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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  FOR ABSENT FRIENDS-Interview

Date:  28.02.1992 (created), 16.08.2011 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Wie in der Story erwähnt, hatten wir das Covermotiv als Storyhintergrund verwendet, was heuer aus Internet-technischen Gründen nicht nachzuvollziehen war, so daß wir besagtes Gemälde mit dem Logo verschmelzen ließen. Das Logo war übrigens erneut unser Eigendesign, da FOR ABSENT FRIENDS nie ein echtes Logo hatten. Dazu passend war auch der Interviewtitel nett gestaltet gewesen, was wir in dieser Ausgabe begonnen hatten. Auch das ist heute nicht mehr der Fall; wer also das Original sehen möchte, kann die entsprechende Ausgabe ja nachbestellen... :-) Doch immerhin konnten wir heuer die Livephotos nutzen, die uns die Band mitgeschickt hatte, für die damals allerdings kein Platz gewesen war.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

FOR ABSENT FRIENDS-Logo

Auch wenn in UNDERGROUND EMPIRE 6 sehr viel recht deftiges Material zu finden ist, haben wir keineswegs die gemäßigte Rockmusik vergessen. Und wenn es sich dann noch um dermaßen talentierte Burschen wie das holländische Progressive Rock-Quintett FOR ABSENT FRIENDS handelt, dann macht man ein Interview doch gleich nochmal so gerne. FOR ABSENT FRIENDS dürften einigen von Euch noch ein Begriff von "Upcoming Internationals" im letzten Heft sein, aber mehr werdet Ihr wohl auch nicht wissen. Auch wenn ich da einen kleinen Vorsprung in Form eines Infos hatte, waren Gitarrist Edwin Roes und Drummer Ed Wernke so nett und erzählten uns erst mal etwas zu FOR ABSENT FRIENDS direkt.

Edwin: FOR ABSENT FRIENDS legten 1987 los, als wir bei mehreren Jamsessions einer nach dem anderen zusammenkamen. Unsere Intention bei der Bandgründung war es, in der holländischen Rockszene so viele Gigs wie möglich zu spielen und bislang hat das auch recht gut geklappt. Unsere Einflüsse liegen bei RUSH, QUEENSRŸCHE oder GENESIS, aber wir denken, daß wir unseren eigenen Stil kreiert haben.

Ed: Unser erster Auftritt war beim holländischen Grand Prix, einem Liederwettbewerb für holländische Bands, und im Anschluß daran spielten wir in einer Menge Clubs. Im letzten Jahr hatten wir dann einige wirklich großartige Gigs als Opener für MARILLION, IQ und PENDRAGON.

FOR ABSENT FRIENDS-Headline

Wollen wir doch jetzt mal langsam die Reihe Eurer bisherigen Releases abschreiten. Eure erste Veröffentlichung war gleich eine Single mit den Songs ›Changing Season‹ und ›Let Me In‹ aus dem Jahre 1988. Was denkt Ihr heute rückblickend über dieses Teil, besonders angesichts der Tatsache, daß es doch ein rechter Schnellschuß kurz nach der Bandgründung war!

Ed: Wir waren damals der Meinung, daß wir Promomaterial bräuchten, und so gingen wir in ein Studio, um ein Demo aufzunehmen. Als wir im Januar 1988 die Lieder aufnahmen, fragte uns der Engineer, warum wir nicht eine Single draus machen würden. Nach dem Motto "Why not?" entstand so unsere erste Single, die wir primär dazu benutzten, um Gigs auszumachen und etwas Airplay zu erhalten.

Edwin: ›Changing Seasons‹ ist bei unseren Fans immer noch sehr populär, und wir spielen das Stück auch regelmäßig live. ›Let Me In‹ allerdings spielen wir nicht mehr, da es nicht mehr in unser Repertoire paßt.

Als nächstes folgten dann zwei offizielle Livetapes. Eigentlich eine recht ungewöhnliche Sache! Was waren Eure Gründe dafür?

Ed: Wir wurden damals nach mehr Material neben der Single gefragt, und weil wir denken, daß wir eine ausgesprochene Liveband sind und live auch am besten rüberkommen, war das ein guter Grund, Konzerte mitzuschneiden.

Es kam ein weiteres 2-Song-Demo »Nerd Illusions«, doch dann ging es erst richtig los: Zunächst habt Ihr im letzten Jahr auf eigene Faust die »Illusions«-CD aufgenommen, und neulich ist bei SI MUSIC Eure erste vollständige CD »Both Worlds« erschienen. Ich möchte die beiden CDs gerne etwas vergleichen. Meiner Meinung nach ist »Illusions« reinrassiger Progressivrock während »Both Worlds« eher in Richtung normaler Rock tendiert. Seht Ihr das ähnlich?

Edwin: Wir waren nicht allzu glücklich mit dem Sound von »Illusions«, und wir beschlossen, einen powervolleren Sound für »Both Worlds« zu entwickeln. Es war eine natürliche Entwicklung in der Band, kürzere Songs mit einem moderneren Sound zu schreiben, und daher denke ich, daß »Both Worlds« eingängiger ist!

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 1

Mir ist irgendwie aufgefallen, daß der erste Vers, den A.T. singt, "Close Your Eyes" lautet, was in meinen Augen absolut programmatisch für die ganze CD ist. Ich empfinde Eure Musik als Musik, die einem zum Träumen bringen kann. Ist das vielleicht sogar eine Intention Eurerseits, oder wie würdet Ihr das selbst auf den Punkt bringen?

Ed: Wenn wir Songs schreiben, dann kommt es uns eigentlich nur darauf an, daß uns bei unserer Musik ein Schauer über den Rücken läuft. Wir machen die Musik nicht für andere Leute, sondern für uns, und wenn andere sie mögen, dann ist das großartig! Eigentlich behandeln unsere Texte doch sehr reale Dinge, die wir selbst erlebt haben, aber einige davon können den Hörer sicherlich in eine träumerische Stimmung versetzen. Wenn Du also bei unser Musik zu träumen anfängst, dann ist das absolut okay für uns!
Ich möchte aber noch etwas dazu sagen, wie wir unsere Songs schreiben. Unsere Songs entstehen immer bei unseren Proben. Irgendjemand hat eine Idee, jeder trägt etwas dazu bei, und so setzen wir aus vielen Teilen einen Song zusammen. Wir haben dabei keine bestimmte Intention, sondern der jeweilige Song spiegelt einfach wider, wie wir uns an diesem Tag gefühlt haben.

Erzählt uns doch bitte etwas über die "beiden Welten"!

Edwin: Die Platte handelt von den Gegensätzen, die man im alltäglichen Leben feststellen kann. Der Titelsong selbst erzählt von zwei Menschen, die sich lieben, aber nicht zusammen leben können. ›Dreamer‹ handelt vom Leben in einer Fantasiewelt und vom Nicht-Leben in einer Fantasiewelt.

Ed: Als wir die Lieder für »Both Worlds« schrieben, wußten wir nicht, daß sich im Endergebnis alle Texte um diese Gegensätze des Lebens drehen würden. Das war ein totaler Zufall und hat sich einfach so ergeben. Als wir das feststellten, kam dann auch ganz schnell die Idee auf, die CD »Both Worlds« zu nennen. Es ist immer schwer, einen Titel für ein Album zu finden, und bei »Both Worlds« bleibt dem Hörer die Möglichkeit zur freien Interpretation der Texte erhalten.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 2

In Eurem Info macht Ihr keinen Hehl aus Eurer Begeisterung für Bands wie GENESIS oder MARILLION. Habt Ihr keine Bedenken, daß man Euch dadurch recht vorschnell als Clone dieser Bands abstempelt, zumal Ihr musikalisch in die gleiche Kategorie paßt.

Edwin: Es ist nicht unsere Absicht, damit zu sagen, daß wir wie QUEENSRŸCHE oder GENESIS klingen. Es war vielmehr so, daß die Leute in den Anfangstagen immer zu uns sagten, daß wir nach diesen Bands klingen würden. Das stammt also nicht von uns. Es ist aber dennoch wahr, daß wir diese Bands, die Du erwähnt hast, sehr mögen, ebenso wie ihre Art, Musik zu schreiben. Es ist einfacher für uns, den Leuten, die uns nicht kennen, zu sagen, daß wir wie GENESIS klingen, um ihnen begreiflich zu machen, welche Musik wir spielen. Es ist uns immer schwergefallen, unsere Musik zu beschreiben, und so bevorzugen wir es, sie mit der von anderen Bands zu vergleichen.

Was bedeutet Euch eigentlich den Name FOR ABSENT FRIENDS? Ich weiß, daß er von dem GENESIS-Album »Nursery Crime« stammt, aber gibt es da für Euch nicht noch etwas mehr?

Ed: Du wirst es nicht glauben, aber wir lasen damals einfach die drei Worte, der Ausdruck gefiel uns und schon hatten wir einen Bandnamen. Mit der Zeit hat sich allerdings so eine kleine Philosophie dahinter entwickelt: Wenn man als unbekannte Band ganz am Anfang steht und die ersten Gigs spielt, so kommen da meist nur wenige Zuschauer. So ist der Name so etwas wie eine Entschuldigung, in Sinne "wir spielen für die abwesenden Freunde".

Das Cover von »Both Worlds« hat mich einfach total gefesselt (weshalb Ihr es auch als Hintergrund dieses Artikels seht - Red.). Daher wollte ich Euch bitten, zu diesem Cover ebenso wie dem von »Illusions« etwas zu erzählen.

Edwin: Das Cover von »Illusions« soll den Titel verdeutlichen. Eine Illusion - man sieht etwas, was gar nicht da ist, und deswegen sieht man diese Maske vor dem Gesicht der Figur. Wir sehen also diese Maske und halten sie für die wahre Persönlichkeit, aber auf der Rückseite sieht man dann, daß die Maske eigentlich einen Spiegel darstellt, so daß man eigentlich sehen kann, wie die Figur sich selbst sieht.
Den Mann, den man auf dem »Both Worlds«-Cover sieht, soll eigentlich unser Sänger A.T. sein, und wie man sieht steht er sowohl im Wasser als auch auf Land, was wieder auf besagten Hintergrund der Platte abzielt. Dieser Mann soll einen Mönch darstellen, der in dieser Welt, in der er steht, ein guter Mensch sein muß, aber er schaut auf eine andere Welt, wo er ein richtig mieser Typ sein könnte. Er wünscht sich einfach, für ein paar Tage Dinge machen zu dürfen, die er auf dieser Welt nicht darf.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 3

Mir ist eben aufgefallen, daß ich bei dem Versuch, Euch meine Fragen in meinem stümperhaften Englisch zu verdeutlichen, sehr häufig das Wort "Gefühle" verwendet habe. Hängt das vielleicht einfach damit zusammen, daß Eure Musik besonders auf die Gefühle gerichtet ist oder einfach sehr gefühlvoll ist?

Edwin: Ich denke, daß Musik sich immer primär um Gefühle dreht. Es geht darum, Emotionen in Texte und Musik umzusetzen, und es ist schön, wenn Leute, die dir zuhören, genauso empfinden.

Erzählt uns doch bitte mal etwas über die ganze Progressive Rock-Szene, über die wir nicht so schrecklich viel wissen.

Ed: Ich denke, daß die Heavy Metal-Szene viel besser organisiert ist als die Progressive Rock-Szene. Es gibt viel mehr Magazine, Veranstalter oder Auftrittsmöglichkeiten. SI MUSIC ist die einzige Organisation, die sich um diese Musik kümmert. Sie ist aus dem SI MAGAZINE hervorgegangen, welches ein holländisches Magazin ist, das sich nahezu ausschließlich Progressive Rock widmet. Da unsere »Illusions«-CD sehr erfolgreich war und beim SI MAGAZINE-Jahrespoll auf den ersten Platz kam, wurde man auf uns aufmerksam, und sie schauten uns bei einem Gig an. In Anschluß fragten sie uns, ob wir Interesse hätten, einen Song für ihre »SI MUSIC Compilation Disc« bezusteuern. SI MUSIC zeigten dann auch Interesse, die neue CD herauszubringen, an der wir damals gerade arbeiteten. Nach einigen Verhandlungen unterschrieben wir bei SI MUSIC, und so erschien dann »Both Worlds« bei ihnen.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 4

Wer nun vielleicht neugierig geworden ist und etwas von der Band hören möchte, der erhält »Illusions« für 22,- DM und »Both Worlds« (Preis nicht bekannt, dürfte aber ähnlich sein) bei:

http://www.forabsentfriends.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Ronald Tilleman

FOR ABSENT FRIENDS im Überblick:
FOR ABSENT FRIENDS – Illusions (Do It Yourself-Review von 1991 aus Metal Hammer 01/92)
FOR ABSENT FRIENDS – Running In Circles (Rundling-Review von 1994 aus Underground Empire 7)
FOR ABSENT FRIENDS – Square One (Rundling-Review von 2007 aus Online Empire 30)
FOR ABSENT FRIENDS – The Big Room (Rundling-Review von 2003 aus Online Empire 15)
FOR ABSENT FRIENDS – Tintinnabulation (Rundling-Review von 2000 aus Online Empire 2)
FOR ABSENT FRIENDS – Underground Empire 5-"Upcoming Internationals"-Artikel (aus dem Jahr 1991)
FOR ABSENT FRIENDS – Underground Empire 6-Interview (aus dem Jahr 1992)
FOR ABSENT FRIENDS – News vom 24.09.1991
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