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"Tuska"-Festival 2008

Helsinki (Finnland), Kaisaniemi-Park

27.-29.06.2008

Das "Wacken"- und das "Tuska"-Festival haben einiges gemeinsam: legendäres Metal-Sommerfestival und schon Monate vorher ausverkauft. Jedoch findet "Tuska" mitten im Herzen von Helsinki statt, die Zuschaueranzahl ist daher begrenzt (ca. 35.000) und gemütlich auf drei Bühnen verteilt, dazu kommen die kinderfreundlichen Schlußzeiten - um 22:00 Uhr bzw. am Sonntag um 21:00 Uhr. In der Tat findet sich im Publikum der gestandene Metalhead ebenso wie ein gesamter Picknick-Familienausflug - mit Opa, Oma und den Youngsters im Kinderwagen... Natürlich ist auch nach dem Festival noch lange nicht mit Feiern Schluß, entweder im Kaisaniemi-Park oder bei den zahlreichen Club-"Tuska"-After-Parties, verteilt auf "Tavastia", "Nosturi" und "Virgin Oil", die dabei auch aus allen Nähten zu platzen drohten...
Da kurz vor "Tuska" meine Kamera ihren Geist aufgegeben hatte, gibt es diesmal leider kaum fotografische Dokumentation...


KYPCK, die erste Band am ersten Tag, versammelten eine schon ansehnliche Menge, und die feierte die "Russen"-Newcomer wie alte Heroen. Klar, wartet dieser finnische Act mit durchwegs "alten Hasen" im Business auf, unter anderem mit Ex-SENTENCED-Mucker Sami Lopakka an der Gitarre und HIM-Producer/SKREPPERS-Fronter Hiili Hiilesmaa am Schlagzeug. Mit drohenden Gewitterwolken im Hintergrund wirkte ihr zäher, bösartiger Doom-Metal-Sound auch ausgesprochen gut, BLACK SABBATH-Coverversionen (mit russischen Texten) wurden ebenso heftig bejubelt wie bandeigenes Material, beispielsweise ›Stalingrad‹. Im Vergleich zu dem, was sich gleich danach auf der "Radio Rock Stage" bei AMON AMARTH abspielte, war es jedoch noch recht gemütlich, die schwedischen "Wikinger" punkteten auch mit finnischen Ansagen. Das probierten auch die Österreicher THE SORROW, eine der positiven Überraschungen des Festivals, eine absolut geile Mischung aus klassischem Metal, Metalcore und etwas Thrash, tolle Show, und noch dazu konnten die Jungs auch 'ne technikbedingte Zwangspause voll professionell überbrücken. Das stellenweise an CHILDREN OF BODOM erinnernde Songmaterial traf genau den Geschmack des finnischen Publikums, das sich im Laufe des Gigs auch zu einem Circle Pit einladen ließ.

THE SORROW-Liveshot

Mit CARCASS und ENTOMBED beglückten gleich zwei klassische Death Metal-Acts das finnische Publikum, wobei ich mich bei letzterer fragte, wieso es die Band nicht auf die Hauptbühne geschafft hatte. Erstens mal die Qualität der Darbietung, und zweitens platzte das "Sue"-Zelt aus allen Nähten... Die parallel dazu auftretenden Finnen THE SCOURGER hatten da wohl die A...-Karte gezogen, da gingen ihnen viele potentielle Zuschauer flöten, jedoch moshte das Publikum im "Inferno"-Zelt von den ersten Tönen an mit. Klar, der brettharte Old School-Thrash Metal der Finnen fährt ja auch sofort in die Glieder. Norwegischer Black Metal und strahlender Sonnenschein? Nun ja, DIMMU BORGIR schafften es dennoch, einen geilen Gig mit einer "Best-Of" Setlist als Headliner des ersten Tages hinzulegen.
Abends waren dann unter dem Motto "Jatko-Klubi" im "Tavastia" SWALLOW THE SUN angesagt: Wie ich hinterher erfuhr, waren es wohl zu viele Sessions für das neue Album, so daß den Jungs das alte Songmaterial etwas entglitten war - jedenfalls erlebte ich hier nach mindestens einem Dutzend Shows den ersten Gig der Finnen, der wirklich als "versemmelt" gelten kann. Die ersten drei Songs schleppten sich so dahin, die Band wirkte ausgepowert und unmotiviert, fing sich aber doch wieder ausgerechnet bei ›Don't Fall Asleep‹ und schaffte es schließlich, das Ruder beim knapp 60-minütigen Gig wieder herumzureißen. Gerade noch gerettet!

SWALLOW THE SUN-Liveshot

Die Finnen KIUAS legten als erste Band am Samstag auf der "Sue"-Stage los und brachten mit martialischen Hymnen wie ›Dark Age‹ oder ›Ukko‹ wohl auch die größten Morgenmuffel zum Abrocken, auch wenn Sänger Ilja witzelte, daß die meisten Anwesenden wohl gerade erst aus den Federn gekrochen waren. Noch dazu ist Ilja nicht nur ein klasse Sänger und ein charismatischer Frontmann, der sich auch nicht von einem riesigen Plüsch-Penis im Publikum irritieren läßt. Gewarnt sei vor ihrem Hit ›Warrior Soul‹, einer der hartnäckigsten Ohrwürmer, die ich kenne!
Bei Sonnenschein ebenso etwas seltsam wirkten BEHEMOTH mit ihrem Corpsepaint, jedoch legten sie eine mitreißende Show hin. GHOST BRIGADE boten die richtige Einstimmung für FIELDS OF THE NEPHILIM mit ihrem melancholischen Doom-angehauchten Melo-Metal.
Wegen FIELDS OF THE NEPHILIM war "Tuska" diesmal für mich schon vor den offiziellen Headlinern ein absoluter Hit. Die Düstergötter und Urväter des Goth Metal sind ja nicht unbedingt ein Act, den man so schnell und einfach live zu sehen kriegt. Obwohl nicht mit Vernebelung gespart wurde, gab es zwischendurch klare Sicht auf Carl McCoy & Co. Der stilgerecht bedrohlich verhangene Himmel machte es noch einfacher, sich von ›Xiberia‹ oder ›One More Nightmare (Trees Come Down)‹ in hypnotische Trance versetzen zu lassen. Neben den Klassikern ›Dawnrazor‹ und ›Moonchild‹ hätt' ich mir auch ›Last Exit For The Lost‹ oder ›Psychonaut‹ gewünscht, überhaupt hätten die Jungs ruhig 'ne Stunde länger spielen können - aber dann war plötzlich und wohl für alle überraschend Schluß. Wortkarge Frontmänner? Ha! Carl sprach den Gig über kein einziges Wort - am Schluß nur "Thank You". Tja, mysteriös, unnahbar - aber deswegen lieben wir ihn ja.

FIELDS OF THE NEPHILIM-Liveshot

Eine weitere "Tuska" Live-Entdeckung waren für mich PRIMORDIAL, jedoch hatten die Iren mich ja bereits mit ihrer aktuellen CD »To The Nameless Dead« völlig überzeugt. So viel Leidenschaft und Hingabe, rohe Urgewalt, mitreißende Irish-Folk Melodien in bretterharten Metal verpackt, das war Gänsehaut pur bis zum letzten Ton. Mitgebangt und -geklatscht wurde den ganzen Gig über, bis ganz hinten im Inferno-Zelt. Klasse Band, super Gig!
Hatten sich die Finnen bei den FIELDS eher zurückhaltend benommen, so feierten sie KREATOR als den eigentlichen Headliner des Tages ab, denn Mille & Co haben durch Gitarrero Sami Yli-Sirniö sowas wie einen "Heimvorteil". Der Sound von MORBID ANGEL hingegen hatte eher was von einem startenden Flugzeug als einer Band, weshalb ich mich schon eher als geplant auf den Weg zum nächsten Clubgig machte.
Denn im "Virgin Oil" standen im Rahmen des "Jatko-Klubi" einige Bands auf dem Plan: THE FINAL HARVEST lieferten ihr Bühnendebüt, und ein gelungenes - kein Wunder, sind im Line-up doch "alte Veteranen" von CASKET, BONEGRINDER und BEFORE THE DAWN (Tuomas Saukkonen hier an den Drums) vertreten. Ihr Brutal-Brachial-Sound mit Thrash/HC/Death-Elementen ging aber dennoch irgendwie ins Ohr. Das läßt sich von RYTMIHÄIRIÖ nicht so recht behaupten, zumindest Nicht-Finnen hatten bei diesem Hardcore-Act mit finnischen Texten doch einige Schwierigkeiten. BEFORE THE DAWN enterten mit leichter Verspätung die Bretter des "Virgin Oil". Trotz alles anderen als optimalen Bedingungen ein astreiner Gig mit allen Hits sowie zwei Tracks vom kommenden Album; ›Deadsong‹ wurde vom Publikum aus vollem Hals mitgesungen und die Band nicht unter zwei Zugaben nach Hause gelassen. P.S.: Der Plüsch-Penis war auch wieder da. (War Bruder Cle diesmal sogar bis nach Finnland getingelt..? - sg)

BEFORE THE DAWN-Liveshot

BEFORE THE DAWN zum Zweiten - da die Instrumente von KORPIKLAANI nicht zeitgleich mit der Band in derselben Stadt eingetroffen waren, hatte der Vierer aus Lahti am Sonntag die Ehre, als extrem kurzfristig eingesprungener Ersatz-Act (die Benachrichtigung kam angeblich erst eine Stunde vor Konzertbeginn) das Festival am Sonntag zu eröffnen. Die nächste Panne: JOB FOR A COWBOY-Sänger Jonny Davy mußte wegen Stimmbandinfektion aussetzen, die Amerikaner boten kurzerhand eine Instrumental-Show, die viele Fans aber ohnehin noch viel interessanter fanden, als eine "normale" Performance.
Bei KILLSWITCH ENGAGE war die Menge vor der Hauptbühne schon ansehnlich, vor den Toren warteten jedoch noch viel mehr Leute, als die Amerikaner mit ihrer energiegeladenen Show loslegten. Sänger Howard Jones stand keine Sekunde still und glänzte mit launigen Ansagen, zumal er ja wohl "die vielen schönen Mädels in der Menge" beeindrucken wollte. DYING FETUS wären beinahe der nächste Pannenfall geworden, sie schafften es aber gerade noch rechtzeitig zu ihrem Auftritt, der von vielen Fans schon sehnsüchtig erwartet worden war.
Im dunklen "Inferno"-Zelt kam der Black-Metal lastige Crossover-Metal der Finnen SHADE EMPIRE schon mal besser zur Geltung, jedoch wirkte der Sound bei komplexeren Songs etwas breiig. Sänger Harju mutierte gelegentlich vom Evil Shouter zum Stimmungsmacher. Bei ›9 In 1‹ oder ›Bloodstar‹ kreisten die Matten fast durchgehend auf der Bühne ebenso wie im Publikum.
Was soll man zu SONATA ARCTICA noch großartig schreiben? Business as usual, das heißt viel Spaß auf und vor der Bühne, ein geiler Gig mit einem "Best Of"-Programm und -Feuerwerk, im wahrsten Sinn des Wortes. Die Pagan/Folk-Metaller TÝR punkteten bei der Menge schon mit ihren Finnischkenntnissen, da sie neben dem üblichen "Vittu", "Kippis" oder "Kiitos" sogar einen vollständigen Satz einstudiert hatten. Die Färöer hoffen wohl zu recht, "das erste Mal beim "Tuska", aber nicht das letzte Mal" mit dabei zu sein.
SLAYER waren die heißersehnte Band des Festivals, und die Sprechchöre starteten schon lange vor Konzertbeginn. Alles, was Beine hatte und noch stehen konnte, schleppte sich zur Bühne, jedoch allein wegen der massiven MARSHALL-Wände genoß ich das Ganze lieber aus sicherer Entfernung. Tja, musikalisch/soundtechnisch folgte ein nahezu perfekter Gig, nur fand ich die mangelnde Kommunikation mit dem Publikum - erst gegen Ende taute Herr Araya etwas auf - schon fast arrogant. Aber die begeisterten Fans störte das wohl kaum, mit ›Raining Blood‹ und ›Angel Of Death‹ fand das "Tuska"-Festival 2008 auch einen mehr als würdigen Abschluß. Also dann bis nächstes Jahr!


Klaudia Weber

Photos: Klaudia Weber


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