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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  TORCHURE-Interview

Date:  09.03.1992 (created), 17.06.2011 (revisited), 02.04.2012 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Heute wissen wir, da├č die von meinem Interviewpartner Andreas Reissdorf angesprochenen Weiterentwicklungen im Hause TORCHURE nie in vollem Umfang umgesetzt werden konnten, denn ziemlich genau sieben Monate sp├Ąter sollte Andreas zusammen mit seinem Bruder Thorsten, dem Bassisten von TORCHURE, bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. TORCHURE legten dann zwar mit neuem Team eine zweite CD namens ┬╗The Essence┬ź nach, doch diese sollte nicht jenes Level erreichen, auf dem sich TORCHURE bis zu diesem Zeitpunkt bewegt hatten.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

TORCHURE-Logo

Ein TORCHURE-Interview war f├╝r UNDERGROUND EMPIRE 6 angesagt. Der Vorschlag stammte von Heiko, und da ihr ┬╗Traces┬ź-Demo im Death Metal-Bereich gewi├č als herausragend zu bewerten ist, stimmte ich absolut zu. Also schrieb Heiko ein Briefchen an die gefolterten Fakeln, die sich einem Smalltalk nicht abgeneigt zeigten. Etwa gleichzeitig kamen TORCHURE bei 1 MORE FLOp RECORDZ unter Vertrag und nahmen ihr ┬╗Beyond The Veil┬ź-Debut auf, welches mittlerweile einige Wochen alt ist. Und so sollte sich die Interviewdurchf├╝hrung noch einfacher gestalten, indem ich ├╝ber die Plattenfirma einen Termin ausmachte und dann nur noch den Telephonh├Ârer abzunehmen brauchte. W├Ąre die Verbindung nicht so beschissen gewesen und h├Ątte diese Madame bei jenem anderen Gespr├Ąch, das gleichzeitig querscho├č, nicht so st├Ąndig so schrill losgelacht, h├Ątte ich sogar alles verstanden, was mein Interviewopfer Andreas zu sagen hatte.

TORCHURE-Bandphoto 1

Wo liegt der gr├Â├čte Unterschied zwischen TORCHURE und anderen Death-Bands?

Ich sch├Ątze mal, es liegt daran, da├č wir schon etwas l├Ąnger Metal h├Âren als die meisten Death Metal-Bands, die 1986/'87 mit Bands wie KREATOR angefangen haben. Wir h├Âren alle schon zehn Jahre und l├Ąnger Metal und kennen also auch Bands wie MERCYFUL FATE, TROUBLE, NASTY SAVAGE oder auch noch ANGELWITCH. Wir h├Âren also nicht nur Death Metal, so da├č solche Bands Einflu├č auf unsere Musik haben. Wir haben viele doomige Sachen und wohl auch mehr Melodie in der Musik, was uns von anderen Bands unterscheidet, ebenso wie unsere soundtrackm├Ą├čigen Experimente mit dem Synthesizer.

Das war auch mein Eindruck vom ┬╗Traces┬ź-Demo, wo Ihr von unverh├Ąltnism├Ą├čig ausgedehnten Doomparts ├╝ber die Keyboardeinlagen bis zu Grindpassagen praktisch alles drauf hattet. Ich fand daher Eure Musik abwechslungsreicher als die von anderen Death Metal-Bands! Wie entsteht diese Bandbreite in Euren Songs?

Wir haben zun├Ąchst mal irgendwelche Riffs, die wir zusammen ausarbeiten. Wir haben nur das gro├če Problem, da├č wir keine kurzen St├╝cke hinkriegen. Wir landen immer bei mindestens f├╝nf oder sechs Minuten. Die Synthesizersachen entstehen erst, wenn die St├╝cke fertig sind, indem wir uns den Song anschauen und dort etwas einf├╝gen, wo wir das Gef├╝hl haben, da├č es passend w├Ąre. Die Doompassagen kommen irgendwie ganz automatisch, denn im Moment ist in der Death Metal-Szene alles haupts├Ąchlich auf die Geschwindigkeit ausgelegt. Gerade deshalb machen wir es etwas anders. Ich pers├Ânlich, ebenso wie einige andere in der Band, h├Âre sehr gerne Doom Metal, und so kann es auch daher kommen.

Wie w├╝rdest Du also Euren Stil charakterisieren?

Death Metal ist es auf jeden Fall, aber vielleicht etwas mehr open-minded, weil wir versuchen, andere Einfl├╝├če reinzubringen - allerdings nur solche, die auch zu der Stimmung des Death Metal passen. Uns ist es wichtig, da├č die Musik sehr heavy und finster bleibt. Das erreicht man allerdings nicht nur, indem man tierisch schnell auf irgendwelchen Instrumenten rumkloppt oder tierisch finstere Gitarren hat. Doom Metal oder Soundtracks von Horrorfilmen sind auch sehr finster, so da├č wir versuchen, daraus eine Synthese zu erarbeiten. Man k├Ânnte bei unserer Musik also eventuell von Death-Doom Metal mit soundtrackm├Ą├čigen Effekten sprechen.

Eure Texte sind zum Gl├╝ck nicht der ├╝bliche Schei├č, den man von leider allzu vielen Death Metal-Bands zugemutet kriegt! Auf ┬╗Traces┬ź hattet Ihr die Unmenschlichkeit des Menschen zum Thema!

In unseren Texten geht es allgemein immer um den Menschen, und in ┬╗Traces┬ź ging es um die Spuren, die die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte hinterlassen hat. Das Problem ist zweifelsohne allgegenw├Ąrtig, denn ohne einen krankhaften Trieb beim Menschen w├╝rde es beispielsweise keinen Krieg geben. Auf der LP schreiben wir sowohl ├╝ber Grausamkeiten anderen Menschen gegen├╝ber, als auch gegen├╝ber sich selbst, wenn ich da an Depressionen denke, die im Selbstmord resultieren k├Ânnen.

Warum allerdings mu├č im Death Metal-Bereich alles so negativ sein? K├Ânnte man sich nicht auch hin und wieder mal positiveren Aspekten zuwenden?

Ich wei├č nicht, warum das so ist! Ich wei├č auch nicht, weshalb Death Metal oft mit Horrorfilmen zusammenh├Ąngt. Es ist irgendwo einfach so, und seltsamerweise m├Âgen wir es auch, eine d├╝stere Stimmung r├╝berzubringen. Ich denke, da├č die Musik diese Atmosph├Ąre ausstrahlt und daher die Texte das gleiche vermitteln m├╝ssen. Politische Texte beispielsweise k├Ânnte ich mir im Death Metal nicht vorstellen.

Man k├Ânnte nat├╝rlich sagen, da├č es nur vergebliche Liebesm├╝he Eurerseits ist, wenn Ihr soviel Zeit in die Texte investiert, da man sie ohnehin nicht verstehen kann!

Die Musik ist f├╝r uns vorrangig und die Texte m├╝ssen da sein, um einen Song vollst├Ąndig zu machen. Aber wenn Texte schon sein m├╝ssen, dann geben wir uns auch M├╝he dabei und arbeiten sie genau aus. Warum sollte man halbe Sachen machen? Uns st├Ârt es einfach, da├č es immer hei├čt, Heavy Metal, und Death Metal ganz besonders, sei bl├Âd. Diese dumme Aussage braucht man ja nicht noch zu unterst├╝tzen, sondern man sollte versuchen, sie zu widerlegen. Solchen Leuten braucht man nicht noch Futter zuzuwerfen, denn wir sehen uns selbst nicht als dumm an und wir wissen auch von unseren H├Ârern, die wir kennen, da├č sie das nicht sind. Also versuchen wir, mit Hilfe der Texte r├╝berzubringen, da├č wir etwas im Kopf haben und uns unsere Gedanken machen! Ich finde es n├Ąmlich total schei├če, da├č ich schon eine Entschuldigung auf den Lippen haben mu├č, wenn ich jemandem erz├Ąhle, da├č ich in einer Death Metal-Band spiele. Da├č ich mich also rechtfertigen mu├č, weil man sich sonst den Mund ├╝ber mich zerrei├čt. Es w├Ąre sch├Ân, wenn dieses Image mal etwas besser werden w├╝rde.

Man kann also sagen, da├č Ihr eine Band seid, die sich von anderen abhebt, also recht originell seid. Warum um alles in der Welt habt Ihr dann so ein dummes Klischee-Cover f├╝r die Platte gew├Ąhlt?

Diese Aussage mag bei dem Cover schon angehen. Das Problem ist immer, etwas Neues zu finden. Andererseits soll ein Cover auch immer als T-Shirt-Motiv geeignet sein, und wenn man dann so etwas Abstraktes draufhat, verkauft sich das erfahrungsgem├Ą├č nicht besonders. Als ich das Cover von ┬╗Traces┬ź gezeichnet habe, war das allerdings kein Gesichtspunkt f├╝r mich. Einige Leute m├Âgen es, einige nicht. Beim Cover f├╝r ┬╗Beyond The Veil┬ź meinte Shelko (der Chef von 1 MORE FLOp RECORDZ - Red.), da├č man besonders beim Debut ein Cover nehmen solle, bei dem die Leute sofort erkennen, welche Musik das ist. Es waren also auch marktstrategische Gr├╝nde bei der Coverwahl mitausschlaggebend. Wir fanden das Motiv sehr gut, weil es gut gezeichnet ist. Ich wei├č eigentlich auch nicht, was wir h├Ątten besser nehmen k├Ânnen, zumal wir nicht die gro├če Auswahl hatte. Ich habe immer von einem Giger-Gem├Ąlde getr├Ąumt, aber das kann man im Moment nicht nehmen, da Giger zur Zeit gerade in der Death Metal-Szene tierisch plattgewalzt wird. Das Cover kriegt einiges an Kritik, aber damit mu├č man leben!

TORCHURE gibt es ja eigentlich schon seit 1985. Zwischenzeitlich l├Âste sich die Band mal auf, reformierte sich 1988, und seit etwa eineinhalb Jahren spielt Ihr in dieser Besetzung zusammen. W├Ąhrend dieser Zeit habt Ihr zun├Ąchst das ┬╗Hellraiser┬ź-Rehearsaltape und im letzten Jahr das ┬╗Traces┬ź-Demo ver├Âffentlicht, und nun steht schon Eure erste Platte in den L├Ąden. Es ging also alles sehr schnell. F├╝r mein Gef├╝hl vielleicht etwas zu schnell, besonders, weil derzeit in der Death Metal-Szene das Stichwort "verheizen" ein nur allzu zutreffendes ist. Hattet Ihr keine Bedenken in diese Richtung?

Der Death Metal ist zur Zeit eine Welle, die von allen Seiten vermarktet wird. Wenn die Welle mal vorbei ist, wird keine Death Metal-Band mehr gesignt werden. Und so haben wir zugesehen, da├č wir so schnell wie m├Âglich unter Vertrag kommen. Es mag sich nun bl├Âd anh├Âren, aber man hat schon bei vielen Bands gesehen, da├č es ein Fehler ist, noch l├Ąnger zu warten, weil man dann besser ist. Irgendwann ist die Zeit einfach vorbei (Wenn ich mir all diese Platten von irgendwelchen unfertigen Bands anh├Âre, die derzeit ver├Âffentlicht werden, so kann man ├╝ber diese These doch sehr streiten! - Red.). In Sachen Death Metal ist Zeit momentan der wichtige Aspekt.

Die Resonanzen auf die Platte waren doch verdammt gut. Platz zw├Âlf im ROCK HARD, Robert M├╝ller hat Euch im METAL HAMMER auf Platz 3 der nationalen Szene bef├Ârdert, usw. Hattet Ihr mit so etwas gerechnet?

Als wir ins Studio gingen, dachten wir, da├č wir so etwas erreichen k├Ânnten. Als wir aber mit den Aufnahmen fertig waren, waren speziell Stefan, unser Schlagzeuger, und ich tierisch entt├Ąuscht, weil einige Sachen total daneben gegangen sind. Die Platte ist beispielsweise sehr viel unsauberer eingespielt als das Demo. Auch mit dem Synthesizer hatten wir uns noch Sachen vorgenommen, die wir einfach unter den Tisch fallen lie├čen. Wir hatten also eher mit der "Arschbombe des Monats" gerechnet. Ich finde sogar, da├č wir teilweise etwas ├╝berbewertet wurden.

Wie siehst Du Eure Erfolgsaussichten in der derzeitigen Death Metal-Flut?

Ich glaube, das h├Ąngt davon ab, wie wir uns weiterentwickeln und ob wir es schaffen, etwas zu kreieren, das nicht jeder macht. Es bringt einfach nichts, immer den gleichen Schei├č zu spielen! Wir haben einige Ideen, und im Moment gibt es noch keine Band, die so etwas gemacht hat. Wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen, dann k├Ânnten wir ganz gute Chancen haben.

Was ist neben der Musik f├╝r Euch der gr├Â├čte Inhalt Eures Privatlebens?

Ich sch├Ątze mal, wie bei den meisten ist das die Freundin. Ich zeichne normalerweise gerne, wozu ich momentan aber kaum Zeit habe. Allerdings geht die meiste Zeit, die einem die Arbeit l├Ą├čt, f├╝r die Musik drauf.

Zum Abschlu├č noch 'ne total andere Frage:Was h├Ąlst Du vom Fernsehen? Ich vermute mal, da├č Du, wenn Du gerne Soundtracks von Horrorfilmen h├Ârst, Dir auch die Filme auf Video anschaust!

Ich k├Ânnte sehr gut aufs Fernsehen verzichten. Da ich allerdings gerade arbeitslos geworden bin, habe ich in den letzten zwei Wochen viel davor gesessen, weil ich ziemlich Langeweile hatte. Video ist noch denkbar, aber das Fernsehprogramm ist einfach ├╝berfl├╝ssig!

Vorbereitung:
Heiko Simonis + Stefan Glas

Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

TORCHURE im ├ťberblick:
TORCHURE – Traces (Demo)
TORCHURE – Traces (Demo)
TORCHURE – UNDERGROUND EMPIRE 6-Interview
TORCHURE – News vom 28.12.2006
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