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  UE-Home → History → Online Empire 51 → Interview-Übersicht → EUROPE-Interview last update: 27.11.2021, 23:56:11  

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Mit ihrem brandaktuellen Album »Bag Of Bones« werden die Schweden mit Sicherheit für einige Überraschung sorgen. Wer von den Herren auf dem bereits vierten Langeisen seit der Reunion im Jahr 2004 (dem neunten insgesamt in der Karriere, wobei man auch noch hinzufügen muß, daß EUROPE zwischen 1992 und 2004 aufgelöst waren) nämlich Sounds erwartet, die im Stile des seinerzeitigen Welthit ›The Final Countdown‹ angelegt sind, wird sich wohl ebenso getäuscht sehen, wie all jene, die meinen, die Band hätte sich womöglich dem "Zeitgeist" angepaßt, um erneut zu einem Chartsturm anzusetzen.
Nichts davon ist der Fall. Im Gegenteil, der Gourmet erhält ein wahres Festmahl in Sachen Classic Rock, das uns Bassist John Leven durch seine überaus sympathische und grundehrliche Art sogar noch ein wenig schmackhafter machen konnte.

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Vor knapp drei Jahren habt Ihr auf Eurer letzten Scheibe »Last Look At Eden« bereits mehrfach unmißverständlich angedeutet, daß es sich bei EUROPE gegenwärtig um nichts anderes als eine klassische Rock-Band handelt. War es notwendig, diesen Status mit Eurem neuen Album zu manifestieren?

Eine Notwendigkeit haben wir zwar nicht gesehen, allerdings ist es immer noch so, daß uns sehr viele Musikfans und Hörer lediglich auf unsere Mitt-80er-Phase reduzieren. Irgendwie macht es den Eindruck, als ob sich manche gar nicht weiter mit der Band auseinandersetzen wollen. Vielen Musikkonsumenten ist es wohl entgangen, daß EUROPE sowohl vor, aber auch nach »The Final Countdown« existiert haben. Zum Glück aber gibt es ja auch noch jene eingeschworenen und treuen Fans, die wissen, womit sie es bei EUROPE zu tun haben. Wie Du schon erwähnt hast, haben wir uns bereits zuletzt auf unsere Roots besonnen, und diese sind beim Songwriting für »Bag Of Bones« nun noch deutlich stärker ans Tageslicht getreten.

Du sagst es. Wenn man sich nämlich ein wenig zurückerinnert, wird man wissen, daß beispielsweise euer Gitarrist John Norum schon auf seinen ersten Soloalben (»Total Control« von 1987 und »Face The Truth« von 1991) mit einem sehr blues-lastigen Stil und erdigen Hard Rock-Songs zu beeindrucken wußte. Gehen die aktuellen Tracks denn vorwiegend auf seine Kappe?

Gut, daß Du das ansprichst. Generell war es so, daß wir »Bag Of Bones« als Teamwork betrachten, da wir allesamt unsere Ideen eingebracht haben. Allerdings hast Du völlig recht damit, daß John sich schon damals auf seine Wurzeln besonnen hatte, als er aus der Band ausgestiegen ist. Und exakt dieses Vorhaben, ehrlich zu uns selbst zu sein und - völlig egal, wie erfolgreich die Sache im Endeffekt laufen würde - war im Prinzip auch die Vorgabe für uns als Band, überhaupt an eine EUROPE-Reunion zu denken. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, uns nochmals an einem Hit zu versuchen und damit weltweit durchstarten zu können, doch genau das hatten wir nicht mehr vor. Uns war mehr danach, jene Musik zu machen, die wir auch selbst immer noch bevorzugt hören! Wir sind nun mal mit Bands wie LED ZEPPELIN, DEEP PURPLE, WHITESNAKE, UFO und THIN LIZZY aufgewachsen, und warum sollte man das nicht auch auf unseren Alben hören dürfen?

Weil man Euch leider meistens auf einen einzigen Song, auf ›The Final Countdown‹, reduziert. Mal ganz ehrlich, nervt es nicht manchmal, diesen Superhit quasi als Vorgabe zu haben?

Ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, daß es mich stört, mit einem einzigen Song dermaßen erfolgreich gewesen zu sein! Allerdings wirkt es mitunter regelrecht wie ein Fluch, ein solches Lied veröffentlicht zu haben. Gemessen wird man nämlich in diesem Business hinterher nicht mehr wirklich an der Qualität der Tracks, sondern bloß an Verkaufszahlen, und da sieht es nach einem Welterfolg leider immer recht mies aus. Wenn man uns also lediglich unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, braucht man wohl nicht lange darüber nachzudenken, weshalb viele Menschen behaupten, daß EUROPE "ihre beste Zeit" wohl längst hinter sich haben. Doch mittlerweile können wir gut damit leben und haben uns mit der Situation abgefunden.

Anderseits hat Euch wohl nicht zuletzt dieser Welterfolg auch ein gewisses Maß an Freiheit beschert, die Ihr nun gut 25 (!) Jahre später um so intensiver auskosten könnt. Spätestens seit der Reunion dürfen EUROPE musikalisch ohnehin schlicht und ergreifend tun und lassen was sie wollen, oder?

Das trifft den Nagel exakt auf den Kopf! Allerdings muß man sehr wohl noch anfügen, daß es die Reunion ohne diese Vorgabe - Musik komponieren und Platten veröffentlichen zu können, die in erster Linie unserem Geschmack entsprechen - erst gar nicht gegeben hätte! Von daher stimmt es schon, daß der "Fluch" selbstverständlich auch seine "Segen"-Seiten hat, abgesehen vom erwähnten finanziellen Aspekt.

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Alles klar. Zurück zum aktuellen Silberling. Auffällig an »Bag Of Bones« ist für mich nicht nur die offensichtliche musikalische Rückbesinnung auf die Wurzeln, sondern auch die soundtechnisch überaus authentische Umsetzung - oder liegt das etwa an den Promo-CDs?

Nein! [lacht] Wir haben aus gutem Grund mit Kevin Shirley (Produzentenlegende, der unter anderem Werke von IRON MAIDEN, AEROSMITH und JOURNEY veredelte) zusammengearbeitet, weil wir wußten, daß er unsere Vorstellungen einer Rockscheibe perfekt umzusetzen imstande ist. Zudem haben wir ausschließlich altes Equipment verwendet, sind also erst gar nicht auf den Gedanken gekommen, zuviel oder gar ausschließlich am Computer auszuarbeiten. Classic oder Hard Rock schließen so etwas meiner Meinung nach einfach aus! [lacht] ...auch wenn wir zur Nachbearbeitung ab und an auf moderne Technik zurückgegriffen haben. Wesentlich war auch, daß wir dieses Mal eine andere Herangehensweise gewählt haben und die Tracks einzeln nacheinander aufgenommen haben. Das war zwar für unseren Drummer Ian Haugland und mich etwas ungewöhnlich, da üblicherweise die Rhythmusfraktion als erstes ihre Arbeit erledigt und quasi beurlaubt werden kann, während für dieses Album die gesamte Band bis zum Ende anwesend sein mußte.
Doch auch dieser Umstand hat nicht unwesentlich zum Feeling und Flair von »Bag Of Bones« beigetragen und obendrein auch noch jede Menge Spaß bereitet. Wir nahmen nicht einmal getrennt von einander auf, sondern sind wie auf der Bühne allesamt in einem Raum gewesen, um die Nummern einzuspielen. Man kann also durchaus sagen, daß »Bag Of Bones« wie ein Livealbum aufgenommen wurde, und ich denke, das spürt man als Zuhörer auch.

So ist es! Vor allem der hohe Blues-Anteil läßt den Hörer so richtig reinkippen und gewissermaßen mitleiden. Apropos: Ab welchem Zeitpunkt habt Ihr Euch denn dermaßen ausgehungert (»Bag Of Bones« bedeutet frei übersetzt in etwa "bis auf Haut und Knochen abgemagert") gefühlt?

Die Texte gehen an sich wie immer auf die Kappe unseres Sängers Joey Tempest, und ich weiß, daß er mit diesem Titel eines Tages ankam, als er sich nach dem Ende der »Last Look At Eden«-Tour zu Hause in London, wo er nun schon seit längerer Zeit lebt, aufgrund der seinerzeitigen Unruhen sehr seltsam und hilflos, aber auch leer und ausgebrannt gefühlt hat. Joey hat erneut jede Menge an persönlichen Erfahrungen und Gefühlen in seine Lyrics einfließen lassen, wobei er es aber erneut perfekt hinbekommen hat, dem Zuhörer dabei immer noch einen gewissen Interpretationsfreiraum zu gewähren.

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Wer Euch kennt, weiß, daß man Euch auch ohne neues Album immer wieder auf der Bühne zu sehen bekommt. Mit »Bag Of Bones« in der Hinterhand wird es wohl um so intensiver auf Tournee gehen, oder?

Aber sicher doch! Für eine Rockband war es schon immer wichtig und wird aus auch in naher Zukunft wichtig sein, sich auf der Bühne zu präsentieren! Darum geht es doch im Endeffekt in der Rockmusik. So sehr wir es auch lieben, im Studio neue Songs einzuspielen und das fertige Produkt hören zu können, an der Bühne kommst Du einfach nicht vorbei! Wir werden zunächst einmal auf diversen Rockfestivals im Sommer zu sehen sein und uns ab Oktober intensiv um die Beschallung der europäischen Clubs und Hallen kümmern. Zwar müssen wir uns für die anstehenden Festivals erst über die Setlist Gedanken machen, um je nach Spielzeit abzuchecken, was wir vom aktuellen Scheibchen präsentieren können, auf der Clubtour im Herbst kann man aber sicher sein, auch einige Auszüge von »Bag Of Bones« vernehmen zu können.

Lassen wir uns also überraschen, womit uns EUROPE die Ehre erweisen werden. Eines jedoch ist fix: Die Herren werden wohl auf Lebenszeit keinen Gig beenden (dürfen), ohne den einen, den ganz großen Hit intoniert zu haben...

http://www.europetheband.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Fredrik Etoall

EUROPE im Überblick:
EUROPE – Last Look At Eden (Rundling-Review von 2009)
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EUROPE – News vom 02.10.2003
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Playlist: EUROPE-Album »Last Look At Eden« in der Kategorie "aktuelle Faves" auf Platz 1 von Thomas Heyer
siehe auch: Musik von EUROPE im Film "The Rocker"
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