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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  CHANDEEN-Special

Date:  26.03.1994 (created), 10.11.2012 (revisited), 05.12.2014 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Auf CHANDEEN hatte mich unser "Gruftie" Axel gebracht, doch der Musik der Frankfurter Kapelle war ich ebenso schnell verfallen: Ihr Song ‚ÄļLumis‚ÄĻ von ¬ĽShaded By The Leaves¬ę hat mich bis heute nicht losgelassen.

Designtechnisch sollte diese au√üergew√∂hnliche Band auch mit einigen optischen Specials bedacht werden: So stand jenes Design, das man heute gegen Ende des Artikels sieht, ganz oben. Es handelt sich dabei - √§hnlich wie im Falle des DETERRENT-Bandphotos - um ein Experiment mit einem damals neuen Photoshop-Filter; da es sich um ein sehr plakatives Photo mit deutlichen Schwarz/Wei√ü-Kontrasten handelt, bot sich dieser Filter geradezu an, und das Endresultat, in das noch eine Version des CHANDEEN-Logos eingebaut wurde, konnte sich sehen lassen. Leider sind die Originalscans aus jenen Tagen nicht mehr vorhanden, so da√ü ich dieses Design nun aus dem gedruckten Heft abgescannt habe; daher ist leider nicht zu vermeiden, da√ü die Zeilen von der Blattr√ľckseite durchschimmern.

Als Abgrenzung zum Artikel links daneben, legte ich außerdem unter die erste Spalte das zweite CHANDEEN-Logo, von unten nach oben verlaufend, so daß der CHANDEEN-Artikel wie eine in sich abgeschlossene Einheit dasteht.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

CHANDEEN-Logo

Allein schon der Name faszinierte mich - CHANDEEN - geheimnisvoll, schwebend, alles und nichts sagend, regte meine Phantasie an, gebar wilde Konstrukte in meinen Assoziationsbahnen. Schon allein aus diesem Grunde war meine Neugierde entfesselt, lie√ü mich ruhelos das ¬ĽThe Twilight Crossing¬ę-Demo in den Abspielschacht versenken. Die Musik hielt, was der Name mir versprochen hatte. Feinf√ľhlig, mal mit der Polaresk√§lte, die eine einsame Seele versp√ľrt, und dann jene flimmernde, wallende Hitze, jener Rausch der Sinne, der das menschliche Fassungsverm√∂gen bis an seine √§u√üersten Grenzen und dar√ľber hinaus fordert. Einen Atemzug sp√§ter ward ein Brief unterwegs, unterwegs in die unergr√ľndlichen Welten von CHANDEEN und produzierte ein Vorabtape der ersten runden Angelegenheit von CHANDEEN, ¬ĽShaded By The Leaves¬ę.

CHANDEEN-Bandphoto

Diese zeigt CHANDEEN im ersten Reifestadium, das so wenige Bands nur erreichen, die trotz all' ihrer handwerklichen F√§higkeiten doch nie das Innerste des H√∂rers erreichen, ihn wirklich bewegen k√∂nnen, ihm mehr geben als nur eine gutgemachte Zusammenstellung von Worten, Rhythmen und Melodien. CHANDEEN spielen sich sofort in die entlegensten Winkel des Labyrinths menschlicher Existenz, wirbeln auf, was dort schon verh√§rtet und abgestorben war, so leicht, da√ü man zwangsl√§ufig dabei mitgesogen wird, dahindriftet auf einem Hauch aus Kl√§ngen, Farben, Formen. Musik, die mehr ist als Musik, das bedeutet CHANDEEN. Meist sehr ruhig gehalten, mit verhaltenem Rhythmusspiel, das nach einer gewissen Versenkungsphase nahezu verschwunden zu sein scheint, ohne da√ü CHANDEEN jedoch wie eine m√§chtige, zeitlose Eiche ohne Wurzeln w√§re. Ma√ülos, ersch√ľtternd sch√∂n und gewaltig und dennoch beim Angriff der geringsten physischen Kraft zum Fall verurteilt. Darauf breitet sich eine Wolke aus Synthkl√§ngen und trotz seiner bei oberfl√§chlichem Betrachten als unauff√§llig erscheinenden Rolle, gleich ob mit fiebernden Sph√§renkl√§ngen oder bedrohlichen Soundeffekten die St√ľcke ganz durchdringend und seine Multidimensionalit√§t verleihend. Gitarren eher nicht vorhanden, und pl√∂tzlich brechen sie so m√§chtig durch, da√ü man verwirrt und erschrocken den Ort sucht, an dem sie sich verborgen hatten, doch bis man wirklich seine Gedanken gesammelt hat, haben sie akustischem Saitenspiel Platz gemacht, um genauso schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen waren. Zur√ľck bleiben zwei Stimmen, entflohen einem fiebernden Traum jenseits alles Irdischen. Zwei Stimmen, die zwischen Magie und Wahnsinn treiben, zerbrechlich scheinen, aber ein entfesselter Quell der Energie und Expression darstellen. Doch das wirkliche Geheimnis von CHANDEEN liegt im Wechselspiel dieser Details und vieler anderer Elemente, die sich dem Definitionsversuch mit Hilfe der Sprache ebenso entziehen wie alles bislang Gesagte. "Spannung" ist das Zauberwort, das in CHANDEEN regiert! Die Kunst des Minimalismus, optimale Wirkung geschaffen aus dem gigantischen Mikrokosmos der Musik, so pr√§sentieren sich CHANDEEN heute. Was wird erst sein, wenn sie unaufhaltsam die weiteren Ebenen nach und nach durchlaufen haben werden...

CHANDEEN-Design

"Electronic Poetry", so bringt es die Band unerh√∂rt treffend auf den Punkt und sagt mit zwei Worten mehr aus als seitenlange Beschreibungen es je verm√∂gen w√ľrden. Treibt mir alle Vergleiche aus, bis auf die eine Idee, die ein wenig Bestand beh√§lt, n√§mlich der Geistesblitz, da√ü man eine Experimentierfreudigkeit und Liebe zu ausget√ľftelten Sounds an den Tag legt wie ein gro√üer Franzose namens Jean-Michel Jarre. Erl√∂st mich nun aber endg√ľltig aus einem verzweifelten Ringen um Worte, f√ľr Tiefen, die Worte nie ausf√ľllen k√∂nnen, wo nur das Erlebnis, das Teilhaftwerden, die Informationsdefizite befriedigen kann.

http://www.chandeen.com/


Stefan Glas

CHANDEEN im √úberblick:
CHANDEEN – UNDERGROUND EMPIRE 7-Special
CHANDEEN – News vom 25.01.2008
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