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"Metal Dayz" 2006

Pratteln (Schweiz), Z7

04.-06.08.2006

Nach zweijähriger Pause hatte sich das Veranstalterteam des europaweit bekannten Clubs "Z7" im schweizerischen Pratteln in diesem Jahr wieder dazu entschlossen, ein Festival zu veranstalten. Der Name "Metal Dayz" wurde dafür beibehalten und am ersten Augustwochenende sollte es endlich soweit sein. Zwar ist Petrus offenbar nicht unbedingt begeistert davon, daß in der Schweiz Metal in unterschiedlichen Macharten dargeboten wird, aber das kann die zahlreichen Besucher nicht davon abhalten, sich für drei Tage voll und ganz diesen Klängen hinzugeben. Fans aus der Schweiz stellen logischerweise das Hauptkontingent, den Autokennzeichen nach zu schließen, steht Pratteln in diesem Jahr aber auch für einige Metaller aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich auf dem Festivalplan.
Nach einer relativ anstrengenden Anreise quer durch Österreich, Süddeutschland (inklusive einem Megastau von knapp vor bis kurz nach München) und die Schweiz treffen wir, meine Frau Daniela und ich, pünktlich zum Beginn des Auftritts von DEAD SOUL TRIBE am Festivalgelände ein. Da sich die üblichen Problemchen wie die Parkplatzsuche oder die Bändchenausgabe in Pratteln erfreulich problemlos und wenig zeitaufwendig gestalten, sind wir ab dem zweiten Song mitten im Pulk vor der Bühne. Von jenen Truppen, die bereits aufspielten, haben wir lediglich noch mitbekommen, daß CRUCIFIED BARBARA wohl mächtig Dampf gemacht haben dürften, weshalb sich die Mädels am nahe der Bühne befindlichen Stand der Kollegen von METALWORLD während des DEAD SOUL TRIBE-Gigs die Finger bei der "Signing Session" wundschreiben. Devon Graves und seine Mannschaft zelebrieren zum größten Teil Songs ihrer letzten beiden Alben, die allesamt gut vom Publikum aufgenommen werden. Leider greift Devon nicht in seine "Mottenkiste", um auch das eine oder andere Schätzchen aus seiner musikalischen Vergangenheit zu präsentieren, aber mit Songs wie ›Waiting In Line‹ oder ›My Dying Wish‹ sind DEAD SOUL TRIBE live nicht zuletzt durch den immer noch magischen und teilweise hypnotischen Gesang des Masterminds und den sehr rhythmusorientierten Songstrukturen von der Intensität ohnehin recht nahe an den Werken seiner ehemaligen Band PSYCHOTIC WALTZ. Den Publikumsreaktionen nach zu schließen, scheinen wir auch nicht die einzigen Verehrer der Klänge dieser Truppe zu sein, denn schon bei DEAD SOUL TRIBE kann man feststellen, daß diese Ausgabe des "Metal Dayz"-Festivals ausnahmslos von sehr dankbaren Fans besucht wird.
Durch die optimale Kombination aus Open Air-Gelände und Club kommt es das gesamte Festival über zu keinen Verzögerungen, da man immer wieder zwischen den beiden Bühnen wechselt und die Fans lediglich eine Viertelstunde auf die nächste Attraktion warten läßt. Dadurch bekommt der Zuhörer zwar genug Zeit für eine Pause zwischendurch, gleichzeitig ist aber auch garantiert, daß keinerlei langwierige Warterei auf einen zukommt. So reicht auch die kurze Pause nach DEAD SOUL TRIBE aus, um sich auf die folgende Band "vorzubereiten".
Nach der im Laufe des Festivals immer wieder zu beobachtenden "Wanderung" der Fans in die Halle lädt BLAZE mit seiner Truppe eben dort zur Metal-Party. Offenbar ist Pratteln noch immer eine Hochburg dieses sympathischen Engländers. Nicht umsonst wurde ja auch ein Auftritt im Z7 vor einigen Jahren für das Live-Album »As Live As It Gets« verwendet. Dermaßen euphorische Reaktionen auf Songs seiner Solo-Alben oder auch auf ›Man On The Edge‹ oder ›Futureal‹ wie an diesem Abend habe ich noch selten vernommen. Klar muß BLAZE diese genannten IRON MAIDEN-Songs zum besten geben und darf euphorische Reaktionen darauf ernten, ebenso wie auf den Hinweis, daß noch heuer ein neues Studioalbum in die Läden kommen wird. So vergeht die anberaumte Spielzeit von knapp einer Stunde wie im Flug. Die Fans sind begeistert und auch der Band selbst ist eine immense Spielfreude anzumerken. Einzig seine Ansagen sollte sich der gute Mann einmal durch den Kopf gehen lassen. Oder gibt es tatsächlich einen Wettbewerb zwischen einigen Musikern, wer im Laufe eines Auftritts öfter das berühmte "F"-Wörtchen unterbringen kann?

GURD-Liveshot

Auf der Open Air-Bühne wird in der Zwischenzeit alles für das erste große "Heimspiel" vorbereitet. Das schweizerische Thrash Metal-Urgestein V.O. Pulver und seine Truppe GURD ist nun an der Reihe. Die Fans harren trotz Regen und spätherbstlicher Temperaturen aus, was von der Band mit einem hammerharten Set bedankt wird. Neben Auszügen aus dem aktuellen Silberling »Bang!«, von dem unter anderem der Titelsong und der mächtige, schwer EXODUS-lastige, Old-School-Thrasher ›The Great Deception‹ präsentiert werden, führen GURD durch eine Art Best Of-Programm, das ganz den Geschmack des Publikums treffen kann. Zudem hat man auch eine faustdicke Überraschung auf Lager: Bei der Coverversion von BLACK SABBATHs ›Children Of The Grave‹ darf man Andre, den Sänger von V.O.s ehemaliger Truppe POLTERGEIST, begrüßen und nicht nur in mir werden wohl Wunschträume nach einer abermaligen Zusammenarbeit dieser Musiker erwacht sein.
Den Abschluß des ersten Tages bestreiten RAGE, die einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellen können, daß die derzeitige Besetzung in der Tat die effektivste ist. Peavy scheint in der Form seines Lebens zu sein und mit Viktor Smolski und Mike Terrana spielen zwei wahrlich begnadete Musiker in den Reihen der Band, die jeden Vergleich zum "Wettbewerb" spieltechnisch locker für sich entscheiden könnten. Zudem darf man einen Mördersound bejubeln, mit dem ältere Tracks wie ›Straight To Hell‹, oder das nach 2 Uhr morgens als endgültiger Rausschmeißer präsentierte ›Higher Than The Sky‹ ebenso dargeboten werden, wie Exempel des aktuellen Schaffens des Trios. Nach einem eindrucksvollen Drumsolo und dem anschließenden ›Wake The Nightmares‹ wird auch die "Orchester-Phase" der Truppe in Form der ›Suite Lingua Mortis‹ berücksichtigt. Wenngleich der musikalische Anspruch und das technische Können der Herrschaften diesbezüglich ohne Zweifel schwer beeindruckend sind, so ist die ›Suite‹ zu späterer Stunde wohl doch ein wenig zu anstrengend für den Großteil der Fans, weshalb man darauf den dezentesten Applaus im Laufe des Gigs bekommt. Aber RAGE wissen sofort, wie man wieder für Stimmung sorgen kann und ein derartiges Konzert beenden muß. Die drei Herren setzen mit ›War Of The Worlds‹, ›Human Metal‹ und ›Don't Fear The Winter‹ sehr eindrucksvoll einen Schlußstrich unter diesen in Summe wahrlich imposanten Auftritt. Das Publikum hat aber noch lange nicht genug und fordert lautstark nach Zugaben, die auch prompt folgen und im bereits erwähnten ›Higher Than The Sky‹ ihren Höhepunkt finden. Danach ist aber endgültig Schluß und wohl kein einziger der anwesenden Fans sollte sein Kommen bereut haben.

''Metal Dayz''-Spielregeln

Da die "Spielregeln" des Festivals vorsehen, daß es zwar gestattet ist in der Halle zu übernachten, um 4 Uhr jedoch endgültig Stille herrschen muß, dürften sich auch die "After Show-Parties" des Publikums entweder in den Zelten abgespielt haben, oder ganz vom Programm gestrichen worden sein. Jedenfalls ist am Gelände und auf dem Parkplatz schon kurz nach dem Ende des Konzerts absolute Stille eingekehrt. Einzig der Regen will sich nicht zur Ruhe begeben und bleibt nahezu das gesamte Wochenende ein treuer Begleiter der "Metal Dayz".
Die "Matinee" am Samstag, zu der laut Programm ARKHAN, FELSKINN, ATRITAS und DISPARAGED geladen haben, geht an uns vorbei, aber als die italienischen Blödel-Metaller von NANOWAR das Publikum zur Mittagstunde unterhalten, sind wir wieder topfit und frisch gestärkt zugegen. Weshalb man dieser Truppe nicht eine spätere Stunde zur Darbietung ihrer Persiflage auf diverse Metal-Bands und Songs angeboten hat, verstehe ich zwar nicht, aber offenbar kann der Großteil des Publikums dem "Schmäh" der Italiener auch zu dieser Tageszeit weit mehr abgewinnen als meine Wenigkeit. Ob mir da einfach nur die nötigen Promille abhanden gekommen sind?

PURE INC.-Liveshot

Wesentlich gehaltvoller und musikalisch essentieller gestaltet sich der Auftritt von PURE INC. Auch wenn die Musik dem eher metallisch orientierten Publikum weniger mundet, so beweisen die Herrschaften rund um Sänger Gianni Pontillo, daß ihre Grooves nicht nur auf Silberling zwingend sind, sondern auch von der Bühne aus absolut nicht ihre Wirkung verfehlen. Leider tun sich die vier Schweizer aber keinen Gefallen damit ihren wohl besten Song ›My Saviour‹ gleich als Opener zu präsentieren, denn an die Publikumsreaktionen darauf kann man in Folge nicht mehr ganz anschließen. Gegen Ende des Sets sind sogar eindeutige Abwanderungstendenzen des Publikums zu bemerken, doch daß liegt mit Sicherheit weniger an PURE INC. selbst als an der Tatsache, daß nun im Club VANDEN PLAS folgen sollten, die, zumindest nach der Anzahl der T-Shirts der anwesenden Fans zu schließen, ebenfalls eine Hochburg in Pratteln haben dürften. Da sich Drummer Andreas Lill aber kurz zuvor am Handgelenk verletzt hatte, mußte der Gig kurzfristig gecancelt werden. Die Musiker der Band sind sich aber nicht zu schade, ihre geplante Autogrammstunde dennoch zu absolvieren und erhalten allein dafür tosenden Applaus. Hiermit die besten Wünsche an Andreas! Auf daß sich die Hand ehest möglich wieder zum Schlagzeugspielen eigne!
Da die Mädels von CRUCIFIED BARBARA ohnehin noch auf dem Festivalgelände verweilen, erhalten sie die Chance, nochmals zu spielen. Dadurch kommen all jene, die den vortägigen Gig nicht miterleben konnten, ebenfalls in den Genuß der Klänge des Quartetts. Meinen persönlicher Eindruck, den ich vom Debutalbum »In Distortion We Trust« gewinnen konnte, nämlich, daß es sich hier um die einzig legitimen Nachfolger von GIRLSCHOOL handeln würde, bestätigen die jungen Damen eindrucksvoll. Auch bei CRUCIFIED BARBARA regiert der geradlinige harte Rock'n'Roll in bestechender Manier. Die Songs treten mächtig Popo und nicht zuletzt die am Schluß präsentierte Coverversion von MOTÖRHEADs ›Killed By Death‹ läßt keinen Zweifel aufkommen, daß Lemmy wohl stolz auf diese Mädels wäre. Dieser Mann scheint auf diese Truppe wohl denselben Eindruck hinterlassen zu haben wie weiland auf Kim McAuliffe und ihre Schulkolleginnen, und wer weiß schon, was da in Zukunft zu erwarten sein wird.

MYSTIC PROPHECY-Liveshot

Nach der üblichen kurzen Wanderung nach draußen zeigt sich am Samstagnachmittag doch tatsächlich ein wenig Sonnenschein. Offenbar gibt es einen Metalgott und dieser scheint noch dazu Grieche zu sein, denn pünktlich zum Sirtaki-Intro der folgenden MYSTIC PROPHECY ist nämlich plötzlich die Sonne allgegenwärtig. Nur kurze Zeit später wird sie aber leider ebenso schnell wieder von der dichten Wolkendecke verschluckt. Der Truppe rund um Sympathikus R.D. Liapakis scheint die Sonne zusätzlich Auftrieb gegeben zu haben, so strahlen die Herrschaften mit dem Himmelskörper geradezu um die Wette und verwöhnen die Fans mit ihren kraftvollen, aber dennoch immerzu melodischen Metal-Kompositionen. Lia ist darauf bedacht, Stimmung zu verbreiten, was dem Strahlemann auch problemlos gelingt. Allerdings übertreibt er es mit seinem "Animationsprogramm" fast schon ein bißchen. Songs wie ›Shadow Beyond My Soul‹, ›Savage Souls‹, ›In The Darkness‹ und ›Burning Bridges‹ wissen immer und überall zu überzeugen, diese Nummern haben es überhaupt nicht nötig, in animierter Form dargeboten zu werden. Mit ›Fighting The World‹ offerieren MYSTIC PROPHECY auch noch eine gelungene Coverversion mit üppigem Sing-Along-Part, ehe ›In Hell‹ einen bejubelten Auftritt beschließt.
Da nun erst einmal eine kurze Verschnaufpause angesagt ist, spielen GOD DETHRONED ohne uns. Den Niederländern wird's wohl egal gewesen sein, denn sie schaffen es auch so mühelos, die Halle zu füllen und ihre Songs von den Fanatikern der härteren Gangart abfeiern zu lassen.

AFTER ALL-Liveshot

Pünktlich wie eine Truppe Maurer entern danach die Belgier AFTER ALL die Open Air-Bühne, um für eines der absoluten Glanzlichter der diesjährigen "Metal Dayz" zu sorgen. Das Quintett versprüht gar einen Hauch Bay Area in der Schweiz, denn ihren Songs kann man den Einfluß von Legenden jener Region wie TESTAMENT, FORBIDDEN oder HEATHEN absolut nicht absprechen. Die Jungs zeigen sich dabei aber nicht nur souverän, sondern auch technisch sehr versiert, verstehen es, ihre an sich recht brachialen Nummern mit reichlich Melodien zu versetzen und wissen auch, den Platz auf der Bühne ausreichend zu nutzen. Lediglich Sänger Piet Focroul scheint dennoch zu wenig Auslauf erhalten zu haben und erklimmt mutig die Bühnenkonstruktion. Überhaupt wissen AFTER ALL auch optisch zu überzeugen und erhalten von mir die Auszeichnung für den besten Geschmack in Sachen Styling. Ausschlaggebend dafür sind T-Shirts von ARMORED SAINT, AGENT STEEL und ACID, die von den Musikern aus tiefster Überzeugung getragen werden. Musikalisch liegt das Hauptaugenmerk logischerweise auf ihrem aktuellen Silberling »This Violent Decline«, wobei man vor allem mit ›Blackest Moon‹ einen wahren Thrash Metal-Hammer und eine Live-Granate der Sonderklasse komponiert hat.
Zu WINTERSUN kann ich nicht unbedingt viel berichten, außer daß die Halle rappelvoll, der Sound im hinteren Bereich der Halle aber leider nur sehr dürftig ist. Die Finnen geben ihr Bestes, werden von ihren zahlreich vorhandenen Fans abgefeiert und lassen die "Sonne" im wahrsten Sinne des Bandnamens über Pratteln strahlen, wenn auch im Freien keine Spur von Sonnenschein zu sehen ist.

BRAINSTORM [D, Stuttgart]-Liveshot

Danach sind BRAINSTORM an der Reihe, die ihre Bühnenerfahrung auszunutzen wissen und von Beginn an einen sehr professionellen Set abliefern. Mit ›Words Are Coming Through‹ gelingt der Einsteig souverän, das folgende ›Blind Suffering‹ wird - zumindest für mich - wohl auf ewige Zeiten mit zu den absoluten Highlights der Bandhistorie zu zählen sein und wohl auch auf ewige Zeiten in den Setlists seinen Platz haben. Zwar liegt der Schwerpunkt auf Songs des aktuellen Albums »Liquid Monster«, aber man vergißt auch nicht, danach mit ›Hollow Hideaway‹ und ›Shadowland‹ die eigene Vergangenheit abermals songtechnisch zur Schau zu stellen. Abgesehen davon haben BRAINSTORM aber auch noch das nicht minder hochwertige 2003er Album »Soul Temptation« im Gepäck, das in Form von ›The Leading‹, ›Shiva's Tears‹ und Highs Without Lows‹ ebenfalls präsentiert wird und von den Fans gebührend gefeiert wird. Sänger Andy B. Franck ist und bliebt ein Entertainer und Spaßvogel und versteht es auch an diesem Abend, die Meute bei Laune zu halten, wenn auch diesbezüglich zugegeben werden muß, daß langsam aber sicher weniger mehr wäre. Die Deutschen verabschieden sich mit ›All Those Words‹ und tosendem Beifall in Richtung Backstage-Area und hinterlassen das Publikum mit ausschließlich zufriedenen Gesichtern.
Nach dieser weiteren kraftvollen Metal-Packung wird es Zeit, ein wenig differenzierteren Klängen zu lauschen. Diese werden von den Niederländern EPICA auch in überzeugender Art und Weise geboten. Frontdame Simone Simons kommt live wesentlich heftiger und vor allem natürlicher rüber als auf Tonträger. Ob es nur daran liegt, daß die Dame in einer verdammt guten Form an diesem Abend ist, oder ob es auch auf Gitarrist Mark Jansen zurückzuführen ist, der mit wahrlich mächtigen Background-Vocals die Songs zu veredeln weiß, ist im Nachhinein unerheblich. Tatsache ist, daß die bombastischen Eigenkompositionen ebenso perfekt und in soundtechnisch brillanter Form dargeboten werden. Auch das für Simone als Verschnaufpause gedachte und von Mark grandios intonierte DEATH-Cover ›Crystal Mountain‹ kann voll und ganz überzeugen. Abgefahrene Passagen wie in eben jenem Track scheinen die Musiker generell zu lieben, denn auch ihre eigenen Kompositionen haben im Gegensatz zu früher weniger Bombast, dafür aber jede Menge technische Finessen zu bieten. Man darf gespannt sein, ob EPICA diese Form auch für das nächste Studioalbum konservieren können.

Jon Oliva's PAIN-Liveshot

Um den Tagesabschluß in Form von Jon Oliva's PAIN gebührend zelebrieren zu können, lassen wir DARK FUNERAL und deren Anhänger alleine und wie auch immer diese Herrschaften ihre brutalen Nummer unters Volk gestreut haben, an diesem Samstag sollte der nun folgende Headliner alles vorher Gesehene in den Schatten stellen. Jon Oliva zeigt sich von Beginn an in Bestform und auch seine Begleitmusiker, allen voran Matt LaPorte an der Gitarre, lassen sich von der Klasse ihres Herrn und Meisters geradezu anstecken. Der Einsteig gelingt, wie auch schon beim "Bang Your Head!!!"-Festival, mit ›Warriors‹ und ›Sirens‹ ganz vorzüglich und das danach intonierte ›Gutter Ballet‹ läßt nicht nur die Besucher, sondern wohl auch die Schweizer Bergwelt erzittern. Keine Frage, auch die Alpen mitsamt ihren Bewohnern wissen, wer der wahre "Bergkönig" ist und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die Stimmung über die gesamte Spielzeit von mehr als 90 Minuten nicht abflauen will. Ein Medley aus ›Edge Of Thorns‹ (zum ersten Mal von Jon Oliva's PAIN live intoniert), dem neuen Song ›Time To Die‹ und einem Auszug von ›Tonight He Grins Again‹ wird ebenso frenetisch abgefeiert wie ›The Dark‹, ›People Say ... Gimme Some Hell‹ oder das, wie üblich, seinem verstorbenen Bruder Criss gewidmete ›Hounds‹. Mit unterhaltsamen Ansagen hält Jon die Stimmung am Kochen und erst nach ›Agony & Ecstasy‹ und ›Jesus Saves‹ sollte es in Form von ›Believe‹ eine kleine Verschnaufpause für das Publikum geben. Nicht aber für den Hauptdarsteller auf der Bühne, der besagten Song mit unglaublicher Hingabe zelebriert, worauf ich mich immer wieder fragen muß, wie man das wohl noch toppen könne. Jon hat die Antwort parat und zeigt den ohnehin schon mächtig eingeschüchterten Gipfeln rund um das Gelände, wer hier der "Mountain King" ist. Das Publikum hat nach diesem offiziellen Ende aber offenbar genauso wenig Lust aufzuhören, wie auch die Band, die sich nicht lange bitten lassen muß und mit ›If I Go Away‹ einen weiteren Song intoniert, der in ›Strange Reality‹ übergeht und die Fans noch einmal zu Jubelschreien veranlaßt, ehe danach tatsächlich Schicht im Schacht ist. Rundum glücklich verkrümeln sich Fans und Musiker gegen 2:15 Uhr des Morgens in Richtung Schlafgemächer.

MOB RULES [D]-Liveshot

Während im Schlaf in meinen Ohren der "Mountain King" allgegenwärtig ist, muß ich leider sehr schnell nach dem Aufwachen feststellen, daß lediglich ein einziges Geräusch im "wirklichen Leben" zu vernehmen ist. Der unaufhörlich prasselnde Regen ist es, der den Sonntag zumindest bis zur Mittagsstunde beherrscht. Wahrlich keine guten Vorraussetzungen für den Abschlußtag eines Festivals, aber der Metallgott hat gegen 13:00 Uhr nun offensichtlich genug vom Regen und so ist es den deutschen Melodic Metallern MOB RULES vergönnt, am frühen Nachmittag bei langsam besser werdenden Witterungsverhältnissen für Stimmung zu sorgen. Dieses Unterfangen stellt kein Problem für die mittlerweile sehr routiniert agierende Truppe aus dem hohen Norden Deutschlands dar. Offensichtlich bestens darauf eingestellt, wie das Wetter werden sollte, bekommen wir unter anderem ›Black Rain‹ und ›(In The Land Of) Wind And Rain‹ geboten. Die Herrschaften haben ein sehr abwechslungsreiches Programm zu bieten, können wohl so manch neuen Fan gewinnen und beenden vor einer stetig anwachsenden Kulisse ihren Gig mit freudigem Grinsen, ehe man für die Zugabe in Form von ›Rain Song‹ - kein anderer Songtitel kann die Witterungsverhältnisse des "Metal Dayz 2006" besser repräsentieren als jener - nochmals auf die Bühne gebeten wird. Spätestens zu jenem Zeitpunkt ist klar, daß MOB RULES wohl auch bei den übelsten Bedingungen mit ihren sehr eingängigen und ganz und gar unkitschigen Songs bestehen können.
Der hohe Norden Deutschlands bestimmt auch weiterhin das Bild im Z7, denn nun ist es an den Bremer Stadtmusikanten von UNREST die Halle zu rocken. Und genau das tun Sönke Lau und seine Mannen auch. Mit ihrer irgendwo in der Schnittmenge aus ACCEPT, JUDAS PRIEST und GRAVE DIGGER befindlichen harten Metal-Melange schaffen sie es spielend, die Fans zu begeistern. Lediglich der nicht aufhörende Nebel in der Halle, der sich mit dem Dunst von draußen zu einem sehr undurchsichtigen Etwas vermengt, ist recht unangenehm. Kontaktlinsenträger haben bei diesem Gig wohl nur sehr wenig zu sehen bekommen, zumindest für die Ohren aber wird in Form von ›Never Surrender‹, ›Down On My Knees‹ oder dem vom demnächst erscheinenden neuen Album »Back To The Roots« präsentierten ›Far Away‹ einiges geboten. Ein kräftiges Lebenszeichen einer, zumindest von mir, mittlerweile totgeglaubten Formation!
Im Freien macht sich inzwischen eine Schar positiv verrückter Unhaltungsmusiker bereit, mit ihren teilweise recht derben musikalischen Ergüssen die Schweiz zu erfreuen: Keine Frage, DIE APOKALYPTISCHEN REITER zählen mit zu den Bands der Stunde und es würde mich nicht wundern, wenn Songs wie ›Friede sei mit dir‹ oder der Titelsong des neuen Albums »Riders On The Storm« in Bälde nicht nur zu absoluten Abräumern bei Konzerten der "Reiter" werden, sondern auch zu oft gespielten Hits in den Tanztempeln der jungen Metal-Generation gehören.

LAKE OF TEARS [S]-Liveshot

Nun ist es aber an der Zeit, mit atmosphärischen Klängen einen gelungenen Kontrapunkt zu setzen. Genau das gelingt dem schwedischen Quartett LAKE OF TEARS anschließend in der Halle auch blendend. Als Opener fungiert ›Return Of The Ravens‹ vom 2002er Album »The Neonai«. Danach werden aber zum Großteil Songs vom noch immer aktuellen 2004er Werk »Black Brick Road« geboten. Die neueren Songs der Truppe, die allesamt näher an THE MISSION oder THE SISTERS OF MERCY sind als an traditionellem Metal oder auch an den Songs der Vergangenheit der Truppe, können optisch mit jeder Menge an Nebelschwaden und Lichtspielen einwandfrei umgesetzt werden, so daß die Atmosphäre perfekt rübergebracht wird. Mit ›Ravenland‹ werden die im Opener bereits zurückgekehrten schwarzen Vögeln nochmals gehuldigt und auch »The Crimson Cosmos« wird in Form des Titelsongs nicht vergessen. Die Atmosphäre will aber nicht so recht auf die zu Beginn des Sets noch recht zahlreich vorhandenen Zuseher übergreifen. Woran das auch immer liegt, kann man im Nachhinein wirklich nicht sagen, für uns zumindest ist es unbegreiflich, weshalb gegen Ende der Vorstellung nur noch wenige Fans den Klängen von LAKE OF TEARS lauschen wollen. Zumindest aber im familieninternen Festival-Ranking belegen die Schweden einen der vordersten Plätze.

SHAKRA [CH]-Liveshot

Mit ein Grund für die "Abwanderungstendenzen" zahlreicher Besucher wird wohl das im Anschluß stattfindende letzte "Heimspiel" des Festivals gewesen sein. Bereits längere Zeit vor Beginn der Show von SHAKRA ist kaum an ein Durchkommen in die "Frontrow" zu denken, da wohl viele Einheimische lieber ihre eidgenössischen Kollegen aus vorderster Front beobachten wollen und sich rechtzeitig um eine gute Position kümmern, als weiterhin den elegischen Klängen von LAKE OF TEARS zu lauschen. SHAKRA scheinen schön langsam aber sicher in die Fußstapfen von GOTTHARD treten zu können, denn von den ersten Tönen an werden die eingängigen und melodiösen Hard Rock-Songs der Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Vor allem ›Chains Of Temptation‹ und ›Take Me Now‹, die zu den Highlights des aktuellen Silberlings »Fall« zählen, entpuppen sich auch als Live-Granaten erster Sahne. Die Band selbst kann mit ihren schwyzerdeutschen Ansagen beim Publikum zusätzlich Sympathiepunkte sammeln, wenn gleich der "Metal-Tourist" kaum ein Wort von dem versteht, was Sänger Mark Fox da mit der Meute kommuniziert. Ein echtes und vor allem sehr erfolgreiches Heimspiel also, das die Truppe da in Pratteln abliefert.

NEVERMORE [US, WA]-Liveshot

Den Abschluß im Club am frühen Sonntagabend dürfen dann NEVERMORE bestreiten, die es problemlos schaffen, das Z7 noch einmal so richtig auf Touren zu bringen. Einige partyfreudige Fans grölen sich mit dem BEATLES-Klassiker ›Yellow Submarine‹ so richtig in Stimmung, was Warrel Dane als Anlaß sieht, seine derzeitige Abstinenz zur Schau zu stellen und er es sich nicht nehmen läßt, darauf hinzuweisen, daß "Water so fucking Metal" sein kann. Warrel scheinen die "Wasser-Parties" generell gut zu tun, denn der Kerl ist im Moment in bestechender Form. Auch sein baßspielender und ebenso abstinenter Kompagnon Jim Sheppard ist in prächtiger Spielfreude und vom Gitarrenduo Jeff Loomis und Chris Broderick (als Ersatz für den erkrankten Steve Symth mit von der Partie) bekommt man ebenfalls nur feinstes Riffing geboten. Durch Songs wie ›I, Voyager‹, ›Enemies Of Reality‹, ›Engines Of Hate‹ und den vom aktuellen Silberteller stammenden ›Born‹ sowie dem Titelsong ›This Godless Endeavor‹ vergeht die Spielzeit wie im Fluge. Die Herrschaften spielen einen sehr brachialen und intensiven Set und ernten "Hörnchen" ohne Ende. Schade nur, daß NEVERMORE ihre eigene Vergangenheit, sprich ihre ersten Alben, nicht mehr für die Setlist berücksichtigen und auf das eine oder andere SANCTUARY-Schmankerl sollte ich ebenfalls vergeblich warten. Aber jedem können es auch diese Herren aus Seattle nicht recht machen. Abgesehen davon stellen NEVERMORE aber einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, daß sie im Moment mit zum besten gehören, was die Szene zu bieten hat und hinterlassen ein völlig fertiges Publikum.
Als Headliner am Sonntag sind IN EXTREMO gebucht worden und schon der Bühnenaufbau in Form eines Schiffes macht deutlich, daß hier die Show mindestens genau so wichtig ist wie die Musik an sich. Immer wieder folgen pyrotechnische Effekte, die zur Untermalung der Songs dienen und diese auch perfekt umsetzen können. Ein Großteil des Publikums feiert die Berliner nach allen Regeln der Kunst ab, was die Band auch zu honorieren weiß. IN EXTREMO beweisen einmal mehr, daß sie vor jedem Publikum bestehen können und so verläßt der Spielmannszug nach einer imposanten und vor allem sehr unterhaltsamen Vorstellung knapp vor der vereinbarten Sperrstunde um 23:00 Uhr die Bühne, um sich ebenso wie ein Großteil der Fans vom diesjährigen "Metal Dayz"-Festival zu verabschieden.
Als Fazit kann man im Nachhinein feststellen, daß sich der Besuch dieses Festivals auf jeden Fall gelohnt hat. Nicht nur hinsichtlich der aufspielenden Bands wurde viel geboten, auch was Verpflegung und Preise betrifft, kann das "Metal Dayz", trotz der Tatsache, daß ansonsten in der Schweiz wohl für den Lebensunterhalt wohl um Einiges mehr zu berappen ist, als in den angrenzenden Ländern, mit der scheinbar übermächtigen Konkurrenz locker mithalten. Das besondere am "Metal Dayz" ist aber die einzigartig relaxte Atmosphäre, die uns wahrlich beeindrucken konnte. Von "Streß", in welcher Art auch immer, war bei diesem Festival nichts zu bemerken!


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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