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"Tuska"-Festival 2007

Helsinki (Finnland), Kaisaniemi-Park

29.06.-01.07.2007

Finnische Festivals tragen ihre Namen ja aus einem Grund, und Tuska heißt Schmerz. Für die meisten der 33.000 Besucher dürfte sich das auf Haarwurzel-Katarrh beziehen, oder Sonnenbrand, oder Blasen an den Füßen vom vielen Zwischen-Drei-Bühnen-Pendeln. Oder die Genickstarre, wenn du doch bei einigen Bands zu viel gebangt hast. Viele Journalisten konnten blaue Flecken als Festival-Trophäen nach Hause bringen. Das 10. "Tuska" hatte so viele Fotografen wie noch nie angelockt, leider wurden zugleich die Schützen- äh, Fotogräben halbiert - dort galt nur das Recht des Rücksichtsloseren, Stärkeren, Schnelleren mit dem größeren Zoomobjektiv... Jedoch sollte dies der einzige Auswuchs an Gewalt bleiben.

''Tuska''-Impression

"Tuska" lockte auch diesmal komplette Familien an und ist nach wie vor eines der besten Festivals überhaupt, also eigentlich ein Muß. Und wer es verpaßt hat: Eine DVD dieses Jubiläums-Festivals ist bereits in Vorbereitung!

MOONSORROW-Liveshot

MOONSORROW locken am Freitag bereits so viel internationale Journaille an, daß es nur in Schichten in den Fotograben geht. Bereits ein Vorgeschmack auf die Zustände im Moshpit, äh Fotopit bei der Hauptbühne... Ville Sorvali & Co, wie immer im adretten Blutbad-Look, lassen nichts anbrennen und brettern den jubelnden Fans alte und neue Viking Metal-Hits (vom aktuellen Album "Hävitetty" allerdings in gekürzter Fassung) um die Ohren.

IMMORTAL-Liveshot

Das norwegische Black Metal-Urgestein IMMORTAL schafft es - im Unterschied zu DIMMU BORGIR beim "Sauna Open Air" - die Wolkendecke zu vertreiben. Da nützt es auch nicht viel, wenn Abbath "Fuck The Sun" keift. IMMORTAL punkten jedoch mit ihrem finnischen Wortschatz ("Perkele" = Teufel) und ihrem rohen, ungeschliffenen Sound. Das Publikum feiert das heißersehnte Comeback des Acts, der schon fast 20 Jahre am Buckel hat, sich davon aber nichts anzumerken läßt - die Jungs posen wie die Jünglinge.

KATATONIA-Liveshot

KATATONIA-Sänger Jonas P. Renske, weitgehend im "Addams Family-Vetter It"-Look, gibt ebenfalls finnische Ansagen zum besten. Die schwedischen Prog Metal-Götter sorgen für einen Ruhepol mit melodisch-melancholischen Klassikern vom »Viva Emptiness«-Album, aber auch aktuellen Songs wie ›My Twin‹. Das Publikum jubelt und singt begeistert mit.

CHILDREN OF BODOM-Liveshot

Immer zu Scherzen aufgelegt, gibt es diesmal bei CHILDREN OF BODOM Kneipenstimmung auf der Bühne: Alexi & Co lümmeln sich an einer Bar, ehe sie sich lässig zu ihren Instrumenten bequemen und ›Hate Me‹ zum fulminanter Auftakt in die Gehörgänge prügeln. Janne Warman, wohl inspiriert vom agilen DRAGONFORCE-Keyboarder, macht ebenfalls auf wilder Mann und feuert die Menge an. Als ob das überhaupt notwendig gewesen wäre... Ein tolles Programm, das nahezu alle meine Faves (›Needled 24/7‹, ›Taste Of My Scythe‹) enthält. Dann begeben sich die "Bastards Of Bodom" noch einmal an die Bar, ehe sie den Gig mit ›Children Of Bodom‹ und Knalleffekten abrunden.

BEFORE THE DAWN-Liveshot

Sogar der sonst so völlig in seine Musik versunkene BEFORE THE DAWN-Mastermind Tuomas Saukkonen lächelt, und das mehrmals: Erstens, die Vier kommen am Samstag als arschtighte Band und nicht - wie unlängst im "Nosturi" - als loser Verband von Individualisten rüber. Zweitens, Rekordandrang zu so früher Stunde - nur FINNTROLL zogen noch mehr Publikum an. Perfekter Sound, wie direkt von der CD, 'ne ausgezeichnete Setlist - eine gute Mischung aus neuem »Deadlight«- und altem Material, die mit viel Jubel und spontanem Mitklatschen gelohnt wird. Der Moderator holt BTD dann sogar zu 'ner Zugabe zurück - beim strikt geregelten "Tuska"-Zeitplan sowas wie 'ne Ordensverleihung! Behaltet diese Band im Auge! Und weil ich mir dieses - meiner Meinung nach - nächste große Ding aus Finnland in voller Länge ansehe, verpasse ich PAIN fast zur Gänze. Sorry, Peter!
Die Superhelden aus Los Angeles, Blackie Lawless und seine Band, locken alles vor die Hauptbühne, was noch stehen konnte. Nur ich verziehe mich fluchtartig nach zwei, drei Songs in den Schatten, möglichst weiiiiiiit weg. Im Unterschied zu 99 Prozent der Finnen kann ich - und konnte - ich eigentlich nie was mit W.A.S.P. anfangen... Nun ja, den Fans, die sich ungeachtet der Saunatemperaturen vor die Hauptbühne quetschen, gefällt es offensichtlich.

EMPEROR-Liveshot

Mit dem Act kann ich schon etwas mehr anfangen: EMPEROR Das zweite Comeback einer Legende, der zweite Black Metal-Klassiker beim zehnten "Tuska", der aber nicht wirklich danach aussieht. Ohne Corpsepaint und eher bieder gekleidet, prügeln die Norweger ihr Set herunter, als gäbe es kein Morgen. Was die Sprechchöre und die Stimmung betrifft, ernten sie mindestens so enthusiastische Reaktionen wie W.A.S.P. - ein würdiger Headliner des zweiten Tages!

STURM UND DRANG-Liveshot

TOKIO HOTEL können einpacken! Die im Schnitt 14jährigen finnischen Jungmusiker von STURM UND DRANG traten hierzulande schon in Clubs auf, in die sie als Publikum noch gar nicht reindürften, und wirken in der Tat schon verdammt professionell, wie sie die Menschenmassen am Sonntagmorgen bei diesem legendären Metal-Festival bei Laune halten. Neben ihrem Hit ›Rising Son‹ bringen sie auch Coverversionen wie ›Breaking The Law‹, ›Fear Of The Dark‹ und ›Paranoid‹ astrein rüber. Ein neuer heißer Newcomer aus Finnland!

BLIND GUARDIAN-Liveshot

Auf diesen deutschen Speed/Melodic Metal-Veteranen BLIND GUARDIAN haben sich viele schon gefreut. Das aktuelle Album »A Twist In The Myth« scheint bei den Finnen einschlägig bekannt zu sein, was den Mitsing-Faktor betrifft. BLIND GUARDIAN geben mit ›Nightfall‹ und ›Born In A Mourning Hall‹ einen tollen Auftakt. Herrlich zwischendurch Hansis Ansagen, wie etwa bei ›Punishment Divine‹: "This is a song about Nietzsche, he has been insane." Er hat auch keine Mühe, mit dem Publikum längere "Oooooh"- Chöre einzustudieren. Der Uralt-Klassiker ›Traveller In Time‹ bringt wohl einige Alt-Fans zum Grinsen, hach, waren das damals noch Zeiten...

FINNTROLL-Liveshot

Schon weit vor Ende des BLIND GUARDIAN-Gigs setzt der Exodus von der Haupt- zur "Sue"-Bühne ein, und 20 Minuten vor Beginn des Gigs bereits Gedrängel und Sprechchöre - FINNTROLL regieren den Sonntag! Tundra, Skrymer, Routa und Vreth bangen und toben als Haarmonster über die Bühne, was das Zeug hält, und animieren die vielen Trolle in der Menge zu wüsten Tänzen.
Nach für meinem Geschmack etwas zu Pop-lastigen Auftakt legen die Portugiesen MOONSPELL schließlich los, daß ich buchstäblich die Erde beben spüre: Mit ›Opium‹, ›Vampiria‹, ›Alma Mater‹ entzünden die Düster-Metaller die dunklen Herzen ihrer Fans und erzeugen trotz der Hitze Gänsehaut... Fernando erweist sich erneut als charismatischer Frontmann, der mit viel Humor eine kurze Pause kommentiert: "Sorry, I had to fix my make up". ›Full Moon Madness‹ und ›Mephisto‹ runden schließlich einen großartigen Gig ab. Für viele der eigentliche Headliner des Tages!

STRATOVARIUS-Liveshot

Zugegeben, auch wenn Power Metal nun nicht wirklich mein Lieblingsgenre ist, dem Charme von Timo Kotipelto - ob nun mit seinem Haupt-Brötchengeber oder seinem eigenen Projekt - kannst du dich nicht entziehen. Geniale Stimme, große Gesten, fette Riffs und Ohrwurm-Hymnen wie ›Hunting High And Low‹ oder ›I'm Still Alive‹ - STRATOVARIUS sind ein würdiger Abschluß des Jubiläums-"Tuska"!


Klaudia Weber

Photos: Klaudia Weber


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