UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 26 → Interview-Übersicht → BIOMECHANICAL-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

BIOMECHANICAL-Logo

BIOMECHANICAL-Bandphoto 1

Zu den absoluten Glanzlichtern 2005 zĂ€hlte aus ver­öffent­lichungs­tech­ni­scher Sicht mit Sicherheit »The Empires Of The Worlds«. Dieses zweite Album eines britischen Quintetts namens BIOMECHANICAL ĂŒberzeugt durch eine brachiale, aber aus­ge­wo­ge­ne, Mischung aus fast schon »Pain­kil­ler«-verdĂ€chtigen Riff-Kon­struk­tionen, einer satten Dosis Thrash Metal, ver­ein­zel­ten technischen Todesmörtel-Einsprengsel und zahlreichen ex­peri­men­tel­len Ele­men­ten, die auch aus einem Soundtrack stammen könnten. Kopf der Band ist John K., ein Grieche, der aber schon seit Jahren in England lebt und zumindest seit seinem Engagement bei den Melodic Metallern von BALANCE OF POWER ein Begriff sein sollte.
Aber nicht nur die Musik als solche, auch das abgefahrene Konzept, das den Fan geradezu dazu verdonnert, »The Empires Of The Worlds« am StĂŒck zu hören, trug sehr viel zur Euphorie rund um das Album bei.
John K. (oder Yiannis Koutselinis, der unter diesem Namen in seiner Heimat mit seiner damaligen Band DECEPTOR bereits 1989 und 1990 mit einigen Demos auf sich auf­merk­sam machen konnte) war es auch, der sich den unzĂ€hligen Interviewanfragen stellte und diese, wie es sich fĂŒr einen Griechen nun einmal schickt, auf freundliche, relaxte und sehr unterhaltsame Weise beantwortete.

Welchen UmstÀnden haben wir die Existenz der Band eigentlich zu verdanken?

Als ich 1999 nach England gekommen bin, hatte ich zunÀchst bei Steve Brown im Studio gearbeitet. In dieser Zeit ist in mir der Wunsch aufgekommen, auch selbst ein Album zu komponieren und nicht nur die Musik anderer Bands zu produzieren. Genau aus jenem inneren Verlangen ist BIOMECHANICAL entstanden. Die ersten Songs kamen dann unter dem Titel »Distorted« als Demo auf den Markt, das ich zusammen mit Steve Forward (g) und Jamie Hunt (g) eingespielt hatte.
Zwar ging nicht alles so einfach, wie ich es erwartet hatte, aber im Endeffekt ließ sich mein Traum von der eigenen Band doch relativ unkompliziert realisieren. Mit Jamie, Chris Webb (g), Jon Collins (b) und Matt C. (d) war auch bald das optimale Line-up zusammen und in eben dieser Besetzung spielten wir die Songs des Demos nochmals fĂŒr unser Debut »Eight Moons« ein. Dieses wurde 2002 in Eigenregie eingespielt und 2003 ĂŒber REVOLVER RECORDS veröffentlicht. Heute haben wir mit EARACHE ein wahrlich renommiertes Label im RĂŒcken und sind stolz auf unsere neues, eben erst erschienenes Album »The Empires Of The Worlds«.

Auf eine Scheibe wie diese darf jede Band stolz sein, dennoch wollte ich zunÀchst ein wenig in deiner Vergangenheit blÀttern. Bevor Du mit BIOMECHANICAL in die Analen des Schwermetalls eingegangen bist, konntest Du Dir bereits als SÀnger von BALANCE OF POWER einen recht guten Namen ersingen. Warst Du damit nicht ausgelastet genug, oder waren BIOMECHANICAL damals schon Deine PrioritÀt?

BIOMECHANICAL waren schon aktiv, bevor mich Vince Brotheridge, der Manager von BALANCE OF POWER, kontaktierte, um mir mitzuteilen, daß er einen SĂ€nger fĂŒr die Band benötigen wĂŒrde. Die Zusammenarbeit mit den Jungs lief auch ganz gut, wie auf »Heathen Machine« nachzuhören ist. Das war 2003 und ich hatte gehofft, mit dieser Band auch auf Tournee gehen zu können, doch außer einigen, zugegebenermaßen aber recht gelungenen, Festivalgigs, war leider nichts drin.

Weshalb hast Du Dich von BALANCE OF POWER wieder verabschiedet?

Das Problem war, daß mich meine BeschĂ€ftigung bei BALANCE OF POWER eigentlich in meiner AktivitĂ€t mit BIOMECHANICAL behinderte. Ich schaffte es einfach nicht, beide Bands unter einen Hut zu bringen. Deshalb entschied ich mich, wieder auszusteigen. Im Nachhinein betrachtet, sehe ich diese Zeit als Lernprozeß an, denn ich mußte feststellen, daß ich es einfach nicht schaffe, so wie andere Musiker, auf mehreren Hochzeiten zeitgleich zu tanzen. Seit damals bin ich ausschließlich mit BIOMECHANICAL beschĂ€ftigt und ich denke, daß das auch gut so ist.

BIOMECHANICAL-Headline

Was haben die anderen Bandmitglieder so getrieben, bevor Du sie rund um Dich geschart hast?

Jon Collins, unser Basser, der im ĂŒbrigen auch die Texte schreibt, konzipiert und ausarbeitet, war zuvor in einem Symphonieorchester aktiv und bringt diese EinflĂŒsse natĂŒrlich auch mit. Unser Drummer Matt spielte bei einer Band namens VIOLATION, wĂ€hrend Chris und Jamie eher unbeschriebene BlĂ€tter sind, die ich im Laufe der Zeit eher zufĂ€llig kennengelernt habe.

Und die Geschichte der Band startete quasi mit »Distorted«?

Gewissermaßen schon, denn Matt hatte damals die Idee, das Demo an REVOLVER zu senden, was sich nachhaltig als GlĂŒck herausstellte, da man uns alsbald einen Deal angeboten hatte. Allerdings dauerte es doch noch ein Jahr bis REVOLVER RECORDS tatsĂ€chlich mit dem Album an die Öffentlichkeit trat. Das war auch nicht unbedingt erfreulich, da ich in meiner Intention BIOMECHANICAL voranzutreiben, abermals gestoppt wurde.

Noch dazu ist das Album nicht gerade einfach zu erhalten. WĂ€re es denn nicht an der Zeit, ĂŒber einen Re-Release nachzudenken?

Das Label war schon okay, aber der Vertrieb war katastrophal. Irgendwie scheint außer Presseleuten kein Mensch das Album zu besitzen. So gesehen wĂŒrde ein Re-Release wahrlich Sinn machen, allerdings haben wir noch keine konkreten GesprĂ€che dazu gefĂŒhrt. Aber ich bin guter Dinge, auch »Eight Moons« nochmals ĂŒber ein perfekt arbeitendes Label ausgeliefert zu wissen.

Womit wir beim nÀchsten Thema wÀren. Wie kam es zum Vertrag bei EARACHE, einem Label das ja eher auf metallische ExtremitÀten spezialisiert ist?

Als Exoten sehen wir uns nicht gerade und da sich EARACHE in den letzten Monaten auch nach weniger extremen Bands umgesehen haben, glaube ich doch, daß diese Zusammenarbeit ein gute sein wird. Außerdem behandeln sie uns als Top-Thema, was uns natĂŒrlich auch sehr schmeichelt, wenn man BIOMECHANICAL als PrioritĂ€t betrachtet.

Vor allem Du scheinst seit den AnfÀngen oberste PrioritÀt auf die Band zu legen, was sich nachhaltig auf die QualitÀt der Musik von BIOMECHANICAL ausgewirkt zu haben scheint. Was darf man sich hinter der konzeptionellen Geschichte vorstellen?

Im Prinzip handelt es sich zwar um eine Konzeptstory, jedoch darf man es sich nicht so vorstellen, daß wir eine Geschichte von Anfang bis zu Schluß erzĂ€hlen.
Viel eher verarbeiten wir unterschiedliche Science Fiction-Stories zu einer Einheit, die zwar durch einen roten Faden zusammengehalten wird, jedoch aus einzelnen Fragmenten besteht, die man auch als solche verstehen kann, ohne die gesamte Geschichte kennen zu mĂŒssen. Klingt verwirrend, ist aber im Laufe der Zeit so entstanden. An Vergleichsmöglichkeiten fallen mir am ehesten Filme wie "Matrix" ein, um eine grobe Orientierungshilfe zu haben. Zudem besteht ein direkter Zusammenhang zu »Eight Moons«, auf dem es um einen Individualisten gegangen war, der seine innere Angst bekĂ€mpfen mußte. Auf »The Empires Of The Worlds« ist der Kerl zu einem jener Charaktere geworden, die er frĂŒher bekĂ€mpft hatte.

Klingt reichlich verwirrend, aber perfekt passend zu den ebenso mit unter recht wirr strukturierten Songs. Womit wir nochmals bei Thema »The Empires Of The Worlds« wÀren: Was gibt es zum Songwriting bzw. zur Scheibe an sich zu sagen?

ZunĂ€chst einmal muß festgehalten werden, daß ich, obwohl ich quasi der GrĂŒnder von BIOMECHANICAL bin, es sehr schĂ€tze, daß man uns als Band betrachtet. Das Album wĂ€re ohne die Jungs sicherlich nicht so ausgefallen, wie man es hören kann. Was das Songwriting betrifft, muß ich vorweg anmerken, daß wir musikalisch sehr unterschiedliche Vorlieben haben, die wir auch auf »The Empires Of The Worlds« erst unter einen Hut bringen mußten. Diese reichen von Prog Metal ĂŒber traditionellen Metal bis hin zu Power und Thrash Metal, aber auch Soundtracks unterschiedlicher Machart dĂŒrfen diesbezĂŒglich nicht vergessen werden. Genau jene mannigfaltigen EinflĂŒsse machen die Mischung auf der Scheibe aus.

Dazu darf auch der ĂŒppige, brutale Sound, fĂŒr den niemand Geringerer als Andy Sneap verantwortlich zeichnete, nicht vergessen werden. Wie kommt man als eher unbekannte Band an so einen Produzenten?

Über EARACHE, die haben die Kohle. [lacht] Wir mußten uns zunĂ€chst innerhalb der Band einigen, und Andy war einer der Wunschkandidaten. Wenn ich das Ergebnis höre, muß ich gestehen, daß mich der Sound geradezu umgeblasen hat. Es war also die richtige Entscheidung, wenn es auch eine ordentliche Stange Geld gekostet hat, die wir hoffentlich nicht zurĂŒckzahlen mĂŒssen. [lacht]

Die Investition hat sich mit Sicherheit geloht, zumal Andy wohl im Moment zu den absoluten KoryphĂ€en in der Szene zu zĂ€hlen ist und deshalb einen mehr als guten Ruf innehat. Einige der Bands, mit denen Andy bereits gearbeitet hat, wie beispielsweise NEVERMORE wurden auch desöfteren zitiert, als es galt, die Musik BIOMECHANICAL zu beschreiben, wĂ€hrend es zu Zeiten von »Eight Moons« in erster Linie noch QUEENSRĆžCHE waren, die genannt wurden. Es scheint als ob Ihr Euch, wenn schon nicht stilistisch, zumindest regional festgelegt haben dĂŒrftet.

Ach ja [lacht], aber da war aber keinerlei Absicht dahinter. WĂ€hrend uns frĂŒher jeder zweite Kritiker mit QUEENSRĆžCHE verglichen hat, waren es nun unter anderem eben NEVERMORE. Allerdings dĂŒrften die Vergleichsmöglichkeiten offenbar erweitert worden sein, denn zu NEVERMORE wurden auch sehr hĂ€ufig FEAR FACTORY, STRAPPING YOUNG LAD, JUDAS PRIEST und PANTERA genannt; alles Bands, die ich sehr schĂ€tze, wenn ich auch zugeben muß, nicht wirklich der Metaller schlechthin zu sein; das sind eher meine Kollegen. Ich persönlich höre mir am liebsten abgefahrene Soundtracks an.

Dieser Einfluß ist der Scheibe sehr wohl auch anzuhören und die Entwicklung voll und ganz nachzuvollziehen. Allerdings kann ich mir aber noch nicht ganz erklĂ€ren, wie die Sache auf der BĂŒhne aussehen soll?

Ich weiß, daß ein solches Unterfangen schwierig sein wird, aber mit Hilfe von Backtracking-Systemen sollten sich diese Passagen durchaus reproduzieren lassen. Allerdings werden wir ein solches System nicht bei jedem Gig verwenden, da es die Band irgendwie einschrĂ€nkt. BIOMECHANICAL wollen auch live nur das bestmögliche aus ihren Songs machen und deswegen wollen wir uns nicht fixieren, wie und in welcher Form wir technische Hilfsmittel verwenden werden.

Wie sieht es generell mit Konzerten aus?

Eine Tournee ist an und fĂŒr sich noch nicht geplant, aber einzelne Gigs hier in England werden wir mit Sicherheit spielen. Außerdem hoffen wir, auch außerhalb unserer Landesgrenzen gastieren zu können, fĂŒr mich wĂ€re es natĂŒrlich eine besondere Angelegenheit, in Griechenland spielen zu dĂŒrfen.

Was Ende des Jahres 2005 auch RealitÀt geworden ist als BIOMECHANICAL in Athen auftreten konnten, nachdem eine England-Tournee mit STAMPIN' GROUND absolviert wurde.
Eventuell schaffen es die umtriebigen Musiker ja demnĂ€chst auch zu uns auf den europĂ€ischen Kontinent. Der Grieche John K. wĂŒrde mit Sicherheit auf ein großes Gefolge blicken können, denn »The Empires Of The Worlds« wird wohl nicht nur in meinem CD-Schacht zum Dauergast geworden sein.

http://www.biomechanical.co.uk/

Biomechmailbox@aol.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

BIOMECHANICAL im Überblick:
BIOMECHANICAL – Eight Moons (Rundling)
BIOMECHANICAL – The Empires Of The Worlds (Rundling)
BIOMECHANICAL – ONLINE EMPIRE 26-Interview
BIOMECHANICAL – News vom 25.07.2007
BIOMECHANICAL – News vom 21.08.2007
BIOMECHANICAL – News vom 03.09.2007
BIOMECHANICAL – News vom 30.09.2007
BIOMECHANICAL – News vom 14.03.2008
Playlist: BIOMECHANICAL-Album »The Empires Of The Worlds« in "Jahrescharts 2005" auf Platz 6 von Walter Scheurer
andere Projekte des beteiligten Musikers Matt C.:
CHAOSANCT – News vom 30.04.2008
CHAOSANCT – News vom 10.12.2008
CHAOSANCT – News vom 05.02.2009
MONUMENT (GB) – News vom 23.07.2012
MONUMENT (GB) – News vom 07.02.2013
MONUMENT (GB) – News vom 07.02.2013
MONUMENT (GB) – News vom 28.01.2014
MONUMENT (GB) – News vom 28.01.2014
MYSTIC PROPHECY – News vom 26.02.2010
SOLSIKK – E.P. (Do It Yourself)
SOLSIKK – News vom 31.01.2009
SOLSIKK – News vom 01.06.2009
SOLSIKK – News vom 15.07.2009
SOLSIKK – News vom 05.02.2011
SOLSIKK – News vom 02.11.2011
andere Projekte des beteiligten Musikers Jamie Hunt:
GUTWORM – News vom 18.05.2007
ONE MACHINE – News vom 31.01.2013
ONE MACHINE – News vom 08.02.2015
siehe auch: Jamie Hunt & Adrian Lambert & Morten LĂžwe SĂžrensen & Mikkel Sandager & Steve Smyth grĂŒnden neue, noch unbenannte Band
andere Projekte des beteiligten Musikers Yiannis "John K." Koutselinis:
BALANCE OF POWER – Heathen Machine (Rundling)
BALANCE OF POWER – News vom 01.03.2005
andere Projekte des beteiligten Musikers Chris Webb:
COLLAPSE (GB, London) [II] – News vom 27.06.2012
SOLSIKK – E.P. (Do It Yourself)
SOLSIKK – News vom 31.01.2009
SOLSIKK – News vom 01.06.2009
SOLSIKK – News vom 15.07.2009
SOLSIKK – News vom 05.02.2011
SOLSIKK – News vom 02.11.2011
VINK – News vom 12.02.2012
© 1989-2017 Underground Empire


† Wir gedenken Samuel C. "Sandy" Pearlman, heute vor einem Jahr verstorben. Unsere Berichterstattung ĂŒber das Lebenswerk findet Ihr
Button: hier