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”UNDERGROUND EMPIRE 5”-Datasheet

Contents:  RHED ASPHALT-Interview

Date:  19.07.1991 (created), 26.05.2010 (revisited), 10.01.2019 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 5

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

RHED ASPHALT waren eine jener Bands, denen wir im gedruckten Heft ein wenig Farbe spendiert hatten: So hatten wir im eröffnenden Cadillac-Bild das Logo in - Überraschung! - rot hineingestellt, was wir heuer bei der Farbgebung des Logos nachempfunden haben, allerdings mit etwas keckeren Blitzen an den Ecken.

Außerdem haben wir heuer zusätzlich zu den drei farbigen Livephotos der einzelnen Musiker, die allesamt am 30. Juni 1990 im "Volley Club" in Tampa entstanden und auch im gedruckten Heft zu sehen waren, ein weiteres Livephoto mit einem cool posenden John Feula verwendet, das am 9. August 1990 im "The Station"-Club in Fern Park geschossen wurde, das damals allerdings nicht ins Layoutkonzept paßte.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

RHED ASPHALT-Logo

RHED ASPHALT-Bandphoto 1

Diese Frage muß man sich wohl stellen, wenn man sich den Titel des aktuellen Demos von RHED ASPHALT anschaut, der da »Are They A Thread?« lautet. Doch nun mal der Reihe nach. Vor etwa einem Jahr nämlich hätte ich bei dem Gedanken an ein RHED ASPHALT-Interview noch einen hysterischen Lachkrampf gekriegt. Damals hatte ich nämlich gerade die selbstproduzierte »The Obsession«-Maxi erhalten, die mich zu diesem Zeitpunkt nicht gerade überzeugte, wenngleich sich meine Meinung zu der Platte mittlerweile etwas gewandelt hat. Die große 360 Grad-Wendung erfolgte jedoch einige Zeit später mit besagtem neuen Demo. Was da rüber kam, war schon weitaus überzeugender! Richtig geiler Power Metal, originell konzipiert, komplex arrangiert und überzeugend dargeboten - zweifelsohne ein echtes Demohighlight, das mich dazu veranlaßte, beim roten Straßenbelag zwecks eines Interviews anzufragen.
Das Angebot wurde dankbar angenommen, und so übergebe ich nun das Wort an Gitarrist und Sänger John Feula, der zunächst mal versucht, uns etwas den Werdegang von RHED ASPHALT zu vermitteln.

Die Sache mit uns dreien geht zurück auf den Herbst des Jahres 1985, als Jon und ich noch zusammen zur Schule gingen und solche Sachen wie MERCYFUL FATE oder ACCEPT hörten. Wir lernten Chase etwa ein Jahr später durch eine Anzeige in einer Zeitung kennen, und er war einer der wenigen, die ebenfalls Underground-Metal hörte. Nun ja, seither sind wir zusammen als Band aufgewachsen. ...and here we are!

RHED ASPHALT-Headline

Wie ich bereits gesagt habe, finde ich »Are They A Thread?« um Klassen besser als »The Obsession«. Erzähl doch bitte etwas über die Entwicklung, die Ihr während dieser Zeitspanne durchgemacht habt!

Ich denke eigentlich, daß mit den Songs von »The Obsession« alles okay ist. Das Problem war wohl eher, daß wir noch nie zuvor in einem Studio waren und auch vom dortigen Personal nicht besonders viel Unterstützung erhielten. Außerdem hatten wir damals gerade unseren Sänger geschmissen, und wir brauchten jemand, der die Songs einsingen konnte, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen hatte zu singen und es mir daher nicht zutraute. Mittlerweile wünsche ich mir natürlich, daß ich es getan hätte. ›Creatures‹ von der B-Seite der »The Obsession«-Scheibe ist live eigentlich sogar einer unserer Lieblingssongs, und wir werden den Song wahrscheinlich irgendwann nochmal neu aufnehmen. »Are They A Thread?« wurde natürlich viel besser, denn wir hatten schon einige Studioerfahrung und hatten uns verbessert. Aber unser neues Demo wird absolut einzigartig werden. Ich glaube nicht, daß bislang etwas vergleichbares aufgenommen wurde. Wer allerdings irgendwelche abgelutschten Metalriffs erwartet, wird es sicher nicht mögen, aber wir bewegen uns weiter fort in eine neue Ära.

Habt Ihr eigentlich schon mal Euer Glück bei Plattenfirmen probiert?

Wir haben unser Material an einige Labels verschickt, ohne jedoch besonders viele Angebote zu erhalten. Die meisten hielten uns wohl für eine nicht besonders konventionelle Band, bei der es kaum wahrscheinlich ist, daß sie einen schnellen Dollar bringt. Aber unser Hauptziel ist es ohnehin nicht, einen Plattenvertrag zu kriegen, sondern Musik zu machen! Ich bin mir sicher, daß wir einige Angebote erhalten werden, wenn unser neues Demo raus ist, aber das ist gewiß kein Thema, das mir den Schlaf raubt.

RHED ASPHALT-Liveshot: John Feula 1

Mal 'ne ganz simple Frage: Warum habt Ihr eigentlich in Eurem Bandnamen ein "h" in das "Red" hineingeschmuggelt? Abgesehen davon ist der Name doch irgendwie unlogisch, denn üblicherweise ist Asphalt eigentlich schwarz (oder war's blau... - Red.).

Hier in den Staaten gibt es solche Filme, die man in der Fahrschule gezeigt bekommt, in denen man lauter tolle blutige Verkehrsunfälle sieht (und diese nette Aktion rechtfertigt man dann mit dem Schlagwort "Abschreckung", oder was? - Red.). Ein solcher Film, der seine Runden machte bevor wir zur Highschool kamen, hieß "Red Asphalt". Aus irgendeinem Grund schlug Jon diesen Namen vor, und er blieb hängen. Ich glaube, das "h" habe ich nur hineingesetzt, um dem Namen eine persönliche Note zu verleihen. Nun ja, es ist eben unser Name, etwas seltsam und verrückt vielleicht, aber wir mögen ihn!

Auf Eurem Democover sieht man eine Zeitung, die unter der Überschrift "RHED ASPHALT - Are They A Thread?" über einen RHED ASPHALT-Gig berichtet. Ich sehe darin einen sarkastischen Seitenhieb auf die amerikanischen Medien.

Eigentlich sollte der Titel und das Cover keine besondere Botschaft enthalten, obwohl man sich sicher einiges zusammeninterpretieren könnte. Eigentlich ist es jedoch nur ein Funcover.

»Are They A Thread?« wurde in drei verschiedenen Studios aufgenommen und außerdem noch in mehreren Etappen. Worin liegt das begründet?

Der Grund ist ganz einfach die Tatsache, daß wir diese drei Studios für kurze Zeit kostenlos angeboten bekamen, was wir natürlich wahrnahmen. Ich würde es zwar nicht mehr wieder tun, weil es fürs Feeling absolut nicht hilfreich war. Andererseits hat es echt Spaß gemacht, in verschiedenen Studios rumzuexperimentieren.

Ich empfinde Eure Texte als sehr, sehr unterschiedlich. Sofern ich Euch richtig verstanden habe, ist ›Pirate's Life‹ einfach eine unterhaltsame Geschichte, während Ihr Euch in ›Scientists Of A Government Mad‹ kritisch gegen den Mißbrauch der Wissenschaft wendet.

Ich konstruiere meine Texte gerne wie Kurzgeschichten, mit einer Einleitung, Hauptteil und Schluß. Ich halte nicht viel davon, zusammenhangslose Phrasen zu kombinieren und zu versuchen, damit eine Idee rüberzubringen. Ich mag es absolut nicht, über das Leben nach einem Atomkrieg zu schreiben, genauso wie ich dieses "blood & guts"-Zeug verabscheue. Ich versuche, eine Geschichte zu finden, die mich interessiert und an der arbeite ich dann. So einfach entstehen meine Texte.

RHED ASPHALT-Liveshot: Jon Helpingstine

Zu ›Pirate's Life‹ habt Ihr sogar ein Video gedreht. Bitte erzähl' uns etwas darüber!

Das Video war eigentlich keine Sache, die wir so geplant hatten. Wir erhielten die Möglichkeit durch eine örtliche Videocompany, und so griffen wir zu. Es ist eigentlich ganz gut geworden, aber für uns ist der Lerneffekt vorrangig. Wir haben es nicht offiziell veröffentlicht, weil es dazu doch nicht gut genug ist. Manchmal machen wir Kopien für Leute, die das Video gerne haben möchten.

Im Democover habt Ihr auf der Innenseite am unteren Rand den Satz "Watch this space for details" abgedruckt. Was bitte schön soll das bedeuten?

Es ist eine beliebte Phrase in Anzeigen, die abgedruckt wird, mit der der Anzeigenkunde erreichen will, daß man jeden Tag auf diese Stelle achtet und so immer die neuen Anzeigen sieht. Diesen Satz abzudrucken war eigentlich nur ein Witz, der eine gewisse Fortsetzung dieses Zeitungskonzeptes, das auf dem Cover begonnen wird, darstellt.

Die Musik, die Ihr spielt, ist doch recht kompliziert - also keine Musik, die zur Zeit gut geht. Welche Zukunftschancen rechnet Ihr Euch aus?

Wir haben uns nie mit Trends beschäftigt. Wir schreiben Musik, die uns anspricht und die uns gefällt. Ich glaube schon, daß unsere Songs starke Hooks haben. Klar, unter der Dusche kannst Du unsere Songs kaum singen, was jedoch kaum etwas zu sagen hat. Ich denke, Rock'n'Roll hat sehr viel mit Individualismus zu tun und nicht, daß man ein Werkzeug der großen Marketingkampagne sein soll. Es interessiert mich nicht, was die Majorbands tun, wir machen unser Ding, und ich glaube daran, daß RHED ASPHALT eines Tages an der Spitze sein werden!

Ihr habt in Euren Songs sehr viele Clean- und Akustikgitarren. Ich nehme daher an, daß ihnen bei RHED ASPHALT eine ganz besondere Bedeutung zukommt!

Ja, Clean- und Akustikgitarren sind bei unserem Songwriting sehr wichtig. Sie sind im Studio sehr effektiv, weil sie dem Sound enorm viel Struktur verleihen. Ich mag es besonders, dann Akustikparts einzubauen, wenn niemand so richtig damit rechnet.

RHED ASPHALT-Liveshot: Chase Solovicos

Zur Zeit gibt es einen regelrechten Florida-Boom. Jedoch stammen 99 Prozent der Bands aus dem Death Metal-Bereich. Wie seht Ihr als eher progressive Band diese Entwicklung?

Bis vor kurzem wußte ich eigentlich gar nicht, daß es hier so viele Death Metal-Bands gibt. Es ist etwas frustrierend zu sehen, wie irgendwelche Death Metal-Bands, die gerade mal ein Jahr existieren und wahrscheinlich noch nie etwas von VENOM gehört haben, gesignt werden, nur weil ihr Name furchterregend klingt und sie SLAYER-Riffs spielen. Andererseits stört es mich kaum, da sie RHED ASPHALT nicht in die Quere kommen werden, so daß ich mich kaum beschweren kann.

Was haltet Ihr eigentlich davon, daß Euer Demo zu einem gewissen Prozentsatz durch Tapetrading verbreitet wird? Auf der einen Seite werdet Ihr bekannter, verdient aber kein Geld dabei.

Nun ja, wir verdienen ohnehin kein Geld... Dazu hätten wir noch nicht genug Kopien verkauft, selbst wenn sich jeder Tapetrader seine eigene Kopie zulegen würde. Tapetrading ist großartig, denn der eigentliche Grund, ein Demo zu machen, ist den Namen deiner Band bekannter zu machen und Tapetrading hilft dabei ungemein.

»Are They A Thread?« ist ziemlich professionell aufgemacht. Welche Bedeutung mißt Du der Aufmachung eines Demos zu?

Ich mag eine Verpackung, die etwas anders ist. Auf der einen Seite sollte ein Demo professionell aufgemacht sein, so daß sich die Käufer nicht verarscht fühlen. Außerdem mag ich es, wenn ich etwas habe, das ich studieren kann, während ich die Musik höre, also beispielsweise ein interessantes Covermotiv, Texte oder was auch immer. Der Effekt eines gut aufgemachten Tapes ist weitaus größer als der eines Demos mit kopiertem Cover und Billigkassetten. Andererseits sollte ein Demo nicht zu übertrieben aufgemacht sein, denn das nimmt dem Demo einen Teil seines Charmes.

RHED ASPHALT-Liveshot: John Feula 2

Darüber brauchen sich RHED ASPHALT gewiß keine Sorgen zu machen. »Are They A Thread?« hätte sowohl in einer 24 Karat-Gold-Hülle als auch in Bildzeitungspapier eingewickelt seinen Charme grenzenlos verbreitet.
Meinen dezenten Vorwurf bezüglich der tausend sehr seltsamen RHED ASPHALT-Logos, die so in der Gegend rumschwirren, überging John zwar geflissentlich, aber wenigstens hat er ein neues Design mitgeschickt, das absolut akzeptabel ist und somit die Ehre hat, bei uns zum ersten Mal abgedruckt worden zu sein.
Ansonsten bat er mich noch drauf hinzuweisen, daß RHED ASPHALT bereits in den Startlöchern für ihr neues Demo sitzen. Bis zu diesem (noch ungewissen) Zeitpunkt müssen wir uns mit »Are They A Thread?« zufriedengeben, welches Ihr für $7 bei:

erhaltet. Oder aber wendet Euch mit 12,- DM an Andy Sirys MASTER RECORDS. Adresse kennt man gezwungenermaßen.

http://myspace.com/rhedasphalt

Vorbereitung:
Heiko Simonis + Stefan Glas

Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Molly McAdams [Photo 1], Becky Mickle [Photo 2-4], D. Butts [Photo 5]

RHED ASPHALT im Überblick:
RHED ASPHALT – Are They A Thread? (Demo-Review von 1991)
RHED ASPHALT – Are They A Threat? (Demo-Review von 1990)
RHED ASPHALT – UNDERGROUND EMPIRE 5-Interview
RHED ASPHALT – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
RHED ASPHALT – News vom 13.02.1991
RHED ASPHALT – News vom 28.10.2006
andere Projekte des beteiligten Musikers John Feula:
John Feula – Thank You, Goodnight (Demo-Review von 1994)
John Feula – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
John Feula – News vom 27.03.2008
INSTANT HOBO – News vom 27.03.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Jon Helpingstine:
John Feula – Thank You, Goodnight (Demo-Review von 1994)
John Feula – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
andere Projekte des beteiligten Musikers Chase Solovicos:
John Feula – Thank You, Goodnight (Demo-Review von 1994)
John Feula – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Known'n'new"-Artikel
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