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”UNDERGROUND EMPIRE 3”-Datasheet

Contents:  VIXEN (US, HI)/ALOHA/HAWAII (US)-''Cult Complete''-Artikel

Date:  1990 (created), 29.11.2009 (revisited), 05.02.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 3

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Es ist erstaunlich, welchen Weg Marty Friedman zurückgelegt hat: Angefangen bei DEUCE an der Seite von einer weiteren US-Metal-Ikone, Tom Gattis, über die hier beschriebenen Stationen plus MEGADETH hin zum japanischen Fernsehstar. Schade ist indes, daß uns keiner der anderen Musiker des VIXEN/ALOHA/HAWAII-Zirkel bis heute erhalten geblieben ist; das kurze Intermezzo von Gary St. Pierre mit VICIOUS RUMORS beim letztjährigen "Headbangers Open Air" zählt da allenfalls als Randnotiz. Eine Ausnahme stellt dabei allerdings der zeitweise fast schon hyperaktive Deen Castronovo dar, der einigen Quellen zufolge die letzten Atemzüge der Band HAWAII, die im Jahr 1986 erfolgten, betrommelt haben soll.

Auf alle Fälle dreht sich diese Story um eine der vergessenen Perlen des US-Metal, und es ist ein schlechter Scherz, daß der Großteil des Materials bis heute nicht neu aufgelegt wurde. Einzig AXE KILLER können in Bezug auf »The Natives Are Restless« (mit der die Franzosen für ein drittes Coverartwork sorgten, das wir hier auch abgebildet haben, obgleich es in der Originalstory nicht aufgetaucht war) ein wenig Abhilfe schaffen, da die Scheibe vor Jahren auf CD wiederveröffentlicht wurde. Zudem war die »The Works«-CD von VIXEN schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber nichts desto trotz liegt da noch enorm viel Material brach!

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Titel: Cult Complete
Dekolinie
 

VIXEN [US, HI]-Logo

ALOHA-Logo

HAWAII [US]-Logo

Wenn ich behaupte, daß die meisten unter Euch den Namen Marty Friedman nur mit MEGADETH in Verbindung bringen, dann werde ich wohl leider recht haben, was ich indes ziemlich traurig fände. Wenn Ihr mich Lügen strafen könnt, tut es und macht mir eine Freude!

Wenn Ihr bei dem Namen VIXEN gleich an vier Mädels denken müßt und Euch bei den Wörtern ALOHA und HAWAII nur Assoziationen an Palmen, Hula-Girls und Blumenkränze kommen, könnt Ihr mich nicht mehr Lügen strafen.

Okay, was soll diese Einleitung? Die Fachmänner unter Euch werden es schon vermuten. Es geht um eine der größten US-Underground-Legenden, die unter dem Namen HAWAII ihren größten Bekanntheitsgrad erreichte, und somit geht es auch um Marty Friedman, die Seele dieses Projekts, der untrennbar damit verbunden ist. Marty ist sicher nicht nur für mich eine der ganz illusteren Persönlichkeiten der Szene, die durch Qualität, Ideenreichtum und schier grenzenlose Aktivität immer wieder von sich reden machte.

Der Anfang seiner Karriere trägt den Namen VIXEN. Als viele unserer Pseudo-Rockstars noch in die Windeln machten, schaffte er es mit seiner Band in einem Jahr, genauer gesagt 1981, fünf (5!) Demos zu veröffentlichen. Viele Lieder tauchten zwar mehrfach auf diesen Demos auf, aber dennoch sind die Urversionen, ebenso wie ihre späteren Bearbeitungen, von ›Angels From The Dust‹, ›Living In Sin‹, ›Escape The Night‹ oder ›Beg For Mercy‹ wahre Klassiker der US-Metals, quasi das Fundament der heutigen Szene. Mit diesen Aufnahmen entstand auch der Kontakt zu SHRAPNEL, die ›Angels From The Dust‹ auf dem zweiten »U.S. Metal«-Sampler veröffentlichten.

Im Jahr 1982 folgten dann zwei weitere Demos unter dem Namen VIXEN und zwei unter dem Namen ALOHA. ALOHA sollte aber nur ein kurzes Intermezzo werden, denn schon 1983 erschien ein neues Demo unter dem Namen VIXEN. Dennoch wurde auch von ALOHA ein Song vinylisiert - ›Heavy Metal Virgin‹ auf »Metal Massacre II«, der damals vierten Veröffentlichung von METAL BLADE. Noch im gleichen Jahr sollte VIXEN dann zum ersten Mal Vinylehren zuteil werden, denn auf dem damals noch recht jungen AZRA-Label wurde eine nur einseitig bespielte EP namens »Made In Hawaii« veröffentlicht, die auch in geringer Stückzahl in blauem Vinyl aufgelegt wurde.

VIXEN [US, HI]-Cover: »Made In Hawaii«

Wie Ihr seht, sind die Anfänge der Formation sehr verwirrend, aber ich habe nach besten Wissen und Gewissen (ich liebe diese blöde Floskel heiß und innig - Red.) versucht, etwas Licht in dieses Chaos zu bringen. Herausragend an VIXEN war neben Martys Gitarrenspiel, das mehr und mehr seine Eigenheiten herauskristallisierte, der Gesang von Kim La Change. Ihre Stimme prägte die Stücke von VIXEN nachhaltig und setzte für die damalige Zeit neue Akzente. Ihr Gesangssolo in ›Living In Sin‹ hätte jeder Opernsängerin Ehre gemacht. Doch mit »Made In Hawaii« sollte die Friedman/La Change-Connection ihren Höhepunkt erleben, der aber zugleich der Schlußpunkt war.

Kim rief ein eigenes Projekt namens MALISHA ins Leben, das zwar eine LP namens »Serve Your Savage Beast« veröffentlichte, aber nie richtig aus den Startlöchern kam, so daß ich aufgrund der inzwischen mehrjährigen Funkstille vermute, daß die Band das Zeitliche gesegnet hat.

Was sich schon im Titel der EP wahrscheinlich eher unbewuĂźt andeutete, sollte nun Wirklichkeit werden: Nach dieser gravierenden Ă„nderung in der Besetzung nannte man sich in HAWAII um. Der Name sollte bis zum Ende dieser Ă„ra in Marty Friedmans Karriere GĂĽltigkeit behalten.

Der einzig verbleibende Musiker aus den Anfangstagen war nun Drummer Jeff Graves, der Marty bis zur Auflösung HAWAIIs erhalten blieb. Als neuer Mann stieß nun Gary St. Pierre zu HAWAII und übernahm gleichzeitig die Funktion des Shouters und Bassisten. Als erstes Lebenszeichen des neuen Line-ups erschienen ein 1-Song- und ein 2-Song-Demo, die mit ›You're Gonna Burn‹ sowohl einen neuen Song als auch die VIXEN-Songs, ›The Pit And The Pendulum‹ und ›Secret Of The Stars‹, enthielten. Als erster vinylisierter Schritt in die Öffentlichkeit bot Mike Varney die Möglichkeit des dritten "U.S. Metal"-Samplers an, die HAWAII nutzten und eine neue Version von ›Secret Of The Stars‹ beisteuerten. Auf den Fuß folgte dann die komplette LP »One Nation Underground« auf SHRAPNEL RECORDS, die sowohl alte VIXEN-Klassiker von den Demos und von »Made In Hawaii« als auch ganz neue Stücke enthielt. Die Fähigkeit, sich umzustellen, war hier von den Fans gefragt, denn Garys Stimme klang natürlich um Welten anders als Kims filigrane Leadvocals. Vom heutigen Standpunkt aus muß ich sagen, daß beide Versionen ihre Reize bergen, und ich will hier wirklich keine Vergleiche anstellen. Dies alles geschah noch im Jahr 1983, und ich will hier besonders darauf hinweisen, daß die Veröffentlichung von »Made In Hawaii« und »One Nation Underground« etwa zeitgleich mit »Heavy Metal Maniac« von EXCITER und lange vor METALLICAs »Kill 'em All« stattfand, so daß man VIXEN/ALOHA/HAWAII als den Urvater des Power/Speed Metals ansehen muß.

HAWAII [US]-Cover: »One Nation Underground«

Auch »One Nation Underground« bedeutete das Ende dieses Line-ups, und Gary St. Pierre verließ HAWAII. Er tauchte später noch als Sänger auf der ersten LP »Soldiers Of The Night« von VICIOUS RUMORS auf, aber seither war eigentlich nichts mehr von ihm zu hören.

Marty und Jeff mußten sich also erneut auf die Suche nach neuen Mitstreitern machen. Diese fanden sie in Sänger Eddie Day, der eine weitaus melodischere Stimme als sein Vorgänger hatte, und dem Bassisten Joey Galisa. In diesem Line-up spielte man 1984 ein 4-Song-Demo ein, das einfach nur als genial zu bezeichnen ist. Wahrlich bestechend ist das siebenminütige Instrumental ›Rhapsody In Black‹, bei dem Marty wirklich alles gibt, aber auch die beiden Powerfetzer ›Bad Boys Of Metal‹ und ›Loud, Wild And Heavy‹ sind keineswegs von schlechten Eltern! Einfach überragend ist jedoch diese Version von ›Escape The Night‹, die schon seit Jahren eines meiner absoluten Lieblingsstücke ist. Zudem kann man ›Escape The Night‹ einen echten Standardsong von Mister Friedman nennen, der sowohl auf »Made In Hawaii«, »One Nation Underground« und nun auch auf »Loud, Wild And Heavy« zu hören ist. Die Demosongs wurden nämlich einige Zeit später nochmal neu eingespielt und als Eigenproduktion unter diesem Titel als EP auf den Markt gebracht. Dieses neue Produkt stand seinen Vorgängern in nichts nach, ich persönlich ziehe aber die Demoversion vor!

HAWAII [US]-Cover: »Loud, Wild And Heavy«

Daß es sich hier um einen überaus veröffentlichungsfreudigen Haufen handelt, dürfte unschwer zu erkennen sein. So waren HAWAII auch gar nicht faul, engagierten einen zweiten Gitarristen und verschwanden wieder im Studio. 1985 erschien zunächst ein neues Demo, das die neue LP »The Natives Are Restless« nach sich zog, die erstmals durch STEAMHAMMER auch für Deutschland lizensiert wurde. Vor einiger Zeit fiel mir »The Natives Are Restless« mit einem anderen Cover in die Hände. Ich will auf jeder Fall Euch auch mal dieses Cover abbilden, obwohl ich keinen Schimmer habe, ob es sich hierbei um die US-Version, eine Bootleg-Pressung, eine Wiederveröffentlichung oder was auch immer handelt. Beim Copyright wird hier das Jahr 1985 und eine Firma namens SHOCKWAVES aufgeführt. (Diese Frage hat sich mittlerweile längst geklärt: Es handelte sich dabei um die US-amerikanische Pressung. - Red.)

HAWAII [US]-Cover: »The Natives Are Restless« [STEAMHAMMER/SPV]

HAWAII [US]-Cover: »The Natives Are Restless« [SHOCKWAVES]

HAWAII [US]-Cover: »The Natives Are Restless« [AXE KILLER RECORDS]

Als man nun glauben konnte, HAWAII hätten etwas Boden unter die Füße bekommen, da sie nun endlich einen Plattenvertrag und einen Vertrieb für Übersee in der Tasche hatten, geschah genau das Gegenteil: Es wurde immer stiller um die Band, und irgendwelche Lebenszeichen besaßen echten Seltenheitswert. Als nach einer ungewöhnlich langen Pause 1987 Marty mit seinem Gitarrenprojekt CACOPHONY aus der Versenkung auftauchte, war klar, daß das Schicksal von HAWAII besiegelt war. Ein solcher Mißklang wie der Name andeutet, war das, was Marty zusammen mit Jason Becker fabrizierte, zwar nicht, aber vom Flair der "guten, alten Zeit" war keine Spur zu finden.

Nach CACOPHONY spielte Marty eine Solo-LP ein und half bei diversen anderen Shrapnel-Gitarristen auf deren Platten mit und endet nun bei MEGADETH, was aber in dieser Rubrik nicht interessiert. Ich befürchte allerdings, daß Marty und sein Wahnsinnsstil von Mega-Dave erdrückt werden könnte. Let's wait and see!

Ich hätte gerne auch einige Democover abgebildet, aber leider haben die Demos, die ich als Original besitze, kein Cover, oder es sind lediglich per Schreibmaschine die Songtitel vermerkt, so daß ein Abdrucken also witzlos wäre.

VIXEN/ALOHA/HAWAII

Demo- und Discographie

VIXEN – 3-Song-Demo1981

VIXEN – 2-Song-Demo1981

VIXEN – 4-Song-Demo1981

VIXEN – 8-Song-Demo1981

VIXEN – 9-Song-Demo1981

VIXEN – 3-Song-Demo1982

VIXEN – 4-Song-Demo1982

ALOHA – 4-Song-Demo1982

ALOHA – 3-Song-Demo1982

VIXEN – 4-Song-Demo1983

VIXEN – Made In Hawaii (EP)1983

HAWAII – 1-Song-Demo1983

HAWAII – 2-Song-Demo1983

HAWAII – One Nation Underground (LP)1983

HAWAII – 4-Song-Demo1984

HAWAII – Loud, Wild And Heavy (EP)1984

HAWAII – 6-Song-Demo1985

HAWAII – The Natives Are Restless (LP)1985

CACOPHONY – Speed Metal Symphony (LP & CD)1987

CACOPHONY – Go Off! (LP & CD)1988

Marty Friedman – Dragon's Kiss (LP & CD)1989

Stand: 1990


Stefan Glas


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† Wir gedenken John "Mitch" Mitchell, heute vor 11 Jahren verstorben. Unsere Berichterstattung über das Lebenswerk findet Ihr
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