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"Rock Station Festival" 2006

Ankara (Türkei), Saklikent

14.-15.10.2006

Ankara, 10 Grad, Dauerpisse - doch die Frisur hält. Dank Drei-Metal-Taft! Tja, da ist meine Wenigkeit zum fünften Mal beim "Rock Station Festival" in Ankara und kann doch noch etwas Neues dazulernen - nämlich daß es auch in der Türkei mieses Wetter geben kann - und sogar Affenkälte und Regen während des gesamten Festivals angesagt sein kann. Sehr clever, Herr Glas, nur Sommerklamotten mitzunehmen. Mitte Oktober...
Nachdem unsere türkischen Freunde vom ROCK STATION-Magazin nach einigen Schwierigkeiten im letzten Jahr nur eine abgespeckte Version ihres Festivals auf die Beine stellen konnten, sollte das "Rock Station Festival" anno 2006 wieder im gewohnten Umfang stattfinden: An zwei Tagen sollten 18 Bands auftreten, wobei DEADSOUL TRIBE als einziger ausländischer Gast den Headliner am ersten Abend gaben. Zunächst war Jon Oliva's PAIN geplant gewesen, doch der Mountainking mußte einen Rückzieher machen, so daß Devon und seine Jungs kurzfristig eingesprungen waren.
Leider sind allerdings weniger Zuschauer als gewohnt beim neunten RSF anwesend, was eventuell daran liegen mag, daß das Festival heuer mitten im Ramadan, dem islamischen Fastenmonat, stattfindet. Doch im Moment scheint das Publikum in Ankara ohnehin ein wenig konzertmüde zu sein, denn bei der ORPHANED LAND-Show wenige Tage zuvor waren deutlich weniger Zuschauer zugegen als früher, wo sich die Band immer über eine fast ausverkaufte Halle freuen durfte.

RECTIFIER-Liveshot

Im leicht umgebauten "Saklikent", immer noch die maßgebliche Konzertlocation in der türkischen Hauptstadt, gehen am späten Mittag RECTIFIER mit einem Carpenter-mäßigen Intro an den Start und rufen allein schon aufgrund ihres Bandnamens die Erwartungshaltung wach, daß man Teutonenthrash mit starkem TANKARD-Einschlag serviert bekommt - immerhin war ›Rectifier‹ der Hit vom 2002er »B-Day«-Album der Frankfurter Ebbelwoivernichter. Diese Erwartung soll das Trio auch rundum erfüllen und zudem wird durch ein Showelement ein weiterer maßgeblicher Einfluß deutlich: DESTRUCTION. Sänger/Basser Tangun wechselt zwischen zwei Mikros, ganz wie Schmier es auch tut, der allerdings bekanntlich drei Gesangsmikrophone zur Verfügung hat. Leider ist der RECTIthrash allerdings völlig melodie- und breakfrei, so daß alles sehr eintönig wirkt. So ist auch das ›Curse The Gods‹-Cover nur mit Mühe zu identifizieren, so daß es nicht schwer zu erkennen ist, daß RECTIFIER noch einen weiten Weg vor sich haben, bevor man ihnen eine solide Leistung zutrauen kann.

RTD-Liveshot

Die nachfolgenden RTD sind eine superjunge Band, wobei vor allem Sänger Emir Dursun die Nervosität extrem deutlich anzumerken ist. Die Truppe, die ihren Namen ausgeschrieben als "Reset To Default" verstanden wissen will, zockt rudimentären Metalcore, der sich auf Gebrülle beschränkt und auf belebende Zusätze wie Breakdowns, Cleanvocals oder emo-mäßige Parts komplett verzichtet. Daher ist die ganze Angelegenheit leider sehr eindimensional, so daß RTD auch nur wenig Feedback vom Publikum ernten.

SAGARIS-Liveshot

Ein Horrorfilm-mäßiges Intro bildet den Kickoff zum SAGARIS-Gig, mit dem es nun erst mal richtig böse im "Saklikent" zugehen soll: Die Band aus Izmir hat sich Black Metal inklusive der standardmäßigen Schwarzweiß-Lackierung from hell zu eigen gemacht. Doch ihr DARKTHRONE-mäßiges Gekloppe kommt ziemlich stumpf daher, nahezu ausschließlich stroboskopartiges Licht macht die Sache noch anstrengender, so daß man sich nicht so recht entscheiden kann, ob der Gig eher todlangweilig oder supernervig ist. Konsequenterweise sind erneut fast keine Publikumsreaktionen zu verzeichnen - sieht man von zehn Bangern in der ersten Reihe ab.

KNIGHTMARE [TR]-Liveshot

KNIGHTMARE hatten bereits 2003 beim RSF gespielt und konnten sich damals als eine positive Erscheinung in meine Erinnerung eingraben. Doch seither hat die Band einige Veränderungen durchgemacht, die nicht allein die Bühnenoptik betrifft. So tritt nämlich jeder der vier "Standmusiker" in einer anderen Art Tarnhosen auf: grün, gelb, weiß, und - brrrr - blau, wobei die drei Saitenmänner sich gar für Bermudas entschieden haben. Ein etwas seltsamer Anblick. Anyway - der entscheidende Faktor ist indes, daß neben dem neuen Drummer, Can Besli, der zuvor bei CROSSFIRE gespielt hatte, sich auch ein neuer Sänger in die Band eingereiht hat, der ein schweres Erbe antritt, da sein Vorgänger Burcak Erbil doch ein echter Ohrenschmaus gewesen war. Der Neuling, Ozgur mit Namen, der zuvor bei CELESTIAL ASYLUM stimmlich tätig war, hat zwar eine sehr belastbare Stimme, mit der er auch hoch hinaus kommt, und ist auch als Showmann deutlich besser einzustufen, aber leider hat er nahezu keine Spur Melodie in der Stimme. Daher kann er KNIGHTMAREs, ob der permanent auftretenden Doppelgitarren, schwer MAIDEN-beeinflußten Songs nicht das nötige Lebenselixir geben - was der Vorgänger noch spielend geschafft hatte. Ihren Heroen zollen KNIGHTMARE derweil durch eine gelungene Coverversion von ›The Evil That Men Do‹ Tribut, doch weitaus interessanter wird die zweite Fremdkomposition, die KNIGHTMARE intonieren: Als Schlußsong gibt es eine keyboardfreie ›Final Countdown‹-Version, was sehr interessant klingt, da das altbekannte "Düdel-dü-dü"-Keyboardthema von den Gitarren gespielt wird.

RAMPAGE [TR]-Liveshot

In Gestalt von RAMPAGE folgt der nächste Beweis, daß türkische Bands einen guten Instinkt haben, sich Bandnamen zu krallen, die schon mehrfach zuvor in Gebrauch waren. Die Band aus Izmir spielt Heavy Metal, der leicht progressiv aufgezogen ist, wobei die Breaks manchmal allerdings etwas konfus wirken. Dennoch sind RAMPAGE bis dato musikalisch die stärkste Band und ernten zu Recht gute Publikumsresonanzen. Für Verwirrung sorgt allerdings Sänger Rustu Fisekci, der statt seiner Hände zwei hakenähnliche Geilde aus Metall präsentiert. Allerdings lebt er dadurch keineswegs einen Captain Hook-Komplex auf seltsame Weise aus, sondern er verlor vor einigen Jahren tatsächlich seine beiden Hände bei einem Unfall.

RAVEN WOODS-Liveshot

Nach dem Luftgitarren-Wettbewerb, bei dem sich während der Luftumsetzung von KREATORs ›Phobia‹ im Publikum sogar ein Moshpit bildet und sich einige Banger sogar als Stagediver versuchen, folgt die nächste Band, die ebenfalls in den vorhergehenden Jahren schon mal zu Gast beim "Rock Station Festival" gewesen war: RAVEN WOODS, die 2002 den Festivalauftakt markiert hatten. Doch wie auch schon bei KNIGHTMARE haben sich bei RAVEN WOODS tiefgreifende Veränderungen ergeben und sind gegenüber der Inkarnation von vor vier Jahren fast nicht mehr wiederzuerkennen. So wurde nämlich Keyboarderin Pinar Batman ersatzlos gestrichen und durch den Verzicht auf die Keyboards geht leider auch das melodische Element, der dem Black Metal der Band einen gewissen anspruchsvollen Anstrich gegeben hat, verloren. Zudem hat die Band einen neuen Frontmann namens Aybars, dem showtechnisch allerdings nur einfällt, Luftgitarre zu spielen - obgleich der entsprechende Contest kurz zuvor stattgefunden hatte. Noch mehr verbesserungswürdig ist das Stageacting der drei Saitenartisten, die sich während der gesamten Show kaum einen Millimeter bewegen. In dieser Hinsicht muß die Band wahrlich kräftig zulegen! Heuer schafft man es nämlich nur eine Handvoll Anhänger zum Mitmachen zu bewegen, was auf Dauer sicherlich nicht befriedigend sein kann.

MAGICK-Liveshot

MAGICK sind neben den anschließend auftretenden CROSSFIRE die "Ultrawiederholer", denn sie spielen bereits zum dritten Mal in fünf Jahren beim RSF. Die Band konnte sich mittlerweile in der Türkei etablieren und einen Deal abgreifen, so daß unlängst die erste Platte erschienen ist, deren Titel man sich fast originalgetreu bei JUDAS PRIEST geborgt hat: »Stained Glass«. Ihre persönliche stilistische Mischung setzt sich indes immer noch aus den Elementen MEGADETH, METALLICA und NEVERMORE zusammen, die die Mannen professioneller denn je in die Menge schmettern und damit eine sehr gute Stimmung ernten. Ja, man beschwört gar jede Menge Propellerbanger herauf, was zur powermetallischen Mucke von MAGICK eigentlich nicht wirklich paßt. Nichtsdestotrotz bedankt sich die Band, indem sie dem Publikum ein paar T-Shirts stiften.

CROSSFIRE [TR]-Liveshot

Auch bei CROSSFIRE haben sich seit dem letzten Jahr einige Line-up-Veränderungen ergeben: So sind die Brüder Kerem Besli (g) und Can Besli (d) ausgestiegen; Can spielt jetzt bei KNIGHTMARE und hatte folglich etwa vier Stunden zuvor seinen Einsatz gehabt, während Kerem, mit Unterstützung seines Bruderherzes, an seinem Soloprojekt bastelt. Die neuen CROSSFIRE-Musiker, Kemal Sozer (d) und Cem Saydam (g), spielten indes zuvor bei SINCE YESTERDAY bzw. UNENLIGHTNING, was für die beiden natürlich einen kräftigen karrieretechnischen Sprung bedeutet, da sich CROSSFIRE über die Jahre zu einer der populärsten Metalbands in der Türkei gemausert haben. Und - um die in den letzten Jahren aufgebaute Geschichte der Haartracht des CROSSFIRE-Sängers und -Basser Bülent Aksoy weiterzustricken - natürlich hat sich auch seine Frisur verändert, da er neuerdings einen Iro trägt.
Für RSF Nummer 9 haben CROSSFIRE sich etwas besonderes einfallen lassen: Sie spielen eine Tributeshow an den türkischen Metal. So eröffnete man mit den beiden eigenen Nummern ›Non Serviam‹ und ›Slaves‹, um dann zu ›15 Minutes‹ von METALIUM (natürlich nicht von der gleichnamigen deutschen Combo!) überzuleiten. Es schließen sich ›Suicide Pact‹ von HAZY HILL, die im Demostadium als eine der ersten türkischen Bands international für Aufmerksamkeit sorgen konnten, und ›Ant‹ von TAYGA an, jener Band, bei der Bülent zuvor gespielt hatte, die allerdings nur von 1999 bis 2001 existierten, es in dieser Zeit allerdings zu einer selbstbetitelten Platte brachten, von der besagter, türkischsprachiger Song stammt. Doch der stimmungstechnische Höhepunkt der Show - und des gesamten Festivals - sind die beiden PENTAGRAM-Songs ›Lions In A Cage‹ und ›Bir‹, da deren Sänger Murat auf die Bühne kommt, um die Stücke zu singen. In Sekundenbruchteilen klinkt das Publikum völlig aus, woran man sieht, welchen Stellenwert diese Band in der Tat in der Türkei hat, obgleich PENTAGRAM die Fans schon seit fast fünf Jahren auf ein neues Album warten lassen. Zum Abkühlen spielen CROSSFIRE noch die Eigenkomposition ›Nightwolves‹, bei der Asena von KARAKEDI - röter denn je - als Gastsängerin hinzustößt. Super Stimmung, klasse Show!

DEADSOUL TRIBE-Liveshot

Anschließend ist leider recht schnell zu erkennen, daß die meisten Besucher viel mehr Bock auf straighte Metalkost haben als auf einen atmosphärisch/psychedelisch/progressiven Tribal Dance à la DEADSOUL TRIBE, denn nach der CROSSFIRE-Show beginnt sich das Auditorium zu leeren, so daß am Ende der DEADSOUL TRIBE-Show nur noch eine recht überschaubare Menschenmenge anwesend ist. Aber der Wahlwiener und seine Mitmusikanten legen sich trotzdem ins Zeug, lassen sich auch von technischen Problemen die Laune nicht verderben und spielen sogar zwei Zugabeblöcke, was Devon dahingehend kommentiert: "Für uns ist es egal, wieviele Fans eine Zugabe wollen - solange sie ihren Wunsch deutlich genug äußern, werden wir selbstverständlich wiederkommen und spielen."
Somit kann der erste Trip von DEADSOUL TRIBE in die Türkei nicht in jeder Hinsicht als Erfolg verbucht werden, aber immerhin sorgt die Truppe für den Gänsehauthöhepunkt des Festivals: Es ist ein schlicht magischer Moment als die Band die PSYCHOTIC WALTZ-Nummer ›I Remember‹ spielt und die anwesenden türkischen Fans gemeinsam mit Devon versonnen die "Are we all the same?"-Passage singen. Zudem ernten DEADSOUL TRIBE einen Sympathiebonus, da Gitarrist Roland Kerschbaumer sich kurz zuvor beim Skateboarden den Fuß und die Schulter gebrochen hatte, so daß er die Show im Rollstuhl sitzend bestreiten mußte, da DEADSOUL TRIBE, die sich wie erwähnt auf den letzten Drücker als Ersatz für JON OLIVA'S PAIN angeboten hatten, den RSF-Machern nicht eine weitere Absage bescheren wollten. Dadurch wird der DEADSOUL TRIBE-Auftritt beim "Rock Station Festival" nicht nur eine einmalige Angelegenheit, sondern erhält einen gewissen PSYCHOTIC WALTZ-Touch, da deren Gitarrist Brian McAlpin bekanntlich nach einem Autounfall permanent an den Rollstuhl gefesselt war.

Am nächsten Tag soll es etwas später losgehen, doch bevor die Liveaction startet, erlebt meine Wenigkeit einen, durchweg amüsanten, Beweis für die Popularität, die RAMMSTEIN auch in der Türkei genießen: Als Pausenmusik kommen eben jene Herren mit dem exzessiv rollenden "R" zum Zug und es einfach witzig, wenn man eine ganze Horde Türken, die "Du, Du hast, Du hast mich, Du hast mich gefragt, Du hast mich gefragt und ich hab' nichts gesagt!"-Lyrik lauthals mit einem kruden Akzent mitbrüllen zu hören, so daß es noch seltsamer als mit Till Lindemanns affektierten Betonungsspielchen klingt.

BLACK TOOTH-Liveshot

Doch zurück zum Tagesgeschäft, denn BLACK TOOTH stehen an, die mit schwerst PANTERA-mäßiger Optik auflaufen, da nicht nur die beiden Klampfen, sondern auch der Baß in Dimebag-Gedächtnis-Form daherkommt. Erwartungsgemäß klingt die Band stark nach den Texas-Panthern, wobei der recht bullig wirkende Sänger Tuna allerdings für einen gewissen Hardcore-Einschlag sorgt, aber zugleich mit dem standesgemäßen "Cowboys From Hell"-Hut auf die Bühne kommt. Warum er allerdings zudem mit einem Baseballschläger daherspaziert kommt, bleibt ein Geheimnis. Auf jeden Fall wartet man - allerdings vergeblich - darauf, daß die Band irgendwann ›Walk‹ covert, doch unterm Strich bleibt ein sehr powervoller und tighter Auftritt von BLACK TOOTH, bei dem die Stimmung ordentlich nach oben geht und umgehend der Moshpit angeheizt wird.

APOPLEXY [TR]-Liveshot

Es folgt die Band mit dem - 'tschulligung - dämlichsten Name des gesamten Festials; na ja, immerhin haben mittlerweile schon ein gutes Dutzend Bands rund um den ganzen Globus die gleiche, nicht gerade geschmackssichere Wahl getroffen... Dennoch: Es ist sicherlich intelligenter, sich nach einem TANKARD-Song oder einem Knallwässerchen zu benennen, als sich "Schlaganfall" zu titulieren... Doch immerhin haben APOPLEXY, die zweite Band von Burak Kahraman, der auch bei DREAMTONE, die als eine der wenigen türkischen Bands einen Majordeal bei EMI haben, die Klampfe bedient, ein recht schick gestaltetes Logo. APOPLEXY geben Progressive Metal zum besten, der allerdings auf den ersten Höreindruck ein wenig melodiearm rüberkommt, was aber auch am leider recht schlechten Sound liegen kann, da kaum Details auszumachen sind. Dafür sticht ein anderes Detail um so besser ins Auge: das Outfit von Keyboarderin Yasemin Türkyilmaz. Die Tastenlady, schätzungsweise 12 Jahre alt, die laut Steckbrief auf der Homepage allerdings schon ihr zwanzigstes Wiegenfest hinter sich gebracht haben will, ist ganz in lila - bis hin zu den milkafarbigen Turnschuhen - gekleidet. Zudem erhält sie gelegentlich Unterstützung von Sängerin Beren Öcal, die ansonsten sehr sportlich-athletisch auf der Bühne unterwegs ist, so daß die beiden Mädels hier und da vierhändig loslegen. Ansonsten kann Beren bei der ›Run To The Hills‹-Coverversion mit ihrer teilweise recht schrill werdenden Stimme beweisen, wer die wahre "Air Raid Siren" ist...

PHRONESIS-Liveshot

Passend zum Wetter lassen PHRONESIS ihre Show mit einem Wolkenbruch-Intro beginnen, doch leider soll der Auftritt von ständigen Rückkopplungen überschattet werden. Stilistisch ist die Band, die bei dem wichtigsten türkischen Indie, ATLANTIS MÜZIK, unter Vertrag steht, zwischen Gothic, Doom, Black und Death zu suchen, wobei vor allem Backingsängerin Gozde mit ihrem genretypischen Vocals für den Gothiceinschlag sorgt. Ihr männlicher Gegenpart, Sänger Abrek, trägt einen langen Mantel, mit dem er fast wie ein Priester anmutet und eine ehrfurchtgebietende Ausstrahlung besitzt.

ARCANE [TR]-Liveshot

ARCANE versorgen uns anschließend wie schon im letzten Jahr mit kernigem Old School-Getrümmere zwischen Death, Black und Thrash, das 'ne Menge Spaß macht - was das Publikum mit seinen Reaktionen mehr als deutlich macht. Über allem schwebt das furchterregende Backinggebrülle von Basser Kaan Dirgin - kein Wunder: Schließlich sieht er aus, als würde er in direkter Linie von Dschingis Khan abstammen - wofür natürlich auch der Name ein gewisses Indiz sein mag...

NITRO-Liveshot

Die NITRO-Show ist pures Dynamit - logisch. Das Sprengkommando startet mit ›Blitzkrieg Bop‹, was die weitere Marschrichtung klar bestimmt: NITRO behaupten "Punk Metal" zu spielen, was des Pudels Kern direkt ins Mark trifft, oder so... Anyway - bei vielen Songs besteht der Text zu 90 Prozent aus zwei Wörter; bestes Beispiel: die Nummer ›Suicide Trip‹. Ebenso spielen NITRO eine eingepunkte Version von METALLICAs ›Motorbreath‹ - definitiv die seltsamste Coverversion, die mir bis dato von diesem Song zu Gehör gekommen ist und fast nur am Refrain zu erkennen ist. Noch extremer ist es bei ›Rotten Dogs‹ vom PENTAGRAM-Debut, nach wie vor einer meiner Lieblingstracks der Türken, den ich völlig überrascht auf der Setlist, den die Band mir nach dem Gig zusteckt, entdecke. Mission "Punk Metal" geglückt! Allerdings ist Gitarrist Emre Manav bei seinen Hüpfversuchen deutlich zu hüftsteif, was auch daran liegen mag, daß er ständig seinen Blick aufs Griffbrett fixiert hat, was bei solch' einfachstem Riffgedresche eigentlich überflüssig erscheint. Darüber hinaus scheitert der Wall Of Death-Versuch kläglich mangels bereitwilliger Mitmacher, so daß wohl nur ein Türrahmen Of Scheintod zustandekam... Shit happens!

MORIBUND OBLIVION-Liveshot

MORIBUND OBLIVION sind die nächsten Pandabärenschlächter des Festivals, so daß das knallgrüne Instrument von Basser Savas auch bei Vater Abraham und seinen Schlümpfen nicht deplazierter hätte ins Auge stechen können... Zudem setzen MORIBUND OBLIVION auf Keyboards, die bei dieser Show allerdings garantiert nicht zu hören sind. Die Band hat Power und verkneift sich glücklicherweise völlig stumpfes Drauflosgehacke, so daß man ein wenig an MARDUK ohne Panzerketten erinnert. Leider kommen jedoch zwischen den Songs viel zu lange Pausen zustande, so daß die Stimmung immer wieder stark abfällt.

SOUL SACRIFICE-Liveshot

In Form von SOUL SACRIFICE, die schon anno 2003 beim RSF aufgetreten waren, folgt im Anschluß gleich die nächste Band mit nichthörbarem Keyboarder. Doch für mehr Aufsehen sorgt Gitarrist Maksim, der ähnlich wie früher der HOUWITSER-Sänger Stan vermummt mit einer Gesichtsmaske auftritt. Ansonsten bietet die Band ihren Thrash/Death routiniert dar, spickt die Show mit einer Instrumentaleinlage und covern außerdem ›Fly Forever‹ von PENTAGRAM. Zwei Monate zuvor hatte nämlich in Ankara ein "Tribute to PENTAGRAM"-Konzert stattgefunden, bei dem diverse Bands PENTAGRAM-Songs gecovert hatten und der Beitrag von SOUL SACRIFICE war eben jener Song gewesen, was nun gewissermaßen die Connection zur gestrigen CROSSFIRE-Show mit Gast Murat von PENTAGRAM darstellt.

CATAFALQUE-Liveshot

Da heute der Frauentag beim RSF ist, kommen nun folgerichtig CATAFALQUE zum Zug, die ebenfalls eine Dame in ihren Reihe haben: Sängerin Özge Özkan, die schon Teil unseres 2002er Specials "Frauen in der türkischen Metalszene" gewesen war. Man merkt deutlich, welche Entwicklung die Band seit damals durchgemacht hat: Die Band ist tight, Sänger Metehan gibt einen souveränen, ja fast schon gebieterischen Frontmann, während Özge den Animierjob übernimmt, so daß sie ständig am Strahlen ist, ihre mittlerweile von feuerrot auf knallblond transformierte Mähne schwingt oder ausgelassen hinter ihrem Mikroständer auf- und abhüpft. Dabei erinnert sie stark an Sharon von WITHIN TEMPTATION und trägt sicherlich einen Großteil dazu bei, daß CATAFALQUE vor allem beim weiblichen Teil des Publikums sehr gut angekommen.
WHISKY zählen zu den alten Haudegen der türkischen Szene, die hier ihr erstes Konzert seit 2000 spielen - Reunions also auch in der Türkei! Die langjährige Abstinenz der Band mag mit ein Grund dafür sein, daß Basser Volkan Konya einen Notenständer mit Spickzetteln vor sich stehen hat und sich von diesem kaum wegbewegt, so daß er fast ein wenig an den Viersaitling von Huey Lewis & THE NEWS erinnert, der in den Achtzigern bei Liveshows immer den unbeweglichen Mister Obercool markiert hat.

WHISKY-Liveshot

Die WHISKY-Show bedeutet rundum sehr erquickliche 90 Minuten! Der traditionelle Hard Rock hat guten Groove und tolle Melodien, ist schlicht als erstklassig zu bezeichnen und fällt zudem sehr eigenständig aus, so daß er allenfalls dezent mit Bands wie URIAH HEEP oder BTO vergleichbar ist. Leider hat sich jedoch wie schon am Vorabend das Publikum recht deutlich ausgedünnt, was eventuell daran liegen mag, daß WHISKY vor allem für das jüngere Publikum, das bei CATAFALQUE nochmal gut "bedient" wurde, zu "weit" weg sind, so daß sie nicht auf den Headliner warten wollen. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung prächtig, diverse Rock Station-Mitarbeiter mischen sich zum flotten Headbanging unters Volk, so daß WHISKY zu einer Zugabe gezwungen werden und nochmal ihren Opener ›Yak Bizi‹ (was auf gut Englisch "Burn Us" bedeutet) spielen.

Ein Spitzenabschluß für das neunte "Rock Station Festival" und natürlich sind wir neugierig, was sich die Rock Station-Jungs im nächsten Jahr für ihr Jubiläum einfallen lassen. Wir werden uns auf jeden Fall bemühen, vor Ort zu sein und live für Euch zu berichten.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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