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  UE-Home → History → Underground Empire 2 → Interview-Übersicht → MANIA (D, Hamburg)-Interview last update: 20.11.2022, 22:24:48  

”UNDERGROUND EMPIRE 2”-Datasheet

Contents:  MANIA (D, Hamburg)-Interview

Date:  1989/'90 (created), 18.07.2009 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 2

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Gewissermaßen wird hier die Geschichte eines Spätzünders erzählt - was der Band auch zum Verhängnis werden sollte: Die Hamburger MANIA wurden nämlich sogar noch vor HELLOWEEN gegründet, sollten erfolgtechnisch jedoch nie große Sprünge machen. Einige Zeit nach diesem Interview wechselte Sänger Chris Klauke dann zu den Schwaben ABRAXAS, und MANIA schauten kräftig in die Röhre. Rund um die Jahrtausendwende unternahmen MANIA nochmal einen Comebackversuch mit mehrfach wechselnden Besetzungen, der aber leider nicht wirklich fruchten sollte und von dem die - mittlerweile allerdings auch eingestellte - Homepage zeugte.

Die Story hatten wir seinerzeit nur mit Livephotos bestückt, denen wir heute aber noch zwei offizielle Promophotos beifügen. Und den nett zwinkernden MANIA-Gnom haben wir ebenfalls aus dem gedruckten Heft übernommen.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

MANIA (D, Hamburg)-Logo

MANIA (D, Hamburg)-Headline

MANIA (D, Hamburg)-Photo 1

Auch in Hohenecken anwesend waren MANIA aus Hamburg, die zusammen mit HEAVENS GATE auf Tour waren, um ihre aktuelle Scheibe »Changing Times« zu promoten. Über den Auftritt könnt Ihr an anderer Stelle nachlesen. Um MANIA auch sonst näher zu durchleuchten, mußte Gitarrist Thies einige Fragen meinerseits über sich ergehen lassen.

MANIA waren Ewigkeiten eine unsigned Band, und man hat Euch immer als einen der nächsten Anwärter auf einen Plattenvertrag gehandelt. Dem war dann aber nie so. Erst im letzten Jahr habt Ihr endlich einen Vertrag bekommen, der aber gleichzeitig mit einem Stilwechsel in die härtere Richtung einherging. Inwiefern hat das eine das andere beeinflußt?

Wir haben uns ein bißchen schwergetan, einen Plattenvertrag zu bekommen, weil wir nicht auf der Speedwelle mitgeritten sind. Wir hatten auch nie dieses Ketten und Nieten-Ding gemacht, sondern unser Ding durchgezogen, das sich mit der Zeit verändert hat. Wir hatten mit dem »Breaking The Silience«-Demo ein professionell aufgemachtes Demo. Es folgten ein paar kleinere Sachen und schließlich kam die »Message«-Single, die noch nach den alten Sachen klang, aber besonders wegen des neuen Sängers schon etwas in die Richtung zielte, in der wir dann gelandet sind. Wir haben dann länger nichts von uns hören lassen, so daß es für manche Leute überraschend kam, weil die Scheibe doch etwas anders klang, als das, was man von Demos her im Ohr hatte. Wir haben irgendwann mal als Hard Rock-Band angefangen, haben uns weiterentwickelt und sind immer etwas härter geworden. Wir hatten zudem einige personelle Veränderungen, die natürlich auch unseren Stil beeinflußt haben. »Wizzard Of The Lost Kingdom« war auch nur ein Einstieg, aber »Changing Times« weist jetzt in die Richtung, was wir in Zukunft machen wollen.

MANIA [D, Hamburg]-Liveshot: Chris Klauke

Es stünde allerdings zu vermuten, daß der Stilwechsel gerade wegen des Vertrages vollzogen wurde, da es für einen Außerstehenden den Anschein hat, daß beides gleichzeitig stattfand.

Nein, das lief andersrum! Wir haben »Wizzard Of The Lost Kingdom« mit unserem Produzenten aufgenommen, bevor wir einen Vertrag hatten. Wir hatten das Demo und die Single gemacht, und es kam einfach immer noch nicht so richtig. Daher haben wir Kontakt zu unserem Produzenten Peter Hader aufgenommen, und der fand das Material gut und sah keine Probleme, damit eine Plattenfirma zu kriegen. Aber eine Plattenfirma will immer etwas Fertiges haben, weil sie nicht die Katze im Sack kaufen will, sondern lieber gleich das Endprodukt haben will. Wir haben also, bevor wir einen Vertrag hatten, die »Wizzard Of The Lost Kingdom«-Scheibe auf eigene Kosten aufgenommen. Daher ist sie wohl auch nicht hundertprozentig so geworden, wie wir uns das vorgestellt hatten - aus heutiger Sicht. Damals war es das einzige, das wir machen konnten. Wir nahmen die Scheibe auf und haben sie Karl von NOISE vorgespielt. Er fand es gut und sagte, "Okay, das machen wir." Insofern war da absolut null Beeinflussung seitens unserer Plattenfirma.

Was hättet Ihr getan, wenn keine Plattenfirma Interesse an »Wizzard Of The Lost Kingdom« gezeigt hätte?

Tja, gute Frage. Glücklicherweise ist das nicht passiert. Sicherlich hat uns die EP eine Menge Geld gekostet, das wir aber durch den Deal wiederbekommen haben. Was wir gemacht hätten, weiß ich wirklich nicht. Vielleicht hätten wir nochmal etwas Neues aufgenommen. Uns gibt es jetzt schon so lange, und manch andere Band hätte schon längst aufgegeben. Wir haben die Sache immer eisern durchgezogen, aber nie mit dem Hintergedanken, Modemusik zu machen, weil das für die Leute nicht ehrlich rüberkommt. Man sollte das machen, wozu man steht. Das haben wir immer gemacht und haben dann mit der »Wizzard Of The Lost Kingdom«-Scheibe einen Plattenvertrag gekriegt. »Changing Times« stellt dann irgendwo eine Weiterentwicklung dar, wobei die erste Seite noch etwas mehr im Stil der Mini-LP ist und die zweite Seite ist so, wie wir uns das für die Zukunft vorstellen. (womit wir total vom Thema abgekommen wären, aber dat is ja nech so wild - Red.)

MANIA [D, Hamburg]-Liveshot: Thies Bendixen

Eure Plattenfirma NOISE hatte sich früher primär um HELLOWEEN gekümmert. Jetzt müßte da ja etwas mehr Augenmerk auf die anderen Bands, also auch MANIA, fallen.

Eigentlich nicht. NOISE ist für die Masse an Bands etwas klein. Sie tun eben da was, wo sie meinen, daß etwas läuft. Für die Bands, die viel Promotion nötig hätten, um hochzukommen, damit die Leute überhaupt mal wissen, was für eine Band das ist, wird wenig getan. Da wo etwas läuft, wird noch etwas getan, damit es noch besser läuft. Damit haben wir auch zu kämpfen und müssen Clubtouren machen, viel spielen, Interviews geben, etc. Es ist im Prinzip die einzige Chance, und man ist ziemlich auf sich allein gestellt.

Euer Management dürfte Euch aber trotzdem eine große Hilfe sein!

Wir kennen Limb schon unheimlich lange, aber als er noch HELLOWEEN gemanagt hatte, lag dort die Priorität, weil er mehr oder minder davon gelebt hatte.

MANIA [D, Hamburg]-Backstageshot: Chris Klauke & Thorsten Müller [HEAVENS GATE]

Ist bisher schon irgendwelcher Tourstreß aufgetreten?

Überhaupt nicht! Am Anfang hatten wir etwas mit unserem Busfahrer zu kämpfen. Nach dem Konzert setzen wir uns in den Bus und pennen, während er uns fährt. Er wollte zunächst auch abends pooven und da gab's ein paar Probleme, weil er sich teilweise quergestellt hat. Er hat sich mal geweigert, die Heizung anzumachen, obwohl wir alle naßgeschwitzt im Bus saßen, und so weiter. Aber wir haben uns zusammengesetzt und es hat sich mittlerweile alles gut eingespielt. Wir hatten das Glück, daß alle Mann von MANIA eine Woche vor der Tour die Grippe hatten und wir alles ausgestanden hatten, während die Leute von HEAVENS GATE jetzt alle krank sind. Es gibt eigentlich keine Probleme, und die beiden Bands verstehen sich tierisch und helfen sich, wo sie können. Auch die Crew, also die Backliner und die Licht- und Soundmenschen, engagieren sich voll. Ich hatte vor allem Bedenken wegen des Nightliners, aber es klappt bisher hervorragend.

MANIA (D, Hamburg)-Photo 2

Stichwort: Osteuropa. Was fällt Euch dazu ein?

Also ich finde Gorbatschov und seine Perestroika völlig fit, nur er muß sich allmählich etwas sputen, daß es den Leuten dort wirklich besser geht, weil die Leute, die dort wohnen, irgendwann ungeduldig werden. Ein Problem, das ich sehe ist folgendes: Wenn Polen oder die CSSR etwas kapitalistischer bleiben, dann bleiben sie immer noch Polen und CSSR. Wenn die DDR allerdings das gleiche tut, dann hat sie in dem Sinne keine echte Lebensberechtigung mehr, denn es ist ja Quatsch, daß zwei deutsche Staaten mit dem gleichen System nebeneinander leben. Insofern wird es da noch tierisch Ärger geben. Die Lösung ist auf keinen Fall, daß die Leute alle hier rüberkommen. Ich finde es toll, daß die Leute hier rüberkommen, weil es sind Deutsche wie wir. Aber trotzdem bringt es nichts, wenn ein paar Millionen hier rüberturnen. Die Veränderung muß in der DDR passieren!

MANIA [D, Hamburg]-Maskottchen

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas [Photo 2-4]

MANIA (D, Hamburg) im Überblick:
MANIA (D, Hamburg) – UNDERGROUND EMPIRE 2-Interview
MANIA (D, Hamburg) – News vom 31.01.2001
MANIA (D, Hamburg) – News vom 04.06.2008
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