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Zwei Songs haben ausgereicht, um vom Talent der bulgarischen Combo KROSSFIRE überzeugt zu sein, wobei einer der beiden auch gleich mal auf der letzten "Metal Crusade" im HEAVY-Magazin gelandet war. Daher soll die Band nun etwas eingehender vorgestellt werden, was uns zugleich die Gelegenheit gibt, ein wenig in die weitgehend unbekannte bulgarische Metalszene einzutauchen. KROSSFIRE-Sänger Dimo Petkov und Gitarrist Georgi Koushev begleiteten uns.

KROSSFIRE-Bandphoto 1

KROSSFIRE wurden im Jahr 2001 unter dem Namen DARK NIGHT gegründet. Was hat Euch zu der Umbenennung inklusive "Falschschreibung" bewogen?

Georgi: Die Idee zu unserem ersten Namen DARK NIGHT hatte unser Bandgründer und Drummer Spas Markov schon, bevor er die Band ins Leben rief. Wir anderen mochten den Namen eigentlich nie sonderlich, so daß wir immer die Idee eines Namenswechsels im Hinterkopf hatten. Als nach etwa einem Jahr die Bandarbeit ernsthafter wurde, fingen wir an, nach einem neuen Namen zu suchen. Unser damaliger zweiter Gitarrist schlug CROSSFIRE vor, nachdem er das Wort in einem Artikel in einem Magazin gesehen hatte; es war im METAL HAMMER gewesen, wenn ich mich recht entsinne. Der Name soll keine besondere Bedeutung haben, sondern er wirkt einfach cool und klingt gut. Doch wir hatten zu diesem Zeitpunkt keinen Schimmer, daß es unzählige Band gibt, die den gleichen Namen verwendeten. Als uns diese Tatsache jedoch irgendwann bewußt wurde, haben wir einfach das "C" gegen ein "K" ausgetauscht.

Dimo: Von 2001 bis 2004 hießen wir also CROSSFIRE, doch dann änderten wir unseren Namen in KROSSFIRE. Wir waren damals auf die türkische Band CROSSFIRE gestoßen, die bereits Veröffentlichungen vorzuweisen hatte und sich den Namen auch hatte schützen lassen.

Aus Euren Anfangstagen sind neben Spas nur noch die KROSSFIRE-"Saitenartisten", also Du, Georgi, und Euer Bassist Georgi Driev verblieben. Wie klang die Band am Anfang, und inwiefern haben die neuen Musiker die musikalische Ausrichtung der Band beeinflußt?

Georgi: Am Anfang war es mit unserem spielerischen Künsten noch nicht allzu weit her, so daß wir uns hauptsächlich an möglichst einfach zu bewältigende Covers heranwagten. Ich kann mich auf alle Fälle noch an die zahllosen Male erinnern, wie wir ›For Whom The Bell Tolls‹ von METALLICA gespielt haben. Nach und nach verbesserten wir uns auf unseren Instrumenten und widmeten uns auch schwierigeren Stücken. Einen enormen Schritt bedeutete der Zugang von Nikola Ivanov als zweiter Gitarrist: Er hatte schon jahrelang Erfahrung gesammelt, so daß wir viel von ihm lernen konnten und uns innerhalb einer kurzen Zeit deutlich weiterentwickelten. Er brachte den Hard Rock-Einfluß mit, der ziemlich stark unsere ersten zehn Eigenkompositionen prägte.

Dimo: In Bulgarien wollen jene Leute, die in Clubs gehen, Spaß haben, Bier trinken und gute Musik hören. Daher sind Coversongs natürlich sehr angesagt, so daß sich die Band am Anfang auch stark darauf ausrichtete. Als ich dann später hinzustieß begannen wir, uns mehr und mehr eigenen Kompositionen zu widmen. Ende 2006 hatten wir dann zehn Songs fertig, die nur darauf warteten, im Studio aufgenommen zu werden, aber unglücklicherweise nahm Nikola just zu diesem Zeitpunkt, genauer gesagt im April 2007, seinen Abschied bei uns.

KROSSFIRE-Einzelshot: Dimo Petkov

Ich kann mir vorstellen, daß die Entscheidung, ihn mit Eurem Keyboarder Peter Boshnakov zu ersetzen, eine deutliche Veränderung der Musik mit sich brachte.

Georgi: Genau! Das hat die Band komplett umgekrempelt. Wir wollten eigentlich immer möglichst heavy zur Sache gehen, aber Nikola war dagegen. Nachdem er einige Jahre mit uns gespielt hatte, entschloß er sich, die Musik an den Nagel zu hängen, denn sein Job führte ihn ins Ausland. Also war es für uns klar, daß wir unsere ursprüngliche Intention umsetzen würden und eine härtere, aber auch progressiver ausgerichtete Richtung zu beschreiten. Daher suchten wir nach einem Keyboarder anstelle eines zweiten Gitarristen, und so kam Peter zu uns. Es war wie ein Neustart für uns, denn wir warfen neun unserer Songs über Bord und übernahmen nur ›Angels Cry‹. Dann begannen wir also von neuem, Songs zu komponieren, die exakt unseren Vorlieben entsprachen.

Dimo: Das war die perfekte Gelegenheit, um diesen Richtungswechsel umzusetzen. Ich bin ein riesiger Fan von KAMELOT und CONCEPTION, und wir wollten als Band eine ähnliche Richtung einschlagen. Peter steht enorm auf progressive Musik von Bands wie SYMPHONY X oder DREAM THEATER, so daß er eine ganz neue Komponente in unsere Musik brachte. Er ist ein toller Komponist, Musiker und ein guter Freund, so daß wir überglücklich sind, ihn bei uns zu wissen. Dennoch war es ein riskanter Schritt, denn uns war bewußt, daß wir den Großteil unserer damaligen Songs nicht weiterhin nutzen konnten.

Ich finde Euren Stil recht außergewöhnlich. War bei dessen Entwicklung auch Eure bulgarische Herkunft wichtig?

Georgi: Oh je, es ist heutzutage so schwer, einen Stil zu beschreiben. Es gibt so viele Genres und Subgenres, daß es echt verwirrend ist. Wahrscheinlich würde ich Begriffe wie "Power" und "Progressive" benutzen, um uns zu charakterisieren. Es ist uns vor allem wichtig, daß die Songs nie banal ausfallen; so haben wir beispielsweise bei einem Song niemals Doublebass von der ersten bis zur letzten Sekunde. Andererseits wollen wir auch die progressive Note nicht überbetonen, sondern setzen diese Elemente nur gelegentlich ein, um dem Song die Würze zu verleihen. Wir möchten also, daß unsere Musik interessant ist, aber auch nicht zu abgedreht ausfällt. Wir sind zudem bemüht, die Songs eingängig zu gestalten, so daß es nicht nur uns Spaß macht, sie zu spielen, sondern eben auch dem Hörer, sie anzuhören. Inwiefern sich unsere Heimat in unserer Musik widerspiegelt, vermag ich gar nicht zu sagen, aber wir haben ein paar Songs, die leicht von östlicher Musik beeinflußt sind. Ein Song dreht sich um ein Thema, das eng mit unserer Kultur verknüpft ist: Es handelt von Alexander dem Großen.

Dimo: Unserer Meinung nach ist unsere Musik einfach heavy und progressiv. Wir gehen in diese Richtung und versuchen dabei, unseren eigenen KROSSFIRE-Stil zu entwickeln. In unserem Land gibt es nicht viele Bands, die diese Art von Musik spielen, sondern Blues, Alternative, Hard Rock oder auch Death und Black Metal machen den Löwenanteil aus. Wir wollen nicht mit aller Gewalt anders als andere Band sein, sondern wir spielen einfach die Musik, die uns gefällt, und sind dabei bemüht, unsere eigene Persönlichkeit mehr und mehr hervorzubringen.

KROSSFIRE-Einzelshot: Georgi Koushev

Bislang habt Ihr lediglich zwei Songs studiotechnisch festgehalten, die sich auf Eurer »Touch Of Destiny«-Single befinden. Auf Eurer DVD konnte ich dann nochmal ein paar weitere Eigenkompositionen erspähen, doch generell stellt sich die Frage, ob Ihr langsame Songwriter seid.

Georgi: Diese Songs, die Du auf der DVD gehört hast, gehören zu jenen, die wir mittlerweile verworfen haben, so daß Du sie also überhaupt nicht mitzählen darfst. [lacht] Zusätzlich zu den beiden Songs auf unserer Single haben wir im Moment acht oder neun Songs, die fast fertig sind und aufgenommen werden könnten. Wir entschlossen uns nach »Touch Of Destiny«, daß wir beim nächsten Studiobesuch ein komplettes Album aufnehmen wollen. Daher warten wir, bis die Songs ausgereift sind, und freuen uns schon jetzt drauf, wenn wir sie endlich aufnehmen können. Beim Songwritingprozeß haben wir das Problem, daß wir alle unsere regulären Jobs haben und Dimo sogar in einer anderen Stadt arbeitet. Daher schicken wir unsere Ideen mittels Internet hin und her, haben aber nur die Möglichkeit, etwa drei- bis viermal im Monat zu proben. Das macht es natürlich noch schwieriger, sich für Shows vorzubereiten.

Gibt es denn schon konkrete Aufnahmepläne?

Dimo: Das ist schwer zu sagen, denn der Geldfaktor spielt da eine große Rolle, aber wir hoffen, daß wir es bis zum Ende des Jahres schaffen werden.

Ihr scheint Euch riesig über die Teilnahme an der "Metal Crusade" gefreut zu haben. Immerhin habt Ihr eine eigene, recht aufwendig gestaltete Abteilung auf Eurer Homepage eingerichtet, die sich nur diesem Thema widmet. Außerdem habt Ihr ein Trailervideo dazu erstellt und wurdet sogar im Radio deswegen interviewt!

Georgi: Die Teilnahme hat uns sehr geholfen! Es kommen immer wieder neue Leute auf unsere MySpace-Seite, die uns erzählen, daß sie uns auf der "Metal Crusade"-CD gehört haben. Außerdem hast Du uns ja verraten, daß unser Song mehrfach beim"Bang Your Head!!!"-Festival in den Umbaupausen gelaufen ist. Für uns als bulgarische Band ist das wirklich eine großartige Sache!

Dimo: Wir sind in der Tat aus dem Häuschen deswegen, denn in unserer Heimat hat das noch keine Underground-Band geschafft. Da wir unsere Fans immer wissen lassen wollen, was bei KROSSFIRE passiert, halten wir sie mittels unserer Webseite oder unseren Profilen bei den Social Networks über solche Dinge auf dem Laufenden. Wir hielten es für eine gute Idee, die Seite für unsere Webpage und den Trailer für unsere Seiten bei YouTube und Vimeo zu basteln.
Wir haben in der Tat auch ein Interview wegen der Teilnahme an der "Metal Crusade"-CD gegeben. Der Sender nennt sich "Radio Varna", und Martin Nikolov, der die Sendung "From The Other Side" macht, war mein Gesprächspartner. Er hat mich per Telephon interviewt. Es ist eine Sendung, die sich dem Metal in Bulgarien im Allgemeinen widmet. Sie führen oft Interviews mit allen nur erdenklichen Musikern und Bands. Zudem spielen sie viele Rock- und Metalsongs. Auf ihrer Webseite kann man zudem Photos und News zu Konzerten in Bulgarien sehen.

KROSSFIRE-Einzelshot: Georgi Driev

Ich habe gesehen, daß Ihr einen "digitalen Plattenvertrag" mit der Firma TOXITY RECORDS für ihre "MusicSpace"-Plattform unterschrieben habt. Gebt Ihr Euch damit zufrieden, Eure Musik als Download anzubieten, oder wollt Ihr auch einen normalen Deal, der Euch ermöglicht, eine reguläre CD zu machen?

Dimo: Solche Digitaldeals kommen heutzutage immer häufiger zustande und werden immer wichtiger. Das Internet erlaubt eine schnelle Promotion und einen schnellen Verkauf der Musik, während CDs gepreßt, mit einem gedruckten Booklet versehen und anschließend vertrieben werden müssen. Dennoch ist uns wichtiger, eine physikalische CD zu machen und zu verbreiten, wobei wir die Downloads als zusätzliches Werbewerkzeug nicht aus den Augen lassen wollen.

Georgi: Eine reguläre CD hat eindeutig Vorrang für uns - selbst wenn sie nur den Zweck hätte, sie den maßgeblichen Labels zuzusenden, um herauszufinden, wie es um unsere Chancen bestellt ist.

Live spielt Ihr Songs von so unterschiedlichen Bands wie IRON MAIDEN, KAMELOT, SAVATAGE, RAINBOW, MANOWAR, AVANTASIA oder sogar BON JOVI. Wählt Ihr sie aus, weil die Bands Euch beeinflußt haben, oder weil diese Songs einfach populär sind? Kurz gesagt: Grassiert die Coverplage auch in Bulgarien, so daß Euer Set notgedrungen auch Coverversionen enthält?

Georgi: Es ist ein wenig von beidem: Die übliche Spielzeit für eine Clubshow beträgt etwa drei Stunden, was eine sehr lange Zeit ist, so daß wir auf Fremdkompositionen zurückgreifen müssen. Andererseits wird aber auch erwartet, daß wir bekannte Songs spielen. Der negative Aspekt dabei ist, daß das hiesige Publikum es nicht gewohnt ist, zu Gigs zu gehen, bei denen Bands ausschließlich Eigenkompositionen spielen. Die Coversongs wählen wir so aus, daß wir einige Songs spielen, die das Publikum einfach erwartet, und einige, auf die wir richtig Bock haben.

2008 habt Ihr eine Show für Eure »Seven Years On Stage«-DVD gefilmt. Bei der Show habt Ihr sogar einen riesigen Geburtstagskuchen mit dem Bandlogo & Co, bekommen. Was war an der Zahl sieben so speziell, daß Ihr sie so ausgiebig gefeiert habt?

Georgi: Jeder unserer Jahrestage ist etwas besonderes für uns, so daß wir jeden möglichst amtlich feiern möchten, sofern sich die Gelegenheit dazu bietet. Damals kam hinzu, daß wir gerade unsere erste Demo-CD »Touch Of Destiny« veröffentlicht hatten, so daß sich eine solche Party einfach anbot.

Ich war überrascht wie nah Eure beiden Demosongs ›Touch Of Destiny‹ und ›Angels Cry‹ in der Liveversion von der DVD an die Studioversion rankommen - vor allem, was Dimos Gesang betrifft. Seid so gut aufeinander eingespielt, oder habt Ihr - wonach es eigentlich nicht klingt - kräftig im Studio nachbearbeitet?

Georgi: Wir haben nichts an der DVD herummanipuliert. Der Sound stammt sogar direkt von den Kameramikros und wurde noch nicht mal gemastert. Wir waren uns eine ganze Zeitlang unschlüssig, ob wir die DVD überhaupt veröffentlichen sollten, aber wir wurden immer wieder von Fans deswegen gefragt, so daß wir sie dann herausbrachten. Was unseren "Trainingsstand" betrifft, kann ich nur sagen, daß unsere Weiterentwicklungen hauptsächlich durch unser gemeinsames Spiel zustande kommen. Dabei ist es natürlich auch von Vorteil, daß wir uns gegenseitig sehr gut kennen und auch menschlich gut miteinander harmonieren.

Dimo: Ich versuche, die Songs immer gleich zu singen - egal ob bei den Proben, bei Konzerten oder im Studio. Das ist nicht schwierig, da ich zusätzlich zu den gemeinsamen Proben auch ausgiebig alleine übe.

KROSSFIRE-Einzelshot: Peter Boshnakov

Der Auftrittsort, an dem Eure DVD entstanden ist, sieht eher wie eine normale Diskothek aus. Wie steht es in Eurer Heimat um Liveclubs, in denen Metalbands auftreten können?

Georgi: Genau, es handelt sich um einen normalen Laden, der einmal in der Woche eine Rock/Metal-Nacht veranstaltet. Nachdem wir ein paarmal dort gespielt hatten, freundeten wir uns mit dem Clubbesitzer an, der uns auch weiterhin unterstützte, so daß wir beschlossen, unser Jubiläumskonzert dort stattfinden zu lassen. In Sachen Liveclubs sah es in den letzten beiden Jahren recht gut aus, aber dank der Finanzkrise haben wir mittlerweile echte Probleme, überhaupt noch live auftreten zu können.

Dimo: In Bulgarien gibt es so etwas wie einen reinrassigen Metalclub nicht. In den Musikclubs werden alle Stilrichtungen gespielt, an manchen Abenden mit Liveband, an anderen mit DJs. Hinzu kommt, daß es nicht gerade viele solcher Clubs gibt; vielleicht sind es zehn Stück im ganzen Land.

Ihr habt eine Menge Videos auf Eurem Vimeo-Account - sogar von den Coversongs. Seht Ihr Videos als ein derart wichtiges Medium an?

Georgi: Ja, denn alles, was die Leute in positiver Hinsicht auf uns aufmerksam machen kann, ist wichtig für uns.

Es scheint auch so, daß Ihr 'ne Menge Zeit investiert, um spezielle Artworks für die Band zu entwerfen oder um Livephotos ins Internet zu stellen. Wird das von Euren Fans honoriert?

Georgi: Ja, wir haben schon viele Komplimente für unsere Webseite und für unsere MySpace-Präsenz bekommen. Die Credits dafür gehen komplett an Dimo.

Dimo: Wir versuchen, unsere Band auf alle mögliche Arten zu promoten, sei es mittels der Homepage, auf MySpace, Facebook oder mittels Videokanälen wie YouTube und Vimeo. Dabei hilft ein gutes Design, das das Auge einfängt, natürlich immens, so daß wir eine Menge Energie hineinstecken. Viele Leute, die sich auf unserer Webseite für unseren Newsletter angemeldet haben, fragen auch oft nach Livephotos, so daß wir diesen Wunsch gerne erfüllen.

Dimo singt mittlerweile auch bei DEFENDER. Inwiefern beeinflußt dies KROSSFIRE? DEFENDER existieren ein wenig länger. Sind sie auch größer als KROSSFIRE?

Georgi: Es gibt keine Begriffe wie "größer" und "kleiner" bei den hiesigen Bands. Alle stehen auf einer Stufe und haben die gleichen Chancen.

Dimo: Es gibt eigentlich keine Beeinflussung für KROSSFIRE, da DEFENDER einen ganz anderen Stil spielten. Sie sind eine gute Band, die einfach kein Glück mit Sängern und Drummern hat. Ihr Frontmann stieg letzten April aus, so daß ich beschloß, ihnen zu helfen. Derzeit stellt es für mich kein Problem dar, gleichzeitig bei zwei Bands aktiv zu sein. Vor etwa drei bis vier Monaten ist allerdings mal wieder ein Drummer ausgestiegen, so daß DEFENDER derzeit auf Eis liegen. Ich arbeite allerdings auch noch mit einem anderen Gitarristen an einem anderen Projekt namens FIRELANDIA, mit dem wir bislang zwei Songs aufgenommen haben. Wie Du siehst, bin ich sehr beschäftigt.

KROSSFIRE-Einzelshot: Spas Markov

Welche anderen bulgarischen Bands findet Ihr erwähnenswert?

Dimo: Es gibt einige gute Underground-Bands hier: DEFENDER, IVORY TWILIGHT, EXTAZIA, SICKFLAG, ODDCREW, AMARANTH, PANTOMMIND, MYSTICA oder SJK. Natürlich will ich nicht vergessen, die guten Bands der älteren Garde wie АХАТ (manchmal auch AHAT geschrieben), EPIZOD, B.T.R. oder THE CRICKETS zu erwähnen.
Es ist hierzulande sehr schwer für Rock und Metal. Die Leute sind längst nicht so offen für diese Musik wie in Deutschland, Skandinavien und so weiter. Es gibt Metalfans hier, aber die meisten gehen nicht in einen Club, wenn sie die Band nicht kennen - ziemlich blöd, was? Zudem wollen die meisten Clubbesitzer kein Geld investieren, um ihren Laden mit einer guten Bühne und Soundanlage auszustatten.

Die bulgarische Szene ist hierzulande kaum bekannt. Du hast gerade schon einige Bands genannt. Was sollte man ansonsten über die Entwicklung der bulgarischen Metalszene wissen?

Dimo: Es ist sehr schwer für eine Band in Bulgarien, länger als zwei oder drei Jahre aktiv zu sein. Der Lebensstandard ist sehr niedrig hier, so daß den Leuten das Geld fehlt, um sich gute Instrumente zu kaufen. Ich glaube, daß dies in den westlichen Ländern einfacher ist. Zudem hatte ich ja schon erwähnt, daß es nur wenige Clubs gibt, in denen man theoretisch auftreten kann, aber nicht jede Band bekommt die entsprechende Chance geboten. Die Clubbesitzer spucken nur selten eine Gage aus, so daß wir meistens auf eigene Kosten anreisen. Pay to play gibt es also auch hier...
In den Achtzigern und frühen Neunzigern gab es in B.T.R., EPIZOD, ERA, TROTYL, IMPULSE, SOLARIS, CONCURRENT oder ER MALAK ein paar Bands, die es geschafft haben, daß ihr Name auch außerhalb von Bulgarien ein wenig bekannt wurde, aber das war's. Sie waren gute Band, die aber keine Zukunft hatte - traurig aber wahr.
Wir hoffen, daß sich die Situation für die bulgarische Szene in Zukunft bessern wird.

Worauf würdest Du es zurückführen, daß bislang keine bulgarische Band internationalen Erfolg einstreichen konnte?

Dimo: Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht hängt es mit den vielen Jahren hinter dem eisernen Vorhang zusammen, wodurch bis 1989 alles, was aus dem Westen kam, verboten war. Zu Zeiten des Kommunismus wurde man sogar verfolgt, wenn man Rockmusik hörte und lange Haare hatte. Es war damals unmöglich, an unfassende Informationen über Rockmusik oder Rockbands zu gelangen. Die Kinder von heute können sich das überhaupt nicht vorstellen, denn heute gibt es das Internet und Meinungsfreiheit. Wir hoffen, daß sich die Plattenfirmen auch für die osteuropäischen Länder interessieren, denn sie können dort einige coole Band entdecken!

Eure Heimatstadt Plowdiw ist eine der ältesten Städte Europas. Ist das etwas besonderes für Euch oder ist Euch die Geschichte der Stadt einerlei?

Georgi: Ich liebe Plowdiw! Es ist eine wunderschöne Stadt. Ein paar antike Überreste wie der Kolosseum und des Theater, die komplett aus dem Fels herausgehauen wurden, sind noch zu erspähen. Wir haben eine Altstadt, in der alles so erhalten wurde, wie es vor einigen hundert Jahren ausgesehen hat. Plowdiw hat den typischen urbanen Charakter, ist aber zugleich sehr entspannt.

Dimo: Kurz: die schönste Stadt Bulgariens!

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dimo@krossfirebg.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

KROSSFIRE im Überblick:
KROSSFIRE – Learning To Fly (Do It Yourself-Review von 2011)
KROSSFIRE – Learning To Fly (Rundling-Review von 2011)
KROSSFIRE – ONLINE EMPIRE 36-"Rising United"-Artikel
KROSSFIRE – ONLINE EMPIRE 45-Interview
KROSSFIRE – ONLINE EMPIRE 50-Interview
andere Projekte des beteiligten Musikers Dimo Petkov:
DEFENDER (BG) – News vom 02.06.2009
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