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  UE-Home → History → Underground Empire 4 → Interview-├ťbersicht → ENDER (D)-Interview last update: 05.11.2020, 18:45:40  

”UNDERGROUND EMPIRE 4”-Datasheet

Contents:  ENDER (D)-Interview

Date:  13.12.1990 (created), 03.03.2010 (revisited), 13.10.2011 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 4

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Ich kann mich noch gut erinnern, da├č mir die Band diverse ihrer Namensalternativen ausgiebig erl├Ąutert hatte, was aus Platzgr├╝nden aber nicht im Heft landen sollte. Besonders obskur: EUTHERSCHLEUTHER... Wer sich unter diesem Begriff nichts vorstellen kann, dem sei folgende Zusatzinformation mit auf den Weg gegeben: Thomas erz├Ąhlte mir von einer ehemaligen Mitsch├╝lerin, die diesen Spitznamen trug; sie war nicht sonderlich beliebt gewesen, so da├č sie diesen Namen aufgrund ihres monstr├Âsen Vorbaus erhalten hatte...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

ENDER (D)-Logo

ENDER (D)-Bandphoto

Demos bekomme ich inzwischen zu Tausenden. Aber dennoch verstehen es immer wieder einige aufzufallen - sei es durch die Musik, ihre Aufmachung oder was auch immer. Ein Tape, das eigentlich in jeder Hinsicht auffiel, war das ┬╗H┬ź-Demo von ENDER. Auch wenn mir Markus da vielleicht nicht so ganz zustimmen wird, so finde ich die Musik sehr gut. Aber auch die Machart des Demos ist h├Âchst aufwendig und der Sound sehr gut. Eine hoffnungsvolle neue deutsche Band also? Dieser Frage wollte ich auf den Grund gehen und f├╝hrte daher ein Interview mit der Band, als sie am 1. Dezember 1990 im "Rock Cafe" in Birkenfeld spielten.

ENDER-Shot: Dan ''Crazy'' Framby, Tanja Ender, Thomas Blang

Bei ENDER haben sich so einige Umbesetzungen ereignet, seit ┬╗H┬ź erschienen ist. Schildere uns die Vorg├Ąnge doch bitte mal etwas genauer!

Thomas: Es gab eine Verabschiedung und einen Besetzungswechsel. Mit Thommy sind wir menschlich nicht mehr klargekommen. Unsere Ansichten waren zu verschieden, und sie sind zu hart aufeinander geprallt, um es mal vorsichtig zu sagen. Jochen hat es aus finanziellen Gr├╝nden nicht mehr durchziehen k├Ânnen, da wir in letzter Zeit Gigs gespielt haben, von denen etliche ziemlich weit weg waren, so da├č man auch mal unbezahlten Urlaub nehmen mu├čte. Dann haben wir ein paar Leute angetestet und haben so Jens kennengelernt.

Jens: Ich war zuvor bei der Band PILGRIM. Wir wollten eigentlich Konzerte mit ENDER ausmachen. Da haben mich ENDER gefragt, ob ich aushilfsweise mitspielen w├╝rde. Da mir die Sache echt Spa├č gemacht hat und bei meiner alten Band nicht so ernsthaft gearbeitet wurde, wechselte ich zu ENDER.

Thomas: Wir haben bei Jens schnell gemerkt, da├č er die Sache sowohl menschlich als auch musikalisch bringt. Nach drei Wochen mit sechs Proben pro Woche hatten wir dann die ersten Auftrittstermine. Jens hatte nach dieser Zeit das Set schon so gut drauf, da├č Jochen h├Ątte k├Ânnen nicht mehr mithalten.

Euer Demo ist rundum ziemlich provokant aufgezogen, besonders wenn ich da ans Cover und den Titel denke. Was waren da Eure Hintergedanken?

Thomas: Wir sind keine Band, die ├╝ber Sex, Drugs und Rock'n'Roll singt. Jeder von uns hat Probleme, und so m├Âchten wir diese auch in die Musik miteinflie├čen lassen. Ich war damals sehr beeindruckt von dem Film und dem Buch "Christiane F.", so da├č ich den Song ÔÇ║HÔÇ╣ schrieb. Die Sache ist provokativ, aber es gibt da seit einiger Zeit Platten, auf deren R├╝ckseite winzig eine Spritze und das Wort "STOP" abgebildet sind - wo, glaubst Du, werden die Leute mehr nachdenken - dabei oder bei unserem Demo?

Das mag richtig sein, aber wenn ich mir dann das Covermotiv anschaue, dann kann ich Euch vorwerfen, da├č Ihr eher Effekthascherei im Sinn hattet.

Thomas: Diese Christiane F. war in diesem Milieu drin, und man hat im Film gesehen, da├č sie das Heroin gereizt hat, wie zum Beispiel auch Sex einen jungen Menschen reizt. Das war die eine Seite. Andererseits war Christiane F. Prostituierte und hat mit ihrem K├Ârper das Rauschgift organisiert. Diese ganzen Zusammenh├Ąnge wollten wir in diesem Foto ausdr├╝cken.

Tanja: Es gab lange Diskussionen, wie das Bild ausschauen sollte. Wir hatten auch ├╝berlegt, die Strapsen und Str├╝mpfe zerrissen und mit Laufmaschen abzubilden, aber wir wollten doch, da├č die Sache etwas edel aussieht.

Thomas: Bei den ersten Konzerten haben wir das etwas sehr ausgekostet, denn damals hat diese Frau, die ├╝brigens die Freundin unseres ehemaligen Gitarrist ist, beim Intro live in gleicher Weise mit einer Spritze auf der B├╝hne gestanden. Okay, das war Effekthascherei, aber die eigentliche Idee nicht!

ENDER-Shot: Tanja Ender

Abgesehen davon war Euer Demo auch sehr aufwendig gemacht. Ich w├╝rde vermuten, da├č Ihr da Absichten in Richtung Plattenvertrag im Hinterkopf hattet.

Thomas: Wir sind keine Band, die als Hobby Musik macht, weil sie nicht wei├č, wo sie ihr Geld hinbringen soll und es daher in die Musik investiert. Wir wollen im Endergebnis hauptberuflich Musik machen.

Dan: Wir mecherten so gern a Profiband werrn!

Thomas: Abgesehen davon, geben die Leute Geld f├╝r unser Demo aus, und daher wollen wir schon, da├č derjenige etwas Anst├Ąndiges in der Hand hat. Zudem war noch ein kleiner Hintergedanke dabei: wenn wir mal einen Plattenvertrag haben, kann ich mir nicht vorstellen, da├č eine Plattenfirma zul├Ą├čt, da├č die Platte schlechter aufgemacht wird als das Demo. Wir wollten au├čerdem nicht am falschen Punkt sparen.

Da stellt sich nat├╝rlich die Frage, inwiefern sich das f├╝r Euch gelohnt hat.

Thomas: ├ťberhaupt nicht! Wir haben einen Berg Schulden und w├╝rden gerne ein neues Demo machen, was wir aber nicht k├Ânnen, da wir keine Kohle mehr haben.

ENDER-Shot: Tanja Ender, Thomas Blang

Eure Texte sind durchaus ein paar Worte wert. Euer Englisch weist teilweise doch recht katastrophale Fehler auf.

Thomas: Ich hatte zwar mal in Englisch eine Eins gehabt, aber das ist inzwischen zehn Jahre her. Okay, das Englisch ist schei├če, das wissen wir. Wir hatten allerdings, bevor wir die Texte abdruckten, selbige zu einem ├ťbersetzungsb├╝ro gebracht und waren dann richtig stolz, da├č wir so ein gutes Englisch haben. Wir lernten dann einen Ami kennen, dem wir die Texte zeigten und der sich beim Durchlesen fast totgelacht hat. Wir werden das aber f├╝r die Zukunft ├Ąndern. Tanjas Aussprache ist ein anderer Punkt, zu dem wir auch stehen - sie hat eben einen deutschen Akzent.

Tanja: Ich versuche schon, den Gesang "hinzubiegen", da├č er gut klingt, aber warum sollte ich meine deutsche Herkunft verleugnen?

Warum habt Ihr die Band eigentlich nach Tanja benannt?

Thomas: Wir waren in einer Kneipe - leicht alkoholisiert - hatten einen gro├čen Zettel mit Vorschl├Ągen, die uns aber doch alle nicht so besonders gefielen. Irgendwann haben wir uns aus Bequemlichkeit nach Tanja benannt.

Tanja: Ich war total dagegen, da├č man meinen Namen nimmt, aber ich wurde ├╝berstimmt. Irgendwann habe ich dann gemerkt, da├č es doch pa├čt - ENDER ist kurz und schmerzlos.

Ihr wurdet schon ├Âfter mit WARLOCK verglichen, zumal Tanja von der Optik her doch an Madam Doro erinnert.

Thomas: Das einzige Heft, das eigentlich diesen Vergleich angestellt hat, ist dasjenige mit dem Du fusioniert hast (Markus, Du bist gemeint - Red.).

Tanja: Meine Stimme klingt wei├č Gott nicht so wie die von Doro. Au├čerdem ist mein Stageacting total anders.

Darauf wollte ich ohnehin noch zu sprechen kommen. Deine Bewegungen auf der B├╝hne wirken fast wie eine Kombination aus Tanz und Akrobatik.

Tanja: Ich mache das, weil ich will, da├č die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, etwas zu sehen bekommen. Die Leute sollen sehen, da├č ich das saugern mache und da├č es mein Leben ist. Ich pers├Ânlich stehe auch etwas mehr auf eine theatralische, mystische Show, wie beispielsweise die von KING DIAMOND.

ENDER-Shot: Dan ''Crazy'' Framby, Tanja Ender, Jens K├Âhn

Ich habe ├╝ber verschlungene Pfade eine Version Eures Demos erhalten, die nicht so toll war. Genau gesagt war der Sound unter aller Sau. Dein Kommentar?

Thomas: Wir waren damals in einem Studio, das ich nicht n├Ąher nennen will, und haben das Tape aufgenommen. Das Studio war nicht so besonders, und die Leute, die dort gearbeitet haben, hatten nicht die gro├če Ahnung. Im Studio selbst hat es noch nicht mal so schlecht geklungen, aber als wir uns das Tape zu Hause anh├Ârten, waren wir echt schockiert. Wir hatten damals aber ein Konzert und daher haben wir einige Kopien ziehen lassen. Hinterher gingen wir dann zu Dieter Roth, der schon bei PARADOX gespielt hat, ins Studio, um das Demo nochmal neu abzumischen. Da stellte sich dann raus, da├č schon die Masterb├Ąnder nicht zu gebrauchen waren, und wir mu├čten also alles nochmal neu aufnehmen. Das Endergebnis, war dann das Demo, das wir offiziell verkauften.

Wenn die Qualit├Ąt dieser ersten Version so mies war, warum habt Ihr dann ├╝berhaupt Kopien ziehen lassen und sie verkauft?

Thomas: Wir brauchten nur einige Exemplare f├╝r dieses Konzert. Hinterher gaben wir eine Anzeige auf und starteten wir allerdings eine Umtauschaktion, wo jeder die schlechte Version gegen die neue eintauschen konnte.

Kritik wurde von meiner Seite aus zur Gen├╝ge laut und die Band stellte sich ihr, ohne sich auf den Schlips getreten zu f├╝hlen. Im Gegenteil - sie gaben sogar mal eigene Fehler zu. Eine lobenswerte selbstkritische Einstellung! Bleibt noch zu sagen, da├č nat├╝rlich das ┬╗H┬ź-Demo immer noch f├╝r 12,- DM verkauft wird, da├č die Band aber auch plant, demn├Ąchst eine Single aufzunehmen, sobald dies realisierbar ist. Zwecks Kontaktaufnahme wendet euch an:

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photo: Stefan Glas [Photo 2-5]

ENDER (D) im ├ťberblick:
ENDER (D) – H (Demo)
ENDER (D) – H (Demo)
ENDER (D) – UNDERGROUND EMPIRE 2-Special
ENDER (D) – UNDERGROUND EMPIRE 4-Interview
ENDER (D) – News vom 11.09.1990
ENDER (D) – News vom 19.07.1991
andere Projekte des beteiligten Musikers Jens Koehn:
BACKSLASH (D, Bamberg) – Princess Of Disharmony (Rundling)
BACKSLASH (D, Bamberg) – News vom 27.01.2008
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