleichtun werden!

CLASSICA (H)-Bandphoto

Warum hat man eigentlich nie etwas von CLASSICA vor der Veröffentlichung des »Rock From The Heart Of Europe«-Samplers gehört?

Wir hatten damals einfach nicht die menschlichen Voraussetzungen. Wir waren noch sehr jung und voll mit der damaligen Entwicklung am ungarischen Markt beschäftigt.

Bitte stelle uns CLASSICA etwas genauer vor. Ihr seid bei uns noch völlig unbekannt! Ich weiß lediglich, daß Ihr viele Besetzungswechsel hattet, und ich glaube, daß Euer Keyboarder Tamás das letzte verbliebene Gründungsmitglied ist.

Ich bin auch noch von der ersten Besetzung übriggeblieben. Unser erster Sänger Károly Szutorisz hatte 1987 den Namen CLASSICA und das musikalische Konzept entwickelt und suchte nach passenden Musikern. Als erster kam Tamás Szalai (k), dann der Reihe nach Zoltán Fejes (g), Tibor Hertel (b) und ich dazu, bis wir im November 1987 komplett waren und dann auch begannen, live zu spielen. Anfang 1990 stieg Károly Szutorisz aus, weil er Christ geworden war und es mit seinem Gewissen unvereinbar hielt, in einer Metalband zu singen. Ein halbes Jahr darauf stieg Zsolt Molics als neuer Sänger bei uns ein. Er ist auf dem »Rock From The Heart Of Europe«-Sampler zu hören. Im Januar 1992 stieg Zsolt Molics zusammen mit Zoltán Fejes aus, um sich der Band SÀMÁN anzuschließen. Zwischen April und Mai 1992 kamen Mihály Ablonczy (v) und Péter Nagy (g) zu uns und komplettierten die Besetzung, in der wir heute noch arbeiten. Ach so, ich vergaß zu erwähnen, daß wir im Sommer 1991 unseren alten Bassisten Tibor Hertel feuerten und anschließend mit verschiedenen Leuten arbeiteten, bis wir im März 1992 in Tamás Éber einen festen Ersatz fanden.

Euer Keyboarder Tamás ist der Hauptsongwriter von CLASSICA. In wie weit definiert er die musikalische Richtung von CLASSICA?

Er hat die meisten Songideen, aber die Songs entstehen während der Proben, wo wir alle kräftig Ideen beisteuern!

Euer Bandname paßt absolut! Er ist programmatisch für Eure Musik, die wirklich eine Menge klassisches Feeling beinhaltet. War damals, als Ihr den Namen gewählt habt, diese musikalische Marschrichtung schon klar, so daß Ihr bewußt diesen Namen gewählt habt? Wie weit werdet Ihr es mit den klassischen Einflüssen treiben?

Wie schon gesagt, Name und Konzept waren schon vorhanden, als die Band gegründet wurde. Heute sind höchstens die Solo-Grundlagen und bestimmte kleinere Songparts klassisch angehaucht.

So weit ich informiert bin, habt Ihr schon 1989 Euer Debutalbum aufgenommen. Warum wurde es jedoch nie veröffentlicht? Wie hat es im Vergleich zu Eurem neuen, gerade erschienenen Album geklungen?

Stimmt, mit der ersten Besetzung hatten wir eine komplette LP eingespielt, jedoch ausschließlich mit ungarischem Gesang. Wenn ich mich recht entsinne, war das etwa 1989. Allerdings hat uns das Militär einen Strich durch die Rechnung gemacht, da unser Gitarrist für eineinhalb Jahre einberufen wurde. Daraufhin hat unsere damalige (noch staatliche) Plattenfirma gemeint, wir sollten uns einen neuen Gitarristen suchen, mit dem wir auch touren können oder aber die Platte würde nicht gepreßt werden (die Aufnahmen waren schon fertig) und wir würden in der Versenkung verschwinden. Letzteres ist passiert...
Die erste Platte hatte einen härteren, dynamischeren, Heavy Metal-mäßigeren Sound als unser neues Album.

Stammten die drei Songs, die Ihr für den »Rock From The Heart Of Europe«-Sampler aufgenommen hattet, vom ersten Album?

Ja, aber auf der unveröffentlichten Platte hatte unser erster Sänger Károly Szutorisz die Lieder eingesungen, und von ihm stammen auch die Texte. Für »Rock From The Heart Of Europe« sang unser damaliger Sänger Zsolt Molics die drei Stücke nochmals mit englischem Text ein.

Auf »Rock From The Heart Of Europe« dankt Ihr Jesus Christus. Seid Ihr Christen beziehungsweise seht Ihr Euch als White Metalband?

Nein, wir sind keine Christen. Wir sahen darin, an einem westlichen Sampler mitmachen zu dürfen, ein Riesenglück. Deswegen unsere Danksagung an Jesus Christus.

Welchen Effekt hatte »Rock From The Heart Of Europe« für Euch? Inwiefern hat der Sampler Euch geholfen?

Dieser Sampler hat uns wirklich weitergebracht. Wir haben uns auch im Westen einen Namen machen können, und wir erhielten die Möglichkeit, in Österreich aufzutreten.

Warum finden sich auf Eurem neuen Album keine Stücke von »Rock From The Heart Of Europe«? Habt Ihr drüber nachgedacht, ältere Songs, eventuell noch von ersten, unveröffentlichten Album, aufzunehmen?

Mit den neuen Mitgliedern hätte es keinen Sinn ergeben, die alten Sachen wieder aufzuwärmen. Deswegen spielen wir die Lieder von der ersten Besetzung auch nicht mehr live. Wir denken jedoch drüber nach, die Mastertapes vom ersten Album dem Studio, in dem sie gemacht wurden, abzukaufen und limitiert zu releasen. Aber das ist zur Zeit nur eine Idee, und es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis etwas daraus wird.

Euer neues Album wurde nur auf Kassette veröffentlicht! Warum nicht auch auf LP oder CD? Eine Entscheidung Eurer Plattenfirma PROTON?

Es sind finanzielle Gründe. Unsere Plattenfirma hat einfach kein Geld, CDs oder LPs pressen zu lassen. Sie zahlen uns nicht mal Videoclips, ein neues Album, für das wir schon wieder genügend Songs hätten und unsere Tantiemen zahlen sie auch nicht.

Existiert die Chance, daß das neue Album auch in Deutschland beziehungsweise ganz Europa lizensiert wird? Gibt es Kontakte zu Plattenfirmen oder Vertrieben?

Die Plattenfirma ist nicht bereit, die englische Version der Platte zu finanzieren. Sie haben auch keinen Kontakt zu westlichen Vertriebsfirmen oder Lizenzpartnern. Sie arbeiten nur für den ungarischen Markt. Wir müssen alles selbst in die Hand nehmen.

Die drei Songs von »Rock From The Heart Of Europe« sind in Englisch gesungen. Bestehen Unterschiede zwischen dem englischen Text und der ungarischen Originalversion? Sag' doch mal etwas zu den Texten allgemein!

Praktisch gibt es keine Unterschiede zwischen den englischen und den ungarischen Texten, sieht man von dem ab, was die Grammatik sowie das Reimschema zwingend vorschreiben. Unsere Texte versuchen, die gute Seite des Menschen zu stärken und diese Haltung im Leben zu vermitteln.

Ich denke, das Resultat der englischen Versionen der Songs war sehr gut. Das neue Album ist in Ungarisch gesungen, was Euch mehr oder minder auf den ungarischen Markt limitiert. Warum bleibt Ihr nicht dabei, auch eine englische Version zu produzieren, um so Chancen auf dem internationalen Markt zu erhalten. Ich glaube, Ihr hättet gute Chancen, etwas loszumachen!

Danke für Dein Lob. Wie gesagt, die Plattenfirma war nicht bereit, die Mehrstunden, die durch das Einsingen der englischen Texte entstanden wären, zu finanzieren, und wir haben nicht das Geld dazu. Neuerdings macht die Firma mit uns ein Demo mit englischem Gesang, das hoffentlich in ein paar Monaten fertig sein wird. Wir hoffen sehr, daß sich daraus vielleicht etwas ergibt!

CLASSICA (H)-Bandphoto

Ihr habt einen völlig eigenständigen Stil! Hängt das vielleicht auch damit zusammen, daß Ihr in Ungarn nicht so viel Material von westlichen Bands kriegt und daher nicht so sehr dadurch beeinflußt werdet?

Am Anfang hatten wir doch Einflüsse, vor allem Yngwie Malmsteen und RAINBOW. Wir haben diesen Stil gewählt, weil er uns am nähesten gestanden hat. Außerdem hat unser Stil auch eine kulturhistorische Grundlage.

Schon Euer erster Sänger war ziemlich gut. Sein Nachfolger Zsolt Molics war einfach phantastisch, und Euer neuer Mann ist sogar noch eine Nuance besser. Es scheint, als würden in Ungarn gute Sänger auf Bäumen wachsen! Richtig?

Es ist sehr, sehr schwierig, in Ungarn wirklich gute Musiker zu finden. Wir haben einfach großes Glück gehabt.

Wie ist das Leben als Band in Ungarn? Erzähl' doch mal, inwiefern Heavy Metal in der Gesellschaft akzeptiert ist! Wie sieht es mit Plattenfirmen, Magazinen, Fanzines oder Live-Clubs aus? Also - erzähle doch einfach etwas über die ungarische Szene!

Es gibt sehr viele neue Plattenfirmen, Bands, Magazine und Fanzines, aber die meisten haben sehr große finanzielle Schwierigkeiten. Nur der ungarische METAL HAMMER/H hat Kontakte in den Westen. Firmen, Bands, Managements tun da nichts. Es gibt sehr viele neue Bands, die aber nichts anderes sind, als die Fortsetzung von "Headbanger's Ball'. Sie haben keine Identität, eifern nur irgendwelchen westlichen Idolen nach; Motorräder, Tätowierungen, leichte Mädchen, etc. ...

Bleibt zum Schluß noch die Frage nach Merchandise von CLASSICA. Ich möchte Euch das selbstbetitelte Album von CLASSICA dringend ans Herz legen. Es wird jeden in Entzücken versetzen, der kraftvollen, hymnenhaften Melodic Metal liebt. Um's etwas präziser zu sagen: Das Album hätte nach UNDERGROUND EMPIRE-Bewertungsmaßstab mindestens 18 bis 19 Punkte verdient und gehört definitiv zu den besten Veröffentlichung des Jahres 1993, welches nur wahrlich kein schwaches Jahr war! Zudem sollte man nicht vergessen, daß die Kassette irgendwann mal eine Rarität darstellen wird, aber vorrangig ist natürlich eindeutig die exzellente Musik! Für nur 15,- DM + 1 IRC kriegt Ihr die MC über Robert Ruszthys Firma DOUBLER PROMOTIONS. Ebenso ist der »Rock From The Heart Of Europe«-Sampler, auf dem sich, wie gehört, auch drei ältere, aber nichtsdestotrotz bestechende Stücke von CLASSICA mit englischem Gesang befinden, bei gleicher Adresse erhältlich - zu einem Spottpreis (CD: 15,- DM; LP: 10,- DM).

Dies ist auch die einzige Möglichkeit, zu CLASSICA Kontakt aufzunehmen, da die Bandmitglieder, wie bereits erwähnt, kein Englisch sprechen.
So hoffe ich zum Abschluß das Beste für diese überragende Formation und drücke die Daumen, daß sie es trotz aller Widrigkeiten schaffen werden, die Welt von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Aber solange gute Musik noch geschätzt wird, werden auch Bands wie CLASSICA ihre Freunde finden!

Vorbereitung:
Gerald Mittinger + Stefan Glas

Interview & Übersetzung:
Robert Ruszthy

Bearbeitung:
Stefan Glas

CLASSICA (H) im Überblick:
CLASSICA (H) – Antológia (Re-Release-Review von 2007)
CLASSICA (H) – Pieces... (Demo-Review von 1995)
CLASSICA (H) – UNDERGROUND EMPIRE 6-Special
CLASSICA (H) – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
CLASSICA (H) – News vom 03.12.2006
Playlist: CLASSICA (H)-Album »Classica« in "Playlist Heavy, oder was!? 57" auf Platz 1 bei den Alltime-Faves von Stefan Glas
Playlist: CLASSICA (H)-Album »Fanatic« in "Cavelist Metal Hammer 06/92" auf Platz 1 von Stefan Glas
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