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  UE-Home → History → Underground Empire 4 → Interview-Übersicht → SANCTUARY (US, WA)-Interview last update: 22.01.2023, 19:09:57  

”UNDERGROUND EMPIRE 4”-Datasheet

Contents:  SANCTUARY (US, WA)-Interview

Date:  09.02.1990 (created), 20.02.2010 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 4

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Letzte Runde im Sanktuarium. 1992 machten die beiden altgedienten SANCTUARY-Recken Warrel Dane (v) und Jim Sheppard (b) sowie der SANCTUARY-Frischling Jeff Loomis (g) nämlich mit NEVERMORE weiter. Diese brauchten zwar drei Jahre, um ihren Erstling zu veröffentlichen, haben sich jedoch seither kontinuierlich in der Beliebtheitsskala der Metaller nach oben gespielt.

So gut wie auf den beiden überirdischen SANCTUARY-Platten (ja, ich habe meinen Fauxpas bei der Bewertung von »Into The Mirror Black« schon zigfach gestanden und verdientermaßen dafür am Pranger gestanden) waren NEVERMORE allerdings nie, was vor allem daran liegt, daß man in den letzten Jahren trotz der mehr als respektablen Leistungen der Band vor allem im Gesangsbereich die flüssigen Melodien fehlten und generell eher Staccatotechniken dominierten.

Fürs Layout des SANCTUARY-Interviews standen mir damals keine Photos zur Verfügung, doch ROCK HARD-Boß Holger Stratmann war so nett, uns zwei Livephotos zu stiften, mit denen wir die Story schmückten. Heuer haben wir noch ein offizielles Promophoto aus jenen Tagen hinzugefügt.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

SANCTUARY (US, WA)-Logo

SANCTUARY (US, WA)-Bandphoto 1

Irgendwie scheine ich immer das Glück zu haben, gerade dann Interviews mit Musikern führen zu dürfen, wenn sie einen tierischen Kater haben. So saß mir Wally dann auch mit seinem inzwischen berühmt gewordenen Froschaugenblick gegenüber und griff sich ständig an den Kopf, um sich über seine elenden Kopfschmerzen zu beklagen. Da das Interview schon etwas älter ist, sprich während der letzten Tour stattfand, finden die aktuellen Themen, wie beispielsweise Line-up-Wechsel, hier keine Aussprache. Ich hoffe aber, daß das Gespräch trotzdem etwas hergibt...

Was hältst du eigentlich von Interviewern, die Dich nach Deinen extrem langen Haaren fragen?

Keine Ahnung. Bis jetzt hat mir noch niemand eine solche Frage gestellt. Aber ich warte darauf.

Wirklich?

[lacht] Ich habe mich daran gewöhnt.

Wie läuft denn die Tour?

Oh gut, wir trinken sehr viel Jägermeister (Geschmacksverkalkung dritten Grades! - Stefan Glas). Das ist auch notwendig, um zu überleben.

Das Cover von »Into The Mirror Black« ist sehr metaluntypisch. Wie seid Ihr auf die Idee dazu gekommen?

Wenn du irgendeine Metal-Platte in die Hand nimmst, dann ist immer eine Art Cartoon auf dem Cover. Das wollten wir vermeiden. Das Cover paßt auch sehr gut zu unseren textlichen Inhalten. Das Cover stellt den Kreis des Lebens dar. Der Junge und der alte Mann gehen auf der Straße des Lebens aneinander vorbei. Der Junge ist sehr unscharf und im Hintergrund. Der alte Mann hingegen ist direkt im Focus und sehr klar und deutlich zu sehen. Der Alte ist gerade dabei, die Straße zu verlassen, der Junge betritt sie gerade erst. Der Alte verläßt die Straße in den "Mirror Black", was soviel wie das Unbekannte bedeuten soll. Das Backcover ist ein Negativ-Image zum Frontcover. Es gibt hierfür aber keine besondere Bedeutung, es sah einfach nur gut aus.

Vor einiger Zeit kursierten Gerüchte, daß Ihr nicht mehr länger bei EPIC unter Vertrag stehen würdet...

Diese Gerüchte stimmen zum Glück nicht. Wir waren sehr unglücklich darüber, wie wir von CBS-USA behandelt wurden. In Deutschland sieht es anders aus. Hier tut unsere Company sehr viel für uns. CBS-USA hatten uns einige Dinge versprochen, wie beispielsweise ein Video, die sie jedoch nicht gehalten haben. Wir haben dann gesagt, daß wir die Firma verlassen werden, wenn wir nicht alles bekommen, was uns zugesichert wurde. Inzwischen sind glücklicherweise alle Mißverständnisse bereinigt.

SANCTUARY [US, WA]-Einzelshot: Warrel Dane

Euer Song ›Communion‹ basiert wohl auf dem gleichnamigen Buch?

Nein!

Der Text und der Titel erwecken aber zumindest den Anschein...

Kann sein, daß das durchaus beabsichtigt ist. Die Idee zu dem Text kam mir durch zwei Mädchen aus Seattle, die ich sehr gut kenne. Sie wurden in einen religiösen Kult verstrickt, und dort regelrecht einer Gehirnwäsche unterzogen. Der Kult zog all ihr Geld, ihre Besitztümer und sogar ihre Kreditkarten ein. Sie wurden verheiratet, usw. Ich versuchte dann, sie da rauszuholen. Ich hatte leider keine Chance und mußte mir von ihnen anhören, daß ich mit dem Bösen im Bund stehen würde. Dieser Song handelt davon, wenn Religion nicht mehr länger Religion ist. Zu dem Buch kann ich sagen, daß - sollte es nicht wahr sein - der Typ, der es geschrieben hat, zumindest über eine unglaubliche Vorstellungsfähigkeit verfügt. It's pretty wild.

Die Zeile "I Pray To The Alien" erinnert mich an einen ganz bestimmten "Autoren"...

Hmm, ... nun hast du mich im Scheinwerferlicht eingefangen... Diese Textzeile soll meine Abneigung gegen konventionelle Religionen ausdrücken, was aber auf keinen Fall bedeutet, daß ich dem Okkultismus verfallen bin. Ich habe meine eigene persönliche Philosophie. Jeder sollte sein eigenes Wertesystem und seinen eigenen Glauben entwickeln, um selbstständig durchs Leben gehen zu können.

Hat das Amulett, das Du zeitweise trägst, etwas damit zu tun?

Einige Leute glauben, daß es etwas mit dem Okkulten zu tun hätte. Das ist aber nicht die Bedeutung, die es für mich hat. Es symbolisiert Kraft.

Wie lange seid Ihr jetzt schon in Deutschland?

Keine Ahnung, mehrere Wochen, ich glaube es sind zwei. Man verliert jegliches Zeitgefühl, wenn man jede Nacht im Bus schläft, irgendwo aufwacht und man zur Hölle keine Ahnung hat, wo man sich befindet. Dann immer noch der schreckliche Kater jeden Morgen. Das einzige Mittel dagegen ist es, noch mehr zu trinken. Zum Glück haben wir genug Jägermeister mit dabei. Oh, mein Gott!

SANCTUARY [US, WA]-Einzelshot: Lenny Rutledge

Interessierst Du Dich für Politik?

Ja, aber leider kümmere ich mich nicht so sehr darum, wie ich es tun sollte. Ich habe aber keineswegs die Absicht, SANCTUARY mit einem politischen Anstrich zu versehen, es gibt nämlich schon genug Bands, die das machen. Es gibt zwar einige politische Untertöne in unseren Lyrics, aber... [Pause] Oh Mann, ich habe so einen wahnsinnigen Kater, ich befinde mich immer noch in einer einzigen Jägermeisterwolke. Es tut mir echt leid, daß ich nicht dazu in der Lage bin, Dir ein vernünftiges Interview zu geben. Ich bin gerade erst fünf Minuten vor dem Interview aufgestanden. Im Moment ist es für uns sehr schwer, die Politik in den Staaten zu verfolgen, da wir kaum englischsprachige Zeitungen bekommen.

Wie sieht es mit dem Text zu ›Eden Lies Obscured‹ aus?

Es handelt von Menschen, die eine perfekte Welt wollen, und darüber, wie die Menschheit im Laufe der Geschichte das Konzept eines Garten Eden verdreht haben, indem sie Kriege anzettelten. An dem Punkt, an dem wir nun angelangt sind, ist es unmöglich, eine perfekte Welt zu erhalten. Viele Leute haben eine sehr apathische Einstellung zu den Problemen unserer Welt. Das macht das ganze nur noch schlimmer. Wenn die Leute denken, daß sie als einzelner nichts erreichen können und deshalb auch nichts unternehmen, wird sich nie etwas ändern. Ich hoffe, daß meine Texte wenigstens bei einigen wenigen Leuten als Denkanstöße wirken.

Deine Vocals klingen auf den beiden Alben recht unterschiedlich. Wie kommt's?

Das ist keine leichte Frage! Als wir anfingen, neue Songs zu schreiben, stellte sich schon sehr bald heraus, daß es nicht zu ihnen paßte, die ganze Zeit immer nur hoch zu singen. Wir sind eine Band, die sich von Album zu Album immer ein wenig verändern wird. Wir haben inzwischen viel mehr über das Songschreiben gelernt. Wir kamen dann zu dem Entschluß, daß es unmöglich ist, einen guten Song zu schreiben, wenn ich mir die ganze Zeit nur den Verstand aus dem Kopf rausschreie. Es war eine Art von natürlicher Entwicklung. Ich glaube, daß ich nun meinen sehr eigenen Gesangsstil gefunden habe. Aber nicht nur der Gesang hat sich von »Refuge Denied« zu »Into The Mirror Black« gewandelt, sondern auch die Musik. Wir haben keine Lust, mit den Bands, bei denen eine Platte wie die andere klingt, in eine Kiste gesteckt zu werden. Demzufolge wird unsere nächste Platte auch wieder ganz anders klingen.

Trotz des etwas katastrophalen Zustandes, in dem sich Wally zum Zeitpunkt des Interviews befand, kam wohl doch noch einiges dabei heraus. Allerdings würde ich dem Jungen zu gerne mal auf den Zahn fühlen, wenn er erholt ist, da dann mit Sicherheit einiges besser laufen würde.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Markus Müller

Photos: Holger Stratmann [Photo 2 & 3]

SANCTUARY (US, WA) im Überblick:
SANCTUARY (US, WA) – Into The Mirror Black (Rundling-Review von 1990 aus Underground Empire 2)
SANCTUARY (US, WA) – The Year The Sun Died (Rundling-Review von 2014 aus Online Empire 61)
SANCTUARY (US, WA) – Underground Empire 4-Interview (aus dem Jahr 1991)
SANCTUARY (US, WA) – Online Empire 50-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2012)
SANCTUARY (US, WA) – Online Empire 56-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 2013)
SANCTUARY (US, WA) – Online Empire 71-Interview (aus dem Jahr 2017)
SANCTUARY (US, WA) – News vom 08.06.2007
SANCTUARY (US, WA) – News vom 03.11.2007
SANCTUARY (US, WA) – News vom 12.05.2010
SANCTUARY (US, WA) – News vom 20.07.2011
SANCTUARY (US, WA) – News vom 02.09.2011
SANCTUARY (US, WA) – News vom 28.10.2011
SANCTUARY (US, WA) – News vom 25.02.2015
SANCTUARY (US, WA) – News vom 25.04.2016
SANCTUARY (US, WA) – News vom 19.05.2017
SANCTUARY (US, WA) – News vom 12.01.2018
SANCTUARY (US, WA) – News vom 22.02.2018
Playlist: SANCTUARY (US, WA)-Album »The Year The Sun Died« in "Jahrescharts 2014" auf Platz 1 von Walter Scheurer
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