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SCARLET ANGER-Logo

Ein Abstecher nach Luxemburg ist zwar für viele Tourneen Pflicht, dennoch bedarf es einiger Bemühungen, um auch Exponate der dortigen Szene für sich entdecken zu können. Ein wirklich interessantes nennt sich auf SCARLET ANGER und hat vor kurzer Zeit ein sehr feines Thrash-Schnittchen mit dem Titel »Kill The King« vorgelegt. Das Quintett offeriert darauf einen gelungenen Mix aus herzhaften "Old School"-Anleihen und jeder Menge "neuzeitlicher" Einsprengsel. Die Melange kommt durchweg drückend und mit Schmackes aus den Boxen und läßt auch hinsichtlich ihrer Eingängigkeit kaum Wünsche offen. Grund genug also, bei der Band nachzuhaken. Sänger Joe Block war offensichtlich davon ziemlich angetan und hatte nicht nur zu erwähntem Silberling reichlich Interessantes zu berichten.

SCARLET ANGER-Headline

Gratulation zu Eurer EP, die mich schwer beeindruckt hat. Haben denn auch andere Schreiberlinge damit etwas anzufangen gewußt?

Vielen Dank nochmals für die lobenden Worte. Ja, bisher haben wir ausschließlich gute Kritiken erhalten. Wir sehen unsere Arbeit dadurch bestätigt, es tut wirklich gut, feststellen zu können, daß sich der monatelange Aufwand gelohnt hat.

In eurer Bio wird erwähnt, daß SCARLET ANGER aus BORN hervorgegangen sind. Da der Großteil unserer Leser aber wohl keine dieser Bands kennt, wäre es hilfreich, zunächst einmal eure Geschichte ein wenig aufzurollen.

BORN nannte sich die erste, 1995 gegründete Band von Fred Molitor (Gitarre) und mir und war dem Hard Rock zuzuordnen. Jene Zeit war für uns sehr lehr- und auch erfolgreich. Wir bekamen die Chance, den Opener für ZZ TOP hier bei uns zu geben und brachten es sogar zu Radioeinsätzen. Im Laufe der Zeit stellten wir allerdings fest, daß uns heftigere Klänge doch stärker am Herzen liegen und lösten BORN 2007 auf, um kurz darauf SCARLET ANGER zu gründen.

Das Debut unter diesem Banner erschien 2009 und trägt mit »La realidad es triste...« einen spanischen Titel. Habt ihr damals etwa noch nicht Englisch gesungen?

Doch, doch. Die Aktion dazu entstand durch eine sehr spontane Idee. Als Fred und ich in Südfrankreich auf Urlaub waren, sahen wir in einem Tattoo-Laden das Bild eines Hofnarren, der eine lächelnde Maske in seinen Händen hielt, dazu aber ein trauriges Gesicht machte und ein Schild mit der Aufschrift "La realidad es triste..." in Händen hielt. Mir hat dieser Titel dermaßen gut gefallen, daß er nicht nur für unser Demo herhalten mußte, sondern seit jener Zeit sogar auf meiner Haut verewigt ist.

SCARLET ANGER-Bandphoto 1

Da ich dieses Demo nicht kenne, muß ich ein wenig nachhaken. Wie würdet ihr denn Eure aktuellen Kompositionen im Vergleich zu den früheren Exponaten kommentieren?

»Kill The King« ist im Wesentlichen schneller, aggressiver und auch druckvoller ausgefallen, was auch unser Plan gewesen ist. Wir wollten einfach etwas extremer klingen. Nicht vergessen werden sollte allerdings auch die Tatsache, daß vor den Aufnahmen zwei neue Bandmitglieder zu uns gestoßen sind. Diese Wechsel haben uns eine Menge gebracht, da sowohl Alan "Skeelo" Flammang am Schlagzeug, wie auch unser zweiter Gitarrist Jeff Buchette erfahrene Musiker sind und beide den Sound der aktuellen EP entscheidend mitprägen konnten.

Die EP kommt übrigens auch optisch sehr fein daher und ist zudem in einer schmucken Metallkassette zu erhalten. War es denn kein finanzielles Risiko, für ein in Eigenregie veröffentlichtes Album eine dermaßen aufwendige Verpackung zu wählen?

Keineswegs. Da wir ohnehin nur eine kleine Auflage machen lassen haben, hielt sich das Risiko von Beginn an in Grenzen. Die Kosten wurden auch deshalb relativ gering gehalten, weil wir den Großteil an Arbeit selbst erledigen konnten. Aufnahmen, Mix und sogar das Artwork gingen auf unsere Kappe, lediglich gemastert haben wir das Teil dann im "Skywalk"-Studio in Trier. Somit hielten sich sämtliche Ausgaben also in einem überschaubaren Rahmen.

Liegen denn mittlerweile Angebote für Plattenverträge oder Vertriebsdeals vor?

Ja, wir haben mittlerweile sogar zwei sehr konkrete Angebote vorliegen. Mit einem kleineren, neuen Label sind wir verhandlungsmäßig auch schon sehr weit vorangekommen, weshalb ich denke, daß wir sehr bald von dieser Kooperation berichten werden können! Wir freuen uns schon sehr auf diese Herausforderung und sind hochmotiviert.

Wird es als Einstandsgeschenk ein vollständiges Album zu bejubeln geben?

Auf jeden Fall! Schon zu Beginn des nächsten Jahres soll unser erstes Album erscheinen, wobei die fünf Tracks von »Kill The King« darauf ebenso zu hören sein werden, wie auch sechs oder sieben neue Stücke. Allerdings wissen wir noch nicht, ob wir die Sache als überarbeiteten Re-Release auflegen lassen, oder doch mit einem anderen Titel und neuem Artwork an den Start bringen werden. Das alles gilt es noch, mit jenem Label zu besprechen, nicht jedoch den Zeitplan, denn wir sind bereits fleißig dabei, neue Stücke zu schreiben und befinden uns auch bald wieder im Studio.

Zumindest fünf Volltreffer kann man Euch dafür heute schon attestieren, wobei ich annehme, daß auch die weiteren Kompositionen ordentlich ballern werden und abermals ein amtliches Thrash-Gewitter über den Zuhörer niederprasseln wird. Welche Bands sind denn zu nennen, wenn wir über Inspirationsquellen sprechen? Mit der Annahme, hier große Namen des Thrash genannt zu bekommen, werde ich so falsch nicht liegen, oder?

Nö. Ich persönlich mag vor allem KREATOR, die alten Sachen von METALLICA, MACHINE HEAD, IRON MAIDEN, aber auch die Luxemburger Death Metal-Band DESDEMONIA. Jeff und Bassist Vince sind große MAIDEN-Fans, Drummer Alain bevorzugt MACHINE HEAD, und bei Fred geht nichts über METALLICA.

Nicht wirklich unerwartet, allerdings lassen selbst diese Einflüsse noch immer viel Platz für Entfaltungsmöglichkeiten. Ebenso vielschichtig dürfte auch der Ideen-Pool für Eure lyrischen Ergüsse sein. Woher kamen - und kommen - denn die Inspirationen für die Texte?

Inspirationen kommen mir immer wieder völlig spontan. Das kann beim Autofahren sein, oder beim Musikhören. Es kann eigentlich immer und überall passieren, daß eine Idee entsteht. Diese bringe ich dann nach Möglichkeit zu Papier und versuche, sie weiter auszubauen. Mitunter ist es aber auch nicht mehr als der Versuch, persönliche Gefühle in den Texten zu verarbeiten.

SCARLET ANGER-Bandphoto 2

Um ein wenig konkreter zu werden: Kannst Du uns bitte die Texte und die Hintergründe zu den Songs von »Kill The King« erläutern?

Klar doch. ›New God Rising‹ handelt davon, daß unsere moderne Technologie immer mehr zu einem Gott für den Menschen wird, da unser Alltag mittlerweile nur noch von Computer, Handy, oder dergleichen bestimmt wird. ›My Battlefield‹ ist dann etwas personenbezogener ausgefallen und handelt von einem paranoiden Typen, der von Gedanken gequält wird, die sich als sein persönliches Schlachtfeld herausstellen. ›From Fool To King‹ erzählt von jenen jungen Leuten, die durch Casting-Shows hochgejubelt werden, dann für kurze Zeit ganz oben sind, danach jedoch wieder ebenso schnell fallengelassen werden. ›Game Over‹ basiert schlicht auf den Horrorfilmen "Saw" und klingt auch dementsprechend. Bleibt noch ›Face Of Evil‹, das einen eher psychologischen Ansatz hat, denn die Nummer handelt von einem schizophrenen Kerl, der Leute umbringt, sich jedoch permanent nach dem Grund dafür fragt.

Sehr aufschlußreich, bleibt bloß zu hoffen, daß die Idee für den letztgenannten Titel nicht beim Autofahren entstehen mußte. Anderes Thema: Bühnenaktivitäten. Wie sieht es denn an der Livefront aus, und welche Gigs waren denn bislang die Highlights für Euch?

Am "Wacken Metal Battle" teilzunehmen war eine tolle Sache, ebenso für PRIMAL FEAR zu eröffnen. Cool war auch, beim größten Festival hier in Luxemburg, dem "Food For Your Senses", auftreten zu können. Natürlich dürften es gut und gerne noch mehr Gigs sein, da wir aber momentan noch von keiner Booking-Agentur betreut werden, kümmern wir uns auch um die Organisation von Konzerten selbst und deshalb stehen für die nächste Zeit, mit Ausnahme eines Ausfluges nach Trier im September, auch ausschließlich Gigs bei uns an.

Sollte es jemanden also nach Luxemburg verschlagen, empfiehlt sich ein Blick auf die MySpace-Präsenz der Truppe, um sich über anstehende Konzerte zu informieren. Und weil wir eben bei den Themen Luxemburg und Konzerte angelangt sind, wollte ich zum Abschluß noch wissen, wie es denn generell um die Szene in Eurer Heimat bestellt ist.

Gar nicht schlecht. Es gibt viele, zum Teil noch sehr junge Bands mit großem Potential. Es freut mich immer wieder zu sehen, wie weit einige dieser Jungs in ihrem Alter schon sind. Konzerte sind bei uns generell sehr gut besucht, wobei das sogar für kleine Bands und Club-Gigs zutrifft. Man kann sich nur wünschen, daß diese Entwicklung auch weiterhin anhält und auch wir ein wenig davon profitieren können.

Ich drück' der Band dafür auf jeden Fall fest die Däumchen, denn dieser Fünfer hat sich für »Kill The King« jede Menge Aufmerksamkeit und Zuspruch verdient!

http://myspace.com/scarletanger

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

SCARLET ANGER im Überblick:
SCARLET ANGER – Dark Reign (Rundling-Review von 2012)
SCARLET ANGER – Dark Reign (Rundling-Review von 2012)
SCARLET ANGER – Kill The King (Do It Yourself-Review von 2011)
SCARLET ANGER – ONLINE EMPIRE 48-Interview
SCARLET ANGER – News vom 28.06.2013
SCARLET ANGER – News vom 30.11.2013
SCARLET ANGER – News vom 25.12.2014
andere Projekte des beteiligten Musikers Alain "Skeelo" Flammang:
DREAMING IN RED – Silence Before... (Do It Yourself-Review von 2002)
MAN MADE SUICIDE – Aftermath Of Betrayal (Do It Yourself-Review von 2007)
MAN MADE SUICIDE – News vom 05.07.2006
MAN MADE SUICIDE – News vom 05.07.2006
MINDPATROL – News vom 12.02.2014
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