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MANTICORA
DIVIDED MULTITUDE
THE DRAGONSLAYER PROJECT

Wien, Reigen

12.10.2010

Ehrlich gesagt war ich mir bis zum Zeitpunkt meines Eintreffens im "Reigen" nicht wirklich sicher, ob denn dieser Gig auch wirklich stattfinden wĂŒrde. Als zu waghalsig schien mir das Unterfangen von MANTICORA, sich quasi im "Alleingang" auf Tournee zu begeben, und als zu gering empfand ich die Werbung dafĂŒr in Österreich. Da sich meine Ängste jedoch beim Betreten des Clubs als unberechtigt herausstellten, stand einem "intimen" Abend in einem "erlesenen Kreise" nichts mehr im Wege. Eine Menge an Zusehern durfte man ohnehin nicht erwarten, denn zum einen war das "Parallelprogramm" (EM-Quali-Match Österreich gegen Belgien beziehungsweise THE DILLINGER ESCAPE PLAN) wohl fĂŒr unzĂ€hlige Aspiranten zu verlockend, zum anderen muß man sich auch den Status dieser Band in unserem Land generell vor Augen halten und realistisch bleiben, und außerdem mußte ich in der Vergangenheit leider schon mehrfach negative Erfahrungen machen, als sich Band und Veranstalter einer zu geringen "Menge" an Fans gegenĂŒbersahen. Von daher kann man den Bands nachtrĂ€glich nur riesigen Respekt zollen und gar nicht genug fĂŒr diesen, in Summe mehr als nur gelungenen Konzert-Abend danken.

THE DRAGONSLAYER PROJECT-Liveshot

Denn hier und heute verlĂ€uft zum GlĂŒck völlig alles positiv, so daß nahezu pĂŒnktlich um 20.30 Uhr die Jungs von THE DRAGONSLAYER PROJECT den Reigen im "Reigen" eröffnen dĂŒrfen. Ihre bombastischen, ĂŒberaus melodischen Metal-Songs wissen von Beginn an zu gefallen, und die handverlesene Meute von knapp 20 Interessierten dankt es der Band rund um SĂ€nger Siegfried Samer - dessen Höhenlage mich mitunter an den jungen Bernhard Weiß (AXXIS) erinnert - mit mehr als nur höflichem Applaus. Ebenso ins Auditorium mischen sich auch die Musikerkollegen und Roadies der spĂ€ter auftretenden Bands, und zwar nicht bloß, um zuzusehen, sondern auch, um die einheimischen Melodie-Fetischisten zu unterstĂŒtzen. So muß das sein! Zwar fĂ€llt mitunter auf, daß Österreich auch musikalisch sehr nahe an Italien liegt, doch die "Drachentöter" umschiffen jeglichen aufkommenden Kitsch elegant und lassen stattdessen zumeist kraftvolle und schlĂŒssige Melodien ertönen. Ein guter Auftakt, zumal die Songs, die zum Großteil vom - "hoffentlich doch demnĂ€chst, aber sicher irgendwann einmal" (O-Ton Siegfried) - erscheinenden ersten Album der Band sehr neugierig darauf machen.

DIVIDED MULTITUDE-Liveshot

Nach einer kurzen Umbaupause betreten die aus der NĂ€he von Trondheim stammenden Jungs von DIVIDED MULTITUDE die Bretter, um gleich mit ihrem Mega-Ohrwurm â€șNowhere To Hideâ€č ins Geschehen einzusteigen. Dieser Track stammt, wie der Großteil des Sets, vom aktuellen Album »Guardian Angel« und kommt live ebenso perfekt wie auf dem Album zur Geltung. Einen essentiellen Beitrag dazu trĂ€gt mit Sicherheit auch der Sound bei, der - im Vergleich zu Veranstaltungen beziehungsweise Locations von Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung - heute geradezu sensationell klingt. Glasklar, differenziert und transparent, aber dennoch druckvoll, so kommt die Musik aus den Boxen, eine Wohltat fĂŒr die Lauschlappen! In erster Linie liegt die gute Stimmung im Saal aber logischerweise an der engagierten Darbietung der Band selbst, die sich ordentlich ins Zeug legt. Ich weiß, so etwas darf man an sich von jeder Band, fĂŒr die Zuseher Eintritt bezahlen, auch erwarten, doch in Anbetracht der "Menschenmassen", die den Norwegern entgegenblicken, kann man zusĂ€tzliche Motivation nicht zwingend voraussetzen. Doch das Quintett lĂ€ĂŸt sich eine eventuelle EnttĂ€uschung zu keiner Sekunde anmerken. Im Gegenteil, es macht den Anschein, als ob DIVIDED MULTITUDE noch engagierter als sonst agieren, um ihren wenigen getreuen Fans, sowie den an der Band interessierten Besuchern, die sich bei ihrer ersten "öffentlichen Probe" im fernen Wien eingefunden haben, eine mehr als nur kurzweilige Zeit zu bereiten. Dieses Unterfangen gelingt der Formation mit Bravour, die Jungs wissen ihre Tracks, die in erster Linie davon leben, daß technische Finessen in einprĂ€gsame Melodien eingebettet werden, perfekt rĂŒberzubringen. Dazu muß auch erwĂ€hnt, daß die Norweger in Sindre Antonsen am Mikro ĂŒber einen ĂŒberaus ausdrucksstarken Frontmann verfĂŒgen, der eine - fĂŒr den von der Band dargebotenen "Melodic Progressive Power Metal" vergleichsweise - rauhe Stimme besitzt und den Tracks dadurch eine zusĂ€tzliche Dosis Heftigkeit zu verabreichen weiß. Imposant klingen auch seine Gesangsduelle mit Keyboarder Eskild Kloften, wobei man hierbei durchaus den Einfluß der spĂ€teren SAVATAGE geltend machen kann. Interessant ist dabei vor allem der Umstand, daß Eskild optisch ein klein wenig wie eine noch "unterernĂ€hrte" Version des "Mountain-King" wirkt, stimmlich aber wesentlich anschmiegsamer agiert und die deftigen Passagen ausschließlich vom relativ schmĂ€chtigen Sindre stammen. Neben dem bereits erwĂ€hnten Album- und Gig-Opener sind es vor allem das zu Beginn melancholische, in Folge aber ungemein zĂŒndende â€șMy Dying Hourâ€č, das vielschichtige â€șRegretsâ€č, sowie der "Oldie" â€șStreets Of Bucharestâ€č (vom 1999er Debut »Inner Self«), die zu imponieren wissen. Ein wahrlich gelungener Auftritt einer ĂŒberaus empfehlenswerten Band. Traurig bloß, daß DIVIDED MULTITUDE hierzulande so gut wie niemanden zu interessieren scheinen...

MANTICORA-Liveshot

Der Headliner des heutigen Abends kann dagegen auf ein durchaus getreues - wenn auch mehr als nur ĂŒberschaubares - Gefolge zĂ€hlen, und so sehen sich die DĂ€nen MANTICORA immerhin einer geschĂ€tzten "Meute" von knapp 40 Zusehern gegenĂŒber, die dafĂŒr vom ersten Takt an ihrer Begeisterung freien Lauf lassen. Die Band scheint sich bei ihren Gastspielen im Vorprogramm von Jon Oliva's PAIN und CIRCLE II CIRCLE gut verkauft zu haben, und von daher ist es auch durchaus nachvollziehbar, daß besagte Bands auch auf T-Shirts im Auditorium auszumachen sind. SĂ€nger Lars Larsen und seine Truppe wissen, die Gastfreundschaft zu schĂ€tzen und sind vor allem von den - bereits nach dem Opener skandierten "MANTICORA"-Rufen - mehr als nur angetan. Der allgemeinen Stimmung tut es auch gut, daß Lars sich mehr als nur positiv dazu Ă€ußert, daß in Wien ja doch noch Fans seiner Band zu finden sind, da am Vortag in Traun doch deutlich weniger Zuseher die DĂ€nen sehen wollten (so sollen sich laut "Augenzeugen" nur etwas mehr als zehn (!) Menschen in der "Spinnerei" eingefunden haben...). Man ist sich also sofort einig, was zu tun ist und stachelt sich gegenseitig an. Lars bangt sich mitunter die Seele aus dem Leib und versteht es als Frontmann brillant, das Publikum zu unterhalten, verlĂ€ĂŸt aber bei den ĂŒppigen Instrumentalpassagen die BĂŒhne, um seinen Mitstreiter die uneingeschrĂ€nkte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Da die DĂ€nen diese Tournee mehr oder weniger in Eigenregie organisiert haben, ist es um so erfreulicher, daß sie sich durch geringes Interesse in keinster Form aus der Fassung bringen lassen. Im Gegenteil, die Spielfreude und Energie, mit der MANTICORA auf den Brettern im "Reigen" loslegen, kann wohl nicht einmal in einem prallgefĂŒllten Stadion grĂ¶ĂŸer sein. Hinsichtlich der Songauswahl zeigt man sich ebenso von der besten Seite und greift mehrfach auf das brandaktuelle, an jenem Tag in Europa erscheinende, achte Album »Safe« zurĂŒck. Logisch, schließlich will man der getreuen AnhĂ€ngerschaft ja auch neue Songs vorstellen, wobei man jetzt schon attestieren kann, daß die DĂ€nen mit â€șSilence The Freedomâ€č erneut einen Hammer vor dem Herrn komponiert haben, und auch das mittels Video bereits in einschlĂ€gigen Foren und Internet-Portalen vorgestellte â€șFrom The Pain Of Loss (I Learned About The Truth)â€č entpuppt sich als Bringer. Bei den Exponaten aus dem Backkatalog geht es vor der BĂŒhne aber dennoch wesentlich lauter zu, da sich die wenigen AnhĂ€nger als sehr textsicher erweisen. Das pfeilschnelle â€șPlaying Godâ€č, sowie das nachdenkliche, seinen Titel zu Beginn geradezu fordernde, in Folge aber dennoch hurtige â€șMelancholicâ€č ernten die heftigsten Reaktionen, und Lars erweist sich auch als "Dirigent" der Sonderklasse, als er von der BĂŒhne aus die "Ooohooohoos" vorgibt.
Das ĂŒberaus professionelle Gesamtbild dieser Band unterstreicht auch der stimmige optische Eindruck, wobei sich als besonderer Hingucker die am BĂŒhnenrand positionierten, schwarz lackierten und mit dem "Bandlogo" versehenen BlechfĂ€sser entpuppen. Band und Publikum animieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen, und so kann man als Fazit hier wohl nur festhalten, daß sich der Besuch dieses Gigs fĂŒr die wenigen Interessenten mehr als gelohnt hat. Aber auch die Bands werden dieses Konzert als "Gewinn" verbuchen können, wenn auch nicht unbedingt aus finanzieller Sicht.

Daumen hoch daher fĂŒr die Jungs von MANTICORA und DIVIDED MULTITUDE, die sich ohne großartige UnterstĂŒtzung auf diese strapaziöse Europa-Gastspielreise begeben haben, um ihre Songs zu verbreiten.
Danke! Musiker wie Ihr sind es, die unsere Szene am Leben erhalten! Lob gebĂŒhrt aber natĂŒrlich auch dem "Local Support" THE DRAGONSLAYER PROJECT, die unter Beweis gestellt haben, daß sie mittlerweile durchaus auf international beachtenswertem Niveau agieren - so wie es an jenem Abend auch das österreichische Nationalteam endlich einmal getan hat.


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer

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