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SILVER MOUNTAIN-Logo

Was haben HAMMERFALL, Yngwie Malmsteen und STRATOVARIUS gemeinsam, abgesehen von der Tatsache, daß diese Künstler und Bands mit zu den erfolgreichsten und bekanntesten Namen im melodiösen Heavy Metal-Bereich überhaupt zu zählen sind?

SILVER MOUNTAIN [ca. 1982]

Richtig, bei jeder dieser Formationen agiert(e) ein Musiker mit Familiennamen Johansson. Keine besondere Angelegenheit an sich, da dieser in Skandinavien nicht unüblich oder selten zu finden ist, doch in diesem speziellen Fall handelt es sich um eines der wohl renommiertesten Brüderpaare in der Musik-Szene schlechthin. Anders, der unter anderem seit gut zehn Jahren bei HAMMERFALL den Takt vorgibt, und Jens, der seit 1995 bei den - im Moment neuerlich erstarkten - STRATOVARIUS in die Tasten drückt, haben aber nicht nur die Liebe zu unserer Musik und eine Familie gemeinsam, diese beiden Herrschaften waren schon vor mittlerweile knapp 30 (!) Jahren bei einer Formation mit dabei, die man zur "Ursuppe" der schwedischen Hard'n'Heavy-Szene zählen muß, die man aber leider aufgrund des doch nur verhältnismäßig geringen Bekanntheitsgrades sehr häufig zu erwähnen vergißt. Die Rede ist hier natürlich von SILVER MOUNTAIN aus Malmö, deren Backkatalog dieser Tage von METAL MIND erneut in Umlauf gebracht wird.

In die Gründungsgeschichte der Band waren die Gebrüder Johansson zwar noch nicht involviert, sondern sind erst später, genauer gesagt zu Beginn der 80er Jahre, zum damaligen Line-up gestoßen. Den Anfang der Karriere der Truppe stellte bald nach der Gründung eine im Jahr 1979 veröffentlichte Single mit den Titeln ›Axeman & The Virgin‹ sowie ›Man Of No Present Existence‹ dar. Die Besetzung bestand aus Jonas Hansson, dem eigentlichen Mastermind von SILVER MOUNTAIN am Mikro und an der Gitarre, sowie den Herren Morgan Alm (Gitarre), Ingemar Stenquist (Baß) und Mårten Hedener am Schlagzeug. Im Jahr 1980 sollte in diesem Line-up (das jedoch nicht von langer "Haltbarkeit" war; ein Umstand, der die gesamte Geschichte der Band entscheidend mitprägen sollte) auch noch ein Demotape eingespielt werden, mit dem sich SILVER MOUNTAIN in späterer Folge auch einen Plattenvertrag erkämpfen können.

Zwar ist es hinlänglich bekannt, daß diese Formation immerzu das geistige Kind von Jonas Hansson gewesen ist, aufgrund des Umstandes, daß die Johansson-Brothers aber doch wesentlich bekannter werden sollten, habe ich mir den kurzen Abriß der Band-History vor deren Einstieg als Einleitung erlaubt.

SILVER MOUNTAIN [ca. 1983], Promophoto für »Shakin' Brains«

SILVER MOUNTAIN lieferten nach den ersten Umbesetzungen im Jahr 1983 über ROADRUNNER ihr Debut »Shakin' Brains« ab, für welches sich die Burschen wahrlich nicht vor ähnlichen Exponaten jener Zeit verstecken brauchten. Neben Jonas, Jens und Anders war auch noch Bassist Per Stadin mit von der Part(y)ie, bei der - in Anbetracht der Zeit geradezu fast logisch - mächtiger Hard Rock ganz im Stile von Formationen wie RAINBOW (als Einfluß schon durch die Namenswahl nicht besonders schwierig zu erkennen) angesagt war. Ganz klar dominiert wurde das Album von der filigranen, dezent an der Klassik orientierten Spielweise des Herrn Hansson, der einem Yngwie (der zu Frühzeiten sogar selbst kurzzeitig Mitglied bei SILVER MOUNTAIN gewesen ist) wohl spieltechnisch durchaus das Wasser hatte reichen können, aber leider niemals die nötige Unterstützung seitens eines Labels erfahren durfte, um ähnlich bekannt zu werden. Erschwerend mag wohl auch noch dazu gekommen sein, daß Jonas im Vergleich zu seinem berühmt-berüchtigten Landsmann pflegeleichter gewesen sein dürfte und zudem kaum für Schlagzeilen (welcher Form auch immer...) sorgen konnte.

Mit ihrem Debut konnten die Burschen ein mehr als nur beachtliches Lebenszeichen von sich geben, das heutzutage noch für Freudentränen in Hard Rock-Kreisen zu sorgen imstande ist. Wie schon kurz erwähnt, war die Tatsache, daß sich bei dieser Band über all die Jahre keine stabile Besetzung etablieren konnte, wohl mit ein Grund für ausbleibenden, nachhaltigen Erfolg. Schon auf dem 1985 nachgereichten »Universe« waren erneut Veränderungen im Line-up zu verzeichnen. Jens und Anders folgten (zum ersten Mal in ihrer Karriere) dem Lockruf des bereits erwähnten Saitenhexers Malmsteen, der gerade mit RISING FORCE loslegte und mußten substituiert werden. Der vakante Posten hinter dem Drumkit wurde durch "Heimkehrer" Mårten Hedener besetzt, während für die Keyboards aushilfsweise Eric Björn Nielsen verpflichtet wurde. Darüber hinaus versuchte Jonas, die Formation auch am Mikro zu verstärken, um sich fortan nur noch auf das Spiel an der Klampfe konzentrieren zu können.

SILVER MOUNTAIN [ca. 1985], »Universe«-Besetzung plus Mats Olausson, der auf »Hibiya - Live In Japan '85« gespielt hat

Mit NORDEN LIGHT-Sänger Christer Mentzer konnte recht rasch der ideale Mann dafür gefunden werden, doch leider sollte auch diese Zusammenarbeit nicht unbedingt von langer Dauer gekennzeichnet sein. Zumindest aber stellte »Universe« den geschäftstechnischen Türöffner für SILVER MOUNTAIN dar. Zwar konnte die Band auf dem europäischen Kontinent niemals wirklich durchstarten, zumindest aber - nicht zuletzt durch ihren ungemein melodischen Stil - im gerade auf derlei Sounds schwer abfahrenden Japan mächtig Lorbeeren ernten. Eine erfolgreiche Tournee im Land der aufgehenden Sonne war die logische Folge, für die Nachwelt festgehalten auf dem Livealbum »Hibiya - Live In Japan '85«.

»Universe« zeigte die Band im Vergleich zum Debut merklich gereift und hatte reichlich Hits im Angebot. Das Album war zudem geprägt von der gefühlvolleren, zugleich aber auch kraftvolleren Gesangsleistung von Christer Mentzer und gilt heute noch als Klassiker in einschlägigen Kreisen. Weshalb die Formation nicht auch hierzulande Fuß fassen konnte, ist für mich nach wie vor nur schwer nachzuvollziehen. Wer sich Perlen wie ›Shakin' Brains‹ oder ›Handled Roughly‹ - auch lange Jahre nach ihrer Veröffentlichung - zu Gemüte führt, wird wohl ähnlich denken wie meine Wenigkeit, aber das ist eine andere Geschichte.

Zwar war die Band bemüht, nicht zu viel Zeit zu verlieren, um mit dem berühmt-berüchtigten dritten Album nachzulegen, doch im Endeffekt sollte es dennoch gute drei Jahre dauern, ehe es soweit war. Jonas mußte einmal mehr das halbe Line-up neu besetzen, bevor es überhaupt losgehen konnte, und von daher läßt sich die relativ lange Dauer auch erklären. Für »Roses & Champagne«, wie das gute Stück getauft wurde, war als "Fixstarter" neben Jonas selbst, zunächst nur noch Per am Start. Das Gastspiel von Aushilfs-Keyboarder Erik Björn Nielsen konnte zwar relativ problemlos prolongiert werden, doch Drummer Kjell Gustavsson und Sänger Johan Dahlström mußten erst einmal rekrutiert werden.

SILVER MOUNTAIN [ca. 1988], Promophoto für »Roses & Champagne«

Ob die Erwartungshaltung für den Drittling im Endeffekt schlichtweg zu groß war, vermag man im Nachhinein nicht mehr zu verifizieren, doch wohl nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, daß der Gesang von Johan noch melodischer, um nicht zu sagen "softer" ausgefallen war und auch die Kompositionen selbst wesentlich "glatter" ausgeführt wurden, konnte der Erfolgslauf der Band nicht fortgesetzt werden. Vielmehr schien es, als ob SILVER MOUNTAIN - wie unzählige andere Formationen zu jener Zeit auch - zu sehr gen US of A schielten, um dort Charterfolge verbuchen zu können, was sich leider nicht wirklich realisieren hat lassen.

Die Marktsituation verhalf der Band zwar hierzulande - im Sog der zu jenem Zeitpunkt schwer angesagten EUROPE - ein klein wenig, mehr Bekanntheit zu erreichen, doch die gegen Ende des Jahres 1988 strichen SILVER MOUNTAIN frustriert und enttäuscht ob des ausbleibenden Erfolges die Segel.

Was aus dieser Band - bei konstanter Besetzung und ebensolcher Weiterführung ihres zu Beginn eingeschlagenen Weges - hätte werden können, bleibt wohl für immer ein Geheimnis, an dem auch ein weiterer Versuch der Herren Hansson und Stadin, zusammen mit dem in der Zwischenzeit hinlänglich bekannten Gebrüderpaar Johansson, zu Beginn dieses Millenniums noch einmal absahnen zu können, nichts ändern konnte. Es blieb nicht mehr als ein letztes Aufbäumen in Form eines neuen Werkes.

Dieses erschien im Jahr 2001, war jedoch keineswegs ein Comeback-Album im eigentlichen Sinne. Vielmehr stellt »Breakin' Chains« eine Retrospektive auf das Frühwerk dar, schließlich enthielt das Album ausschließlich Songs älteren Datums und war damit wohl in erster Linie für die alten und eingeschworenen Fans interessant. Zwar weiß auch dieses Werk durchaus zu gefallen, die ganz großen Momente der ersten beiden (oder eigentlich: späteren) Scheibletten waren aber bei den Songs aus "grauer Vorzeit" (noch) nicht vorhanden.

Es blieb im Endeffekt auch bei dieser letzten Werkschau, denn für jede weitere Existenz von SILVER MOUNTAIN fehlte einmal mehr der Zusammenhalt. Jens und Anders hatten aufgrund ihres erworbenen Bekanntheitsgrades und ihres Rufs als begnadete Musiker ohnehin ständig irgendwo ihre Fingerchen im Spiel und galten als "bunte Hunde" in der Szene, und auch Jonas Hansson dürfte bereits andere Projekte im Sinn gehabt haben, schließlich hatte er schon kurz nach der Veröffentlichung von »Roses & Champagne« seinen Hauptwohnsitz in die USA verlegt, nicht zuletzt, um seine Karriere vorantreiben zu können. Mit der nach ihm benannten JONAS HANSSON BAND, aber auch mit seinen Solo-Scheiben (»Classica« (1999) und »Valhallrama« (2006)) konnte er sich als Komponist, aber auch als Gitarrenhexer etablieren. Weiters war er als Komponist in der Werbebranche erfolgreich tätig und hat auch bei LEGACY, jener kalifornischen Hard Rock-Formation, die vom ebenfalls aus Schweden stammende Marten Andersson (auch als Rupfer des Viersaiters bei LIZZY BORDEN bekannt) angeführt wird, seine Fingerchen im Spiel.

SILVER MOUNTAIN [2001], Promophoto für »Breakin' Chains«

Auch wenn der Namen SILVER MOUNTAIN an sich längst zu einem Fall für die Musik-Historiker geworden ist, wird dieser Name - nicht zuletzt aufgrund der weitreichenden Aktivitäten einiger ehemaliger Mitglieder - wohl noch lange Zeit in unserer Szene präsent sein und das absolut gerechtfertigt, wie ich finde.

Wer jetzt neugierig auf diese "Perlen" der skandinavischen Rockszene geworden ist, oder auch auf der Suche nach "Ersatz" oder einem langfristigen "Schongang" für sein mittlerweile doch etwas ramponiertes Vinyl sein sollte, dem seien die aktuellen Neuauflagen des Studioschaffens von SILVER MOUNTAIN wärmstens empfohlen. Diese stellen mit Sicherheit eine lohende Investition dar, kommen remastert und soundtechnisch aufgepeppt, sowie als edle Digipacks daher. Mit Ausnahme von »Universe« wurden die Rundlinge auch mit Bonus-Material versehen, und obendrein runden hübsche Booklets und eine interessante History die Chose gekonnt ab.

Weiters sind auch sämtliche Texte abgedruckt, zu deren Ursprung hat sich jedoch Jonas Hansson aufgrund von "Übertragungsfehlern" mehr als nur negativ geäußert. Da die Lyrics ursprünglich nicht von der Band selbst zur Veröffentlichung freigegeben wurden, von ROADRUNNER im Zuge der ersten Re-Releases einst aber quasi "interpretiert" und festgeschrieben wurden und jetzt von METAL MIND einfach übernommen wurden, mokiert sich Mastermind Hansson über eine partielle "Sinnentleerung" seiner lyrischen Ergüsse. Da ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen...

Wie auch immer, an der musikalischen Klasse ändert dieser, dezent schale Beigeschmack aber zum Glück nichts, bei Interesse sollte jedoch Eile angesagt sein, denn, wie für die "Gold Editions" dieser polnischen Plattenfirma üblich, erscheinen auch diese Re-Releases in streng limitierter Version von gerade einmal 2000 Exemplaren.

http://www.myspace.com/silvermountainmetal

Vielleicht interessiert Euch auch die MySpace-Domäne von Jonas Hansson:

http://www.myspace.com/jonashansson


Walter Scheurer


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Der Geheimtip: Bestandsaufnahme 2002: Metal in der Türkei.
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