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LEVIATHAN (US, CO)-Headline

LEVIATHAN sind ein eindeutiger Fall für die Ehrengalerie des Metals, denn kaum eine andere Band hat es geschafft, derart meisterlich die Energie des Power Metals mit den komplexen Arrangements des Progressive Metals zu vereinen. Doch über das Level eines Insidertips sollten LEVIATHAN aus Colorado nie hinauskommen.
Doch 2010 fand sich die Band wieder zusammen und spielte eine Reunionshow, was sogar darin resultierte, daß LEVIATHAN eine neue Platte anpackten, die Anfang diesen Jahres erschienen ist. Daher mußte uns Gitarrist John Lutzow Rede und Antwort stehen. Es könnte nämlich die letzte Platte der Band werden.

LEVIATHAN [US, CO]-Bandphoto [bei der Reunionshow 2010]

Wie kam es zu der Reunionshow vom letzten Jahr? War es von vornherein klar, daß dabei die letzte Besetzung, die auch die letzten beiden Alben vor der Auflösung, »Riddles, Questions, Poetry & Outrage« ('96) und »Scoring The Chapters« ('97), aufgenommen hatte, auftreten würde?

Die LEVIATHAN-Reunion kam nur zustande, weil Derek Blake (b) und ich wieder mit Trevor Helfer (d) zusammengearbeitet hatten. Ich hatte Jahre damit zugebracht, ihn zu finden! Als er sich dann Derek und mir bei unserem BRAVER SINCE THEN-Projekt anschloß, wußte ich, daß ich mich meinem Traum, die Band wieder zusammenzuführen, einen Schritt nähergekommen war. Ich hatte damals schon wieder Kontakt mit Ron Skeen (g) aufgenommen, und ich hatte ihn immer in das einbezogen, was ich in musikalischer Hinsicht getan habe. Doch bis zu diesem Punkt, an dem die Sprache wieder auf LEVIATHAN kam, hatte Ron keines meiner Angebote angenommen, sich mir bei BRAVER SINCE THEN anzuschließen. Es kostete mich auch ein paar Jahre, um Jeff Ward (v) ausfindig zu machen, da er zusammen mit seiner Familie zurück nach Texas gezogen war. Ich rief ihn an und ließ ihn wissen, daß ich diese Show organisieren würde. Es war von Anfang an meine Absicht, die Band anschließend zusammenzuhalten. Der Auftritt war großartig, aber leider hat er zu einem gewissen Prozentsatz auch schlechte Erinnerungen geweckt. Die Show brachte uns wieder zusammen, aber erinnerte uns auch dran, wie uns das Musikbusiness seinerzeit einen Tritt versetzt hatte.
Was die Besetzung betrifft hatte ich niemals drüber nachgedacht, mit einem der ehemaligen LEVIATHAN-Mitglieder aufzutreten. Es ist einfach nicht mein Ding, rückwärts in der Zeit zu gehen oder mich qualitativ mit weniger als dem Optimum zufriedenzugeben. Die Besetzung, die die letzten beiden Studioalben aufgenommen hatte, bestand aus den besten Musikern und großartigsten Menschen, mit den ich je gearbeitet habe. Warum hätte ich also versuchen sollen, eine schwächere Version zusammenzustellen, wenn ich auch die beste haben kann? Und im Falle LEVIATHAN bedeutete dies Ron, Trevor, Jeff, Derek und ich.

Es gab also auch keine Überlegungen, einen der ehemaligen Mitglieder, sei es die beiden Sänger Tom Braden und Jack Aragon, Bassist James Escobedo oder Drummer Ty Tammeus, vielleicht als Gast für einen Song auf die Bühne zu holen?

Die Trennung von den ehemaligen Mitgliedern verlief nicht im Guten. Ich persönlich wurde nicht von einem der Jungs betrogen. Es ist eine lange Geschichte, aber es sollte ausreichen, wenn ich sage, daß Ron nach dem, was damals vorgefallen war, niemals wieder mit einem von ihnen zusammengearbeitet hätte. Allerdings hatte mich Ty kurz vor der Reunionshow kontaktiert. Ich weiß nicht genau, warum er das getan hatte, aber er erzählte mir, daß er eine neue Band habe, die ich mir doch mal anhören solle (Hierbei dürfte es sich wahrscheinlich um ARTIZAN gehandelt haben - Red.).

War es von Anfang an geplant, die Show mitzuschneiden?

Es war Sinn und Zweck der Reunionshow, sie aufzunehmen. Ich hatte das Gefühl, daß eine Band, die so lange existiert hatte wie LEVIATHAN, einfach auch ein Video als Hinterlassenschaft haben müsse. Es hätte also gewissermaßen so etwas wie unsere Grabinschrift werden können, wobei ich ja, wie erwähnt, von Anfang an gehofft hatte, daß es nicht unsere letzte Amtshandlung werden würde. Das einzige Problem, das LEVIATHAN hatten, war das Timing: Als die Band bereit war, den großen Sprung zu machen, war die denkbar schlechteste Zeit für progressiven Metal angebrochen, denn Grunge war angesagt, und dann sollte dieser Rap-Metal folgen. Das hat uns natürlich jegliche Chancen genommen.

Warum habt Ihr Euch bei der DVD für das Konzept entschieden, alte Livemitschnitte, stereoskopische Effekte, Photos - und zwar von privater Natur bis hin zu offiziellen Promoshots - oder Filmsequenzen in den Liveauftritt von der Reunionshow reinzuschneiden?

Ich wollte unbedingt, verlorene Zeit wieder gutmachen. Falls dies meine letzte Chance gewesen wäre, all' meine visuellen Intentionen an den Mann zu bringen, dann wollte ich mit dieser DVD die gesamte Geschichte der Band in Bildern einfangen. Zudem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß selbst der ergebenste Fan sich hinsetzen und 60 Minuten lang einfach nur fünf alten Typen auf der Bühne zusehen will. Es ging mir dabei also um passendes Entertainment. Ich wollte dem LEVIATHAN-Fan auch einen Eindruck von unserem Leben abseits der Band bis hin zu den Ursprüngen der Band vermitteln. All dies und ein paar abstrakte optische Elemente nehmen den Zuschauer mit zu einer visuellen Reise.

Kurze Zwischenfrage: Kann es sein, daß Ihr Euch früher ziemlich wild auf der Bühne gebärdet habt? Die entsprechenden alten Sequenzen vermitteln so einen Eindruck...

Das ist Dir wohl aufgefallen, was? [grinst] Es ist lustig, daß Du das erwähnst, denn wir hatten einige negative Kritiken erhalten, weil wir uns bei der Reunionshow nicht sonderlich viel bewegten. Damals in unserer langhaarigen Sturm und Drang-Zeit hätten wir es mit unserer Energie, die wir bei Liveshows versprüht hatten, mit jeder anderen Band der Welt aufnehmen können. Ich schlug damals Salto rückwärts vom Drumriser während eines Songs! Wenn man den technischen Level unserer Song berücksichtigt rannten wir mehr auf der Bühne herum als alle anderen Bands, die ich kenne. Hast Du DREAM THEATER, FATES WARNING oder QUEENSRŸCHE auf der Bühne gesehen? Diese Jungs bewegen sich kaum...

Inwiefern habt Ihr die Live-CD/DVD im Studio überarbeitet? Manchmal klingt alles so clean, daß man fast nicht glauben kann, daß es nicht bearbeitet wurde.

Clean im Sinne von präzisem Spiel? Dann ja. Wir waren immer sehr stolz auf unsere Fähigkeit, daß wir live Note für Note das reproduzieren konnten, was man auf den Platten hören kann. Das galt selbst in den Tagen unserer verrückten Bühnenkapriolen als unser '94er Album »Deepest Secrets Beneath« aktuell war. Musik war der Leistungssport, mit dem wir aufwuchsen. Es war Pflicht, bei jedem Auftritt die Parts perfekt zu spielen und gleichzeitig wie ein Besessener herumzurennen!
Den Audiopart, den man von der Reunionshow hört, entstand innerhalb von drei Abenden, die alle aufgenommen wurden. Wir hatten eine Halle für zwei Nächte vor der Show gemietet, so daß wir für einen guten Sound sorgen und zugleich die äußeren Umstände kontrollieren konnten, um eine All Ages-Show spielen zu können. Das war sehr wichtig für uns, denn Ron und ich wollten die Aktion nur durchziehen, wenn endlich unsere ganzen Familien uns spielen sehen könnten. Auch dabei schwang dieser Vermächtnisgedanke mit: Wir sind beide fatalistische Typen. Wir wissen, daß heute unsere letzte Möglichkeit sein könnte, um unsere Ziele zu erreichen. Du mußt dafür sorgen, daß deine Zeit auf Erden einen Wert hat!
Zurück zu den technischen Aspekten: Ich hatte mein komplettes Studioequipment für die Audioaufnahmen aufgebaut. LEVIATHAN hatten schon seit 1995 mit Clicktrack gespielt. Der Einsatz der Clicks ermöglicht uns, sowohl live unsere Keyboardparts zu verwenden, als auch die Performances von verschiedenen Auftritten zusammenzuschneiden. Das bedeutet, daß man im Endprodukt unter Umständen die Drums vom ersten, die Gitarre vom zweiten und den Gesang vom dritten Abend hört, aber sämtliche Audioaufnahmen stammen von diesen drei Abenden. Wenn man vor einem All Ages-Publikum spielt, das hauptsächlich aus Freunden und Familienmitgliedern besteht, dann ist das sehr hilfreich, um eine möglichst entspannte Performance einzufangen. Die Bilder für die DVD wurden allerdings hauptsächlich am dritten Abend festgehalten, wo wir in einem professionellen Club auftraten, wo die Besucher allerdings über 21 Jahre alt sein mußten.

Wie kam es denn dazu, daß Ihr wirklich den nächsten Schritt gemacht und begonnen habt, an einem neuen LEVIATHAN-Album zu arbeiten?

Die Reunionshow hat mich wirklich sehr inspiriert: Gezwungen zu sein, einen Song wie ›Confidence Not Arrogance‹ wieder einzustudieren, brachte mich wieder an jenen Punkt, an dem ich mich damals musikalisch befunden hatte. Dadurch wurden neue Songs wie die "THC EMP"-Trilogie erst möglich. Ich gelangte wieder zurück zu diesem harten und technischen Drive, den ich einst besessen hatte. Eigentlich hätte das neue Album schon Monaten früher fertig sein sollen, doch Probleme mit dem Privatleben, Terminplänen, Finanzen und verlorener Hoffnung hatten uns ausgebremst.

Warum sind Ronnie und Trevor letzten Endes kein Teil dieser neuen Episode der LEVIATHAN-Geschichte? Hatten sie noch Anteil an »At Long Last, Progress Stopped To Follow« oder sind sie schon zuvor gegangen? Haben sie mittlerweile der Musik komplett entsagt?

Wie ich schon gesagt hatte, war meine Absicht, daß sich jeder nach der Reunion aktiv an der Weiterentwicklung von LEVIATHAN beteiligt. Ron sagte, daß er beim neuen Album mitmischen wolle. Er hatte zwei Songs in seinen Archiven, die perfekt gepaßt hätten, aber er hat einfach nicht die nötige Zeit gefunden, um sich einzubringen. Trevor war zunächst am Entstehungsprozeß der Platte beteiligt und hatte im letzten Jahr begonnen, die Drumtracks aufzunehmen. Doch dann tauchten einige familiäre Probleme auf, so daß er sich entschloß, die Band zu verlassen, um sein Leben zu ordnen. Während Trevors Abwesenheit sprach ich mit Stefan Flores von TITAN FORCE über die Möglichkeit, daß er das die Platte einspielen würde. Doch bevor dies konkrete Formen annahm, traf ich Alex Simpson, der nun unser Drummer ist. Trevor will weiterhin Musik machen, aber Ron sagte mir, daß er endgültig aufgehört habe. Ich habe es aus ganzem Herzen geliebt, mit diesen Jungs zu spielen! Das fällt für mich in die Kategorie, daß man nicht weiß, was man hat, bevor man es verloren hat. In musikalischer Hinsicht waren wir eine Einheit und es bestand zwischen uns eine Verbindung, die nur den wenigsten Musikern zuteil wird. Ich habe mit Hunderten Musikern überall auf der Welt gespielt, aber habe nie dieses Level von Tightness und blindem Verständnis erreicht, die wir auf »Riddles, Questions, Poetry & Outrage« oder »Scoring The Chapters« an den Tag gelegt haben. Das war in der Tat etwas ganz Besonderes!

Was kannst Du uns über die neuen Leute bei LEVIATHAN erzählen? Inwiefern werden sie die Musik in Zukunft beeinflussen?

Derzeit ist Alex der einzige wirklich neue, feste Musiker. Ich kann nur sagen, daß er schlicht erstaunlich ist und mich tief beeindruckt hat. Ich schickte ihm drei Songs, um sie für eine Audition einzuüben. Als er dann zwei Wochen später zum Vorspielen kam, hatte er auf eigene Faust insgesamt acht Songs gelernt, die er sich kurzerhand aus dem Internet runtergeladen hatte. Er hat von Kindesbeinen an Musikunterricht genommen und ist der erste Drummer, mit dem ich arbeite, der in Musiktheorie beschlagen ist. Ich bin mir sicher, daß er bei allen, die das neue Album hören, schwer Eindruck schinden wird!
John Sellers ist ein langjähriger Freund aus Kalifornien. Er hat ein paar Gitarrensoli und Celloparts für das Album beigesteuert. Er ist auch der Mitverfasser einiger neuer Songs. Diese Songs begannen ihre Existenz schon 1998 als Teil eines BRAVER SINCE THEN-Albums. Was die Zukunft betrifft kann ich nur hoffen, daß ich weiterhin mit diesen Musikern arbeiten kann, die ich jetzt um mich habe!

Dann verrate uns doch mal ein paar Einzelheiten über die neue Platte, bei der allein schon der Titel bemerkenswert ist: »At Long Last, Progress Stopped To Follow«.

Danke, das ist nett, daß Du das bemerkt hast. [grinst] Der neue Albumtitel und der Titel des »Scoring The Chapters«-Vorgängers spielen auf den lebenslangen Kampf an, den ich mit der Geduld führen, und deuten auch auf mein musikalisches Streben im Progressive-Genre hin. Zudem spricht aus dem Titel ein wenig die Hoffnung, daß uns eines Tages die Sterne gewogen sind, so daß LEVIATHAN eine Wertschätzung erfahren werden. Zudem wurde der Titel durch einen Ausspruch von George Bernard Shaw inspiriert: "Der vernünftige Mann paßt sich an die Welt an, der unvernünftige Mann versucht beständig, die Welt an sich anzupassen. Daher wird jeglicher Fortschritt von unvernünftigen Männern erreicht."
Das Album folgt keinem Konzept, aber der Song ›Forsaken, Forgotten For Nothing‹ transportiert meine Ablehnung gegenüber dem Glauben der organisierten Religionen. Zudem gibt es drei zusammenhängende Songs, die man als konzeptuelle Einheit umschreiben könnte, da die "THC EMP"-Trilogie zudem durch ihre musikalische Struktur verbunden ist.

Von »At Long Last, Progress Stopped To Follow« soll es zwei Versionen geben: Die CD soll nur einen Teil der kurzen Überleitungsstücke enthalten, so daß sie etwas gradliniger wird, während diese fehlenden Parts in einer Downloadversion enthalten sein werden. Wieso habt Ihr Euch zu diesem Schritt entschlossen? Immerhin gab es schon auf »Scoring The Chapters« etliche solcher Passagen. Hat es damals Kritik dafür gegeben?

Es werden auf der Kaufversion in der Tat einige Bonusnummern weggelassen werden, die diejenigen, die LEVIATHAN unterstützen, kostenlos übers Internet runterladen können. Diese Idee entstammt dem gelegentlichen negativen Feedback, das wir von denjenigen erhielten, die meinen Kunstverstand nicht teilen. Es scheint, als würden die meisten LEVIATHAN-Fans diese instrumentalen Überleitungen mit Dialogparts nicht sonderlich mögen. Daher habe ich mich entschlossen, sie von den gepreßten CDs wegzulassen, so daß das Album songorientierter sein wird. Filme sind eine der Leidenschaften, die mein Leben prägen. Meine ersten beiden Soloalben bestanden aus nicht anderem als Instrumentalstücken, über die Filmdialoge gelegt wurden, um eine Geschichte zu erzählen. Auf diese Weise fing BRAVER SINCE THEN an.

Du verwendest in der Tat überall ausgiebig solche Parts. Ist es wichtig für Dich, einem Album einen gewissen filmischen, soundtrackartigen Stil zu verpassen?

Die Antwort läßt sich ganz einfach auf meine Liebe zu Filmen zurückführen. Worte sind sehr wichtig für mich, und Filme waren meine Lehrer, als ich aufwuchs, die mir beibrachten, mich auszudrücken. Da ich bei unserer Musik meine Stimme nicht zur Verfügung habe, benutze ich einen Filmdialog, um mich mitzuteilen. Viele Leute sagen, daß mein Stil sie sehr an Filmmusik erinnert.

»At Long Last, Progress Stopped To Follow« wirkt in musikalischer Hinsicht auf mich wie der nächste logische Schritt für LEVIATHAN: etwas weniger metallisch, etwas progressiver. Wie bist Du die neuen Kompositionen angegangen?

Ich habe versucht, das Album so heavy und technisch wie möglich zu machen, um unsere Hauptzielgruppe anzusprechen. Ich habe diese Songs im letzten Jahr wieder und wieder aufgenommen, so daß sie sich zu dem entwickelt haben, was man jetzt hören kann. Ich kann natürlich nicht meine musikalischen Einflüsse verbergen. Es ist auch keineswegs so, daß das Alter oder die Reife meinen Stil verändert haben. Ich wollte einfach ein Album erschaffen, das ich selbst gern kaufen würde. Glaub' mir, ich wünschte, ich könnte eine moderne Version von »Deepest Secrets Beneath« kreieren. Damit könnte ich mich vielleicht sogar finanziell gesundstoßen. Aber ich bin heute einfach ein anderer Mensch.
In Bezug auf die zukünftige Entwicklung von LEVIATHAN kann ich nur sagen, daß ich versprechen kann, daß ich weitere Songs im Stile der "THC EMP"-Trilogie machen werde - sofern ich weiterhin Musik machen werde. Wie es bei FATES WARNING mit »Parallels« war, stellt dieses Album auf für mich eine "make or break"-Situation dar. Wenn Du die Geschichte kennst, dann weißt Du, worauf ich anspiele: FATES WARNING hatten vorgesehen, daß »Parallels« ihr letztes Album werden würde. Ich vermute, daß sie das Gefühl hatte, daß dies ihre letzte Chance sei, etwas zu bewegen. Ich respektiere FATES WARNING mehr als jede andere Band auf diesem Planeten für ihre Entschlossenheit und Langlebigkeit.

»At Long Last, Progress Stopped To Follow« ist via STONEFELLOWSHIP RECORDINGS erschienen, während die Neuauflage der LEVIATHAN-EP plus »Deepest Secrets Beneath« auf Eurem eigenen Label CORROSIVE RECORDS veröffentlicht wurde. Welche Erfahrungen habt Ihr bei Suche nach einer Plattenfirma gemacht?

STONEFELLOWSHIP RECORDINGS ist mein Label, während CORROSIVE RECORDS Rons Label war. Ich hatte im letzten Jahr alles drangesetzt, eine Plattenfirma zu finden, hatte aber kein Glück. Ich würde mir wirklich wünschen, ein Label oder einen Vertrieb zu finden, die meine Musik supporten würden, aber es hat leider nicht geklappt. Ich schätze, daß LEVIATHAN einfach nicht diejenigen anspricht, die das nötige Geld hätten. Niemand ist willens, uns eine Chance zu geben und LEVIATHAN oder BRAVER SINCE THEN den Support zu geben, den sie verdienen würden.

LEVIATHAN [US, CO]-Bandphoto [»At Long Last, Progress Stopped To Follow«-Recording-Line-up]

Ihr habt gerade Eure erste EP und das erste Album »Deepest Secrets Beneath« zusammen auf einer CD veröffentlicht. Welche Erinnerungen hast Du an diese Zeit?

Die guten Erinnerungen an die alten Tage stammen meist von den Liveshows. LEVIATHAN spielten in den ersten beiden Jahren, nachdem ich mich der Band angeschlossen hatte, mehr Shows als jede andere Band aus Colorado: Wir gaben 100 Auftritte im Jahr nach der Veröffentlichung der EP, was eine ganz schöne Menge für eine Band ist, die sich nicht auf Tour befindet. Die Szene in Denver war damals ziemlich gut. Die Studiosessions waren immer stressig, aber wenn ich heute zurückschaue, dann sind das die besten Erinnerungen. Für einen Songwriter ist es das größte, eine Komposition auf dem Weg durch ihren Lebenszyklus zu beobachten. Wenn man aus ein paar Worten, ein paar Noten oder Emotionen etwas entstehen läßt und schließlich auf Platte festhält, so bedeutet dies die größte Belohnung. Der Song erwacht zum Leben und kann nun ein lebendes Zeugnis für denjenigen sein, der ihn erschaffen hat. Es ist eine Hinterlassenschaft für die Nachwelt. Wenn sich in hundert Jahren jemand dafür interessiert, kann er einen meiner Songs spielen und einen klaren Eindruck davon bekommen, wer ich war und für was ich eingetreten bin.

Apropos: Es gibt die LEVIATHAN-EP mit grünem und purpurfarbenem Cover. Ist eine Version davon besonders rar?

Es gab sogar drei verschiedenfarbige Pressungen! Zuerst kam die grüne Version, dann eine in schwarz und silber, während die Purpur-Version die letzte Pressung darstellte. Jede Auflage bestand auf 1.000 Exemplaren. Ich denke, man kann sagen, daß sie alle gleich rar sind. Ich habe schon gesehen, daß Exemplare auf eBay für über 100 Dollar den Besitzer gewechselt haben. Witzigerweise habe ich selbst kein einziges Exemplar mehr. Als ich früher mal in einem Second Hand-Plattenladen gearbeitet hatte, kam jemand mit einer handsignierten grünen Version vorbei, aber er erkannte mich auf dem Photo nicht, da ich meine Haare zum Zopf gebunden hatte. Ich habe behauptet, daß die Scheibe nichts wert sei und gab ihm einen Dollar dafür. Doch ich gab die Scheibe wieder her, als mir ein Sammler eine purpurfarbene Version im Tausch plus eine ordentliche Stange Geld bot. Ich habe rare Sachen immer weggegeben, denn ich dachte immer, es sei besser, die Musik an jemand weiterzugeben, der Interesse daran hat.

Gibt es eigentlich Pläne auch »Riddles, Questions, Poetry, & Outrage« und »Scoring The Chapters« wiederzuveröffentlichen? Oder hat im ersten Fall Euer damaliges Label CENTURY MEDIA RECORDS noch die Rechte daran?

Ich werde die anderen Alben wiederveröffentlichen, sobald es eine ausreichende Nachfrage gibt, die die Produktionskosten rechtfertigt. Die ganzen Rechte sind mittlerweile an uns zurückgefallen. Aber bis dato gab es noch keine Anfragen für Neuauflagen der neueren Platten. Ich träume aber davon, daß es diese Nachfrage eines Tages geben wird, so daß ich auf alle Fälle »Scoring The Chapters« re-releasen kann. Die Platte ist so gut und würde es einfach verdienen, gehört zu werden, was bis dato allerdings noch nicht wirklich geschehen ist.

Warum konnten sich LEVIATHAN nie über den Status eines Insidertips erheben? Zumindest in Europa wurdet Ihr förmlich mit phänomenalen Kritiken überhäuft! Wie sind in diesem Licht betrachtet Deine heutigen Ziele für LEVIATHAN?

Mann, ich wünschte, ich wüßte, warum wir nicht mehr Erfolg hatten! Letzten Endes ist es alles eine Frage des Timings: Man muß zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und dann Talent, Engagement, Glück, Aussehen und Geld vorweisen können. Unglücklicherweise müssen uns wohl einige dieser Faktoren gefehlt haben. Wir hatten auf der ganzen Welt tolle Reviews eingefahren, aber es sind nun mal nicht die Reviews, die die Herren in den Schlüsselpositionen überzeugen, Geld in eine Band zu investieren.
Meine heutigen Ziele drehen sich einfach darum, das beste Produkt abzuliefern, das mir möglich ist. Ich lege meine Karten auf den Tisch und lasse es drauf ankommen. Wenn das neue Album nicht gewürdigt wird, dann werde ich zurück in den Underground gehen und verschwinden, bis meine Chancen, die Welt zu erobern, besser aussehen... Das war natürlich ein Witz. [lacht] Wahrscheinlich werde ich dann aufhören, in einer Band zu spielen, und allenfalls gelegentlich Musik zu einem Soundtrack für einen Film beisteuern oder mich wieder ganz den Motocross-Rennen zuwenden.

Warum haben eigentlich CENTURY MEDIA »Scoring The Chapters« nicht veröffentlicht? Ihr hattet damals eine Meldung veröffentlicht, daß CENTURY MEDIA die Option für ein weiteres Album gezogen hätten, doch letzten Endes habt Ihr es dann auf eigene Kappe via CORROSIVE RECORDS veröffentlicht.

Wir wurden von CENTURY MEDIA aus den Verträgen entlassen, da sie vertragsbrüchig geworden waren. Diese Geschichte ist eine komplizierte, verschlossene Angelegenheit, die eines Tages komplett erklärt werden muß. Im Moment reicht es zu sagen, daß die Band den Kürzeren gezogen hatte. Das Expertengremium bei CENTURY MEDIA glaubte damals, daß der Hörer nicht den Unterschied zwischen einer guten Produktion, die nun eben mal Geld kostet, und einer Scheibe, die für ein 500 Dollar-Budget auf Band geknallt wurde, hören würde. Der Besitzer der Firma ließ sich damals sogar zu der Aussage hinreißen, daß "Leute, die Metalplatten kaufen, Idioten seien und kaufen würden, was auch immer er ihnen vorsetzen würde". Ich hätte jedoch nie etwas veröffentlicht, das nur ein schwacher Abklatsch unserer wahren Möglichkeiten dargestellt hätte. LEVIATHAN haben immer hohe Ansprüche an sich gestellt, und wir waren davon überzeugt, daß unsere Musik die bestmögliche Produktion verdient - und das war zu dieser Zeit verdammt teuer! Dennoch wäre es mathematisch gesehen ein Kinderspiel gewesen, »Scoring The Chapters« auf eigene Faust zu veröffentlichen. Wir hatten genügend Vorbestellungen noch bevor wir die erste Note aufgenommen hatten, daß wir problemlos 25.000 Dollar fürs Studio hätten investieren und immer noch Gewinn einstreichen können. Als wir dann das Album vollendet hatten, schien es, als hätte sich das Schicksal und unser ehemaliges Label gegen uns verschworen, um unseren Erfolg zunichte zu machen. Soweit wie ich es sehe, hatten CENTURY MEDIA uns von unseren Vertriebsmöglichkeiten abgeschnitten. Sie drohten den Vertrieben, daß sie keine CENTURY MEDIA-Produkte mehr bekommen würden, sofern sie unsere Platte vertreiben würden. Daher wurden die meisten Vorbestellungen gestrichen. Wir verkauften nur etwa 1.400 CDs bevor dieser Finanzkrieg die Band zerriß.

Während der Zeit, als LEVIATHAN nicht existierten hattest Du, John, zusammen mit Derek Blake BRAVER SINCE THEN gegründet. 2007 schloß sich Euch Trevor Helfer an, was wie erwähnt der erste Schritt zur LEVIATHAN-Reunion war. Soweit ich es anhand der wenigen Songs, die ich kenne, beurteilen kann, sind BRAVER SINCE THEN rock-orientierter als LEVIATHAN, aber ebenfalls progressiv. Wie würdest Du den Stil von BRAVER SINCE THEN umschreiben?

Eigentlich ging es mit BRAVER SINCE THEN schon 1992 los: Damals begann ich die Aufnahmen für das erste Album, das später unter dem Namen BRAVER SINCE THEN erscheinen sollte. Dieses erste Album fungierte gewissermaßen als Vorstellungsgespräch für mein Songmaterial und später für Derek, um bei LEVIATHAN aufgenommen zu werden. Man kann sagen, daß BRAVER SINCE THEN gewissermaßen ein Nachwuchsspieler ist, der sich durch die Amateurligen bis hinauf in die Bundesliga gespielt hat. Derek ist ein Freund aus Highschool-Tagen, und er war immer der beste Sänger für meine Songs. Als damals Tom Braden, der erste Sänger, LEVIATHAN verließ, dachte ich, daß ein Sänger mit einem weniger konventionellen Metalstil helfen würde, uns in kommerzieller Hinsicht Türen zu öffnen. Doch damals fühlte sich Derek dieser Aufgabe nicht gewachsen. Doch ich habe weiterhin mit ihm unter dem Namen BRAVER SINCE THEN aufgenommen, was uns dann dazu bringt, wie er im Jahr 1995 bei LEVIATHAN einstieg. Damals brauchten wir erneut einen Sänger, und wir testeten mit Derek, aber Ron glaubte nicht, daß Derek schon bereit für diese Herausforderung war. Er wurde aber unser Bassist, was einfach großartig war. Denn wir stimmten alle darin überein, daß es wertvoller war, einen tollen Kumpel in der Band zu haben als den besten denkbaren Musiker.
Für mich stellen alle Alben nach »Deepest Secrets Beneath« letztendlich BRAVER SINCE THEN-Alben dar. Ich war nie fähig, eine klare Linie zwischen LEVIATHAN und BRAVER SINCE THEN zu ziehen. Ich hoffte immer, daß meine Songs auf einem LEVIATHAN-Album landen würden, aber der ein oder andere wurde immer wieder als ungeeignet für LEVIATHAN erachtet. Es ist allerdings witzig, wieviele Songs, die zunächst von der Band abgelehnt worden waren, später wieder von LEVIATHAN adoptiert wurden, nachdem sie bereits von BRAVER SINCE THEN aufgenommen worden waren. Songs wie ›First Loves Forgotten‹, ›Passion Above All Else‹, ›Legacy Departing‹, ›Born Unto, But Don't Belong To Me‹ und der zuvor genannte Instrumental/Dialog-Kram fallen allesamt in diese Kategorie.
Wenn ich BRAVER SINCE THEN beschreiben sollte, dann würde ich sagen, daß die Songs meinen LEVIATHAN-Songs sehr ähneln, sie aber nicht so schnell, heavy und technisch ausfallen und eben andere Vocals besitzen.

Diese Frage wurde zwar schon zuvor mehr oder minder beantwortet, ich möchte sie aber dennoch stellen: Wie kannst Du Kritiker davon überzeugen, daß »At Long Last, Progress Stopped To Follow« wirklich ein LEVIATHAN-Album ist und nicht ein BRAVER SINCE THEN-Album unter leicht veränderten Vorzeichen? Es gibt eindeutige Unterschiede zwischen beiden Bands wie logischerweise den Gesang, aber - wie Du schon ausgeführt hast - ebenso deutliche Parallelen zwischen BRAVER SINCE THEN und LEVIATHAN.

Dazu kann ich nur sagen, daß diejenigen, die über die Platte debattieren, einfach reinhören sollen. Der Bandname, der draufsteht, sollte längst nicht so wichtig sein wie die Frage, ob man die Musik mag oder nicht. Daher kann ich zur Verteidigung meiner Musik nur sagen, daß jemand, der sie früher mal gemocht hat, sie immer noch mögen sollte - ganz gleich unter welchem Namen sie auch erscheint. Meine Leidenschaft und mein Stil haben sich nicht geändert! Wer also Interesse an unserer Musik hat, kann sich online einige Kostproben anhören oder auf YouTube Promovideos anschauen. Wenn er es mag, soll er uns unterstützen und die CD kaufen. Falls es ihm nicht gefällt, dann eben nicht. Ich versuche nicht, ein Album für jedermann zu machen. Ich schätze mich glücklich, daß ich es geschafft habe, eine auserlesene Gruppe von Menschen zu erreichen, die schätzen, was ich anzubieten habe. Die meisten von ihnen scheinen in Deutschland, Griechenland und Japan zu leben. All jenen, die diese Zeilen lesen, möchte ich ausdrücklich danken!

Ich kann mich erinnern, daß auf Eurer Homepage stand, daß Du, John, zwischen 1989 und '91 bei TYRANT'S REIGN warst. Das heißt also, daß Du zu dieser Zeit wohl in Chicago gelebt hast, oder?

Da liegt ein Mißverständnis vor: Die Band, bei der ich gespielt habe, war eine andere, die allerdings auch einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte. Laß mich etwas ausholen: Ich landete bei der Colorado-Band TYRANTS REIGN nachdem ich mit Chris Broderick gejammt hatte, dessen Weg später bekanntlich zu JAG PANZER, NEVERMORE und MEGADETH führte. Wir fanden raus, daß unsere Stilistik nicht miteinander harmoniert, aber daß er einen Freund habe, zu dem mein Gitarrenspiel perfekt passen würde. Er brachte uns in Kontakt, und die Sache nahm ihren Lauf. Chris Broderick und ich hatten immer ein recht verrücktes Verhältnis miteinander: Wir gingen auf die gleiche Highschool, aber er war ein Jahr älter als ich. Wir bewegten uns in den gleichen Kreisen, waren aber zugleich Rivalen in zwei Footballteams, die von unterschiedlichen Enden der Stadt stammten. Ich freue mich sehr für seinen Erfolg: zumindest einer aus unserer Stadt, der ein Ausrufezeichen setzen konnte. Eventuell hätte es aber auch mit vertauschten Rollen passieren können: Als wir in Florida waren, um »Scoring The Chapters« im dortigen "Morrisound"-Studio aufzunehmen, erhielt unser Produzent Jim Morris einen Anruf von Mark Briody von JAG PANZER. Sie suchten nach einem neuen Gitarristen, da Joey Talfola erneut ausgestiegen war. Ich sprach damals mit Mark und sagte ihm, daß ich liebend gerne bei ihnen mitmachen würde. Doch bis ich nach Colorado zurückgekehrt war, waren JAG PANZER bereits mit Chris Broderick nach Europa aufgebrochen. Ach übrigens: Nachdem ich mich LEVIATHAN angeschlossen hatte, benannten sich TYRANTS REIGN in THE QUIET ROOM um. Desweiteren hatte ich zwischenzeitlich Abstecher zu anderen Bands aus Colorado wie PSYCHODRAMA, RICHTHOFEN und FOOLISH PRIDE gewagt.

Verstehe ich es richtig, daß die Colorado-TYRANTS REIGN, bei denen Du gespielt hast, also ohne Apostroph geschrieben wurden? Die Band aus Chicago heißt nämlich korrekt geschrieben TYRANT'S REIGN - also mit Apostroph.

Um das korrekt beantworten zu können, muß ich etwas herumkramen... Okay, auf den alten Flyers von unseren Shows, die ich noch habe, wird der Name auch mit Apostroph geschrieben: TYRANT'S REIGN. Der Sänger der Band sollte später in Ron Skeens IRON FORTRESS-Projekt singen (Es dürfte sich demnach um Tim Lawrence gehandelt haben - Red.). Das ist aber das einzige, was er darüber hinaus tat. Jack Aragon war unser zweiter Sänger, der sich später ebenso wie ich LEVIATHAN anschloß. "Meine" TYRANT'S REIGN benannten sich in INCARNATE FEAR um, nachdem wir den Drummer und den Sänger ausgetauscht hatten.

Ich will noch etwas weiter in den Krümeln suchen: Ich vermute, daß es sich bei jenen PSYCHODRAMA, die Du erwähnst, um PSŸCO DRAMA handelt, oder nannte sich die Band PSYCHODRAMA zu jenen Zeiten, als Du an Bord warst, und haben später den Namen geändert? Meine Vermutung, daß es sich um die gleiche Band handeln könnte, wird dadurch genährt, daß der LEVIATHAN-Heimatort Littleton, der vor den Toren von Denver liegt, und Colorado Springs, die Heimat von PSŸCO DRAMA, nur etwa 100 Kilometer voneinander entfernt sind. Auf alle Fälle sind ihr »The Illusion«-Demo und das gleichnamige erste Album echte Klassiker!

Jene PSYCHODRAMA, bei denen ich mitgemacht hatte, wurde immer in einem Wort geschrieben. Die Band war zuvor der Colorado-Liebling FOOLISH PRIDE. Sie wechselten einige Gitarristen und nannten sich in PSYCHODRAMA um. Der Sänger war Corey Brown, und einer der Gitarristen hieß Bart Bartliano oder so ähnlich (exakt heißt er Bart Barlettano - Red.). Der Drummer war MacKenzie Kerr. Ich bekam den Posten bei FOOLISH PRIDE während ich bei TYRANT'S REIGN war. Ich wollte ursprünglich sogar diese Band gegenüber LEVIATHAN bevorzugen, weil die ganzen Jungs von FOOLISH PRIDE cool waren, während die LEVIATHAN-Musiker mit Ausnahme von Ron auf mich wie Trottel anmuteten. Das war etwa zwischen 1990 und '91. Ich hätte mich dieser Band dauerhaft angeschlossen, wenn sie nicht so weit von mir entfernt gelebt hätten. Wie Du schon gesagt hast, lebten FOOLISH PRIDE beziehungsweise PSYCHODRAMA in Colorado Springs, während ich aus Aurora stammte (das ebenfalls in der Nähe von Denver liegt - Red.), was etwa 75 Meilen entfernt war.

Erzähl' uns doch noch etwas mehr über Deine andere Band RICHTHOFEN. Gab es von dieser oder von anderen Deiner frühen Bands Aufnahmen? Wann spielte sich das Ganze in etwa ab?

Bei der Band RICHTHOFEN spielte ich 1988. Ich war im letzten Jahr auf der Highschool, und wir hatten angefangen, in örtlichen Clubs zu spielen. Ich spielte bei RICHTHOFEN zur gleichen Zeit, als ich auch mit Chris Broderick in seiner Band GRAY HAVEN jammte. Einige Monate später schloß ich mich dann gemeinsam mit Jason Boudreau TYRANT'S REIGN an (Jason sollte bis zum Ende bei der Band bleiben; also bis zur Auflösung von THE QUIET ROOM - Red.).
Diese ganzen Bands hatten lediglich rohe 4-Spur-Demos aufgenommen, und wir spielten ein paar Livegigs, aber das ist das ganze zählbare Resultat während meiner Zeit bei diesen Bands.

Zum Abschluß nochmal zurück zu LEVIATHAN: Warum hattet Ihr diesen Namen gewählt? Immerhin war er selbst damals schon das ein oder andere Mal in Gebrauch gewesen. Wolltet Ihr unbedingt ein Meeresungeheuer als Maskottchen haben - so ähnlich wie es auf dem Cover von »Deepest Secrets Beneath« zu sehen ist?

Ja, dieses Monster, das auch den Fluten aufsteigt, war gewissermaßen das für uns, was Eddie für IRON MAIDEN darstellt! Ron hatte den Namen LEVIATHAN ausgesucht. Er jammte damals oft in einen Komplex mit Proberäumen, wo auch Harry Conklin und SATANS HOST probten. Harry nannte sich zu diesem Zeitpunkt Lord Leviathan (auf der Platte trug er dann bekanntlich das Pseudonym Leviathan Thisiren - Red.). Ron mochte das und dachte, daß der Name das perfekte Image für Power und Energie transportierte. Damals waren wir uns nicht bewußt, daß es andere Band mit diesem Namen gab. Ron hatte sich sogar die weltweiten Rechte an dem Namen sichern lassen, die ihm von 1991 bis 2001 gehörten. Nachdem sich die Band aufgelöst hatte, ließ Ron die Rechte verfallen, so daß sich die gleichnamige Band aus Kalifornien draufstürzte.
Übrigens kann ich noch eine Fußnote anfügen, daß es rund um meine Beteiligung an LEVIATHAN und Deutschland viele Zufälle und Verwicklungen gibt; ich bin quasi vom Schicksal an beides gefesselt. Ich wußte, daß ich Vorfahren aus Deutschland hatte, aber ich fand erst mit der Zeit heraus, wie tief dies geht: Der Nachname meiner Mutter lautete Nagel, und ihre Familie siedelte Anfang des 20. Jahrhunderts nach Amerika über. Die Eltern meines Vaters kamen sogar noch ein wenig früher aus Deutschland hier herüber. Dann las ich, daß es bei Euch eine Stadt namens Lutzow gibt (John meint hier wohl die Gemeinde Lützow in Mecklenburg-Vorpommern - Red.). Außerdem fand ich heraus, daß die deutsche Marine eine Baureihe von Schiffen hatte, die sie "Leviathan" nannten, und eines dieser Schiffe hatten einen Kapitän namens Lutzow.
Auf alle Fälle möchte ich mich bei Euch in Deutschland bedanken, denn es scheint einer der wenigen Orte auf der Erde zu sein, an dem man unsere Musik zumindest vage versteht und schätzt. Daher möchte ich allen LEVIATHAN-Fans dafür danken, daß sie sich an uns erinnern!

LEVIATHAN [US, CO]-Bandphoto [Line-up 2011]

John, seit wir dieses Gespräch geführt haben, ist einige Zeit vergangen, und Ihr mußtet in der Zwischenzeit den Sänger wechseln, da die Zusammenarbeit mit Jeff Ward quasi unmöglich war, da er in einem anderen Bundesstaat wohnt und für jegliche Bandaktivitäten einfliegen mußte. Außerdem gibt es einige Neuigkeiten, was eine mögliche neue Platte betrifft, um unser Interview hoffentlich positiv abzurunden.

Neulich ist eine coole Sache passiert: Ich bekam eine E-Mail von jemand, der für eine ortsansässige Bank arbeitet, die die Liquidation eines alten Tonstudios namens "Time Capsule" betrieben, wo LEVIATHAN mehrfach aufgenommen hatten. Die ehemaligen Besitzer hatten sich verdrückt und alle Mastertape im Keller zurückgelassen. So bin ich an die Mastertapes des ersten BRAVER SINCE THEN-Albums von 1994 gekommen, und ich erhielt die Bänder von drei LEVIATHAN-Aufnahmesessions. Das Nonplusultra dieser Aktion ist, daß ich nun im Besitz des allerersten LEVIATHAN-Demos bin. Es enthält die Songs, die Ron zu »At Long Last, Progress Stopped To Follow« beisteuern wollte.
Ich freue mich schon auf das neue Album! Heute habe ich die Masterbänder des ersten LEVIATHAN-Demos im "CO Sounds"-Studio abgegeben. Sie werden die Bänder backen und dann die Informationen runterziehen. (Hier sei hinzugefügt, daß alte Analogbänder in der Tat zunächst in einem Spezialofen erhitzt werden, wobei man hier von "Backen" spricht, weil man anschließend die enthaltenen Daten, also in diesem Fall die Musik, in besserer Qualität retten kann. - Red.)
Mit den beiden verlorenen LEVIATHAN-Songs, meinen vier neuen Stücken, dem neuen Intro und einigen speziellen Instrumentalsongs sind wir nicht mehr weit von einem neuen Album entfernt. Ich habe Deke, Brice und Alex gebeten, daß sie auch anfangen sollen, Ideen zu sammeln. Ich bin mir sicher, daß sie einige gute Songparts finden werden, aus denen wir hochwertige LEVIATHAN-Lieder basteln können.
Zudem werden wir einige Coverversionen im speziellen LEVIATHAN-Stil aufnehmen, die wir dann zum kostenlosen Download veröffentlichen werden.
Ich bin mir sicher, daß Ron auf dem nächsten Album mitspielen wird, wenn die ganze Arbeit an seinen Stücken erledigt ist. Ich könnte sogar seine Parts bei ihm zu Hause aufnehmen, so daß er nicht großartig durch die Gegend fahren muß. Ich versuche wirklich, LEVIATHAN wieder in seiner ureigenen, besten Form aufzubauen!

Das ist ein versöhnlicher Ausblick, denn es wäre in der Tat schade, wenn diese außergewöhnliche Band, die wir gerade erst zurückgewonnen haben, momentan aber immer noch an einem Scheideweg steht, frustriert die Segel für immer streichen würde. Hört Euch also auf der Homepage die Kostproben der neuen Platte an, die wieder ein progressives Meisterwerk darstellt! Dort könnt Ihr auch Neuaufnahmen alter Songs mit dem neuen Sänger Brice Cave anhören und das CD/DVD-Package von der Reunionshow sowie die Neuauflage der '92er EP und des '94er Albums »Deepest Secrets Beneath« auf einer CD bestellen.

http://www.leviathanresurrected.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

LEVIATHAN (US, CO)-Logo

 

LEVIATHAN (US, CO) im Überblick:
LEVIATHAN (US, CO) – At Long Last, Progress Stopped To Follow (Rundling-Review von 2011)
LEVIATHAN (US, CO) – Beholden To Nothing, Braver Since Then (Rundling-Review von 2014)
LEVIATHAN (US, CO) – Remastered Leviathan EP & Deepest Secrets Beneath (Re-Release-Review von 2011)
LEVIATHAN (US, CO) – Scoring The Chapters (Rundling-Review von 2000)
LEVIATHAN (US, CO) – Words Waging War (Rundling-Review von 2020)
LEVIATHAN (US, CO) – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
LEVIATHAN (US, CO) – ONLINE EMPIRE 49-Interview
LEVIATHAN (US, CO) – News vom 17.07.2009
LEVIATHAN (US, CO) – News vom 22.12.2010
LEVIATHAN (US, CO) – News vom 13.05.2011
LEVIATHAN (US, CO) – News vom 29.06.2017
LEVIATHAN (US, CO) – News vom 10.05.2018
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