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KISSIN' DYNAMITE-Bandphoto 1

Trotz ihrer Jugend sind KISSIN' DYNAMITE schon bei ihrem dritten - dem berühmt-berüchtigten "Make it or break it"-Album angelangt. Das ist den Burschen auch ganz offensichtlich voll bewußt, denn schon allein der Titel »Money, Sex & Power« läßt unmißverständlich erkennen, was den Jungs für ihre Zukunft so vorschwebt. Der gutgelaunte und redselige Sänger Hannes Braun will da auch gar nicht widersprechen und hat außerdem noch viele weitere Informationen auf Lager.

KISSIN' DYNAMITE-Headline

Eure neuen Songs lassen den Schluß zu, daß Ihr Euch vom reinrassigen Heavy Metal ein wenig hin in Richtung Hard Rock orientiert habt. Kann man so stehen lassen, oder?

Auf jeden Fall! Wobei: Als Heavy Metal im Sinne des Genre haben wir uns aber ohnehin selbst noch nie so richtig betrachtet. Ich würde unsere Musik viel eher als Heavy Rock oder Sleaze Metal bezeichnen.

Habt Ihr Euch für das neue Werk ganz bewußt eher an Größen jener Richtung orientiert?

Da wir allesamt auf Bands wie MÖTLEY CRÜE oder SKID ROW stehen, ist es wohl schwer, von der Hand zu weisen, daß uns unsere Heroen auch ordentlich beeinflußt haben. Man kann also durchaus sagen, daß auf »Money, Sex & Power« mehr von jenen Formationen zu finden ist als noch auf »Addicted To Metal«, auf dem der Einfluß von JUDAS PRIEST oder ACCEPT wesentlich deutlicher und stärker gewesen ist.

Ebensowenig von der Hand zu weisen ist Euer Hang zu megastarken Hooks und stadiontauglichen Refrains. Dafür standen wohl auch die erwähnten Helden Pate?

Exakt. Unserer Auffassung nach muß Musik prägnante Momente enthalten, um sich auch im Gedächtnis der Fans einzuprägen. Klar haben wir uns dabei an unseren Helden orientiert, allerdings haben wir erst gar nicht versucht, deren glorreiche 80er-Phase erneut zum Leben zu erwecken, sondern versucht, die Essenz jener Zeit in die Gegenwart zu transferieren.

Das ist Euch gelungen. War das denn auch die Intention, mit der ihr an die Arbeit gegangen seid?

Nicht direkt. Wir waren aber sehr konzentriert und fokussiert, als wir die Songs komponiert haben, und zudem war uns der Mythos des dritten Albums bewußt. Im Endeffekt hatten wir deshalb auch gut 30 Songs zur Auswahl, aus denen wir quasi die "Creme de la Creme" erkoren haben. Fertiggestellt haben wir selbstverständlich nicht alle Songs, mit der Auswahl hoffen wir aber, jeden Fan ansprechen zu können.

Das ist gelungen, keine Frage. Dem Status eines "Regionalacts" seid ihr mittlerweile ohnehin längst entwachsen, der Großteil Eurer Fans dürfte aber nach wie vor eher im Süden Deutschlands anzusiedeln sein, oder?

Schon, obwohl wir wirklich erstaunt darüber waren, wie gut wir beispielsweise bei unserem Gig anläßlich des AFM-Festivals in Hamburg angekommen sind. Ohne jetzt angeben zu wollen, war es an diesem Abend tatsächlich so, daß wir nach U.D.O., die Zuschauer wohl am meisten ansprechen haben können. Denn auch wenn wir eigentlich viel früher auf die Bühne mußten, wurden wir gefeiert, als ob wir Co-Headliner gewesen wären. Das gibt natürlich zusätzlich Selbstvertrauen und beweist, daß wir auch im Norden Deutschlands gefragt sind.

Da würde es doch auf der Hand liegen, auch einmal in Wacken zu gastieren. Ist das nicht generell einer der unerfüllten Träume jedes angehenden Rockstars?

Mhm, na ja. Sicher wäre es phantastisch auch in Wacken zu spielen, aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich da ein anderes Festival vor Augen von dem ich träume: das "Sweden Rock"! Das wär's!

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Absolut nachvollziehbar, und zudem sollten Euch Eure explosiven Heavy/Sleaze/Metal-Schnittchen dort auch förmlich aus der Hand gefressen werden. Also dran bleiben Jungs, dann klappt's auch bei den Schweden. Was anderes: Mich hat immer schon interessiert, wie es kommt, daß so junge Kerle wie ihr auf Musik abfahren, die zumindest eine Generation früher anzusiedeln ist?

Ich kann da zwar nur für meinen Bruder Ande (eine der beiden Gitarristen der Band - der Verf.) und mich sprechen, aber diesbezüglich trägt mit Sicherheit unser Vater die "Schuld". Als wir kleine Jungs gewesen sind haben wir uns am Abend desöfteren in seinem Plattenregal bedient, um uns Exemplare von BON JOVI oder ACCEPT heimlich auszuborgen und anzuhören. Der Alte sollte es zunächst nicht merken, hat uns aber bald ertappt. [lacht] Um so überraschender war dann für uns, daß er dieses Interesse von Beginn an voll und ganz unterstützt hat. Selbstverständlich tut er das auch heute noch, ohne diese Rückendeckung wäre es wohl unmöglich, die Karriere voranzutreiben.

So einfach kann musikalische Früherziehung manchmal funktionieren... Das muß sich der Papa in mir natürlich sofort merken... Aber lassen wir das. Der selbstbewußt betitelte und klingende neue Silberling läßt für mich keinen Zweifel daran aufkommen, daß Ihr Euch in Zukunft voll und ganz auf Musik konzentrieren werdet. Was anderes kommt da wohl kaum in Frage, oder?

An sich haben wir den Fokus schon auf unsere Musiker-Laufbahn gerichtet und hoffen natürlich, mit dem neuen Album richtig durchstarten zu können. Allerdings wären wir blöd, hätten wir nicht auch eine Alternative dazu parat. Zwar liegen die Prioritäten eindeutig in der Musik, doch zumindest haben wir uns einen "Plan B" zurechtgelegt, um nicht unerwarteterweise vor dem Nichts stehen zu müssen. So haben wir allesamt unser Abitur abgelegt und sind nun mehr oder weniger dabei, wahlweise eine weitere Ausbildung zu absolvieren oder zu studieren. Allerdings würden wir unser momentanes Bildungsprogramm sofort beenden, sollte die Band noch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

So weit weg von professionellem Musikerdasein könnt Ihr gar nicht mehr sein. Ich nehme an, schon im Falle einer Tour würden sämtlichen "Nebenbaustellen" kurzfristig auf Eis gelegt?

Ganz sicher. Zwar steht bisher lediglich fest, daß wir zunächst einmal mehr unsere Region mit Gastspielen beehren können, allerdings hoffen wir natürlich auch den einen oder anderen Supportslot lukrieren zu können. Ich bin diesbezüglich wirklich voller Hoffnung, kann aber leider noch nichts Konkretes für die Zukunft vermelden.

Apropos Zukunft: Ganz schön mutig von Euch einen Track ›Forever 27‹ zu betiteln. Zum einen, weil Ihr davon noch weit entfernt seid und zum anderen dürfte es wohl nicht wirklich erstrebenswert sein, in diesen "Club" aufgenommen zu werden, oder?

Zu dieser Nummer hab' ich irgendwo schon vernommen, daß wir diese als Hommage an den berühmten "Club 27" geschrieben hätten. Da hat uns aber jemand mißverstanden! Viel eher ist der Songs als ironisch gemeinte Spaßnummer zu verstehen. Es macht uns einfach viel Freude, mit sämtlichen Rock'n'Roll-Klischees zu jonglieren und in diesem Zusammenhang ist auch ›Forever 27‹ zu verstehen. Es liegt uns jedoch fern, selbst einmal als Mitglieder in diesen Kreis aufgenommen zu werden!

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Bleibt zum Schluß noch zu klären, ob es denn KISSIN' DYNAMITE in Bälde auch in die Heimat ihrer Sleaze Rock-Idole verschlagen wird?

Amerika ist und bleibt unser aller Traum! Aber es ist speziell mit Musik wie der unserer extrem schwierig, in den Staaten Fuß fassen zu können. In erster Linie deshalb, weil dort Bands schlichtweg nicht akzeptiert werden, die mit Sounds ankommen, die an sich von Amis erfunden wurden. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, vielleicht geht ja zumindest ein bißchen was.

Es wär' den Jungs auf jeden Fall von Herzen zu gönnen!

http://www.kissin-dynamite.de/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Severin Schweiger

KISSIN' DYNAMITE im Überblick:
KISSIN' DYNAMITE – Addicted To Metal (Rundling-Review von 2010)
KISSIN' DYNAMITE – Megalomania (Rundling-Review von 2014)
KISSIN' DYNAMITE – Not The End Of The Road (Rundling-Review von 2021)
KISSIN' DYNAMITE – ONLINE EMPIRE 36-"Living Underground"-Artikel
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