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MISSA MERCURIA-Logo

MISSA MERCURIA-Headline

Rockopern stehen hoch im Kurs. Doch das MISSA MERCURIA-Projekt stellt keineswegs den Versuch dar, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. Ganz abgesehen davon, daß die Initiatorin Karin Forstner schon seit zehn Jahren mit der Idee schwanger geht, beweist die unlängst erschienene CD, daß wir es hier keineswegs mit einer lieblos zusammengeschusterten Ramschaktion zu tun haben.

Cast Of Characters:

DC Cooper Firegod
Sabine Edelsbacher Watergoddess
Lori Williams Earthgoddess
Andy Kuntz Airgod
Isolde Groß Mercuria
David Readman Narrator

Performing Musicians:

guitar: Stephan Lill
Alex Beyrodt
Alfred Koffler
bass: Dennis Ward
keyboards: Günter Werno
drums: Andreas Lill
percussion: Pedro Weiß
Lyrics by: DC Cooper
Music by: Stephan Lill, Günter Werno, Alex Beyrodt, Alfred Koffler
produced by: Dennis Ward
concept by: Karin Forstner

Erfahrene Musiker von den Bands PINK CREAM 69, SILENT FORCE und VANDEN PLAS sowie Ex-ROYAL HUNT-Sänger DC Cooper zeichnen für die musikalische Umsetzung von Karins Idee verantwortlich. Doch jenseits der Rockoper geht die Geschichte von MISSA MERCURIA sehr weit in die Tiefe. Um das auszuloten, haben wir einige der Beteiligten virtuell an einem Tisch versammelt.

MISSA MERCURIA-Bandphoto 1

Das Gespräch eröffnet Karin, die für uns ihr erstes Interview gab, die Einstiegsfrage jedoch wie ein Profi konterte:

Welcher Mann hat Dir was angetan, daß Du Dir ein solches Konzept von der Seele schreiben mußtest?

Karin: Glaubst Du ernsthaft, daß man aus psychoanalytischen Gründen einfach mal so eine Rockoper entwickelt und über eine Viertelmillion Mark reinsteckt, nur um ein Problem mit einem Mann zu verarbeiten?
Mein Ansatzpunkt waren vielmehr die patriarchalen Religionen, die seit viertausend Jahren die Welt regieren und den Menschen so viel Schlimmes angetan haben, daß es Zeit wird, etwas daran zu ändern.

MISSA MERCURIA basiert auf dem Konzept, daß die Welt und alles was auf ihr existiert, aus vier Elementen aufgebaut ist: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Jedem Element ist ein Gott zugeordnet, so daß der Feuergott die Lebenskraft und die Triebe, die Wassergöttin die Emotionen, die Erdgöttin alles Lebendige und der Luftgott schließlich die Logik und die Wissenschaft symbolisiert.

Karin, vertiefe doch bitte ein wenig die Idee, die sich hinter MISSA MERCURIA verbirgt.

Karin: Der Mensch ist in seiner Gesamtheit aus diesen vier Elementen konzipiert. Diese Elemente müssen harmonisch miteinanderwirken und dann können die Menschen in Frieden und Freude miteinander leben. Das ist der Sinn des Lebens!
Das wichtigste für mich war, den Leuten einen Schlüssel in die Hand zu geben, um zu den kollektiven verdrängten Mechanismen vorzudringen, die in unserem Unterbewußtsein leben. Dazu eignet sich Musik natürlich sehr gut. Ich hoffe, daß es gelingen wird, MISSA MERCURIA irgendwann auf die Bühne zu bringen, weil man da noch viel besser mit Stimmungen, Licht und Videos arbeiten kann. Gewisse Dinge kann man nur über Emotionen vermitteln, weil wir von der Wissenschaft derart konditioniert sind, daß wir gewisse Elemente unseres Menschseins nicht mehr wahrnehmen können. Das ist dieser verdrängte Anteil, den ich erwähnt habe und dabei handelt es sich zumeist um die weiblichen Anteile, weil wir in einem Patriarchat leben. Es wird Zeit, daß wir diese Anteile wieder hervorbringen, weil wir sonst nicht weiterleben können.

Das klingt für jemand, der sich mit dieser Materie nicht beschäftigt hat, doch sehr theoretisch. Versuch' bitte, dazu ein Beispiel zu nennen.

Karin: Alle derzeitigen Weltreligionen sind patriarchal orientiert und haben einen männlichen Gott außerhalb unseres Selbst, der den Menschen richtet. Das ist aber vollkommen falsch, weil das Göttliche schon immer in uns war. Natürlich gibt es das Göttliche, aber es hat nichts mit dem weißbärtigen, alten Mann zu tun, mit dem die Religionen herumhantieren. Die patriarchalen Weltreligionen haben es jedoch geschafft, das Weibliche als etwas schlechtes darzustellen und zu zerstören. Das kann allerdings niemals funktionieren, weil das Männliche und das Weibliche miteinander verbunden sind. Das Männliche hat also das Weibliche zerstört und macht sich deswegen selbst kaputt. Weil wir unsere Lebensenergie, das Weibliche, ignorieren oder gegen uns richten, führen wir dauernd Kriege und haben so viele Vernichtungswaffen, mit denen wir unseren Planeten mehrfach in die Luft sprengen könnten. Wir müssen quasi im Außen das bekämpfen, was wir in unserem Inneren nicht anerkennen.

Wie bist Du zu dieser Deiner Lebensphilosophie gelangt?

Karin: Ich hinterfrage die Dinge so lange, bis es keine Fragen mehr gibt. Ich habe im Alter von 13 Jahren begonnen, die alten Philosophien zu überdenken. Ich war lange Zeit Buddhismusfan, bin dann über Religion zur Psychologie gekommen, bin zur Politik gestolpert und landete bei Esoterik, Magie und Astrologie. Tarotkarten waren für mich über zehn Jahre lang das wichtigste, mit denen ich das Wissen erlangt habe, um herauszufinden, was auf unserer Welt verkehrt läuft. Ich bin davon überzeugt, daß ich das herausgefunden habe, und dieses Wissen möchte ich weitergeben. Natürlich versuchen Politik, Wissenschaft und Religion, dieses Wissen zu unterdrücken, weil sie ansonsten die Kontrollmöglichkeiten über die Menschen verlieren würden.

Viele Menschen halten Tarotkarten und ähnliches für Humbug!

Karin: Das ist ein typischer Galilei-Effekt: Ich behaupte, daß die Erde rund ist, aber die Menschen sind überhaupt nicht bereit zu begreifen, daß die Erde rund ist. Im übertragenen Sinne sind wir von der Wissenschaft also einfach darauf konditioniert zu glauben, die Erde sei flach! Tarot, Astrologie oder andere alten Weisheiten liegen weit oberhalb unseres wissenschaftlich geprägten Denkens. Die Wissenschaft akzeptiert nur das zu, was meßbar und beweisbar ist. Dann beweise mir mit wissenschaftlichen Methoden doch mal Liebe! Es ist eine Tatsache, daß unsere Emotionen und Instinkte viel stärkere Antriebskräfte sind als die Gedanken.
Wir müssen unsere Emotionen aus dem Unbewußten wieder heraufholen. Ich zeige mit MISSA MERCURIA diesen Weg auf, denn genau darin besteht die Aufgabe, die die Götterbotin Mercuria zu erfüllen hat.

Wie bist Du auf die symbolhafte Geschichte von MISSA MERCURIA gekommen, in die Du Deine Lebensphilosophie verpackt hast?

Karin: Ich mußte diesen Inhalt, der von der Gesellschaft nicht gutgeheißen werden kann, in eine märchenhafte Geschichte verpacken. Wenn ich ein Lehrbuch darüber geschrieben hätte, wäre ich ins Gefängnis oder ins Irrenhaus gekommen. Im Mittelalter wäre ich bestimmt schon längst als Hexe verbrannt worden. Kunst ist in unserer Gesellschaft das einzige Medium, mit dessen Hilfe wir Dinge sagen können, die eigentlich nicht gesagt werden dürfen. Ich hätte für die Geschichte prinzipiell auch Drachen und Wölfe verwenden können, aber ich habe lieber Personen genommen, weil wir uns mit denen besser identifizieren können.

MISSA MERCURIA läßt folgende Geschichte vor den Augen des Hörers entstehen: Die Götter, die wie Karin schon erläutert hat, im Menschen existieren, feiern in ihrem Göttermolekül eine Party als sich plötzlich eine gigantische Explosion ereignet und die Götter feststellen müssen, daß die Menschheit sich selbst ausradiert hat.
Daher bitten die Götter den Zeitgeist darum, die Zeit an einen Punkt vor dem Untergang der Schöpfung zurückzudrehen, so daß sie die Chance haben, die gemachten Fehler auszubügeln und die Welt zu retten. Dies wird ihnen gewährt und da Hermes, der alte Götterbote, versagt hat, muß die neue Götterbotin Mercuria ran, um die Botschaft der Götter aus dem Molekül ins menschliche Gehirn zu transportieren. MISSA MERCURIA folgt ihr bei der Verwirklichung dieser Aufgabe.

Du hast Deine sehr ernsthafte Philosophie in eine zumeist sehr witzig gestaltete Geschichte verpackt, die teilweise schon hart an der Grenze zur Lächerlichkeit liegt. Steckt darin nicht ein gewisser Widerspruch?

Karin: Nein, es soll lustig sein, denn der Sinn des Lebens ist, Freude zu haben. Roll' die Sache doch mal von hinten her auf: Ich behaupte, daß wir selbst das Göttliche sind. Wenn also die Götter in ihrem Molekül eine Party feiern, dann sind wir das selbst, die diese Party feiern. Ich will also keineswegs die Schuld auf die Götter schieben, sondern ich sage, daß wir wegen der ganzen Ablenkung nicht mehr bemerken, was wirklich wichtig ist und was wirklich der Sinn des Lebens ist. Es ist natürlich völliger Blödsinn, was die Kirche erzählt: daß wir böse sind und leiden müssen. Die Götter sollen Gaudi haben; wir sollen Gaudi haben. Aber wir dürfen dabei nicht aus den Augen verlieren, daß wir bestimmte Aufgaben haben.

Wann hast Du begonnen, MISSA MERCURIA zu entwickeln?

Karin: Als Freddie Mercury starb ist für mich eine Welt zusammengebrochen, weil er ein Mensch war, der es geschafft hat, den Menschen in einfachen Worten zu erklären, wie das Leben funktioniert. Daher keimte in mir die Idee auf, daß man das in Form einer Rockoper vermitteln sollte, war damals aber noch meilenweit davon entfernt, selbst das Zepter in die Hand zu nehmen. Ich bin allerdings nach und nach selbst in die Rockszene reingeschlittert und habe sogar angefangen, Schlagzeug zu spielen und habe Gesangsunterricht genommen. Nach und nach wurde mir klar, daß ich niemals so gut werden würde, um MISSA MERCURIA selbst zu vertonen. Besonders das Singen kann man nur bis zu einem gewissen Punkt lernen und alles, was darüber hinausgeht, ist eine Gabe. Aber es war wichtig für mich, Einblicke in diese Dinge zu bekommen. Daher habe ich die in Schwabing ansässigen Bands gefragt, ob sie nicht Lust hätten, eine Rockoper zu komponieren, erhielt jedoch kaum positive Resonanzen.
Irgendwann ging ich auf ein GOTTHARD-Konzert und sah an diesem Abend auch ROYAL HUNT mit DC Cooper als Sänger. Da wußte ich, daß ich diese Band und diesen Sänger für meine Rockoper haben wollte. Leider sind die Verhandlungen mit ROYAL HUNT im Sande verlaufen, so daß nur DC übrig geblieben ist, nachdem er die Band verlassen hatte. DC hat mich dann mit meinem ehemaligen Management BOTTOM ROW zusammengebracht, die wiederum die Musiker zusammengetrommelt haben, die an MISSA MERCURIA mitgewirkt haben.

Shot: DC Cooper

Stellvertretend für die Sänger und Musiker, die bei MISSA MERCURIA mitgemischt haben, befragten wir DC Cooper, der die Texte und Gesangslinien geschrieben hat, sowie Stephan Lill von VANDEN PLAS, der einer der vier Komponisten war, der die Musik beigesteuert hat.

DC, warum hast Du bei dem MISSA MERCURIA-Projekt mitgemacht?

DC: Es war für mich eine interessante Herausforderung, weil ich nie zuvor für andere Sänger geschrieben habe. Ich kannte die entsprechenden Sänger und ihre Stimmen und ich war angetan, für sie zu komponieren. Das schwierigste war für mich, die Geschichte in Liedtexte umzuwandeln.

Stephan, wie sah Dein Beitrag zu MISSA MERCURIA aus?

Stephan: Das Angebot wurde über unser Management BOTTOM ROW an uns herangetragen, und sowohl Günter als auch ich waren sofort bereit mitzumischen. Jeder von den Komponisten hat einige Songs beigesteuert, von denen Karin die passendsten ausgesucht hat. Die Songs wurden dann bestimmten Themen zugeordnet. Danach fehlten noch einige Stücke zu ganz bestimmten Themen, die ganz speziell dafür geschrieben wurden. So schrieb ich beispielsweise den Auftakt, bei dem die Weltexplosion stattfindet, so daß ich diese Nummer nach diesen Vorgaben geschrieben habe.

Karin, warum hast Du Dich für diese Musiker entschieden, die nun auf der CD mitgewirkt haben?

Karin: DC Cooper und Isolde Groß, bei der ich früher Gesangsunterricht genommen hatte, wollte ich unbedingt haben. Bei den anderen lief es wie am Schnürchen: Wir wurden einander vorgestellt und verstanden uns sofort. Ich habe die ersten Entwürfe gehört und war begeistert. Daher bin ich sowohl mit der musikalischen als auch mit der textlichen Umsetzung von MISSA MERCURIA sehr zufrieden.

Wie ist der Prozeß der "Textfindung" genau vonstatten gegangen?

Karin: Ich habe DC Listen mit den Elementen eines jeden Gottes gegeben und er hat diesen Input in Texte umgewandelt. Es war DC manchmal ein bißchen unheimlich, aber dennoch war es eine erstklassige Zusammenarbeit und DC hat meine Ideen in die richtigen Worte gefaßt.

DC, war es schwierig, die Texte für MISSA MERCURIA zu erstellen?

DC: Karin besuchte mich damals zehn Tage lang in meinem Studio in Pittsburgh, und sie hat mir die entsprechenden Infos gegeben, die ich brauchte, um die Texte basteln zu können. Ich hatte zusätzlich die Musik als Vorlage und habe dann zu den Texten die Melodielinien entwickelt.

Hattest Du von Karin klare Vorgaben, wie das Endresultat klingen soll?

DC: Sie hat in der Vorbereitungsphase viel Zeit mit den Komponisten, dem Produzenten Dennis Ward und mir verbracht, so daß sie sich sicher sein konnte, daß jeder wußte, welchen Weg sie mit MISSA MERCURIA einschlagen wollte. Anschließend hat sie uns freie Hand gelassen.

Stephan, Du konntest also frei von der Leber weg komponieren?

Stephan: Uns war bekannt, daß es sich um eine Rockoper handeln sollte, so daß uns bewußt war, daß beispielsweise eine straighte Heavy Metal-Nummer nicht passen würde. Ich habe mir auch einige ROYAL HUNT-Platten angehört, um zu sehen, wie DC seine Stimme einsetzt, so daß ich ›Divine Spark‹ beispielsweise bewußt auf seine Stimme zugeschnitten habe. Das war allerdings nicht immer möglich, weil zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wer welchen Song singen würde.
Es sollte jeder die Möglichkeit haben, seinen persönlichen Stil mit einzubringen, weil es sonst keinen Sinn gemacht hätte, vier verschiedene Komponisten zu wählen. Diese Elemente sollten dann im Endergebnis miteinander verschmelzen. Daß das funktioniert hat, sieht man am besten an der Nummer ›Journey To Hades‹, die aus vier Teilen besteht, von denen je zwei vom PINK CREAM-Gitarristen Alfred Koffler und mir stammen.

Was waren für Dich die Unterscheidungskriterien, anhand denen Du einen Song für MISSA MERCURIA und nicht für VANDEN PLAS verwendet hast?

Stephan: Es waren einige Songs dabei, die von der Harmonieführung her ganz anders angelegt waren als bei VANDEN PLAS. Ich habe mittlerweile einen sehr guten Instinkt dafür, ob unser Sänger Andy Kuntz zu einem neukomponierten Song eine gute Melodielinie entwickeln kann oder ob die Nummer eher ungeeignet für ihn ist. Ich habe das neulich mal ausprobiert: Ich habe Andy einen Song vorgespielt, den ich für die dritte Platte von Ian Parrys CONSORTIUM PROJECT geschrieben habe, und Andys Antwort war prompt, daß der Song ihm gefallen würde, er sich aber nicht sicher sei, ob sich der Song für VANDEN PLAS eignen würde.
Bei einem Song war diese Zuordnung besonders schwierig: Auf meinem ersten Demo für MISSA MERCURIA war ›The Healing Tree‹ enthalten. Ich spürte jedoch, daß der Song sich eigentlich besser für VANDEN PLAS eignen würde und die anderen VANDEN PLAS-Musiker haben mir sofort zugestimmt. Daher habe ich die Nummer aus dem MISSA MERCURIA-Pool wieder zurückgezogen und ›The Healing Tree‹ ist stattdessen auf der neuen VANDEN PLAS-Platte »Beyond Daylight« gelandet.

Habt Ihr den MISSA MERCURIA-Ausflug für musikalische Experimente genutzt?

Stephan: Es bestand sicherlich die Chance, Dinge auszuprobieren. So hat Günter ein paar außergewöhnliche Songs geschrieben. Ich kann von meiner Seite aus sagen, daß ich für VANDEN PLAS sicherlich nie eine Eröffnungsnummer wie bei MISSA MERCURIA schreiben würde, so daß es in gewisser Weise eine neue Erfahrung war. Ich möchte aber betonen, daß wir bei MISSA MERCURIA keinesfalls irgendwelche nicht benutzten Songreste verwertet haben!

DC, durften die jeweiligen Sänger ihre Melodielinien verändern?

DC: Da ich alle Sänger kannte, habe ich mich bemüht, die entsprechenden Gesangslinien so anzulegen, daß sie zu dem entsprechenden Stimmcharakter passen. Sie hatten natürlich alle Freiheiten, aber ich war überrascht, daß sie nahezu komplett meine Vorgaben umgesetzt haben und nur minimale Variationen vorgenommen haben. Daher fühlte ich mich bestätigt, daß ich meine Aufgabe in Zusammenarbeit mit Dennis Ward, dem Produzenten, gut gelöst habe.

Stephan, bist Du zufrieden mit den Gesangslinien, die DC zu Deinen Kompositionen geschrieben hat?

Stephan: Das kann ich rundum bejahen, denn ich hatte beispielsweise zu ›Divine Spark‹ eine Gesangslinie im Kopf und DCs Version kommt dieser erstaunlich nahe.

DC, wie hat sich die Zusammenarbeit bei MISSA MERCURIA abgespielt?

DC: Ich war bei einem Teil der Produktion im "House Of Audio"-Studio - vor allem als der Gesang aufgenommen wurde, sofern es sich mit meinem Zeitplan in Übereinstimmung bringen ließ. Ich habe allerdings den Großteil der Arbeit in meinem Studio in Pittsburgh erledigt und mit Hilfe der Wunder mit Namen Computer und Internet ließ ich die Aufnahmen Dennis zukommen.

Stephan, wie hast Du die Studioarbeit für MISSA MERCURIA erlebt?

Stephan: Ich weiß, daß es zur Zeit viele Rockopern gibt und Projekte eher den Ruf haben, daß es dabei nur darum geht, schnell Kohle abzuzocken. Daher empfand ich es als wichtig, daß beim Einspielen der CD nahezu alle Musiker die ganze Zeit über zusammen im Studio waren. Mal abgesehen davon, daß wir eine tolle Zeit miteinander verbrachten, unterstreicht das, daß es mehr als ein Namedropping-Projekt war. Außerdem sollte man nicht vergessen, daß jeder von uns intensiv als Songschreiber an MISSA MERCURIA mitgearbeitet hat.

Shot: Stephan Lill

Karin, zweifelsohne hat Dein Konzept einen feministischen Touch. Richtig?

Karin: Alle Männer haben bislang so reagiert. Ich möchte Dich bitten zu bedenken, daß wir in einer von Männern geprägten Gesellschaft leben. Wenn ich das Weibliche zugunsten aller wieder einführen möchte, muß ich natürlich ein wenig am Lack kratzen. Damit möchte ich niemand angreifen, denn die Männer haben sich ihre heutige Situation nicht ausgesucht und die meisten sind nicht glücklich damit. Es soll aber nicht feministisch sein! Ich war nämlich einmal Feministin und sogar in einer feministischen Partei, bis ich kapiert habe, daß die Feministen nur die Verhältnisse umkehren wollen und stattdessen die Männer knechten wollen. Das vertrete ich in keiner Weise, sondern ich möchte, daß wir unser Leben miteinander gestalten.

DC, wie bist Du mit der MISSA MERCURIA-Geschichte klargekommen, die gewiß nicht sehr konventionell ausgefallen ist?

DC: Meine persönliche Lebensphilosophie ist in jeder Hinsicht anders - ganz gleich ob es sich um religiöse, politische oder sonstige Ansichten dreht. Das mag vor allem daher rühren, daß wir aus verschiedenen Kulturen stammen. Das ist der Grund, weshalb meine Texte sich an dem Grundkonzept orientieren, aber dennoch ein wenig abgewandelt sind. Karin steht felsenfest zu ihrem Weltbild, das sich in MISSA MERCURIA widerspiegelt, aber mir war es wichtig, die Texte so zu gestalten, daß der Hörer sich gut fühlt. Daher habe ich alles in einer diskreteren Form ausgedrückt und auf Political Correctness geachtet. Schließlich würde am Ende auch mein Name unter dem Projekt stehen und daher sollte es das bestmögliche Produkt sein, das in meiner Macht steht. Wir haben unterm Strich einen guten Kompromiß gefunden, denn das Konzept ist aus einem sehr weiblichen Blickwinkel geschrieben, aber ich wollte die Geschichte in den Texten allgemeingültiger verpacken.

Karin, letztendlich hat sich Dein Projekt gut entwickelt. Dabei sah es zwischendurch mal gar nicht so gut aus, als Du in die Fänge eines zwielichtigen Pseudo-Produzenten geraten bist, der Dich nach allen Regeln der Kunst ausgenommen hat.

Karin: Das waren meine schlimmen Anfänge als ich noch sehr blauäugig war. Ich lernte damals Peter Juhre kennen, der früher mal bei VICE gespielt hatte und nach deren Split nochmal einen Versuch unter dem Namen WET PAINT gestartet hatte. Er schien für mich der Macher in der Münchner Rockszene zu sein. Erst später fand ich heraus, wie viele Leute er schon geprellt hatte. PJ ist ein Typ, der sich sehr gut verkaufen kann, so daß auch Leute, die seit 20 Jahren in der Szene waren, von ihm geleimt wurden. Es war also nicht allein meine eigene Dummheit schuld, daß ich auf die Schnauze gefallen bin. PJ hat es verstanden, über ein Jahr lang alles zu verschleiern; er hat mir ständig erzählt, wen er getroffen und wen er kontaktiert habe, um MISSA MERCURIA an den Start zu bringen. Ich habe ihm damals ein Gehalt und später sogar einen neuen Computer bezahlt, weil er mich davon überzeugte, daß er rund um die Uhr für mich tätig sei. Letztendlich hat er mich um etwa 40.000 Mark betrogen, die ich nicht mehr einklagen konnte, weil ich ihm nichts nachweisen konnte. Irgendwann war PJ einfach verschwunden. Ich hoffe nur, daß niemand mehr auf ihn hereinfällt, denn allein das Lehrgeld, das ich bezahlt habe, reicht für ganze Musikergenerationen aus!

Dennoch hast Du damals nicht die Flinte ins Korn geworfen.

Karin: Das hätte ich nie getan! Da kommt wieder meine Lebensphilosophie durch: Hätte ich aufgegeben, hätte ich vor dem Verbrechen kapituliert. Ich hab mich damals hundeelend gefühlt, aber deswegen hätte ich niemals mein Lebensziel aufgegeben. Schließlich habe ich jetzt gewissermaßen über das Böse gesiegt, denn heute gibt es MISSA MERCURIA - trotz eines PJ!

Was sind die nächsten Ziele, die Du mit MISSA MERCURIA erreichen willst?

Karin: Ich hätte mir nie träumen lassen, daß ich mit MISSA MERCURIA so weit kommen würde, wie ich jetzt bin. Eigentlich wollte ich viel kleiner anfangen und mir schwebte eher vor, MISSA MERCURIA auf einer Kleinkunstbühne aufzuführen, aber der Ball ist immer mehr ins Rollen gekommen, so daß es nun eine CD gibt, die weltweit verkauft wird.
Natürlich ist es jetzt mein nächstes Ziel, MISSA MERCURIA im passenden Rahmen auf die Bühne zu bringen. Mir schwebt vor, daß es wie ein bombastisches Rockkonzert ablaufen soll, bei dem im Hintergrund auf einer riesigen Leinwand Videos laufen sollen, die die entsprechenden Stimmungsbilder vermitteln. Die Götter sollen also auf der Bühne ihre Party feiern, die Musiker sind ein Teil dieser Party und es sind eine Menge Gäste geladen. In Interaktion zwischen den Göttern und den Gästen sollen dann die entsprechenden Texte entstehen, die das Konzept genau beleuchten und die man jetzt auch schon auf der MISSA MERCURIA-Website http://www.missamercuria.com/ finden kann. Es soll also ein normales Rockkonzert sein, bei dem zwischendurch Leute miteinander quatschen. Außerdem soll es so konzipiert sein, daß man MISSA MERCURIA sowohl auf einer klassischen Bühne inszenieren kann als auch damit auf Tour gehen kann. Mein Traum ist es, daß MISSA MERCURIA ein Kult wie die "Rocky Horror Picture Show" wird.

DC, welche Erwartungen hast Du an MISSA MERCURIA?

DC: Wenn ich heute mit einer neue Arbeit beginne, neige ich aufgrund der derzeitigen Situation in diesem Business dazu, meine Erwartungen eher vorsichtig zu formulieren. Ich denke, daß alle Beteiligten einen erstklassigen Job gemacht haben, so daß ich mit dem Resultat sehr zufrieden bin. Im Moment bin ich äußerst positiv überrascht, welch' gute Reaktionen MISSA MERCURIA weltweit erzielt hat.

Stephan, falls MISSA MERCURIA wirklich auf die Bühne gehen würde, könntest Du Dir vorstellen, daß Du und VANDEN PLAS ebenfalls mit von der Partie sein würden?

Wenn es zu einer Bühnenumsetzung von MISSA MERCURIA käme, wären wir sicherlich nicht abgeneigt, daran mitzuwirken. Schließlich haben wir mit VANDEN PLAS schon seit zehn Jahren Erfahrung auf diesem Sektor gesammelt.

Karin, es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es einen Teil zwei von MISSA MERCURIA geben wird?

Karin: Das ist unmöglich, denn es gibt keinen zweiten Teil der Weltgeschichte. In MISSA MERCURIA stecken alle universellen Gesetze der Welt und mit dem in MISSA MERCURIA enthaltenen Wissen kann man die Welt verändern. Das Thema ist allumfassend abgehandelt und es bedarf keiner Hinzufügung.
Wenn ich mit der CD Millionen verdienen würde - was natürlich nicht passieren wird - würde ich zunächst das Bühnenprojekt in Angriff nehmen und dann vielleicht ein anderes philosophisches Thema in Form einer Rockoper umsetzen.
Realistisch gesehen, hat es mich zehn Jahre gekostet, MISSA MERCURIA in Tonform zu verwirklichen, und wenn es nun nochmal zehn Jahre dauert, das Bühnenprojekt wahr werden zu lassen, kann ich wirklich nicht sagen kann, was danach kommen wird.

Kann man Dich abschließend als eine Weltverbessererin bezeichnen?

Karin: Ich bin Schütze, Aszendent Skorpion, und diese Menschen wollen immer die Welt verbessern. Dagegen kann ich mich nicht wehren. Aber es geht hierbei nicht um meine Person, sondern ich möchte lediglich dieses alte Wissen, auf das ich gestoßen bin, anderen Menschen vermitteln. Und wenn die Menschen ihre innere Haltung verändern, werden sich auch automatisch die äußeren Umstände verändern.
Rockmusik hat ohnehin einen weltverbessernden Charakter und hat noch nie die jeweilige Situation schöngeredet. Rockmusiker sind die letzten Revolutionäre! Sie wollen etwas verändern, aber eben nicht indem sie blutige Revolutionen anzetteln, sondern machen das auf positivem Weg mit Hilfe ihrer Musik.

http://www.missamercuria.com/

mercuria@missamercuria.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photo: Axel Jusseit [Photo 3]

MISSA MERCURIA im Überblick:
MISSA MERCURIA – Heavy, oder was!? 67-Interview (aus dem Jahr 2003)
MISSA MERCURIA – Online Empire 14-Interview (aus dem Jahr 2003)
Soundcheck: MISSA MERCURIA-Album »Missa Mercuria« im "Soundcheck Heavy, oder was!? 66" auf Platz 31
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