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”UNDERGROUND EMPIRE 2”-Datasheet

Contents:  "Intoleranz"-''Speaker's Corner''-Artikel

Date:  1989/'90 (created), 04.09.2009 (revisited), 24.12.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 2

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Auch hier: schön wie wir's in der Schule gelernt haben. Erst mal 'ne BegriffserklÀrung und dann die entsprechende Argumentation.

Auch wenn die Machart vielleicht ein wenig steif war, sollte das Thema um so zutreffender sein, denn bis heute hat sich die Intoleranz in vielen Bereichen der Metalszene gehalten. Zwar möchte ich mal sagen, daß Metaller zumeist sehr offenherzige Menschen sind, doch innerhalb gewisser Subgenres gibt es leider enorm viele ScheuklappentrĂ€ger.

Daher lautet auch heute noch der Schlußsatz: Abwechslung und Toleranz machen das Leben leichter und schöner!

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

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''Speaker's Corner''-Headline

Das Stichwort "Intoleranz" ist eines, das man in letzter Zeit bei genauerer Betrachtung und Beschreibung der aktuellen Metalszene, verwenden muß. Leider, denn ich möchte dies definitiv als eine Ă€ußerst schlechte Tendenz bezeichnen. Gehen wir aber Schritt fĂŒr Schritt vor. Was bedeutet dieser abstrakte Begriff eigentlich? Wollen wir doch zunĂ€chst die positive Form, "Toleranz", betrachten. Sie kommt vom Lateinischen "tolere = tragen, dulden". Somit bedeutet Toleranz, die FĂ€higkeit etwas zu ertragen oder zu akzeptieren. In diesem Sinne wird dieser Begriff auch im Lexikon definiert: "...im Gegensatz zum Indifferentismus (=GleichgĂŒltigkeit) fĂŒhrt Toleranz bei unbeirrbarem Festhalten an der eigenen Überzeugung zur Achtung und BemĂŒhung um VerstĂ€ndnis fĂŒr den, der diese Überzeugung nicht teilen kann..." (Herders Neues Volkslexikon, 5. Auflage, S. 1000). Als Synonyme zu "Toleranz" kann man Begriffe wie Duldsamkeit oder GroßzĂŒgigkeit anfĂŒhren. Die negierte Form, "Intoleranz", trĂ€gt folglich die entgegengesetzte Bedeutung.
Warum aber soll sich dieses Stichwort in letzter Zeit immer stĂ€rker bei der Beschreibung des Zustands der Metalszene aufdrĂ€ngen? Nun, ich will dies von meinem Standpunkt aus erlĂ€utern. FrĂŒher bezeichnete man diesen Umstand als Poser-Thrasher-Krieg, was zwar mit Sicherheit ein falscher Terminus war, da ein solcher Krieg nie existierte. Dennoch muß man feststellen, daß es ĂŒblich war, und immer noch ist, daß die eine Gruppe, wenn das Thema auf die Gegenpartei kommt, fĂŒr diese meist nur lĂ€sternde Worte ĂŒbrig hat. Momentan muß ich bemerken, daß sich eine Gesinnung eingebĂŒrgert hat, daß viele sich auf ihren, nur kleine Bereiche des Metals umfassenden Geschmack versteifen und alles außerhalb davon als nullwertig abtun. Hier gibt es natĂŒrlich bei jedem einen anderen Bereich und logischerweise gibt es glĂŒcklicherweise auch Leute, die keine solche Einstellung an den Tag legen und da eher nach dem Prinzip der Toleranz verfahren. Leider hat die vorher beschriebene Gesinnung, nach meiner Beobachtungen, in letzter Zeit immer mehr zugenommen. Ich muß zugeben, daß ich da auch nicht ganz unschuldig bin und mich an die eigene Nase fassen muß. Ich hatte mich nĂ€mlich in UNDERGROUND EMPIRE 1 ĂŒber Bands wie POISON oder GUNS N' ROSES lustiggemacht, obwohl das eigentlich nicht ernst, sondern nur im Spaß gemeint war, da ich diese Bands musikalisch einfach total mies finde. Dennoch ist dies der erste Schritt zur Intoleranz, und ich habe mir solche SprĂŒche schnell abgewöhnt, obwohl sich meine Meinung zur Musik dieser Bands um keinen Deut geĂ€ndert hat, nachdem man mich darauf hingewiesen und ich mir meine Gedanken dazu gemacht hatte. Nobody's perfect, gelle!
NatĂŒrlich kann man seinen persönlichen, subjektiven Geschmack nicht verĂ€ndern, aber darum geht es ja auch nicht. Mit Toleranz ist nĂ€mlich gemeint, daß man zwar weiterhin die Bands anhört, die einem eben gefallen, man aber gleichzeitig anerkennt, daß jemand anderes einen ganz anderen Geschmack hat und sich daher auch andere Bands anhört. Man sollte sich aber deswegen nicht ĂŒber denjenigen und seine Faves lustigmachen. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen, daß es ein erstrebenswertes Ziel ist, absolut alle Bands, Musikarten und deren Fans zu akzeptieren und zu tolerieren. Eigentlich sollte das, in meinen Augen, selbstverstĂ€ndlich sein, was es aber leider fĂŒr viele nicht ist. Man muß aber klar anerkennen, daß auch Klassik, Pop, Jazz, Avantgarde, etc. und ihre Musiker genauso ihre eigenen QualitĂ€ten haben, wie eben auch alle stilistischen Schattierungen des Metals und die sie praktizierenden Musiker. Mir persönlich wĂ€re nur Metal, nur Thrash, nur Kommerz, etc. zu eintönig und wĂŒrde mir recht schnell langweilig werden. Ich bevorzuge alle Metalstile gemischt und brauche auch meine AusflĂŒge in Jazz-, Pop- oder Klassikgefilde, etc., wobei das Hauptaugenmerk immer auf den Heavy Metal gerichtet ist. Ich bewundere beispielsweise auch Bands, die in ihrer Musik viele verschiedene Musikstile kombinieren und praktizieren. Schließlich macht Abwechslung erst das Leben schön und interessant. Aber das ist Geschmackssache und jedermanns persönliche Entscheidung. Vielleicht ist es aber mal gar kein Fehler, in andere Gebiete reinzuschnuppern, die man sonst von vorneherein links liegenlassen wĂŒrde. Was hat man schon zu verlieren?
Dies sind also meine Gedanken/Anregungen zu diesem Thema, die man sich vielleicht mal durch den Kopf gehen lassen sollte. Genau diese Intention hatte auch der oft falschverstandene "Psychotest" aus UNDERGROUND EMPIRE Nummer 1. Zum einen war er als Parodie auf die tollen Psychotests aus BRAVO oder Ă€hnlichen KĂ€sblĂ€ttern gedacht. Aber er zielte auch noch in die oben angesprochene Richtung. Denn, bei genauerer Analyse des Tests wird man feststellen, daß das Bewertungssystem bewußt so gewĂ€hlt war, daß man nur in die Poser- bzw. Thrasherkategorie fallen konnte, wenn man jeweils die hierzu spezifische Antwort gab. Zu gut Deutsch: Man konnte dem Test zufolge nur ein Poser sein, wenn man alle sechs mal die "Poserantwort" gab, die aber meist dermaßen schwachsinnig war, daß man sie eigentlich nicht ernsthaft geben konnte. Das gleiche traf natĂŒrlich auch auf die Kategorie "Thrasher" zu. Ergo, man konnte im Test eigentlich nie ein Poser bzw. Thrasher werden, sondern mußte immer in die mittlere Kategorie fallen, in der man auf sehr ironische Weise aufgeklĂ€rt wurde, daß jeder Thrasher auch sein Poserelement hat, bzw. umgekehrt, was aber gar keine Schande sei, sondern man bei richtiger Interpretation als Optimum hingestellt bekam. So daß der Psychotest eigentlich sagen wollte, "Okay, Du hast's gerne etwas thrashig, aber Du mußt zugeben, daß es auch auf der softeren Seite einige akzeptable Sachen gibt" oder "Auch wenn's Dir eher gemĂ€ĂŸigt schmeckt, mußt Du zugeben, daß es auch auf der deftigeren Seite ganz anstĂ€ndige Sachen gibt." Betrachtet Euch doch den Psychotest nochmal unter diesem Gesichtspunkt und interpretiert ihn dann noch mal neu.
Zum Abschluß möchte ich Euch bitten, meine Ideen doch einfach mal zu ĂŒberdenken und Eure Ergebnisse am besten gleich mitzuteilen. Über Briefe wĂŒrden wir uns sehr freuen! Ich meine auf jeden Fall, daß man nicht nur offener durch tĂ€gliche Leben gehen soll, sondern auch so in musikalischen Dingen sollte, denn etwas mehr Toleranz macht uns allen das Leben leichter und schöner!


Stefan Glas

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