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Titel: Once Upon... A Zine
Dekolinie

LIFE OF DREAMS

Lange dauerte das LIFE OF DREAMS nicht, jedoch hatte sich das Zine schon binnen k├╝rzester Zeit den Ruf als eines der besten Zines jener Tage erarbeitet. Das lag daran, da├č LIFE OF DREAMS sich problemlos von allen anderen Druckwerken abhob.

Es beginnt Ende der Achtziger und findet bereits 1991 sein Ende; w├Ąhrend dieser Zeit erscheinen vier Ausgaben, die eine erstaunliche Evolution durchlaufen. Dies liegt zum einen darin begr├╝ndet, da├č neue Mitarbeiter das Spektrum des Hefts erweitern, aber auch weil man im Hause LIFE OF DREAMS stets sehr open-minded ist.

LIFE OF DREAMS 1-Cover Als Herausgeber Karl Heidegger zusammen mit Markus Bekemeier das erste LIFE OF DREAMS in klassischer Duobesetzung fertigstellt, entsteht dabei ein f├╝r die damlige Zeit relativ konventionelles Fanzine: Um Pflichtthemen wie WATCHTOWER, SIEGES EVEN oder LETHAL kommen auch die Tr├Ąumer nicht herum. Doch schon damals macht sich eine Offenheit in alle Richtungen bemerkbar: Die Ausgabe wird mit einem Artikel ├╝ber VICTORY er├Âffnet, stellt die Partyband UNCLE SCAM vor, ignoriert auch gepflegten Krach nicht (BLOOD, IMPETIGO) und hat einen deutlichen Hardcore-Einschlag (DISHARMONIC ORCHESTRA, SCARECROW). Zus├Ątzlich gibt es etliche Vorstellungen von Underground-Bands und mit seinen Tips liegt das LIFE OF DREAMS nahezu immer goldrichtig. Nat├╝rlich enth├Ąlt das Mag viele Reviews: Livereviews, Plattenbesprechungen und Demokritiken werden wild durcheinander gew├╝rfelt. Doch man kn├Âpft sich nicht nur Bands vor, sondern interviewt auch ESCAPE-Herausgeber Thomas Becker und legt Wert auf "au├čermusikalische Artikel", wie man sie selbst bezeichnet: "Don't Let Nazi Dreams Come True" besch├Ąftigt sich mit dem Aufflackern des rechten Spektrums in der Politik, au├čerdem portr├Ątiert man M.C. Escher und GREENPEACE. Alles pr├Ąsentiert sich auf photokopierten Seiten, die auf der heimischen Schreibmaschine zurechtgetackert wurden und in einem chaotischen Klebe-Layout zusammengef├╝gt wurden - wie damals ├╝blich.

LIFE OF DREAMS 2-Cover Doch schon die zweite Ausgabe verdeutlichte, da├č sich beim LIFE OF DREAMS gewaltige Ver├Ąnderungen vollziehen sollen: Die Hefte werden ab sofort gedruckt, und das Layout wird n├╝chterner und ├╝bersichtlicher; f├╝r ein wenig Konfusion sorgt lediglich, da├č einige Interviews am Seitenende abgeschnitten und an anderer Stelle im Heft fortgesetzt werden - dort wo sich noch ein Pl├Ątzchen f├╝r den Rest gefunden hat. Au├čerdem erfolgt eine Verschiebung des Bandspektrums: Die brachialen Themen verschwinden mehr und mehr, w├Ąhrend stattdessen die melodische Schiene mehr Gewicht erh├Ąlt, bis hin zu den damals verp├Âhnten Poserbands. F├╝r diese stilistische Ecke ist Georg Loegler zust├Ąndig, der beim LIFE OF DREAMS miteinsteigt. Er ist einer der gr├Â├čten Kenner der amerikanischen Kommerzszene und schreibt beim THUNDERBOLT, wo jedoch nicht alle seine Themen Ber├╝cksichtigung finden. F├╝r LIFE OF DREAMS 2 interviewt er die Band SALTY DOG. Ansonsten dominieren die typischen Fanzinerthemen wie DREAM THEATER, ANNIHILATOR, OBLIVION KNIGHT, WENCH oder GYPSY KYSS. Doch auch exzentrische Bands wie CYBER KULTUR werden nicht vergessen. Leider werden jedoch die "au├čermusikalischen Artikel" reduziert: In der Nummer 2 findet sich ein Artikel ├╝ber Gentechnologie bevor sie endg├╝ltig ├╝ber Bord geworfen werden.

LIFE OF DREAMS 3-Cover Mit LIFE OF DREAMS 3 bewegt man sich ein wenig vom Underground weg. Nicht nur, weil das Cover erstmals ein Bandphoto (WATCHTOWER) zeigt, sondern weil nun deutlich mehr bekanntere Bands interviewt werden: FATES WARNING, PINK CREAM 69, MEKONG DELTA, DANGEROUS TOYS, MORDRED oder RAGE. Doch unbekanntere Bands bleiben nicht au├čen vor: SHANGHAI'D GUTS, JAILBAIT, ENERGY oder die damals gerade gestarteten CROSSROADS.
Au├čerdem wagt man in der dritten Ausgabe eine layout-technische Neuerung: Um das LAST CRACK-Interview lesen zu k├Ânnen, mu├č man das Heft hochkant drehen. Lange Zeit sp├Ąter kam der METAL HAMMER mit diesem Layout-Gag und beanspruchte mit stolzgeschwellter Brust, dessen Erfinder zu sein. Mitnichten, meine Herren, mitnichten...

LIFE OF DREAMS 4-Cover Hatte die dritte Ausgabe schon vermehrt kommerzielle Acts pr├Ąsentiert fallen im vierten Heft alle Barrieren: Bands wie POISON, D.A.D., LOVE/HATE oder STRYPER stehen eintr├Ąchtig neben GAMMA RAY, VICIOUS RUMORS, FORBIDDEN oder SACRED REICH und einstigen Underground-Perlen, die mittlerweile ihren Weg ans Tageslicht beschritten hatten (PSYCHOTIC WALTZ, ARCANE, LETHAL oder SIREN). Da bleibt kaum noch Platz f├╝r echte Undergroundler (DISJECTA MEMBRA und BLOODSTAR) oder exotische Bands (die russischen MASTER). Aber man darf sich mit den ewigen Geheimtips DRIVER, DRIVE (welch' Ironie... Lag es am Namen? - Red.) und BLACKKOUT tr├Âsten.
In dieser Zeit w├Ąchst das LIFE OF DREAMS-Team deutlich an: Bei Nummer 3 sto├čen u.a. der SYSTEM DECAY-Gitarrist G├Âtz Adler und Pano Christodulopulos, der sp├Ąter beim REVELATION mitwirken wird, hinzu und nun schlie├čt sich ebenfalls METAL WARRIORS-Herausgeber Ralph-Andr├ę Klockow an, der sich damals nach anderen T├Ątigkeitsfeldern umsah (u.a. steuerte er auch zu UNDERGROUND EMPIRE 3 einige Artikel bei). Doch dies ist n├Âtig, um die mittlerweile entfesselte Flut von Neuerscheinungen zu b├Ąndigen: LIFE OF DREAMS 4 findet seinen Abschlu├č in 15 Seiten mit Demo- und Plattenreviews, die mit einem Lupen-Layout versehen sind.

In einem Brief sprach Karl davon, da├č er mit dem Heft sehr zufrieden sei und da├č er mit den n├Ąchsten Ausgaben den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen wolle. Doch dazu kam es leider nicht, denn mit der Nummer 4 wurde das LIFE OF DREAMS von der Realit├Ąt eingeholt. Und so bleibt das gro├če Peace-Symbol auf der Heftr├╝ckseite die letzte Message aus dem LIFE OF DREAMS.

LIFE OF DREAMS war ein erfrischendes und offenherziges, eben innovatives Fanzine, ganz im Gegensatz zu den heute viel zu sehr verbreiteten "Fachidioten"-Fanzines ("Die Band tr├Ągt kein Make-up - sorry, nicht black genug f├╝r uns!" oder "Keine Schwerter und die Texte sind nicht bis ins letzte Glied true - sorry, kein Thema f├╝r uns!") LIFE OF DREAMS war f├╝r alle Stilrichtungen offen und k├╝mmerte sich schlicht um gute Musik. Ein viel zu selten nachgeahmtes Beispiel!


Stefan Glas

"Once Upon... A Zine" im ├ťberblick:
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 3-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 4-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 5-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 6-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – ONLINE EMPIRE 3-"Once Upon... A Zine"-Artikel
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