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  UE-Home → History → Online Empire 26 → Interview-Übersicht → POWERWOLF-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

POWERWOLF-Logo

Aus dem Nichts, oder besser gesagt aus Transsylvanien, erschien vor einigen Monaten ein weiterer "Wolf" in der Welt des Heavy Metal. Mit »Return In Bloodred« hat dieses Raubtier, das POWERWOLF genannt wird und mĂŒhelos einen Platz in den Annalen der Rockmusik zwischen Ă€hnlich genannten Formationen wie WOLF, WOLF'S MOON, WOLFEN und anderen, Ă€lteren Exemplaren seiner Art wie WHITE WOLF oder WOLFSBANE erhalten wird, ein feines Debutalbum abgeliefert. Selbiges ĂŒberzeugt mit unterhaltsamen Horror-Geschichten ebenso wie mit traditionellen, teilweise aber recht dĂŒster gehaltenen KlĂ€ngen, die allesamt schwer ohrwurmstichig aus den Boxen tönen.

POWERWOLF-Bandphoto 1

SĂ€nger Attila Dorn, der rumĂ€nische SĂ€nger dieser ansonsten deutschstĂ€mmigen Band, war so frei um uns mit diesem Tierchen ĂŒber das Telefon bekannt zu machen - mit seinem ganz besonders unterhaltsamen Akzent, den man aber leider nicht wiedergeben kann.

POWERWOLF-Headline

Laß' doch bitte einmal die Historie der Band revuepassieren. Es gibt zwar recht detaillierte Geschichten dazu, aber ich bin nicht sicher, ob da nicht einiges erfunden ist.

Dazu muß ich doch ein wenig ausholen. Ich stamme aus RumĂ€nien und bin ausgebildeter OpernsĂ€nger. Bei uns war es recht schwierig, an Rockmusik zu gelangen, das Regime war immer dagegen, derlei Produkte zuzulassen. Doch eines Tages waren in meiner Stammkneipe zwei deutschsprachige Typen anwesend, die sich spĂ€ter als BrĂŒder entpuppten und von einer Band schwafelten. Die Jungs, Matthew und Charles Greywolf, waren zunĂ€chst ein wenig irritiert, daß sie plötzlich an ihrem Tisch Gesellschaft bekommen hatten und vor allem, daß ich sie solange penetriert hatte, bis sie mir ihre Telefonnummer gaben. Mir hat ihre Idee von einer Band sehr imponiert und ich wollte unbedingt auch in einer singen. Mein GlĂŒck ist, daß ich recht gut Deutsch spreche, von daher ist diese Barriere zwischen diesen Jungs und mir schon einmal weggefallen. Ich hĂ€tte auch gerne ihre Gesichter gesehen, als sie wieder zu Hause waren und auf ihrem Anrufbeantworter meine Nachricht hörten, daß ich nach Deutschland kommen wĂŒrde und mit ihnen proben wollte [lacht]. Danach ging alles recht schnell. Schon bei der ersten Probe sind erste Songideen entstanden, die im Endeffekt auf »Return In Bloodred« zu finden sind.

POWERWOLF-Einzelshot: Attila Dorn

Aha. Klingt aber immer noch nicht ganz einfach nachvollziehbar. Ist denn "Greywolf" wie sich Matthew (g) und Charles (b) nennen, ein KĂŒnstlername oder hat es etwas anderes damit auf sich?

Greywolf ist der Familienname der beiden Knaben. Der Name klingt fĂŒr Deutschland vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber so viel ich weiß, stammt ihr Urgroßvater aus England. Mir persönlich hat dieser Name derart gut gefallen, daß ich nicht daran vorbei konnte den Begriff "Wolf" auch fĂŒr unseren Bandnamen zu verwenden.

Etwas eigenartig finde ich auch die Tatsache, daß Ihr bislang weder mit Demos, noch in irgendeiner anderen Form in Erscheinung getreten seid.

Wir gehören nun einmal nicht unbedingt zu dieser so genannten "Underground"-Szene. Wir haben uns so lange im Probraum eingesperrt, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, um in Erscheinung zu treten. So gesehen paßt auch der Wolf ganz gut zu uns, denn ein Wolf pirscht sich lange Zeit an sein Opfer heran, ohne bemerkt zu werden, um dann zuzuschlagen und sein Opfer zu packen. Mit »Return In Bloodred« haben wir es Ă€hnlich gemacht [lacht].

POWERWOLF-Einzelshot: Matthew Greywolf

Moment. Da muß aber zunĂ€chst einmal in irgendeiner Form jemand von METAL BLADE davon Wind bekommen haben. Schließlich ist es nicht gerade einfach, bei einem derart renommierten Label unterzukommen.

Ich hatte keine Ahnung, wie diese Herrschaften auf POWERWOLF aufmerksam wurden. Tatsache ist jedenfalls, daß sie uns einen Deal angeboten haben, ohne ein Demo von uns erhalten zu haben. Wir hĂ€tten aber ohnehin unsere Aufnahmen nicht in die halbe Welt verschickt, um einen Plattenvertrag zu erhalten.

Interessieren wĂŒrden mich auch noch die musikalischen EinflĂŒsse. BLACK SABBATH und MERCYFUL FATE lassen sich nicht von der Hand weisen und KING DIAMOND scheint auch fĂŒr das Outfit offensichtlich Eindruck hinterlassen zu haben. Aber auch Musicals scheinen in irgendeiner Form Pate gestanden haben, oder etwa nicht?

Also BLACK SABBATH habe ich zumindest schon einmal gehört, aber von MERCYFUL FATE und diesem KING DIAMOND kenne ich ehrlich nur die Namen. Zwar sind mir diese Begriffe nun schon in etlichen Interviews untergekommen, aber deren Musik kenne ich nicht und daher fĂ€llt dieser Einfluß definitiv aus. Bei Musicals verhĂ€lt sich die Sache ganz anders. Da ich, wie schon gesagt, aus der Klassik komme und auch eine dementsprechende Ausbildung habe, liegen mir derlei KlĂ€nge eigentlich nĂ€her als Rockmusik. Übrigens ist diese Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen, ich bin als noch immer dabei, meine Stimme zu veredeln. Was Musicals betrifft, hat mir in letzter Zeit vor allem "Tanz der Vampire" besonders gut gefallen. Seit ich dieses Musical in Stuttgart sehen konnte bin ich Feuer und Flamme dafĂŒr. Es kann gut sein, daß man diesen Einfluß auch unseren Songs ein wenig anhören kann.

POWERWOLF-Einzelshot: Charles Greywolf

Von Vampiren scheint Ihr generell nachhaltig beeindruckt zu sein. Schließlich handeln die Texte unter anderem davon.

Generell schreibe ich sehr gerne Kurzgeschichten. Ein Teil davon ist natĂŒrlich auch in meinen Texten verwendet worden und die Inspirationen dazu entnehme ich unterschiedlichsten Themen. Vampirismus ist aber mit Sicherheit eines jener Themen, die mich faszinieren und sehr interessieren. Dazu kommen aber auch noch Titel mit geschichtlich fundiertem Hintergrund. Als Beispiel sei hier â€șMr. Sinisterâ€č genannt, das von Vlad Dracul handelt. Er war der Vater des berĂŒchtigten Draculas. Auch â€șWe Came To Take Your Soulsâ€č basiert auf historischem Hintergrund. Es geht darin um einen Krieg zwischen TĂŒrken und RumĂ€nen, in dem Vlad Dracul, der wohl nicht umsonst auch als "der PfĂ€hler" in die GeschichtsbĂŒcher eingegangen ist, mit seinem Heer die TĂŒrken daran gehindert hat, RumĂ€nien einzunehmen.

Dich ausgenommen stammen POWERWOLF aus Deutschland. Wie war es denn fĂŒr Dich in RumĂ€nien möglich, Metal kennenzulernen?

Damit wurde ich erst vor einigen Jahren konfrontiert. Wie ich schon erwĂ€hnt hatte, gab es vom Regime keine Zustimmung fĂŒr diese Art von Musik. Deshalb bin ich, was die Szene an sich betrifft, nicht wirklich bewandert. Einen großen Einfluß auf meine Kenntnisse von Metal haben mit Sicherheit die anderen Jungs von POWERWOLF, denen ich hiermit dafĂŒr danken möchte. Bei uns war der Begriff nicht wirklich verbreitet, geschweige denn gab es Schallplatten oder so mit derlei KlĂ€ngen.

POWERWOLF-Einzelshot: Falk M. Schlegel

Diese Tatsache sollte spĂ€testens nach dem Beitritt von RumĂ€nien in die EU völlig zu vergessen sein. Was denkst Du darĂŒber?

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sollte ein Beitritt mit Sicherheit Vorteile fĂŒr dieses Land bringen. Doch inwiefern sich so etwas auf Musik oder Kultur auswirken kann, vermag ich nicht zu sagen. Mit Sicherheit aber hat es Vorteile fĂŒr das Volk, das, wenn es auch sehr stark in Traditionen verankert ist, ein tolerantes ist.

Wird der geneigte Fan, der sich an »Return In Bloodred« erfreuen konnte, Eure Songs auch auf den BĂŒhnen erleben dĂŒrfen?

Na hoffentlich. Zwar bin ich nicht sicher, ob es denn auch zu einer Tournee kommen wird, aber es wĂ€re eine feine Sache. Ich habe sehr viel von Rockbands auf Tournee gelesen und gehört und es wĂ€re cool, wenn auch POWERWOLF auf Tournee gehen könnten. Außerdem wĂ€re es auch ziemlich geil, wenn wir auch auf Festivals spielen dĂŒrften. Ein Festival hat den Vorteil, daß man eine Menge Fans an einem Ort mit den Songs beglĂŒcken kann. Allerdings besteht dabei auch die Gefahr, daß bei einem miesen Auftritt eine Menge an Fans den Namen deiner Band negativ in Erinnerung behalten, so gesehen hat man es als Musiker auf Tournee einfacher.

POWERWOLF-Einzelshot: Stefan Funebre

Was genau darf man bei Euren Auftritten erwarten? Ich nehme einmal an, daß die Photos mit Make-up und so schon das Outfit prĂ€sentieren?

Das schon, aber ob Show-Effekte wie Pyro-Technik oder dergleichen auch zu sehen sein werden, kann ich nicht sagen. Wir sind zwar mittlerweile bei DRAGON PRODUCTIONS unter Vertrag, die versuchen werden, uns ein brauchbares Tourneeangebot zu organisieren. Inwieweit aber Showeffekte zur Verwendung kommen, hĂ€ngt natĂŒrlich von den jeweiligen Clubs ab.
Egal, wie auch immer die Show ausfallen mag, eine satte Dosis POWERWOLF bekommt man in jedem Fall geboten! [lacht]

POWERWOLF-Bandphoto 2

Vom "Wolfsgeheule" konnten sich die Fans bei der 2005er Ausgabe des "Summer Breeze"-Festival ebenso ĂŒberzeugen, wie jene Zeitgenossen, die zuletzt GAMMA RAY auf deren Tournee beaugapfeln konnten, denn auch da durfte der POWERWOLF zu Beginn des Abends losheulen. Ob dieser Wolf nun auch wieder ein wenig in seinem Hinterhalt verweilen wird, ist ungewiß. Mit Sicherheit wird er aber wieder Ende Juni in Balingen heulen, denn POWERWOLF sind bereits fĂŒr das diesjĂ€hrige "Bang Your Head!!!"-Festival bestĂ€tigt.

http://www.powerwolf.net/

mail@powerwolf.net

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer


P.S.: Nur noch eine kleine Anmerkung von meiner Seite zum Schluß: rotfl! Einfach so...


Stefan Glas

POWERWOLF im Überblick:
POWERWOLF – Blessed & Possessed (Rundling)
POWERWOLF – Blood Of The Saints (Rundling)
POWERWOLF – Lupus Dei (Rundling)
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POWERWOLF – ONLINE EMPIRE 24-"Living Underground"-Artikel
POWERWOLF – ONLINE EMPIRE 26-Interview
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POWERWOLF – ONLINE EMPIRE 39-"Living Underground"-Artikel
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POWERWOLF – ONLINE EMPIRE 52-"Living Underground"-Artikel
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FLOWING TEARS – News vom 31.01.2008
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