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”UNDERGROUND EMPIRE 5”-Datasheet

Contents:  YESTERDAY AND TODAY/Y&T-''Cult Complete''-Artikel

Date:  14.09.1991 (created), 13.08.2010 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 5

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Dieser "Cult Complete"-Beitrag unterschied sich völlig von den ersten beiden, denn hier konnte nur die großartige Musik punkten, während bei JAG PANZER und ALOHA/VIXEN/HAWAII im Artikel auch noch Insiderwissen ausgeplaudert werden konnte und beide Acts auch noch einen verschärften Reiz für Sammler in petto hatten. Nichtsdestotrotz kann die musikalische Leistung von Y&T gar nicht genug gewürdigt werden, so daß es erfreulich ist, daß die Band seit einigen Jahren wieder aktiv ist und seither zu den gerngesehenen Gästen bei europäischen Festivals zählt!

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Titel: Cult Complete
Dekolinie

Y&T-Logo

Y&T sind eine Band, anhand der man sieht, was für ein Scheißbusiness das Rock/Metal-Business ist! Vor einem halben Jahr gab man seine Auflösung bekannt und trug damit dem konstanten Ignoriertwerden Rechnung. Woran es lag, daß Y&T nie den Erfolg erhielten, den sie verdienten, hat sicher mehrere Gründe, die zum Teil gar nicht so genau zu bestimmen sind. Auf einige möchte ich aber im Verlauf dieses Artikels auch eingehen. Zunächst jedoch wollen wir doch mal den Blick 15 Jahre zurückwenden.

YESTERDAY AND TODAY-Cover: »Yesterday And Today«

Damals veröffentlichte eine Band namens YESTERDAY AND TODAY auf dem in New York beheimateten LONDON RECORDS-Label ihr Debut. Die vier Jungs mit Namen Dave Maniketti (g, v), Joey Alves (g), Phil Kennemore (b) und Leonard Haze (d) präsentierten auf dem Album neun Rock('n'Roll)-Songs, die für die damalige Zeit relativ typisch waren. Aber irgendwie muß ich sagen, daß die LP auch heute noch Reize hat, die man nicht leugnen kann. Besonders wurde schon zu diesem Zeitpunkt deutlich, wer bei der Band musikalisch den Ton angab - Dave Maneketti, der mit seinem einzigartigen Gitarrenstil und seinem markanten Gesang der Band den Stempel der Unverwechselbarkeit aufdrückte. Allein schon aufgrund des Charismas dieses Mannes hätte Y&T eine Weltkarriere bevorstehen müssen. Daß sie trotzdem die "ewige Vorgruppe", wie sie mal recht treffend bezeichnet wurden, blieben, liegt mit Sicherheit allein schon mal da dran, daß keiner von ihnen den Typ "braungebrannter Himbeerbubi" im Stile John Bon Jovi repräsentierte. Da war eben nicht diese aalglatte Oberfläche, auf der sich PR-Leute mit Wonne austoben konnten. Stattdessen lieferten Y&T klasse Musik, die zwar heute etwas befremdlich klingen mag, aber dennoch ihre Ausstrahlung nur schwerlich verbergen kann. So spielten Y&T am Ende ihrer Karriere immer noch ›25 Hours A Day‹, ein Lied, das sie 15 Jahre zuvor mal komponiert und eingespielt hatten.

YESTERDAY AND TODAY-Cover: »Struck Down«

Relativ vergleichbar zum Debut war der Nachfolger »Struck Down«, welcher 1978 erschien, der musikalisch sich auch in die eher rock'n'rollige Ecke bewegte. Leider kann ich Euch über diese Zeit nicht allzu viel erzählen, da sie schon so lange zurückliegt und über Y&T als ewige Insiderband nie besonders viel Material, das ich nun zum Nachschlagen verwenden könnte, verfaßt wurde.

Y&T-Cover: »Earthshaker«

Es trat eine längere Pause ein, bis dann 1981 »Earthshaker« unter dem komprimierten Bandnamen Y&T erschien. Man hatte sich den von so vielen Bands ersehnten "großen Deal" an Land gezogen und war nun bei A&M RECORDS. Daß dies aber alles andere als vorteilhaft für die Band war, äußerten sie mehr als einmal in Interviews, da A&M absolut keinen Plan hatten, wie man eine Band wie Y&T promoten soll. Und so veröffentlichten die vier Boys eine tolle LP nach der anderen und traten vom Bekanntheitsgrad her einfach auf der Stelle. Die Musik war aktueller geworden und verdiente mittlerweile die Bezeichnung Hard Rock, aber eben auf die Art wie ihn nur Y&T aus der Kombination der vier Musikerseelen spielen konnten. An Songs ragten auf »Earthshaker« eindeutig die beiden ruhigen ›I Believe In You‹ und ›Rescue Me‹ heraus, die man bestimmt in die Ahnengalerie der Musik stellen darf!

Y&T-Cover: »Black Tiger«

Im darauffolgenden Jahr ließ man den schwarzen Tiger los, der uns zwei Stücke ähnlicher Güte und Stimmungslage brachte, ›Forever‹ und ›Winds Of Change‹. Auf »Black Tiger« bewies man auch die Vielseitigkeit, zu der man imstande. Neben den genannten Stücken, gab's da auch einen flotten Rocker wie ›Open Fire‹, der Jahre später noch als Titel für eine Liveplatte fungieren sollte, oder einen Song wie ›Hell Or High Water‹, den man einfach auf sein Rhythmusgerüst reduziert hatte oder eben auch ›Barroom Boogie‹, der eigentlich so klang, wie das sein Name verheißt. Man spürte einfach förmlich, daß Y&T zu Hochform aufliefen und kurz vor ihrem musikalischen Orgasmus standen.

Y&T-Cover: »Mean Streak«

Selbiger sollte dann 1983 erfolgen und den Namen »Mean Streak« tragen. Alle neun Songs sind einfach Lehrstücke des melodischen Hard Rock bis Heavy Metal. Wo sich heute Tausende Bands abkrampfen, in ihrer gesamten Karriere auch nur einen einzigen bemerkenswerten Song dieser Gattung zu kreieren, legten Y&T auf einer Platte gleich mal neun Stück hin. Allerdings verfuhr man nicht nach dem Motto, "Jetzt haben wir endlich mal einen guten Song geschrieben, also klonen wir ihn schnell ein paar Mal!", sondern gab jedem Stück sein eigenes Gesicht und seine eigene Persönlichkeit. Als gemeinsame Erbanlagen verfügte man über Dynamik und musikalische Farbenpracht, aus denen sich für »Mean Streak« jedoch neun Individuen entwickelt hatten. Nun begann für Y&T die Zeit, in der man die Liste großen Produzentennamen einmal rauf und dann wieder runter betete. Chis Tschangarides bekanntermaßen sehr glatter Produktionsstil war für »Mean Streak« bestimmt nicht der schlechteste, denn die Songs hatten zuviel Substanz, um zu Tode poliert zu werden, erhielten aber einen eingängigen Charakter, der gut zu ihnen paßt, egal ob er nun wie maßgeschneidert für die Songs ist oder ob man sich einfach daran gewöhnt hat.

Y&T-Cover: »In Rock We Trust«

Auf dem Nachfolger »In Rock We Trust« hatte man da wieder etwas rauhbeiniger gearbeitet, jedoch den Songs die Fähigkeit zur forcierten Gehörgangpassage gelassen. Sie gingen rein und nie wieder raus. Die Substanz der Songs wirkten wie musikalische Widerhaken. Erst neulich mußte ich mich wieder dabei ertappen, daß ich voller Inbrunst aus heiterem Himmel ›This Time‹, die Ballade von »In Rock We Trust«, zu singen begann. Es war einfach ohne Zweifel des erwähnten Orgasmus zweiter Teil!

Y&T-Cover: »Open Fire«

Nur leider muß man sagen, daß man an diesem Punkt eigentlich aufhören könnte, über Y&T zu reden. Es erschien zwar als Nachschlag noch die Live-LP »Open Fire«, die aber einfach insuffizient war, um die Laufband einer solchen Band zu schildern. Bei 90 bis 120 Minuten wäre das schon eher denkbar gewesen, aber 45 Minuten reichten noch nicht mal für den Aufwasch.

Y&T-Cover: »Down For The Count«

Dies war nun jedoch der Punkt, an dem Y&T aufhörten, sie selbst zu sein. Verständlicherweise war man frustriert, über Jahre hinweg musikalische Höchleistungen zu vollbringen und mit einem minimalen Achtungserfolg dafür abgespeist zu werden, während nebenan irgendwelche musikalische Kellerakrobaten sich gerade den dritten Rollce lilablaßblau lackieren ließen. Man wollte auch ein Stück vom Kuchen haben und dazu brauchte man das richtige Werkzeug. Man veröffentlichte mit »Down For The Count« ein träges, langweiliges Album, glatt wie Kinderpopo, mit öden Songs, aber eben in dieser Güteklasse, die sich turnusmäßig in den amerikanischen Hitlisten abwechselten. Bezeichnenderweise wollte es aber auch mit dieser Anbiederung an den Markt nicht gelingen. Vom musikalischen Standpunkt hatte man die wenigen, aber treuen Fans zutiefst enttäuscht, aber trotz des richtigen Rezepts aus dem Buch des Erfolges nicht den erhofften Gewinn eingestrichen. Diese Selbstverleugnung mußte ein Ende haben, wie der Band sicher schnell bewußt wurde.

Y&T-Cover: »Contagious«

Mit dem Nachfolgealbum »Contagious« machte man eine Schritt zurück nach vorne. Jedoch trotz einiger toller Songs, war es nicht mehr wie früher. Die Magie von Y&T war unwiderruflich zerstört worden. Auch begannen nun die personellen Veränderungen bei Y&T, die zunächst Drummer Leonard und dann auch Gitarrist Joey die Tür von außen zeigten. Ebenso hatte man sich von den ungeliebten A&M RECORDS losgesagt und setzte nun viel Hoffnung in das neue Label GEFFEN RECORDS. Daß aber auch hier keine Wunder vollbracht wurden, wissen wir heute, nur Y&T zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Y&T-Cover: »Ten«

Schlußpunkt und zugleich Tiefpunkt war dann »Ten«, auf welchem man sich wieder der Belanglosigkeit hingab. So begnadet das Cover auch ist (man achte mal auf die wahnsinnige Ausleuchtung des Photos), ist es lediglich die Single ›Afraid Of The Dark‹ mit Abstrichen wert, namentlich genannt zu werden, so daß diese letzte Konsequenz eigentlich nur noch Formsache war.

Y&T-Cover: »Live«

Nun ist zur Abrundung noch von METAL BLADE diese Doppel-Live-LP erschienen, die ausreicht, um sich in etwa ein Bild vom Talent der Band zu machen. Wer jedoch Y&T wirklich kennenlernen will, der muß sich die zuvor umschwärmten Scheiben organisieren.

Wer also immer noch dem Ammenmärchen Glauben schenkt, daß man mit guter Musik Erfolg haben kann, der sollte durch diesen Artikel gemerkt haben, daß dieses Business genau andersrum läuft. Ich habe es mal so formuliert, "Erfolg ist die richtige Kombination aus Beziehungen, Geld und Glück", wobei irgendwo ganz am Rande auch noch die Musik eine Rolle spielt. Traurig, daß die tollste Sache der Welt, die Musik nämlich, mit solch einem Schmutz befleckt werden muß! Einziger Trost, daß man auch in 20 Jahren noch von den wirklich fähigen Bands reden wird, während die momentan so angesagten, gemachten Stars sich gerade mit einer neuen Entziehungskur plagen und höchstens noch selbst ihre Erzeugnisse hören.

Es ist sicher vermessen, irgendjemand die Schuld am Scheitern von Y&T zuschreiben zu wollen, aber ich denke, daß das mangelhafte Umfeld sehr viel dazu beitrug, und als Y&T dann glaubten, auf dem leichten Weg glücklich werden zu können, war dies der Anfang vom Ende. Aber seien wir doch ganz einfach mal total blauäugig und idealistisch und interessieren uns nicht für diese ganze Begleitumständen, sondern freuen uns an der Tatsache, daß Y&T bis 1984 musikalische Unsterblichkeiten vollbracht haben, die dadurch belohnt werden, daß man sie einfach nicht unter den Tisch kehren kann und sie zumindest aus meinem Repertoire nie gestrichen werden.

YESTERDAY AND TODAY/Y&T

Discographie

YESTERDAY AND TODAY – Yesterday And Today (LP)1976

YESTERDAY AND TODAY – Struck Down (LP)1978

Y&T – Earthshaker (LP)1981

Y&T – Black Tiger (LP)1982

Y&T – Mean Streak (LP)1983

Y&T – In Rock We Trust (LP)1984

Y&T – Open Fire (LP)1985

Y&T – Down For The Count (LP)1985

Y&T – Contagious (LP & CD)1987

Y&T – Ten (LP & CD)1990

Y&T – Yesterday & Today Live (LP & CD)1991

Stand: September 1991


Stefan Glas


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