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OVERDRIVE [GB]-Logo

Beim Bericht vom diesjährigen "Headbangers Open Air" hatten wir schon auf die Ausnahmestellung, die die Briten OVERDRIVE einnahmen, hingewiesen. Grund genug, sich ein wenig intensiver mit der nur wenig geläufigen Geschichte der Truppe aus Grantham in der Grafschaft Lincolnshire zu beschäftigen.

OVERDRIVE gehen aus der Band UNIVERSAL PEACE EXPRESS hervor, die von 1973 bis '77 existierten und deren ehemaligen Mitglieder Ian Hamilton (b, v) und Tracey Abbott (g) als Gründer von OVERDRIVE fungieren. Die kurze Geschichte der Band ist durch zahllose Besetzungswechsel geprägt - so spielt zwischenzeitlich auch mal John Murray bei der Band, der später bei den ENGLISH DOGS auftauchen soll - so daß es sich fast schon zwangsläufig ergibt, daß 1980 lediglich eine Single-EP namens »On The Run« erscheint und sich die Band 1982 aufgelöst, so daß OVERDRIVE quasi einer jener verwunschenen NWoBHM-Prinzen sind, die es fast nicht geschafft haben, auf sich aufmerksam zu machen, so daß heute selbst Insider die Band kaum kennen.

Nach dem Split von OVERDRIVE gründet Tracey zusammen mit Phil Noon, dem Bruder von Frank Noon, der auf DEF LEPPARDs erster EP von 1979 getrommelt hatte, eine Band namens PENDRAGON, die man nicht mit den gleichnamigen BritProgRockern verwechseln sollte, die aus Stroud in Gloucestershire stammen und eigentlich noch als ZEUS PENDRAGON gestartet waren, doch zu diesem Zeitpunkt die Namensverkürzung bereits hinter sich gebracht hatten. Außerdem schließt sich der letzte OVERDRIVE-Drummer, Richard Parish, den DESOLATION ANGELS an.

Etwas früher, nämlich schon 1981, schert Drummer Ian "Scratch Animal" Padgett aus und schließt sich der Truppe MARZ an, zu der Fronter Steve Farmer ein Jahr später ebenfalls stößt. Doch auch MARZ bringen es nur zu einer Single, nämlich »Lady Of The Night«, die 1980 erscheint, so daß die beiden OVERDRIVE-Mucker auf selbiger folglich nicht zu hören sind.

Die zuvor erwähnten PENDRAGON stellen zudem eine Übergangsphase zu einer OVERDRIVE-Reunion dar: 1984 kehrt Steve Farmer zurück, und die Band nennt sich in VESUVIUS um, die sich allerdings drei Jahre später auflösen. Tracey schließt sich daraufhin kurz den ENGLISH DOGS an, um anschließend mit Andy Pinching, der heute bei THE DAMNED trommelt, die Combo METAL STORM ins Leben zu rufen.

Doch nach wenigen Monaten ist auch dies wieder beendet, so daß 1988 die OVERDRIVE-Reunion ansteht, bei der in Gestalt von Tracey Abbott, Steve Farmer und Scratch Padgett drei alte Mitglieder involviert sind. Nach kurzer Zeit bleibt allerdings nur noch Tracey übrig, der die Band bis 1994 zusammenhält. Doch immerhin kehrt 1989 Gründungsmitglied Ian Hamilton zurück. In dieser Zeit erscheinen noch zwei Platten, »Dishonest Words« (1990) und »A Day In The Life« (1994), doch dann sind OVERDRIVE erneut am Ende. Tracey gründet zusammen mit Richard Parish, der sich 1990 wieder bei OVERDRIVE einfindet, MAD AS HELL, die jedoch auch schon bald zu den Akten gelegt werden.

OVERDRIVE [GB]-Bandphoto

Erst zehn Jahre später beginnt das OVERDRIVE-Feuer wieder zu glimmen: 2004 spielen Tracey Abbott, Steve Farmer, der heuer auch den Baß bedient, und Scratch Padgett mit dem Neuling Tim Hall (k) eine Show, zu der sie von ihren Kumpels WITCHFYNDE eingeladen werden. Dies und die Erkenntnis, daß die alte OVERDRIVE-EP gnadenlose Preise auf eBay erzielt, macht den Mannen klar, daß immer noch ein gewisses Interesse an OVERDRIVE besteht. So macht man Nägel mit Köpfen, verkündet einen erneuten Neubeginn und bringt 2005 ein neues Album namens »On Wizards Ridge« heraus.

Da die Band mittlerweile ihre alten Aufnahmen komplett digitalisiert hat und via ihrer Website als CD-R anbietet und die Jungs beim HOA zudem so freundlich waren, uns zwei ihrer CDs zuzustecken, wollen wir hiermit auch noch ein wenig über die Mucke von OVERDRIVE referieren.

Den Anfang macht die '90er Scheibe »Dishonest Words«, die allerdings aufgrund der schwachen Produktion und den katastrophalen Vocals des damaligen Sängers Ian Hamilton nur für Komplettisten interessant ist, was eigentlich schade ist, da OVERDRIVE in Sachen Gitarrenarbeit auf »Dishonest Words« beispielsweise sehr amtlich loslegten. Zum Glück ist es um das aktuelle Werk »On Wizard Ridge« ganz anders bestellt, wo man immer noch sehr traditionsverbundenen Sound macht, ohne dabei völlig überholt zu klingen, und die Songs mit guten Melodien bis hin zu ausgewachsenem Ohrwurmtum bestückt - und bei denen es sich um Neueinspielungen von OVERDRIVE-Songs aus den Siebzigern und Achtzigern handelt.

So viel also zu der außergewöhnlichen Geschichte dieser NWoBHM-Band, die heuer wieder die Szene belebt.

http://www.overdriverockband.co.uk/

trace@overdriverockband.co.uk


Stefan Glas


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