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Zwar habe ich gothische Klänge nicht unbedingt auf meinem täglichen Menü­plan, doch von Zeit zu Zeit genieße ich durchaus "Ausflüge" in jene Re­gionen. Da die Auswahl für derlei Unternehmungen bekanntlich rie­sen­groß ist, fallen auch die Meinungen, welche denn nun die essentiellsten Bands aus dieser Richtung sein würden, logischerweise dementsprechend un­ter­schied­lich aus. Doch anstelle jetzt über Geschmack diskutieren zu wollen, packe ich lieber die Gelegenheit beim Schopf, um Euch eine jener Formationen, die ich aus dieser Ecke bevorzuge, näherzubringen.

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Schon mit ihrem ersten, selbstbetitelten Demo, das 2007 aufgenommen wurde, wußten mich ELYSION aus dem schönen Griechenland zu verzaubern, was nicht zuletzt Verdienst von Frontelfe Maxi gewesen ist, deren betörende Stimme für Gänsehaut ohne Ende sorgte. Etwas befremdend war für mich jedoch die Tatsache, daß die Formation auf ihrem ersten, vor kurzer Zeit veröffentlichten Album »Silent Scr3am« auf deren Dienst verzichtet hat. Noch viel größer war jedoch die Überraschung als ich feststellen durfte, daß ihre Nachfolgerin Christianna für nicht minder intensives Hörvergnügen sorgt und vorliegendes Album daher zu einem wahren Erlebnis gedeiht, wenn ein "Ausfug" auf dem Programm steht.
Nicht zuletzt dieses Thema war für mich schlußendlich auch der Grund, der Band auf den Zahn zu fühlen. Gitarrist Jonny Zero war so freundlich, mir Rede und Antwort zu stehen und hatte einige interessante Details mitzuteilen.
Da ELYSION, trotz des Umstandes mittlerweile bei einem renommierten deutschen Label unter Vertrag zu stehen, noch nicht wirklich bekannt sind, lag es nahe zunächst einmal die Band-Geschichte aufzurollen.

Der Startschuß für ELYSION erfolgte im Jahr 2006, als unsere ehemalige Sängerin Maxi und ich eine Band gründeten. Kurz darauf stießen dann Bassist FXF und Schlagzeuger Petros Fatis zu uns, und schon bald legten wir richtig los. Auf das kurze Zeit danach eingespielte Demo erhielten wir durchaus ansprechende Reaktionen und auch einige Angebote für Konzerte, die wir natürlich gerne annahmen. Seither geht es eigentlich gut voran, und selbst nach dem Ausstieg von Maxi mußten wir zum Glück nicht allzu lange pausieren. Mit Christianna haben wir eine neue Sängerin in unseren Reihen, und in dieser Besetzung haben wir auch »Silent Scr3am« aufgenommen. Seit 2008 ist das momentane Line-up nun schon beisammen, und im Moment ist wirklich alles in Butter. Viel mehr gibt es dazu aber nicht zu erzählen, wir hoffen aber natürlich mit dem Album einiges zu reißen, damit sich unsere Bio ordentlich auffetten läßt. [lacht]

Weshalb denn der Tausch am Mikro? Gab es Probleme mit Maxi?

Nicht wirklich. Es gab allerdings sehr wohl unterschiedliche Auffassungen und Fokussierungen, was die Musik betrifft, weshalb ein Wechsel auf der Hand lag.

War es schwierig, eine Nachfolgerin zu finden, oder war Christianna die erste und eventuell sogar die einzige Wahl?

Wir steckten gerade mitten in Auditions, von denen wir auch zahlreiche hatten, als uns zu Ohren gekommen ist, daß Christianna eben ihre Band BARE INFINITY verlassen hätte. Das war für uns fast wie ein Signal, denn wir kannten das Mädel bereits von einigen Gigs, die wir mit zusammen mit ihrer damaligen Formation absolvierten. Im Herbst 2008 war es schließlich soweit, daß wir uns mit ihr einig waren und sind seitdem allesamt stolz, eine dermaßen talentierte Sängerin bei ELYSION zu haben. Sie hat aber nicht nur Talent, auch ihr Auftreten und Selbstbewußtsein sind gewaltig. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie sie das Studio betrat, um ihre Gesangspassagen für »Silent Scr3am« einzusingen. Sie war von Anfang dermaßen sicher, daß es geradezu unglaublich wirkte. Noch imposanter war allerdings das Ergebnis, denn wir hätten es nicht für möglich gehalten, daß sich ihre Vorstellung mit unserer dermaßen exakt deckt.

Klingt fast schon zu schön, um wahr zu sein. Wir würdest Du denn die Entwicklung der Band seit den Anfängen beschreiben?

Ich bin wirklich zufrieden, denn trotz des Umstandes, daß auf »Silent Scr3am« sehr unterschiedlich angelegte Songs vertreten sind, ist es uns als Band gelungen, ein Album abzuliefern, das sich dennoch auf einen Nenner bringen läßt, denn ELYSION als "Verursacher" aller Tracks kann man durchweg erkennen. Natürlich habe ich da eine andere Anschauung als der Zuhörer, aber zumindest von einigen Fans weiß ich, daß sie das sehr ähnlich sehen. Da wir uns ohnehin noch nie stilistisch festgelegt haben, bekommen wir auch positive Resonanz aus unterschiedlichen Fanecken. Unsere Musik spricht offenbar sowohl Metaller, wie auch die Gothic-Fraktion und zudem auch jene aufgeschlossenen Musikliebhaber an, die sich auch an elektronischen Elementen nicht stoßen. Das deckt sich insofern gut mit unserer eigenen Auffassung, da wir unseren Stil erst gar nicht zuordnen wollen, sondern es dabei belassen, unsere Mucke damit zu beschreiben, daß wir Elemente aus dem Rock und dem Heavy Metal mit Gothic und elektronischen Einsprengsel zu einem eigenständigen Mix verarbeiten. Von daher wundert es uns auch nicht, daß die Zuhörer unsere Musik völlig unterschiedlich empfinden. So bezeichnen einige Fans unsere Musik als melancholisch, andere fühlen sich von der latenten Traurigkeit angezogen, und wieder andere erfreuen sich daran, da sie uns als romantisch musizierende Band empfinden. Wir wissen das sehr zu schätzen, denn wir verspüren unsere Musik ganz ähnlich. »Silent Scr3am« als Titel soll manifestieren, daß wir unsere Musik förmlich hinausschreien, diese gleichzeitig aber auch im Flüsterton von uns geben wollen. "Leise Schreie" also, weshalb auch dieser Albumtitel gewählt wurde.

Klingt plausibel. Aus dem Nirgendwo kommen die Inspirationen dafür aber nicht, oder?

Das nicht, aber unser Stil-Mix beruht auch darauf, daß wir uns auf unterschiedlichste Einflußquellen berufen. Aus diesen haben wir unsere eigene Art von Musik kreiert, und ich denke, daß gerade dadurch unser Stil erst ausgeprägt werden konnte. Von daher macht es kaum Sinn, nach speziellen Inspirationen durch andere Bands zu suchen. Das wäre zu spezifisch und müßte von jedem Bandmitglied gesondert beantwortet werden.

Du hast vorher erwähnt, daß es zuvor bloß dieses eine Demo gegeben hat, das Ihr eingespielt habt. Seid ihr einzig und alleine damit an den Deal bei MASSACRE RECORDS herangekommen?

Im Prinzip schon. Als das Demo fertig gewesen ist, haben wir uns damit beschäftigt, möglichst viel Interesse bei einschlägigen Labels auszulösen und haben auch regelrecht Gott und die Welt damit bemustert. Das hat sich offenbar gelohnt, denn im Endeffekt erhielten wir Rückmeldungen in einem überraschenden und unerwartet hohen Ausmaß. Wir wissen das noch immer sehr zu schätzen und waren dadurch logischerweise auch noch mehr motiviert. Eines jener Labels waren MASSACRE RECORDS, die uns einen wirklich guten Deal anzubieten hatten. Wir waren hin und weg, denn bei einer Firma dieser Größenordnung mit einem Debut an den Start gehen zu können, ist keineswegs selbstverständlich. Deshalb war es für uns auch kein Thema mehr, sich in irgendeiner Form nach weiteren Optionen umzusehen. Zwar kann ich momentan noch nicht sagen, wie es längerfristig weitergehen wird, zumindest aber hat man uns die Möglichkeit gewährt, auch zukünftige Alben über MASSACRE RECORDS veröffentlichen zu können.

Weil wir jetzt beim Thema »Silent Scr3am« angekommen sind, muß ich zunächst nachhaken, ob Ihr mit einer bestimmten Intention an die Sache herangegangen seid, als Ihr mit dem Songwriting begonnen habt?

Für uns ist »Silent Scr3am« wie ein Lichtstrahl in einem verdunkelten Raum. Wir hoffen, ein starkes, kraftvolles Album komponiert zu haben, zu dem alle unsere Stilmittel ein gewisses Quentchen beigetragen haben. Unser Klangbild mag einfach, ja geradezu simpel erscheinen, es ist auf der anderen Seite zugleich aber dennoch kraftvoll und einfühlsam. Was mir persönlich an diesem Album am meisten imponiert, ist schlichtweg die Tatsache, daß wir aus unterschiedlichsten Einflüssen und Zutaten eine wirklich homogen klingende und offenbar auch wirkungsvolle Melange kreieren konnten.

Was gibt es denn zu den Texten zu sagen?

Unsere Texte handeln allesamt von persönlichen Erfahrungen. Man kann geradezu vom berühmten "roten Faden" sprechen, der sich diesbezüglich durch das Album zieht. Allerdings möchte ich festhalten, daß es sich keineswegs um etwaige Geschichten rund um die Band handelt, sondern vielmehr um persönlich erlebte und erfahrenen Erlebnisse, die uns als Menschen zum Teil wirklich in tiefster Seele betroffen gemacht haben.

Hatte denn auch Euer Produzent Ted Jensen Einfluß auf die Musik, oder war er bloß dafür mit von der Partie, um seinen Job als Produzent auszuüben?

Zuallererst muß ich hier festhalten, daß es für uns eine wirkliche Ehre gewesen ist, mit einem der Top-Produzenten der Szene zusammenarbeiten zu können. Wir bewundern seine Arbeit schon sehr lange, denn er hat viele unserer Lieblingsalben produziert. Deshalb haben wir ihm auch von Anfang alle Freiheiten für den Endmix gelassen und ihm unser vollstes Vertrauen geschenkt. Außerdem war es ja auch nicht so, daß wir völlig alleingelassen wurden und nur mit Ted gearbeitet haben. Ebenso viel Lob für die Aufnahmen gebührt auf jeden Fall auch Mark Adrian, mit dem wir quasi die Vorproduktion durchgezogen haben und der Ted mit den nötigen Infos gefüttert hat. Das Mastering war für Ted dann keine große Sache, der Mann ist schließlich Vollprofi. Ganz ehrlich, wir fühlen uns wirklich verdammt gut mit dem Wissen, schon für unser Debutalbum mit einem solch' großen Mann hinter den Reglern gearbeitet zu haben.

Kann ich mir gut vorstellen. Aber nicht nur der Inhalt, auch das Artwork des Albums muß positiv erwähnt werden. Wie seid Ihr denn an Seth Siro Anton herangekommen? War Eure Herkunft von Vorteil, um diesen vielbeschäftigten Kerl zu einer Zusammenarbeit zu überreden?

Ja, das war definitiv von Vorteil. Zum einen, weil er uns als Typ nicht unbekannt gewesen ist und zum anderen, weil wir seine Werke schon seit langer Zeit schätzen. Ganz ehrlich, ich denke, wir hätten keine bessere Entscheidung treffen können als mit ihm zu arbeiten. Das Ergebnis spricht für sich, und vor allem unsere Intention, durch das Artwork die Schönheit und Simplizität unserer Musik zum Ausdruck zu bringen, hat Seth Siro bestens umgesetzt. Auch unseren Albumtitel »Silent Scr3am« hat er gut zu vermitteln verstanden, quasi laut und leise zugleich. Natalie, das Model auf dem Cover, fügt sich mit ihrer Optik ebenfalls bestens ins Gesamtkonzept ein. In Summe bin ich mit dem Ergebnis wirklich rundum zufrieden.

Damit steht einem Durchmarsch hoffentlich nichts mehr im Wege. In welchen Ländern denkst Du denn, daß ELYSION durchstarten werden können?

Das Album wurde bisher sowohl in den Staaten, als auch in Europa und Asien veröffentlicht, und von daher sollten uns alle Optionen offenstehen. Allerdings kümmern uns wir in erster Linie um unsere Musik und überlassen etwaige Business-Strategien denjenigen Menschen, die sich damit auch auskennen. Aber natürlich hoffen wir, mit unserer Musik Fans in aller Herren Länder ansprechen zu können.

Auch wenn ich noch nie in Griechenland einem Konzert beiwohnen durfte, bin ich darüber informiert, daß zumindest im traditionellen Metal-Bereich bei Gigs bei Euch die sprichwörtliche Kuh fliegt. Wie sieht es denn generell in Eurer Szene aus?

Du hast recht, bei uns geht bei Konzerte die Post ab! Der Wettbewerb wird immer stärker, und es macht mich stolz, behaupten zu können, daß in den letzten Jahren einige Bands international Erfolg einheimsen konnten. ROTTING CHRIST, SEPTIC FLESH oder auch FIREWIND haben längst den Durchbruch auf internationaler Ebene geschafft, und so wie es aussieht, geht bei uns momentan ein Ruck durch die Szene, von der wohl noch einige Bands mehr profitieren werden. Natürlich hoffe ich, daß auch ELYSION davon "betroffen" sein werden. [lacht]

Dazu solltet Ihr aber auch auf den Bühnen präsent sein. Besteht die Chance Euch in absehbarer Zeit live erleben zu dürfen?

Das ist uns bewußt, und wir versuchen natürlich alles in unsere Macht stehende, auf Tournee gehen zu können. Drückt uns die Daumen, daß sich dieses Unterfangen auch realisieren läßt!

Welche Eurer bisherigen Gigs waren die erfolgreichsten?

Für uns ist jedes einzelne Konzert immer ein ganz besonderes Ereignis! Egal, ob wir als Opener für CHRISTIAN DEATH oder THE GATHERING fungieren durften, das Publikum war auch bei uns enthusiastisch, und von daher waren diese Gigs für uns logischerweise sehr erfolgreich. An weiteren prominenten Namen, für die wir schon den Opener gegeben haben, muß ich auch noch SEPTIC FLESH, STAR INDUSTRY und DIARY OF DREAMS nennen. Und auch wenn Maxi nicht mehr bei uns ist, bin immer noch sehr stolz darauf, daß sie zusammen mit MOONSPELL beim "Rock 'Em All"-Festival in Athen auftreten durfte. Auch das war für uns alle eine wichtige Erfahrung, denn wir konnten feststellen, daß man auch ohne große Erfahrung vor mehreren tausend Fans bestehen kann.

Feine Sache, kann ich mir vorstellen. Vielleicht klappt eine ähnliche Zusammenarbeit ja auch für Christinna, oder noch besser für Euch alle. Was genau habt Ihr denn für die Zukunft so alles auf dem Schirm?

Momentan versuchen wir auszuloten, ob es möglich wäre, eine Tournee quer durch Europa zu absolvieren. Wenn sich da was organisieren lassen würde, wäre das natürlich ein Traum! Auch in den USA würden wir gerne durchstarten, damit uns die Fans auch dort zu sehen bekommen. Allerdings denke ich nicht, daß sich da kurzfristig viel bewegen wird, da wir zuvor ja erst einmal Griechenland flächendeckend bespielen werden und zudem die Detailplanung mit Sicherheit mehrere Wochen und Monate in Anspruch nehmen wird.
Versprechen können wir leider noch nichts, aber wir hoffen inständig, demnächst auch bei Euch auftreten zu können. Vielleicht könnten wir als ELYSION ja schon einmal dieses Vorhaben als Neujahrsvorsatz für 2011 nehmen. [lacht]

Endlich mal einer, der mit einem sinnvollen Neujahrswunsch kommt!

http://www.elysionofficial.com/

band@elysionofficial.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

ELYSION (GR) im Überblick:
ELYSION (GR) – Elysion (Do It Yourself-Review von 2008)
ELYSION (GR) – Silent Scr3am (Rundling-Review von 2010)
ELYSION (GR) – Silent Scr3am (Rundling-Review von 2010)
ELYSION (GR) – ONLINE EMPIRE 44-Interview
ELYSION (GR) – News vom 30.11.2008
ELYSION (GR) – News vom 19.09.2009
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