UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  DEVASTATE (D)-Interview

Date:  27.02.1992 (created), 20.06.2011 (revisited), 24.05.2012 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Im gedruckten Heft pr├Ąsentierte sich das DEVASTATE-Interview arg ungl├╝cklich, denn ich hatte ein Livephoto gew├Ąhlt, das in der farbigen Version sehr interessant r├╝berkam, doch nach der Konvertierung gen Schwarzwei├č einen Gutteil seiner Wirkung verloren hatte. Komischerweise ist das Original dieses Shots verschwunden, so da├č heuer zwei andere Livephotos herhalten m├╝ssen; da├č S├Ąnger Ralph auf dem zweiten den Ba├č bedient, h├Ąngt damit zusammen, da├č Basser Micha bei diesem St├╝ck an den Keyboards gebraucht wurde - sofern mich meine Erinnerung nicht tr├╝gt...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

DEVASTATE (D)-Logo

Ihr braucht keinerlei Bedenken zu haben, da├č wir nun anfangen wollen, Wellenreiter zu spielen, weil die beiden Siegerbands des "Rock┬şfa┬şbrik"-Bandwettbewerbs im neuen UNDERGROUND EMPIRE vorgestellt werden. Bei SHYBOY war das Thema ohnehin klar; sie waren ohnehin auf der Hitliste f├╝r dieses Heft ganz oben. Zu diesem Zeitpunkt dachte allerdings noch niemand an ein DEVASTATE-Interview. Dies ├Ąnderte sich schlagartig w├Ąhrend meines ersten Konzerterlebnisses in Sachen DEVASTATE im Januar. Die Jungs fetzten los, und ich entwickelte binnen drei Minuten ein ausgepr├Ągtes Fischmaul-Syndrom! Es war das Brett, der Hammer, die Mauer of power, wie ich an anderer Stelle schon mal sagte, Sturmfrisur ohne Aufpreis inklusive! Wer glaubt, thrashorientierte Bands k├Ânnten nur schnell und laut sein, der wird von DEVASTATE schnell eines besseren belehrt. Diese f├╝nf Gestalten kommen live derma├čen tight, powervoll und energiebeladen r├╝ber, da├č es kaum zu glauben ist. "Wie macht Ihr das nur?", diese Frage stand mir ins Gesicht geschrieben, die Jungs lasen sie ab und beantworteten sie einfach, womit der Einstieg in das Interview schon geschafft gewesen w├Ąre.

Tommy: Ich w├╝rde sagen, das liegt daran, da├č wir f├╝nf dicke Kumpels sind, die an einem Strang ziehen, und das merkt man einfach.

Ralph: Live liegt es wohl am meisten daran, da├č wir keine programmierte B├╝hnenshow haben, sondern auf die B├╝hne gehen und auf unsere eigene Musik ausflippen. Was sicher auch eine Rolle spielt, sind die eingesetzten Keyboards, die den Sound ziemlich bombastisch und voll erscheinen lassen.

Kai: Es hat auch damit etwas zu tun, da├č wir die Musik machen, die tief bei uns im Herz liegt! Wenn man das dann auch auf der B├╝hne r├╝berbringen kann, dann wirkt das ehrlich. Wir brauchen uns nicht zu verstellen, sondern wir tun genau das, was wir wollen!

DEVASTATE (D)-Bandphoto 1

Was mir auffiel und als sehr wichtig erschien, ist die Tatsache, da├č Ihr sehr gut aufeinander eingespielt seid und da├č die Kompositionen echt l├╝ckenlos sind.

Kai: Das war am Anfang noch nicht so gewesen, aber dadurch, da├č wir total viel live gespielt haben, hat sich das so entwickelt.

Micha: Die St├╝cke sind mittlerweile auch exakt ausgearbeitet, jeder wei├č, was er zu tun hat und nichts wird dem Zufall ├╝berlassen.

Tom: Eigentlich entscheidend sind aber die Kompositionen! Denn wenn die nicht stimmen, kann man auf der B├╝hne soviel rumhampeln wie man will. Daher haben wir in die St├╝cke sehr viel Zeit investiert, was sich auf jeden Fall auszahlt.

Tommy: Letztendlich ist auch die Resonanz des Publikums sehr wichtig. Wenn die Stimmung im Saal geil ist, dann wirkt das auch auf die Band, und man legt einfach noch einen drauf!

In Sachen Optik f├Ąllt bei Euch spontan auf, da├č Ihr alle in schwarz gekleidet seid und auch Eure Instrumente schwarz sind. Ist das so was wie'n kleines Konzept von DEVASTATE?

Tom: "Kleines Konzept" ist ein guter Ausdruck! Wir haben uns da schon ein paar Gedanken gemacht. Am Anfang, war meine Gitarre rot, mein Hemd gr├╝n und meine Hosen blau. Wir haben immer einen Kumpel dabei, der unsere Konzerte auf Video aufnimmt. Auf den Videos haben wir dann analysiert, was gut kam und was nicht, und so hat sich das nach und nach entwickelt.

Kai: Wenn Du jetzt mal hier in die Runde schaust, dann wirst Du feststellen, da├č wir auch privat schwarze oder dunklere Klamotten bevorzugen.

Micha: Und so hat sich dann aus diesen pers├Ânlichen Neigungen in Kombination mit dem, was uns auf den Videos am besten gefallen hat, herauskristallisiert, da├č wir dazu ├╝bergingen, auf der B├╝hne schwarz zu tragen, weil's einfach am besten zur Band pa├čt!

Nachdem ich Euer Demo ┬╗The Syllogism┬ź einige Male geh├Ârt hatte, kam mir so die Idee, da├č es eventuell zu Eurer Musik passen w├╝rde, gesangsm├Ą├čig noch melodischer zu werden. Ralph ist zum Gl├╝ck kein Schreihals wie jede Nase um die Ecke, aber w├Ąre es vielleicht f├╝r Euch ein Thema, mal so etwas auszuprobieren?

Tommy: Auf alle F├Ąlle ein interessanter Aspekt!

Ralph: Ich versuche da beide Seiten miteinzubringen, um mich nicht festzufahren. Zum Beispiel bei ÔÇ║The Empress In SpaceÔÇ╣ klingt mein Gesang am Anfang ziemlich brutal, und sp├Ąter kommt dann aber ein melodischer Part. Bei ┬╗Dishonour┬ź sind einige Br├╝ller drin, die schon hart an Death Metal ranreichen, andererseits haben wir jetzt neue St├╝cke wie beispielsweise ÔÇ║AlhambraÔÇ╣ oder ÔÇ║ScotlandÔÇ╣, die sehr melodisch sind und dementsprechend klingt auch mein Gesang. Ich finde, die Kunst ist, vom Rumbr├╝llen direkt in einen melodischen Part zu wechseln.

Man kann also sagen, da├č Du bestrebt bist, Deine Vocals dem Feeling des Songs anzupassen!

Ralph: Ja genau! Ich kann ja nicht vom Sandm├Ąnnchen singen, wenn's in dem Text derbe zur Sache geht.

Tommy: ├ťberwiegend wird auch diese Variabilit├Ąt von Fanzines und H├Ârern gelobt. Wie sich der Gesang allerdings weiterentwickeln wird, wird sich erst zeigen.

Ich will nun zu einem Thema kommen, das einfach unausweichlich ist: der Nachwuchswettbewerb in der Ludwigsburger "Rockfabrik", wo Ihr ja bekanntlich Zweiter wurdet, was f├╝r mich und sicher auch f├╝r viele andere irgendwas zwischen Riesen├╝berraschung und Sensation war, da das "Rockfabrik"-Festival ja eher als Kommerzfestival verschrien ist. Wie erkl├Ąrt Ihr Euch selbst dieses so positive Abschneiden?

Tommy: Es ist zweifelsohne richtig, da├č wir f├╝r dieses Festival eine sehr untypische Band waren, was sich besonders daran zeigt, da├č vom h├Ąrteren Sektor neben uns lediglich noch zwei Bands vertreten waren, MIGHTY DECIBEL und CURARE. Es wurden von dieser Stilrichtung also nur drei Bands genommen, so da├č wir sogar noch etwas stolzer drauf sind, so weit gekommen zu sein.

Lag es vielleicht dann gerade daran, da├č Ihr untypisch und somit f├╝r den ausgeleierten Festivalbetrieb etwas Neues wart?

Ralph: Ich denke, da├č es auch damit zusammenh├Ąngt, da├č die Musik anspruchsvoll ist und sich nicht in "H-D-G"-Geschrubbe ersch├Âpft. Andererseits ist unsere Musik nicht so straight, so da├č man nach dem zweiten Takt schon mitnicken kann bis zum Ende des Songs, wodurch die Leute, die uns noch nicht kannten, eine gewisse Zeit brauchten, bis sie gut drauf waren.

Kai: Ich glaube, da├č die Leute auch allm├Ąhlich die Schnauze von diesem "Hau-ruck-Metal", der immer nur straight durchgeht, voll haben. Wenn man sich den Wettbewerb angeschaut hat, so mu├č man sagen, da├č sehr viele Bands einfach mit Scheuklappen ein und die selbe Schiene fuhren, was dann wohl unsere Chance bedeutete! Ich denke, da├č bei diesem Wettbewerb der intellektuelle, etwas anders klingende Heavy Metal gewonnen hat.

Micha: Es hat wohl auch etwas mit dem zu tun, was Du am Anfang gesagt hast und wie Du selbst unseren Liveauftritt empfunden hast: das Brett. Wir sind auf die B├╝hne gegangen und haben alles gegeben, w├Ąhrend einige andere Bands eher drauf geachtet haben, gut auszusehen.

DEVASTATE (D)-Bandphoto 2

Was sich an dieses Thema nat├╝rlich anschlie├čt, ist die Tatsache, da├č die Gewinnerbands der letzten Jahre im Anschlu├č an das Festival meist etwas klarmachen konnten in Sachen "Vertrag & Co.". Wie sieht es bei Euch aus? Hat sich da irgendetwas geregt?

Ralph: Die Leute von der Rockfabrik hatten uns prophezeit, da├č die Firmen uns jetzt die H├╝tte einrennen w├╝rden, aber das war absolut nicht der Fall.

Tommy: Lediglich einer, n├Ąmlich Frank Bornemann, der auch in der Jury war, hat uns angesprochen. Er hat ja mit ELOY teilweise auch einige abgefahrene Sachen gemacht, so da├č er etwas diesen progressiven Touch hat und daher auch unsere Musik verstanden hat. Er war begeistert.

Ralph: Er kam zu uns und fragte, warum er noch nie etwas von uns geh├Ârt h├Ątte. Wir hatten ihm allerdings schon mal das '90er Studio-Promo-Tape geschickt, auf welches wir eine Absage erhielten, was ihm jetzt superpeinlich war. Wobei ich allerdings sagen mu├č, da├č das Tape eine ziemliche "Hau-ruck-Produktion" war und dementsprechend nicht besonders gut ausgefallen war.

Tommy: Frank hat uns einen Verlagsdeal angeboten und will zun├Ąchst mal ein richtig gutes Demo mit uns machen, das dann allen Plattenfirmen angeboten werden soll. Wann das allerdings passieren wird, steht noch absolut offen.

Auf Eurem ersten Demo ┬╗Escape The Dream┬ź hattet Ihr noch keine Keyboards verwendet, sieht man mal von minimalen Eins├Ątzen im Titelst├╝ck ab. Auf ┬╗The Syllogism┬ź dagegen spielen die Keyboards in Sachen "Backgroundarbeit" und Stimmungserzeugung eine gewichtige Rolle. Wie seid Ihr dazu gekommen? Und abgesehen davon merkt man zwischen den beiden Demos eine enorme Weiterentwicklung. Sagt doch auch dazu mal etwas!

Ralph: Da mu├č ich etwas weiter ausholen. Ich hatte mal ganz fr├╝her mit Tommy Musik gemacht. Danach sang ich dann in einer anderen Metalband. Nach etwa eineinhalb bis zwei Jahren kommt dann meist das Ph├Ąnomen auf, da├č die Entwicklung der Band stehenbleibt, oder aber es geht dann erst richtig los. Bei dieser Band waren die neuen Lieder ein Abklatsch der alten. Es passierte nichts mehr, und ich hatte echt keinen Bock mehr. Also rief ich mal Tommy an, weil ich mit ihm gemeinsam eine neue Band aufziehen wollte. Er erz├Ąhlte mir dann eben von DEVASTATE, die damals noch absolut in den Kinderschuhen steckten und fragte mich, ob ich f├╝r ┬╗Escape The Dream┬ź die Vocals beisteuern wollte. Ich hatte eigentlich die Schnauze voll vom Singen und wollte wieder Gitarre spielen, aber entschlo├č mich dann doch, das Demo einzusingen. So entstand dann ┬╗Escape The Dream┬ź mit Tom, Tommy, Micha, mir als Sessions├Ąnger und einem Drumcomputer. Da es mir bei der Band sehr gut gefallen hat, bin ich dann sp├Ąter eingestiegen. Dann kam Kai von Braunschweig runter, um vorzuspielen, hat mit dem Kommentar, "Mal sehen, ob ich's ├╝berhaupt hinkriege!", sein Drumset aufgebaut, weshalb wir dachten, wir h├Ątten uns da mal wieder so 'ne Null eingefangen, und dann legte er los und spielte die Sachen besser als wir! Erst als wir dann in ihm einen ordentlichen Drummer gefunden hatten, konnte man sich dann wirklich Gedanken machen, wie man alles gestalten wollte. So hat sich das alles langsam aufgebaut und entwickelt.

Tom: Es liegt wohl auch ein wenig an mir, denn die Musik, die ich zu Hause habe, enth├Ąlt sehr viele Keyboards. Ich finde es ist ein sehr faszinierendes Instrument, mit dem man viele verschiedene Stimmungen auf Band bringen kann, die man mit einer Gitarre nicht erzeugen kann.

Tommy: F├╝r uns war M├Ąrz '90 der Punkt Null als wir in dieser Besetzung zusammengefunden hatten. Wir mu├čten uns dann erst mal auf der pers├Ânlichen Ebene alle n├Ąherkommen, mu├čten uns aufeinander einspielen, haben gemeinsam alle Songs ├╝berarbeitet und dann eben ganz verschiedene Wege entwickelt, wie wir Songs schreiben. Aber ich glaube, das hat uns geholfen, da├č wir so derbe an uns arbeiten mu├čten, und dadurch verstehen wir uns heute blind. Ich bin sicher, da├č uns das bei der weiteren Entwicklung sehr helfen wird!

Zum Abschlu├č will ich Ralph noch etwas bez├╝glich seiner Texte ausquetschen! Da gibt es einen Text wie ÔÇ║The Empress In SpaceÔÇ╣, der sehr Science Fiction-m├Ą├čig ist, oder ÔÇ║Master Of ConscienceÔÇ╣, welcher die K├Ânig Artus-Geschichte behandelt, oder aber ÔÇ║Militant AgonyÔÇ╣, welcher eindeutig ein Song gegen die R├╝stung darstellt.

Ralph: Ja, das ist mir wichtig, ├╝ber ganz verschiedene Themen zu schreiben. Es sind alles Sachen, die mich selbst besch├Ąftigen. Zum Beispiel habe ich jetzt mit einem Text begonnen, der ÔÇ║Permissitive ActionlinkÔÇ╣ hei├čt. Dies ist eine Bezeichnung f├╝r ein Sicherungssystem an Atomarwaffen, ├╝ber das ich einen Bericht gelesen hatte, was ich nun in einem Text verarbeite. Es gibt noch viele Themen, ├╝ber die ich gerne schreiben w├╝rde, wie beispielsweise die Abholzung des Regenwaldes. Nat├╝rlich ist es wichtig, da├č der Text zur Musik pa├čt, so da├č ich nicht hingehen kann, einen Text zu schreiben und den dann auf den n├Ąchsten Song zu knallen. Ich brauche da erst den "musikalischen Kick". Der Song mu├č mich zu einem bestimmten Thema inspirieren, welches ich dann aufgreife. So sind bisher beispielsweise ÔÇ║DishonourÔÇ╣ entstanden, welcher von dem Film "Nightmare On Elm Street" handelt, oder ÔÇ║CapricornÔÇ╣ ├╝ber den Challenger-Absturz oder ÔÇ║Interior IntoleranceÔÇ╣ ├╝ber die religi├Âse Umbildung im Iran entstanden. ÔÇ║Master Of ConscienceÔÇ╣ ist, wie Du bereits erw├Ąhnt hast, ein Text zur K├Ânig Artus-Story, der jedoch nur einer von acht verschiedenen Texten darstellt, welche sich alle um dieses Thema drehen.

An dieser Stelle m├Âchte ich mein "Interviewprotokoll" beenden, denn ich hatte etwa zwei Stunden lang mit den Jungs gesprochen, so da├č mengenm├Ą├čig nat├╝rlich noch viel mehr aus dem Gespr├Ąch herauszuholen gewesen w├Ąre. Es ist zwar schade, da├č so eine Menge meiner Fragen im Artikel nicht ber├╝cksichtigt werden k├Ânnen. Ich hoffe aber, da├č mein Versuch, mich aufs Wesentliche zu beschr├Ąnken, um die Band suffizient vorzustellen, gelungen ist.
Soviel ist wohl klargeworden, da├č man bei DEVASTATE das Wort "Hoffnung" keineswegs ohne Grund benutzen kann und da├č man nach ┬╗The Syllogism┬ź, welches ├╝brigens noch f├╝r 10,- DM erh├Ąltlich ist, weiterhin gespannt sein darf, was den Jungs noch so alles einfallen wird!

http://myspace.com/devastategermany

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

DEVASTATE (D) im ├ťberblick:
DEVASTATE (D) – Promotape '93 (Demo)
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