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CIRCLE II CIRCLE
MANTICORA (DK)
BURNING BLACK

Wien (Österreich), Szene

13.05.2009

Mir war zwar sehr wohl klar, daß es nicht unbedingt zu erwarten war, ein volles Haus bei diesem Konzert vorzufinden, doch der Besucherzustrom war mehr als nur dürftig. Inwiefern der METALLICA-Gig in der Wiener Stadthalle am Tag darauf ein Grund dafür gewesen ist, vermag ich nicht zu beurteilen und ist im Endeffekt auch egal, denn Tatsache ist, daß sich Zak Stevens und seine Mannschaft, aber auch deren Supportacts einen wesentlich höheren Zustrom an Fans verdient hätten.
Die als "Local Support" einberufenen PARANOIA (oder PARANOID) habe ich zwar leider verpaßt, doch Augenzeugen zufolge schlugen sich die Jungs recht tapfer, auch wenn sie zu jenem Zeitpunkt wohl eine nahezu menschenleere "Szene" vorfinden mußten.
Nahezu pünktlich zum Start der Show der Italiener BURNING BLACK, die erst wenige Tage davor zum Tourtroß gestoßen sind, um diese Funktion von ihren Landsleuten THE PROWLERS zu übernehmen, erreiche ich die "Szene", in der sich zu jenem Zeitpunkt gezählte 27 (!) Menschen befanden. Den Norditalienern ist das aber sichtlich egal, das Quintett aus Treviso legt sich ins Zeug als wären sie Headliner bei einer Großveranstaltung. Vor allem Sänger Massimo de Nardi ist kaum zu bremsen. Der Kerl wuselt dabei nicht nur auf der Bühne herum, als hätte er Hummeln im Arsch, er läßt es sich auch nicht nehmen, das spärlich vorhandene Auditorium förmlich per Handschlag einzeln zu begrüßen und zum Mitmachen zu animieren. In den feinen Solopassagen des traditionellen Heavy Metal seiner Band bleibt dafür auch reichlich Zeit, die Jungs fahren klassische Sounds mit deftiger MAIDEN/PRIEST-Schlagseite auf und wissen ihr aus dem Vorjahr stammendes Album »Prisoners Of Steel« ordentlich vorzustellen. Vor allem ›Life Passengers‹ und der Titeltrack kommen gut aus den Boxen und werden von den Zusehern auch dankbar angenommen und mit mehr als nur Höflichkeitsapplaus versehen. Zwischenzeitlich läuft Massimo samt seinem Sendermikro sogar in den Vorraum der Halle, ob er es bis zur benachbarten Tankstelle oder gar zur Schnellbahnbahnstation geschafft hat, um weitere Zuschauer zum Konzert zu locken, weiß ich zwar nicht, seine spontanen "Durchmärsche" werden jedenfalls überaus positiv angenommen. Für das Finale ›Heavy Metal‹ darf er sich jedenfalls zumindest über gutgefüllte erste Reihe freuen. Ein sympathischer Auftritt einer überaus ambitionierten Band, so läßt sich der Eindruck von BURNING BLACK bei ihrer Österreich-Premiere beschreiben.

MANTICORA [DK]-Liveshot 1

Nach angenehm kurzer Umbaupause entern die Dänen MANTICORA die Bühne und zeigen sich im Vergleich zu deren erstem Auftritt in Wien (als Opener von Jon Oliva's PAIN in den alterwürdigen Gemäuern des alten, legendären Planet Music-Clubs) zunächst einmal dezimiert: Ohne Keyboarder (dafür mit Einspielungen aus dem "Hintergrund"), aber auch ohne ihren Gitarristen Kristian Larsen, tritt das Quartett an, um die Herzen der Fans zu erobern. Einige wenige scheinen die Jungs aber auch hierzulande bereits zu besitzen, denn im Laufe der Spielzeit dürfen sich Fronthühne Lars Larsen (der optisch an eine Mischung aus Sebastian Bach und FLOTSAM AND JETSAM-Sänger Eric A.K. erinnert) und seine Mannschaft nicht nur über eine dichtgefüllte Frontrow freuen, sondern sogar über spontan intonierte "MANTICORA"-Sprechchöre, wobei die Band offensichtlich nicht mit derlei Reaktionen gerechnet hat. Dadurch noch weiter angestachelt, zelebrierte der Vierer die Songs geradezu, wobei vor allem das mächtige, zweiteilige und in Summe wohl zumindest viertelstündige ›Gypsies' Dance‹, zum Höhepunkt avancierte. Mutig zwar, beide Teile (die an sich auf »The Black Circus Part 1 - Letters« beziehungsweise »The Black Circus Part 2 - Disclosure« aufgeteilt als Part 1 und 2 veröffentlicht worden waren) am Stück zu präsentieren, doch durch den Umstand, daß es sich dabei um eine wahrlich beeindruckende Kompositionen handelt, ziehen sich MANTICORA mehr als nur achtbar aus der Affäre. Aber nicht nur in jenem Monumentalepos haben die Burschen ein vielseitiges Spektrum an Klängen zu bieten, im Verlauf der gesamten Spielzeit kann man feststellen, daß die Dänen mit einer exquisiten Melange am Start sind, die neben spieltechnischer Erhabenheit und feinen Melodien Anleihen aus unterschiedlichsten Genres beinhaltet. Mächtiger Progressive Power Metal US-amerikanischer Prägung ist ebenso in rauhen Menge zu vernehmen, wie auch jede Menge an melodiösem Thrash, aber auch typisch europäischer Power/Progressive Metal, den man schon lange Jahre nicht mehr in derartiger Form geboten bekommt, läßt sich vernehmen. Zumindest mir kommt desöfteren der Name JESTER'S MARCH in den Sinn, aber auch die Niederländer IMPERIUM geistern mir spontan im Gehirn herum. In den älteren Tracks der Truppe werden dann auch noch Erinnerungen an Größen wie BLIND GUARDIAN geweckt, wie speziell im Finale ›Shadows With Tales To Tell‹ mitzuverfolgen ist. Eine feine Mischung also, tadellos dargeboten und zudem von immenser Spielfreude geprägt, die wohl nicht nur durch den Geburtstag von Bassist Kaper Gram verursacht wird, auf den zum ersten Mal kurz vor Ende des Sets angestoßen wird. Mein Dank für diesen Gig geht nach Dänemark, man sieht sich beim nächsten Mal!

MANTICORA [DK]-Liveshot 2

Das in der Zwischenzeit auf geschätzte 75 Nasen angewachsene Publikum wird erneut nicht allzu lange auf die Folter gespannt, ehe die eigentliche Hauptattraktion die Bühne betreten soll. Leider haben CIRCLE II CIRCLE zwar nicht wirklich brandaktuelles Material vorzustellen, denn ihr letztes Werk »Delusions Of Grandeur« ist seit knapp über einem Jahr in den Läden, doch mal ganz ehrlich, so gut und gelungen die bisherigen Langeisen der Band rund um Zak Stevens auch sein mögen, in erster Linie liebt man den Sympathikus immer noch für seine Arbeit bei SAVATAGE.

CIRCLE II CIRCLE-Liveshot 1

Und genau das bemerkt man im Endeffekt beim Konzert auch. Die Burschen kredenzen uns zunächst eine gute Stunde CIRCLE II CIRCLE-Songs querbeet durch ihr bisheriges Schaffen, wobei diese auch allesamt ganz gut ins Gehör gehen, von "Klassiker-Status" aber leider doch einigermaßen entfernt sind. Für meinen Geschmack kommen das groovende ›Dead Of Dawn‹, das ungemein intensive ›Heal You‹, das durchaus ins Repertoire des "Mountain King" passen würde, und das auch ein klein wenig an SAVATAGE angelehnte ›Messiah‹ am besten zur Geltung.
An der Spielfreude der Jungs gibt es ebenso wie an der Gesangsleistung von Zak nichts zu meckern, das Quintett zeigt sich sehr agil und sucht häufig den Kontakt zum Publikum. Die Show macht bei CIRCLE II CIRCLE aber keineswegs Zak, sondern in erster Linie Gitarrist Bill Hudson, der auch als "erwachsenes Kind aus BODOM" durchgehen könnte und Posing-König, Bassist Paul Michael "Mitch" Stewart, der offenbar die "hohe Schule" des US-amerikanischen Stadionrocks absolviert haben dürfte und dementsprechend für Unterhaltung zu sorgen weiß. Einzig Andy Lee an der Leadaxt wirkt ein wenig schüchtern, fiedelt dafür aber in eindrucksvoller Manier, nicht zuletzt, um seinen Kollegen einen herrlichen Riff-Teppich zu unterbreiten. Auch Drummer Robert Tom Drennan darf sich für kurze Zeit in den Vordergrund spielen, ob ein - wenn auch nur kurzes Schlagzeugsolo - allerdings wirklich unbedingt notwenig gewesen ist, bleibt aber dennoch Geschmacksache. Im Endeffekt wirken CIRCLE II CIRCLE aber dennoch als homogene Einheit, hinterlassen allerdings nach einer knappen Stunde doch eher nur mittelmäßig zufriedengestellte Fans zurück und nicht wenige fragten sich wohl, ob es das denn ernsthaft gewesen sein soll.
Natürlich ist dem nicht so, und so bedarf es kaum langfristiger "Zugabe"-Rufe, ehe sich Zak zusammen mit seinem Baß-Weirdo erneut auf der Bühne zeigt. Der Rest der Mannschaft darf sich erstmal noch erfrischen, während Mitch an den Keyboards die "Begleitung" für seinen Barden gibt und zunächst imposante, gänsehautverursachende Versionen von ›If I Go Away‹ und ›Watching In Silence‹ intoniert. Spätestens in diesem Moment ist der Bann gebrochen und jeder einzelne Zuseher kann ahnen, daß noch weitere Schmankerl folgen werden. Die Aufforderung von Zak an die Zuseher, daß sich diejenigen mit dem "richtigen" T-Shirt zeigen sollen, wird dankbar angenommen, und nachdem unmißverständlich festgestellt wird, daß endgültig Zeit für SAVATAGE gekommen sei, lassen uns die Jungs satte Versionen von ›Nothing's Going On‹, ›Taunting Cobras‹ und ›Edge Of Thorns‹ zu Ohren kommen. Ende gut, alles gut? Nicht ganz.

CIRCLE II CIRCLE-Liveshot 2

Zwar wird damit ein mehr als nur denkwürdiger Schlußpunkt gesetzt, dennoch muß einmal mehr die Frage gestellt werden, ob es denn - bei aller Klasse von CIRCLE II CIRCLE und Jon Oliva's PAIN - nicht endlich auch im Sinnes eines gewissen Herrn O'Neill sein müßte, Menschen, die einfach zusammengehören, auch zusammen Musik machen zu lassen.


Walter Scheurer

Photos: Axel Jusseit

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