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International Metal Meeting & Metal Expo

Helsinki, 16.-18.02.2006

Schon vor ein paar Jahren wirkte Finnland auf mich wie ein Paralleluniversum, in dem Metal zur alltäglichen Mainstreamkultur gehört. Und ein Wochenende lang, anläßlich der zweiten Metal-Expo, war Helsinki tatsächlich der Nabel der Metal-Welt.

Am Vorabend versammelten sich zirka 50 Journalisten, Promoter und Szene-Insider aus ganz Europa und Übersee beim "International Metal Meeting" in den "Sonic Pump Studios". Themen am Podium drehten sich um die förmlich explodierende Metal-Szene in der baltischen Region oder Steuerfragen. In den Pausen konnte man etwas inoffizieller Informationen austauschen.

Freitag, 17.02.2006

Trotz klirrender Kälte (zirka minus 10 Grad) strömten die Massen, die Schlange vor dem "Kaapelitehdas"-Eingang schien endlos. Mit vielen anderen verpaßte ich daher AJATTARA, die die Metal Expo 2006 eröffneten. Endlich drinnen war alles größer, schöner und besser organisiert als im Debütjahr, da die Veranstalter schon auf enormen Andrang vorbereitet waren und Ausstellerbereich bzw. Infrastruktur (Futter-, Getränke und, ähem, andere Örtchen) verdoppelt hatten. Nahezu verdoppelt hatte sich auch das Aufgebot an Live-Acts und das "Hevikaraoke"-Programm in den Pausen: Metal-Klassiker nicht nur zum Mitgrölen, sondern auch zum Mitschrammen an Gitarre und/oder Baß.

Die Combo VERJNUARMU aus Savo fiel vor allem mit ihrem Horror-B-Movie-Outfit auf, wobei Sänger Puijon Perkele nur optisch wie King Diamond rüberkam.

VERJNUARMU-Liveshot

Die Formation PAIN CONFESSOR mit IN FLAMES zu vergleichen ist vielleicht nicht ganz fair, denn dafür klangen die Jungs viel zu heavy. SWALLOW THE SUN genossen am Freitag Nahezu-Headliner-Status und wurden zu recht kräftig abgefeiert. Wunderschön melancholische Melodien und geballte Power im Zeitlupentempo; die Band aus Jyväskylä agierte souverän und kompakt. Nur Frontmann Mikko Kotamäki wirkte noch schüchterner als sonst und konzentrierte sich eher auf seine rauhen Gesangsparts.

SWALLOW THE SUN-Liveshot

Anschließend wurden die finnischen Metal-Awards verliehen, wo SENTENCED gleich in drei Kategorien abräumten: beste Band und bestes Album mit dem bestem Cover. Gekürt wurden außerdem das "Tuska"-Open Air (bestes Festival) und CHILDREN OF BODOM-Klampfer Alexi Laiho als bester Musiker.

On stage konnten dann auch die Schweden EVERGREY mit wunderschönen Melodien aufwarten; der Act war mir schon beim letzten "Tuska"-Festival höchst positiv aufgefallen. Klasseband und wohl der eigentliche Headliner des Abends, da sich schon die Reihen zu lichten begannen.

EVERGREY-Liveshot

Mister Kotipelto war kurzfristig für TERÄSBETONI (übersetzt: Stahlbeton!) eingesprungen, und ehrlich gesagt war ich nicht wirklich beleidigt, den aktuellen Karaoke- und Eishockey-Hit ›Taivas lyö tulta‹ nun doch nicht im Original hören zu müssen...

Samstag, 18.02.2006

Ich war ehrlich überrascht, wie viele schon um 14.30 Uhr wieder auf den Beinen waren, um WALTARI abzufeiern. Die schrägen finnischen Metal-Veteranen zogen sie alle Register ihres Könnens und ihrer musikalischen Bandbreite.

WALTARI-Liveshot

Bei WINTERBORN kamen die Power Metal-Fans auf ihre Rechnung, ein Song wie ›Wildheart‹ bot den richtigen Sound zum Bierschlürfen und Mitstampfen. BLOODPIT aus Tampere machten geradlinigen rauhen Glamrock, und ihr radiotaugliches Material ging schnell ins Ohr.

BLOODPIT-Liveshot

Bei NAILDOWN war der Saal schon fast so voll wie am Vortag. Falls CHILDREN OF BODOM mal in Pension gehen, ist mit dieser Band schon deren Nachfolge gesichert. SINKING (bei denen es sich übrigens gewissermaßen um die Nachfolgeband von JANE DOE 69 handelt, da sich hier drei ehemalige JD69-Mucker tummeln - sg) boten aggressives fettes Riffgewitter kombiniert mit melodiösen Chören à la PANTERA, ANJ aus Rußland hingegen bewegten sich eher im klassischen bis leicht altbackenen Metal-Bereich. Bei 45 DEGREE WOMEN war Party-Glam-Stimmung angesagt - falls man da noch Platz zum Atmen gefunden hatte. Die Massen drängelten sich bis an die Schmerzgrenze, als AMORPHIS die Bühne enterten. Schließlich waren alle auf die Feuertaufe des neuen Sängers Tomi Joutsen neugierig. Die Witzeleien im Publikum über eventuelle Auswirkungen der Vogelgrippe ("Joutsen" heißt "Schwan") verstummten spätestens nach einer Handvoll Songs: Der "Neue" hat Charisma und liefert stimmlich dieselbe Bandbreite wie Vorgänger Pasi Koskinen, wirkte verständlicherweise aber (noch) nicht so cool wie er... Toller Gig, ein vielversprechender Neustart für die Finnen!

Wer bei ENSIFERUM noch absolut nüchtern war, konnte trotzdem begeistert mitschunkeln - die Pagan-Metaller liefern live mindestens so viel Spaßfaktor wie die Kollegen von FINNTROLL.

Obwohl es auch für mich schon ein langer Tag war, wollte ich mir U.D.O. doch nicht entgehen lassen. Um es vorwegzunehmen, die deutschen Metal-Dinosaurier boten einen verdammt geilen Gig! Die Reihen hatten sich schon etwas gelichtet, trotzdem wurde jedes einzelne U.D.O.-Highlight (z.B. ›Holy‹, ›Man And Machine‹, ›Thunderball‹) hingebungsvoll mitgesungen. Der ACCEPT-Klassiker ›Balls To The Wall‹ holte als krönender Abschluß noch um 2 Uhr morgens die letzten Reserven raus.

U.D.O.-Liveshot

Klasse, klasse, klasse, ich freu' mich schon auf nächstes Jahr!


Klaudia Weber

Photos: Klaudia Weber


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