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  UE-Home → History → Online Empire 25 → Interview-├ťbersicht → Lance King-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

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Wem das erst vor kurzer Zeit ver├Âffentlichte Debut einer amerikanischen Formation namens AVIAN mit dem Titel ┬╗From The Dephts Of Time┬ź be┬şreits bekannt ist, der wird auch mit der auf jenem Werk zu ver┬şneh┬şmen┬şden Stimme vertraut sein. Lance King lautet der Name jenes S├Ąngers, der nicht erst seit AVIAN mit zu den gesch├Ątztesten Stimmbandakrobaten der Szene zu z├Ąhlen ist wei├č auch auf besagtem Album, da├č musikalisch irgendwo in der Schnitt­menge europ├Ąischer Melodic und amerikanischer Power Metal-Kl├Ąnge an­zu­sie­deln ist, zu brillieren.
Da sein Name zwar gel├Ąufig sein sollte, die Historie des Herrn, der nicht nur bei den verschiedensten Bands stimmlich ├╝berzeugen konnte, sondern auch der Bo├č seines eigenen Label NIGHTMARE RECORDS ist, aber noch nie so richtig aufgearbeitet wurde, packte ich die Gelegenheit beim Schopf, um Lance zum Interview zu bitten:

Lance, wir wissen zwar einigerma├čen ├╝ber Deine T├Ątigkeiten in der Gegenwart Bescheid, haben allerdings keinerlei Ahnung, wie Deine musikalische Entwicklung eigentlich begonnen hat.

Das ist lange Jahre her. Damals, zu meiner Highschool-Zeit, fragte mich ein Kumpel namens Eric Stump, ob ich nicht Lust h├Ątte, bei seiner Combo AJA (ausgesprochen: "asia") zu singen. Es handelte sich um eine richtige Garagenband, denn au├čer einem Auftritt beim Abschlu├čfest an der Highschool hat es diese Formation zu keinen Gigs gebracht. Nach sechs Monaten war AJA auch schon wieder Geschichte. Allerdings bleiben Eric und ich in Kontakt und schon bald darauf waren wir zusammen mit einigen anderen Jungs als THE NEWS aktiv. Aus dieser Band gingen sp├Ąter FREELANCE hervor. Der Unterschied lag vor allem darin, da├č FREELANCE nicht ausschlie├člich als Cover-Band unterwegs waren, sondern auch schon eigenes Material schrieben und den Leuten pr├Ąsentieren konnten. Bis zum Ende des f├╝nfj├Ąhrigen Bestehens brachten es FREELANCE auf durchschnittlich 175 Shows pro Jahr, eine Anzahl von Konzerten, die sich durchaus sehen lassen kann. Allerdings fehlte es uns ein wenig an Professionalit├Ąt, denn trotz zahlreicher Eigenkompositionen, die wir auch den Fans pr├Ąsentierten, reichte es noch nicht einmal f├╝r Demoaufnahmen.
Mitten in den Reifeproze├č von FREELANCE erhielt ich ein Angebot einer Band namens GEMINI, die mich als S├Ąnger haben wollten. Nach l├Ąngerer Bedenkzeit schien mir dieses Angebot als zukunftstr├Ąchtiger, weshalb ich mich GEMINI anschlo├č, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, da├č es f├╝r mich keine Sinn machen w├╝rde, weiterhin Covers zum besten zu geben, sondern es endlich mit eigenen Kompositionen zu versuchen. Nachdem ich die anderen GEMINI-Jungs diesbez├╝glich ├╝berzeugen konnte, waren wir allesamt motiviert, um endlich "Karriere" zu machen. In Folge startete die Band auch recht gut durch, denn neben ann├Ąhernd 150 Shows, die wir in jenem Jahr im mittleren Westen der Staaten absolvieren konnte, schafften wir es auch bis nach Minneapolis, Chicago, Milwaukee oder Kansas City. Als wir unterwegs waren, schrieben wir tags├╝ber Songs, die wir teilweise schon am Abend beim anstehenden Auftritt den Fans pr├Ąsentiert hatten. Auf diese Art und Weise konnten wir nicht nur eine verh├Ąltnism├Ą├čig gro├če Fanbase erspielen, sondern auch das Interesse zahlreicher gr├Â├čerer Labels erwecken. Ich erinnere mich an Konzerte bei denen die Talentscouts von POLYGRAM, ATLANTIC oder GIANT RECORDS anwesend waren. Allerdings kam es nie zu einer Vertragsunterzeichnung, weil wir schlichtweg nie die Zeit fanden, ins Studio zu gehen, um unsere Songs auch aufzunehmen. Unser Konzertplan war damals derart voll, da├č wir es nicht auf die Reihe bekamen, diesbez├╝glich etwas zu unternehmen. Au├čerdem trafen wir st├Ąndig auf jungen Bands, die zwar bei einem Label unter Vertrag waren, allerdings finanziell wesentlich schlechter dastanden als GEMINI. Deswegen haben wir uns im Endeffekt daf├╝r entschieden, die Sache auch weiterhin in Eigenregie durchzuziehen. Dadurch blieben wir zumindest unabh├Ąngig und konnten unsere Gigs weiterhin so organisieren, wie es uns beliebte. Es dauert aber nicht mehr allzu lange bis endlich auch das selbstbetitelte Debut auf den Markt kommen sollte. Schon damals, im Jahr 1990, war ich f├╝r die Musik und Produktion verantwortlich und wollte das Album auch ├╝ber mein kurzfristig gegr├╝ndetes Label NIGHTMARE RECORDS ver├Âffentlichen.

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Weshalb denn ├╝berhaupt die Gr├╝ndung eines eigenen Labels, wo Ihr doch mit der Eigenregie offensichtlich ausnahmslos positive Erfahrungen machen durftet?

Im Prinzip war es zu Beginn auch nichts anderes, als ob ich die Scheibe unter meinem Namen und meiner Adresse verkauft h├Ątte. Da wir zu jener Zeit einen coolen Song namens ÔÇ║NightmareÔÇ╣ geschrieben hatten, w├Ąhlte ich diesen Titel in Folge auch f├╝r mein Label NIGHTMARE RECORDS. Im Grunde genommen war ich mir schon damals sicher, da├č es in diesem Business wesentlich besser ist, auf sich selbst zu vertrauen als sich auf Au├čenstehende zu verlassen.

Klingt nachvollziehbar und best├Ątigt mich in meinem Eindruck es bei Lance mit einem "Selfmade Man" zu tun zu haben. Wie ging denn die Geschichte nach dem GEMINI-Debut weiter?

Da wir unsere Fanbase ausbauen konnten und uns selbst in einer sehr kreativen Phase befanden, konnten wir schon 1992 unser Nachfolgewerk ┬╗Out For Blood┬ź vorlegen. Trotz einiger Line-up-Wechsel blieben Rob Kruger und ich als Team bestehen. Wir beide waren f├╝r Musik und Produktion verantwortlich und auch dieses Album kam ├╝ber NIGHTMARE RECORDS auf den Markt. Danach verschlechterte sich leider die Situation der Band immens. Es gab kaum noch einen gemeinsamen Nenner, weshalb ich 1993 beschlo├č, GEMINI zu verlassen.
Danach tat ich mich unter dem Banner THE KINGS MACHINE mit einigen Musikern aus Minneapolis und St. Paul zusammen. Hier lief die Sache v├Âllig kontr├Ąr, denn wir hatten gut 20 Songs fertig, bevor wir zum ersten Mal auf die B├╝hne gehen konnten. Es war noch dazu gleich ein Auftritt als Opener f├╝r David Lee Roth im Herbst 1994. In weiterer Folge konnten hier des├Âfteren als Vorgruppe recht popul├Ąrer Bands wie SLAUGHTER, GREAT WHITE oder FIREHOUSE auftreten. Das einzige Album von THE KINGS MACHINE, das ich damals ├╝brigens auf einem YAMAHA-8-Spur-Ger├Ąt aufgenommen hatte, erschien 1995 ├╝ber NIGHTMARE RECORDS. Trotz des eher d├╝rftigen Equipments und der ebenso schwachen Produktion, bei der ich mich dem Zeitgeist hingab, denn es war damals in den Staaten relativ uncool, gro├čartige Produktionen aufzufahren, klang die Scheibe gar nicht ├╝bel. THE KINGS MACHINE durften danach noch zahlreiche Gigs absolvieren und waren im mittleren Westen der USA relativ bekannt. In den folgenden Jahren hatten wir sogar ein zweites Studioalbum fertiggestellt und auch gen├╝gend Aufnahmen f├╝r ein Live-Album zusammen, doch keines der beiden Werke ist jemals erschienen, da sich THE KINGS MACHINE 1997 aufgel├Âst haben.

Und dann?

K├╝mmerte ich mich zun├Ąchst in erster Linie um NIGHTMARE RECORDS. Aus einem kleinen Label, das sich ausschlie├člich um meine eigenen Ver├Âffentlichungen k├╝mmerte, wurde langsam aber sicher, eine arbeitsm├Ą├čig recht aufwendige kleine Firma. Ich nahm weitere Acts, zun├Ąchst welche aus der Umgebung, unter Vertrag und k├╝mmerte ich um den Vertrieb verschiedener Plattenfirmen, die bis dahin in den Staaten noch nicht Fu├č fassen konnten.

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Als Musiker bist Du danach erst wieder zusammen mit den Briten BALANCE OF POWER aufgefallen. Wie kam diese transatlantische Kollaboration zustande?

Gegen Ende des Jahre 1997 erhielt ich das Angebot, bei BALANCE OF POWER als S├Ąnger einzusteigen. Keyboarder Ivan Gunn rief mich direkt an, um mit mir die Sache zu besprechen. Nachdem ich die ersten Demos erhalten hatte, war ich begeistert und sagte nat├╝rlich zu. Als ich dann meinen Gesang auf den Demos verewigt hatte und die anderen Musiker es geh├Ârt hatten, schickten sie mir fast umgehend Flugtickets. Nachdem ich nach London gereist war, begannen auch bereits die Aufnahmen zu ┬╗Book Of Secrets┬ź. Jenes Album wurde mit euphorischen Pressestimmen geradezu ├╝berh├Ąuft und sollte meinen Namen als S├Ąnger sowohl in Europa als auch in Japan recht bekannt machen. Im Nachhinein betrachtet, war es taktisch ein gelungener Schachzug, mich mit den Briten zusammenzuraufen, um bei BALANCE OF POWER zu spielen. Leider verliefen schon bald nach der Ver├Âffentlichung einige unserer Vorhaben im Sande. So wurde keine Tournee geplant, stattdessen ging es in denkbar kurzer Zeit abermals ins Studio um an ┬╗Ten More Tales┬ź zu arbeiten. Dieses Album h├Ątte den Durchbruch f├╝r die Band bedeuten k├Ânnen, schlie├člich hatten wir Vertr├Ąge mit Labels in Europa, den Staaten und Asien und auch eine Tournee war auf dem Programm. Zusammen mit AXXIS und PINK CREAM 69 waren wir einige Wochen lang in Europa unterwegs und konnten mit Sicherheit zahlreiche neue Fans gewinnen. Nahezu direkt im Anschlu├č ging es auf ein Neues ins Studio, um ┬╗Perfect Balance┬ź einzuspielen, ein Album das schlie├člich 2001 weltweit ver├Âffentlicht werden sollte, verkaufsm├Ą├čig jedoch nicht die Erwartungen erf├╝llen konnte und eher als Ausl├Âser f├╝r Streitereinen innerhalb der Band betrachtet werden kann.

Wie kann man sich die f├╝r Bands unabdingbaren Angelegenheiten wie Proben oder dergleichen vorstellen, wenn die geographische Entfernung dagegen spricht?

Wir waren uns von Anfang an einig, da├č Musik nur im Studio entstehen w├╝rde. Da sowohl die Band selbst, aber auch ich ├╝ber ein recht gut ausgestattetes Heim-Studio verf├╝gen, war das kaum ein Problem. Der pers├Ânliche Kontakt blieb dabei auf der Strecke, die Musik an sich entstand aber auch so vorz├╝glich. Zum Proben trafen wir uns eigentlich immer nur vor etwaigen Auftritten und da wir allesamt Vollprofis waren, bestanden auch keine Bedenken diesbez├╝glich, da jeder seinen Teil bereits in Heimarbeit erledigt hatte. Es ging lediglich um das Zusammenspiel auf der B├╝hne, das geprobt werden mu├čte, aber auch das war kein Problem.

Probleme gab es offenbar erst in weiterer Folge und zwar genauer gesagt nach ┬╗Perfect Balance┬ź. Weshalb hast Du Dich von BALANCE OF POWER getrennt?

Das war eine h├Ą├čliche Geschichte, ├╝ber die ich eigentlich nicht mehr reden m├Âchte. Es sollte alles zu diesem Thema gesagt worden sein, f├╝r mich ist diese Angelegenheit endg├╝ltig abgeschlossen.

W├Ąre zwar nicht uninteressant gewesen, Dein Schweigen ist aber verst├Ąndlich. Wie ging es mit Deiner Geschichte weiter?

Wie schon in den Jahren zuvor hatte ich mit NIGHTMARE RECORDS reichlich zu tun. In der Zwischenzeit hatte ich n├Ąmlich neben dem Vertrieb auch einen Online-Shop eingerichtet, der auch heute noch jede Menge Zeit verschlingt. Da ich aber Vollblutmusiker bin, lie├č ich es mir aber nicht nehmen, auch an meiner musikalischen Karriere weiterzuarbeiten. Noch im selben Jahr, also 2001, war ich an einem Tribute-Sampler f├╝r Jason Becker beteiligt. Dieser Sampler hei├čt ┬╗Warmth In The Wilderness┬ź und enth├Ąlt insgesamt 31 Songs. Ich singe darauf ÔÇ║Dogtown ShuffleÔÇ╣, das im Original von Davd Lee Roth eingesungen wurde. 2002 war ich am vierten DEFYANCE-Album ┬╗Transitional Forms┬ź ebenso beteiligt, wie an ÔÇ║HypnoticaÔÇ╣ von EMPIRE, das ├╝ber LION MUSIC ver├Âffentlicht wurde. Im Jahre 2003 war ich f├╝r Lion Music, speziell dem Inhaber Lars Eric Mattsson des├Âfteren t├Ątig. So wirkte ich auf seinem Solo-Album ┬╗Power Games┬ź ebenso mit, wie auf dem von ihm initiierten Jon Uli Roth-Tribute-Sampler ┬╗Beyond Inspiration┬ź.

Diese Kollaboration ist mir auch schon aufgefallen. Was verbindet denn die Herren Mattsson und King?

Ich habe schon seit mehreren Jahren den Vertrieb f├╝r LION MUSIC hier in den Staaten, von daher kennt man sich nat├╝rlich. Au├čerdem halte ich sehr viel von Lasse als Mensch und als Musiker. Was liegt also n├Ąher, als gemeinsame Sache zu machen?

Ist klar. Im letzten Jahr ist uns vor allem das PYRAMAZE-Debut ┬╗Melancholy Beast┬ź nicht zuletzt durch deine Sangesk├╝nste positiv in Erinnerung geblieben. Was werden wir in n├Ąchster Zeit von Lance King erwarten d├╝rfen?

PYRAMAZE ist ebenfalls ein transatlantisches Projekt, denn neben mir besteht die Band aus d├Ąnischen Musikern. Gegen Ende Februar 2006 wird das Nachfolgealbum ┬╗Legend Of The Bone Carver┬ź erscheinen. Zuvor gibt es aber noch das AVIAN-Debut mit dem Titel ┬╗From The Dephts Of Time┬ź zu bestaunen, auf dem ich unter anderem mit Dave Ellefson (ex-MEGADETH) zusammengearbeitet habe. Zudem werde ich auf ┬╗Enter Eternity┬ź, dem Debut meiner brasilianischen Kumpels SHINING STAR zu h├Âren sein. Diesen Jungs habe ich sehr viel zu verdanken, schlie├člich haben sie mich nach dem Rausschmi├č bei BALANCE OF POWER wohlwollend in ihren Reihen aufgenommen.

Es klingt erfreulich, da├č Lance neben NIGHTMARE RECORDS keineswegs unt├Ątig ist. Wenn die Qualit├Ąt der Alben mit seiner Beteiligung so bestehen bleibt, kann er uns auch gerne ├Âfter von ihm eingesungene Werke aufwarten.

http://www.nightmare-records.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Lance King im ├ťberblick:
Lance King – ONLINE EMPIRE 25-Interview
andere Projekte des beteiligten Musikers Lance King:
AVIAN (US) – From The Depths Of Time (Re-Release)
AVIAN (US) – From The Depths Of Time (Rundling)
AVIAN (US) – News vom 08.09.2007
AVIAN (US) – News vom 08.09.2007
AVIAN (US) – News vom 17.11.2007
AVIAN (US) – News vom 08.09.2010
BALANCE OF POWER – Perfect Balance (Rundling)
DEFYANCE – News vom 30.06.2002
EMPIRE (D, Remscheid) – Hypnotica (Rundling)
FREELANCE (US, MN) – News vom 08.12.2007
GEMINI (US) – News vom 19.11.2008
ILIUM – News vom 02.08.2013
KRUCIBLE (US, TX) – News vom 16.02.2007
MAGIC KINGDOM – News vom 07.03.2006
MAGIC KINGDOM – News vom 04.11.2006
Mattsson – Power Games (Rundling)
Mattsson – War (Rundling)
Mistheria – Dragon Fire (Rundling)
PYRAMAZE – Legend Of The Bone Carver (Rundling)
PYRAMAZE – Melancholy Beast (Rundling)
PYRAMAZE – ONLINE EMPIRE 28-"Living Underground"-Artikel
PYRAMAZE – News vom 14.05.2004
PYRAMAZE – News vom 14.04.2007
SHINING STAR – Enter Eternity (Rundling)
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