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Titel: Prolog #2

Aller Anfang ist schwer und folglich hatte UNDERGROUND EMPIRE 1 mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Mit der Bandauswahl waren wir durchaus zufrieden, während der Schreibstil - wie nicht anders zu erwarten - amateurhaft war. Doch diesbezüglich mußten wir uns die notwendige Zeit zugestehen, denn das konnte sich nur mittels dazugewonnener Routine im Laufe der Zeit verbessern. Bei der Optik waren jedoch sofort einschneidende Veränderungen dringend notwendig!

Dank unserer Druckerei lernte ich Gerhard Burkhart kennen, der damals gerade in Kaiserslautern das erste Belichtungsstudio landauf landab eröffnet hatte. Gerhard machte mich mit den drei Buchstaben "D", "T" und "P" bekannt, was übersetzt "Desktop Publishing" bedeutet und empfahl mir das Programm "Pagemaker", mit dem man solche Wunderdinge sogar in der realen Welt bewerkstelligen konnte.

Einziges Problem: Das Programm weigerte sich strikt, auf meinem heißgeliebten Commodore 64 zu laufen und als armer Zivi konnte ich mir keinen PC leisten - schließlich waren die Dinger damals noch richtig teuer und man nahm sie nicht mal eben so beim Einkauf im Supermarkt um die Ecke als Zeitvertreib für die lieben Kleinen mit... Doch die Lösung kam unverhofft: Die Eltern meines Zivikollegen Andreas hatten einen eigenen Getränkevertrieb, in dem ein solch sagenumwittertes Gerät namens Computer stand, das nur der Sohnemann allein bedienen konnte. Andreas bot mir an, sein Heiligtum zu benutzen.

Das nächste Problem, nämlich die in den C64 gehackten Texte für den PC flottzukriegen, wurde mittels eines Konversionsmoduls namens "Uplink" gelöst und so flatterte ich während der nächsten Wochen nach Geschäftsschluß bei der Firma "Getränke Hausmann" ein, um die konventionell hergestellte Klebevorlage in den PC zu transferieren. Das war nämlich der Clou von DTP: Man konnte ein komplettes Magazin auf dem Computer zusammenbasteln und anschließend spuckte ein ähnlich nebulöses Gerät namens Belichter die Offsetfilme einfach aus.

Als kompletter DTP-Neuling verbrach ich natürlich einige layoutechnische Todsünden, aber dennoch ist UNDERGROUND EMPIRE 2 meines Wissens das erste Magazin in Deutschland, das komplett in DTP-Technik entstand. Zwar mußten die Bilder noch nachträglich reprotechnisch eingebaut werden, weil die Scannertechnik für Bilder noch in den Kinderschuhen steckte und zudem unbezahlbar war. Aber immerhin verschwanden damals in den Layout-Abteilungen sämtlicher deutschen Redaktionen noch die Jungs mit Laserausdrucken in der Dunkelkammer, um anschließend die einzelnen Filstückchen zu der endgültigen Druckvorlage zusammenzupappen; also quasi die hypertrophierte Version des Herstellungsverfahrens von UNDERGROUND EMPIRE 1.

Technisch hatten wir also einen Sprung über ein ganzes Zeitalter hinweg gemacht, doch der Covershoot ging wie gehabt ganz konventionell vonstatten - ausgenommen der Tatsache, daß es sich bei den Opfern nun um WARDANCE handelte, die ich durch Neustadt/Weinstraße und anschließend sogar noch mit Sack und Pack zum Hambacher Schloß hinaufscheuchte. Die Photosession verlief so gut, daß es anschließend drei mögliche Covervariationen gab, wie wir euch hier zeigen werden.

Stefan Glas

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