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  UE-Home → History → Online Empire 41 → Interview-├ťbersicht → HOLYHELL-Interview last update: 07.03.2020, 07:33:00  

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HOLYHELL-Bandphoto 1

Unter der Schirmherrschaft von MANOWAR zieht seit etwas mehr als drei Jahren eine Band namens HOLYHELL ihre Kreise in der ├ľffentlichkeit: Obgleich die Truppe aus New York keine Aufnahmen vorweisen konnte, durfte sie regelm├Ą├čig im Vorprogramm von MANOWAR die Welt bereisen. Genauso interessant ist auch die Tatsache, da├č hier drei bekannte Musiker, Gitarrist Joe Stump (THE REIGN OF TERROR, MVP, et al.), Bassist Jay Rigney (EVENT, THE REIGN OF TERROR, et al.) und Drummer Kenny Earl "Rhino" Edwards (MANOWAR, FORGOTTEN REALM, et al.), mit zwei Neulingen, S├Ąngerin Maria Breon und Keyboarder Francisco Palomo, gemeinsame Sache machen, so da├č man zun├Ąchst mal meinen konnte, HOLYHELL sei lediglich das Nebenprojekt von einem der involvierten "Stars". Da├č dem keineswegs so ist, konnten wir erfahren, als wir uns anl├Ą├člich der Ver├Âffentlichung des HOLYHELL-Erstlings bei MAGIC CIRCLE MUSIC, dem Label unter MANOWAR-Hoheit, mit Maria und Francisco kurz nach ihrem Auftritt beim diesj├Ąhrigen "Magic Circle Festival" zusammensetzten.

HOLYHELL-Einzelshot: Maria Breon

Maria, Du bist bei der Show aus dem Strahlen nicht rausgekommen. Darf ich das so verstehen, da├č Du mit der Show zufrieden warst?

Maria: Absolut! Es war eine tolle Show, und das Publikum hat uns ein gro├čartiges Feedback gegeben. Wir kommen immer gerne nach Deutschland, weil wir hier schon etliche Fans haben, die uns immer begeistert willkommen hei├čen.

Was diese Leute ebenso wie mich am meisten interessieren wird, ist die Antwort auf die Frage, warum es so lange gedauert hat, bis nun endlich das erste HOLYHELL-Album erschienen ist. Immerhin habt Ihr fast vier Jahre daran gearbeitet, und 2007 - als viele eigentlich schon mit einem vollst├Ąndigen Album gerechnet hatten - erschien lediglich die EP ┬╗Apocalypse┬ź, w├Ąhrend der Full Length-Erstling nun endlich vor einigen Tagen ver├Âffentlicht wurde.

Maria: Man mu├č generell sagen, da├č der Entwicklungsproze├č seit jenen Tagen, als wir beide das Projekt aus der Taufe hoben, nicht sehr einfach war, denn ich hatte eine ganz klare Vision davon, wie HOLYHELL aussehen und klingen sollten. Als ich Francisco gefunden hatte und er gewisserma├čen zu meinem rechten Arm wurde, war zwar der wichtigste Schritt getan, doch es ging anschlie├čend eine Menge Zeit drauf, die geeignete Band zusammenzustellen. Nachdem uns das gelungen war, begannen wir, live zu spielen, obgleich wir noch keine Platte hatten. Dabei konnten wir feststellen, da├č die Band genauso funktioniert und miteinander harmoniert, wie wir es uns vorgestellt hatten. Also konnten wir die EP aufnehmen, die 2007 erschien. Eigentlich wollten wir dann recht schnell mit dem vollst├Ąndigen Album zur Stelle sein, aber es war sehr wichtig f├╝r mich, mehr mit ins Songwriting einbezogen zu werden (Die drei Studiost├╝cke der ┬╗Apocalypse┬ź-EP sind allesamt Fremdkompositionen, die unter anderem von Joey DeMaio stammen. - sg), und vor allem wollte ich unbedingt die Texte f├╝rs Album schreiben. Zun├Ąchst mu├čte ich dabei einen Lernproze├č durchlaufen, so da├č ich das Projekt ein wenig aufgehalten habe, aber daf├╝r haben wir nun ein sehr starkes Songwritingteam, so da├č wir in Zukunft um so schneller neue Songs schreiben k├Ânnen.

Ihr beide seid die Kernmitglieder von HOLYHELL, obgleich Ihr die unbekanntesten Musiker seid. Francisco, Du hattest in Deiner Heimat Mexiko eine Band namens CRISTAL Y ACERO, aber von Dir, Maria, hat man zuvor noch ├╝berhaupt nichts geh├Ârt.

Maria: Ja, f├╝r mich stand vor HOLYHELL auch nur Gesangsschule auf dem Programm. Es war mir sehr wichtig, richtig singen zu lernen, aber es war nie mein Ziel, den Weg einer Operns├Ąngerin einzuschlagen. Auch wenn ich dies von meiner Ausbildung her k├Ânnte, wollte ich immer in einer Heavy Metal-Band zu singen. HOLYHELL war immer mein ein und alles, aber den Weg dorthin habe ich wahrlich nicht ├╝ber Nacht bew├Ąltigt, doch ich denke, da├č das Resultat zeigt, da├č es sich gelohnt hat, diese Zeit zu investieren, um die richtigen Elemente zusammenzubekommen.

HOLYHELL-Einzelshot: Francisco Palomo

Francisco, was hat Dich von Mexiko nach New York verschlagen?

Francisco: Die Art und Weise, wie diese Band zusammengefunden hat, ist in gewisser Weise magisch. Dies betrifft nicht nur die Tatsache, da├č wir Musiker wie Rhino, Jay und Joe an uns binden konnte, sondern auch wie Maria und ich zueinanderfanden: Als ich damals noch in Mexiko bei CRISTAL Y ACERO spielte, schickte mein Manager meine Musik an MAGIC CIRCLE MUSIC, das Label, das MANOWAR gegr├╝ndet haben. So kam ich mit Maria in Kontakt, und wir sp├╝rten umgehend, da├č wir sowohl musikalisch als auch textlich die gleichen Visionen hatten. Es schien, als seien wir bandtechnisch f├╝reinander geschaffen! Ich mu├čte mich zwar von CRISTAL Y ACERO trennen, aber das war letzten Endes ein Teil meines Wachstumsprozesses. Meine ehemaligen Mitmusiker freuen sich sehr f├╝r die Erfolge, die ich seither erzielen konnte, und ich bin sehr froh, da├č ich wir immer noch befreundet sind! Ich habe jahrelang darauf gewartet, den n├Ąchsten Schritt zu tun, und ich denke, da├č es wert war, das Risiko einzugehen.

Oberfl├Ąchlich betrachtet, wirken HOLYHELL wie ein Projekt, denn neben Euch beiden Hauptfiguren wirken ausschlie├člich sehr bekannte Musiker mit. Wie k├Ânnt Ihr die Welt ├╝berzeugen, da├č Ihr doch eine richtige Band seid?

Maria: Ich glaube, ich kann da auch f├╝r Francisco sprechen, da├č allein die Zeit und das Herzblut, das wir investiert haben, um diese Besetzung zusammenstellen, eine Menge zu sagen haben. Um einen Joe Stump dazu zu bringen, seine ganzen Projekte aufzugeben und diese Band zu seiner Nummer 1 zu machen, mu├č man schon gute Argumente haben, doch Joe glaubt an diese Band wie wir alle. Wir haben unsere Kr├Ąfte vereint, um HOLYHELL so stark wie m├Âglich zu machen.

Francisco: Wir sind auch wie eine richtige Band zusammengewachsen. Wir haben die alte Schule wie in den Siebzigern absolviert: Ohne ein Album in der Hand sind wir auf Tour gegangen, haben so viel wie nur m├Âglich live gespielt, um die Leute zu ├╝berzeugen, da├č wir als Band eine Menge im Angebot haben. Das schwei├čt eine Band zusammen: Wir spielen zusammen, wir feiern zusammen, wir h├Ąngen tagelang zusammen im Tourbus rum, wir machen Sightseeing zusammen. Deshalb sind wir eine Band und nicht ein paar Leute, die sich hin und wieder mal sehen, um ein bi├čchen zu jammen und dann wieder ihrer Wege zu gehen.

Warum habt Ihr Euch ausgerechnet f├╝r diese Mitmusiker entschieden?

Maria: Wie Francisco zuvor schon gesagt hatte: Es sollte sich alles so ereignen wie es sich ergeben hat. Ich habe lange Zeit nach dem richtigen Keyboarder gesucht, bis ich ihn in Francisco fand. Joey DeMaio, unser Produzent, traf Joe bei Aufnahmen f├╝r Jack Starr, der bekanntlich auch bei MAGIC CIRCLE MUSIC unter Vertrag steht, so da├č wir uns gegenseitig vorgestellt wurden. Als Joe dann einige unserer Demos geh├Ârt hatte, bekundete er umgehend Interesse. Rhino kenne ich schon seit 2001, und er war seit jeher fasziniert von meinem Gesang und meiner Vision, die ich f├╝r HOLYHELL hatte, so da├č er schon fr├╝hzeitig angeboten hatte, da├č er zur Verf├╝gung stehen werde, wenn die Band Gestalt annimmt. Als wir dann 2005 quasi mit leeren H├Ąnden loszogen, um live zu spielen, war er wirklich zur Stelle.

HOLYHELL-Einzelshot: Joe Stump

W├╝rden HOLYHELL anders klingen, wenn Ihr drei andere Musiker verpflichtet h├Ąttet?

Francisco: Auf jeden Fall! Der spezielle Sound von HOLYHELL kommt nicht nur durch die Kompositionen zustande, sondern auch durch die Musiker, die sie spielen. Und glaube mir: Man kann einen Rhino oder einen Joe Stump einfach nicht ersetzen! Am allerwichtigsten ist allerdings, da├č wir spieltechnisch perfekt zusammenpassen und hervorragend mit den Kompositionen sowie Maria als Herz der Band harmonieren.

Demzufolge setzt Ihr den anderen keine fertigen Songs vor und diktiert ihnen, was sie spielen m├╝ssen, sondern die endg├╝ltigen Songs werden gemeinsam ausgearbeitet.

Maria: Alle Musiker komponieren Songs f├╝r HOLYHELL, so da├č wir letztendlich enorm viel Material zur Auswahl hatten. Es war eher Zufall, da├č auf der Platte haupts├Ąchlich die Kompositionen von Francisco und Joe sowie meine Texte - mit einer Menge Hilfe von Joey DeMaio - gelandet sind.

Francisco: Man sollte dabei nicht vergessen, da├č die meisten HOLYHELL-Musiker viele Talente haben: Rhino spielt beispielsweise sehr gut Gitarre und Ba├č und ist dar├╝ber hinaus ein enorm guter S├Ąnger, so da├č es auch in dieser Hinsicht sehr viel Interaktion bei HOLYHELL gibt und wir beim Ausarbeiten der Songs auch mal kurzerhand die Instrumente tauschen. Unsere gemeinsame Basis ist, da├č wir alle es lieben, Songs zu komponieren, die tolle Melodien und gro├čartige Riffs besitzen.

Ihr habt schon angeschnitten, da├č Ihr viel getourt seid, ohne ein Album in H├Ąnden zu halten. Welchen Einflu├č hatten die Liveerfahrungen auf die Songs und auf das Album?

Maria: Ich denke, es war sehr wichtig, da├č wir durch die Livekonzerte als Band zusammengewachsen sind, was letzten Endes auch seinen Einflu├č auf unsere Musik hatte und sie st├Ąrker gemacht hat.

Ihr hattet zun├Ąchst in Tom Hess einen zweiten Gitarristen, der aber nicht mehr dabei ist, so da├č Ihr ihn aus den Promophotos rausretouchiert habt. Warum habt Ihr Euch von ihm getrennt?

Maria: Meine Vision von HOLYHELL sah immer vor, da├č die Band zwei Gitarristen haben sollte. Doch wir stellten schnell fest, da├č ein zweiter Gitarrist nicht notwendig ist - allein schon, weil unser Mister Shredboard gen├╝gend Gitarre f├╝rs ganze Universum zur Verf├╝gung stellen kann... [lacht] Es war einfach die beste Entscheidung f├╝r die Band und f├╝r Tom, der auch teilweise andere Vorstellungen hatte, da├č wir uns in Freundschaft getrennt haben.

HOLYHELL-Einzelshot: Jay Rigney

Der Name von MANOWAR-Basser Joey DeMaio wurde nun schon mehrfach ins Spiel gebracht: Er ist nicht nur der Bo├č Eurer Plattenfirma, sondern auch Euer Produzent. Diesen Job kann man ganz unterschiedlich versehen: Es gibt Produzenten, die nur im Booklet stehen, aber quasi keinen nennenswerten Einflu├č auf das Endprodukt hatten, und es gibt Produzenten, die das Ausgangsmaterial komplett in seine Teile zerlegen und mit der Band wieder neu zusammensetzen. Wieviel Einflu├č hatte Joey auf HOLYHELL?

Maria: Joey hat als Produzent keine tiefgreifenden Ver├Ąnderungen herbeigef├╝hrt, sondern alles aufgewertet.

Francisco: Zudem ist Joey sehr gut darin, das beste aus einem Musiker herauszuholen. Daf├╝r sind wir sehr dankbar, denn er hat dadurch f├╝r ein besseres Endresultat gesorgt.

Maria: Und ich wei├č jetzt, da├č ich alles schaffen kann, nachdem ich im Studio gegen Joey DeMaio bestanden habe. [lacht]

Euer Album klingt absolut nicht amerikanisch, sondern eher europ├Ąisch. Wo liegen Eure Einfl├╝sse?

Maria: Jeder von uns hat ganz unterschiedliche Einfl├╝sse, die teilweise auch so gar nicht miteinander zu harmonieren scheinen, doch im Endergebnis problemlos ihren Platz nebeneinander in unseren Songs finden.

Francisco: Prinzipiell kommt Power Metal vornehmlich aus Europa. Leider gibt es in Amerika keine derart gro├če Metalszene wie bei Euch. Daher h├Âren wir viel europ├Ąischen Metal und lieben ihn einfach. Aber zugleich lieben wir den amerikanischen Old School-Metal oder BLACK SABBATH und DIO (H├╝stel - der Ursprung von BLACK SABBATH liegt allerdings auch auf dem alten Kontinent... - sg). Zus├Ątzlich haben wir aber auch viele Einfl├╝sse, die mit Metal nichts zu tun haben.

HOLYHELL-Einzelshot: Kenny Earl ''Rhino'' Edwards

Maria, als ein gro├čes Plus von HOLYHELL empfinde ich vor allem, da├č Deine Stimme sehr wandlungsf├Ąhig ist, w├Ąhrend viele andere S├Ąngerinnen es nur schaffen, eine bestimmte Linie zu fahren. R├╝hrt das auch von Deiner klassischen Stimmausbildung her?

Maria: Es h├Ąngt sicherlich damit zusammen, da├č ich alle erdenklichen Arten von Rockmusik mag, aber Heavy Rock immer mein Fave war. Daher mag ich das Konzept, rauh und dunkel zu singen, doch dann zu einer leicht opereske Stimme umzuschwenken. Doch es darf nicht zu stark in diese Richtung gehen. Ich mag und respektiere zwar, was opereske S├Ąngerinnen tun, aber f├╝r mich pers├Ânlich m├Âchte ich dieses Element auf einem Minimum halten.

Euer Bandname ebenso wie Eure Texte bringen immer wieder die Thematik von Gut gegen B├Âse auf... Maria, Du l├Ąchelst mich schon so verlangend an, also ├╝bergebe ich Dir das Wort...

Maria: Exakt! [lacht] Diesen Punkt sehe ich sehr leidenschaftlich. Es begann schon bei der Namenswahl, wo der Gegensatz von heavy Musik mit sehr melodischem Gesang widergespiegelt werden sollte, und findet seine Fortsetzung in den Texten, denn ich war schon immer fasziniert von der Polarit├Ąt zwischen Gut und B├Âse, Himmel und H├Âlle, und so weiter. Alle B├╝cher, die ich lese, drehen sich um diesen Themenkomplex, so da├č es f├╝r mich ganz nat├╝rlich war, da├č auch meine Texte davon handeln. Es ist ein endloser Kampf, ├╝ber den man immer schreiben kann.

Bist Du ein religi├Âser Mensch oder betrachtest Du diesen Zwiespalt eher von einem philosophischen Standpunkt?

Maria: Mich interessiert das Thema aus philosophischer Sicht, und es hat keinen religi├Âsen Background f├╝r mich. Ich glaube, da├č alles m├Âglich ist, und empfinde es als eine interessante Thematik, die seit Anbeginn der Zeit soviel Spannung erzeugt hat, so da├č alle Menschen sich mit solchen Texten identifizieren k├Ânnen.

HOLYHELL-Bandphoto 2

Dieses Potential haben zweifelsohne auch HOLYHELL, da ihre Musik sehr facettenreich ist. Daher sollte sowohl der typische Gothic Metal-Freund oder Liebhaber von symphonischem Metal an HOLYHELL seinen Gefallen finden, doch auch notorische Female Fronted Metal-Hasser k├Ânnten der Band verfallen, da Maria sich v├Âllig vom Gro ihrer Kolleginnen unterscheidet. Eine Band, die es verdient hat, erforscht zu werden!

http://www.holyhell.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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