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Titel: Prolog #1

Es begann damit, daß sich in Kaiserslauterns Hard Rock Cafe drei Herren namens Ralf Henn, Axel Westrich und Stefan Glas trafen und feststellten, daß jeder mit einer besonderen Hingabe alle nur erdenklichen Fanzines las und irgendwie "schon immer die Idee hatte, es mal selbst zu probieren." Was lag also näher, als den Sprung ins kalte Wasser zu wagen?

Auf der Suche nach einem Namen schlug die Henn/Westrich-Allianz zunächst die Variante "Hanom" (No comment - Red.) vor, doch auf der glasianischen Seite hatte sich ein anderer Favorit eingenistet: "Empire".

Ich war seinerzeit eng mit der Gruppe SUPERIOR verbandelt, malochte als deren Roadie und ließ mir von SUPERIOR-Gitarrist Michael Müller die hohe Kunst des Saitenquälens eintrichtern. SUPERIOR trugen sich damals mit der Idee eines Namenswechsels, da es noch etliche andere SUPERIORen gab. "Empire" war seinerzeit der Name auf der Pole Position und mir fiel spontan ein Design für ein Logo ein. Als SUPERIOR dann doch SUPERIOR bleiben wollten, war der Name inklusive Logo wieder ein Waisenkind.

Doch nicht lange, denn um den Wink mit dem "Underground"-Zaunpfahl erweitert, fand "Empire" die Zustimmung des gesamten Trios. UNDERGROUND EMPIRE war geboren.

So ging man daran, sich an den ersten Interviews zu probieren, die streckenweise echtes Kultpotential hatten, aber nie gedruckt wurden. Sie werden jedoch demnächst an dieser Stelle offenbart werden!

Zwischenzeitlich hatten wir uns durch meinen Tape-Tauschpartner Holger Andrae aus dem hohen Norden verstärkt, der seinerseits ebenfalls bohrende Fragen durch die Welt schickte.

Unter massivem High Tech-Einsatz wurden die Artikel gelay-outet: Auf dem lebenden EDV-Anachronismus mit Namen COMMODORE 64 zusammengetippt und mit einem 9-Nadel-Drucker, dem phonstarken STAR LC-10, auf Papier getackert, entstanden meterlange Bandwürmer von Interviews. Eine scharfe Schere brachte sie auf DinA4-kompatible Dimensionen und unzählige UHU-STICs machten aus der Bescherung eine Druckvorlage.

Nach mehr als einem Jahr Vorbereitungszeit war es im Juli 1989 soweit: Mit einem Ringbuch um dem Arm stand ich im Eingang des neugegründeten Druckstudios Bücker & Müller und einige Wochen später marschierte ich mit knapp 1000 druckfrischen Exemplaren durch die gleiche Pforte wieder hinaus. Auch beim Druck hatte der letzte Schrei der Technik zugeschlagen: Aufgrund Problemen mit der Druckvorlage stellte sich heraus, daß die Schnelldruckmaschine das beste Druckresultat zutage förderte.

Doch dieses Problem sollte sich als echter Glückfall herausstellen: Da die Schnelldruckmaschine nur DinA4-Blätter ausspucken konnte, war die übliche Weiterverarbeitung mit Heftklammern unmöglich geworden, so daß UNDERGROUND EMPIRE 1 gebunden werden mußte und folglich mit einem schicken Rücken versehen war, den wir liebend gern beibehielten, weil er UNDERGROUND EMPIRE von anderen Druckerzeugnisse auf dem damals noch rappelvollen Fanzinesektor abhob.

Lediglich das Cover war in bester Off-Set-Manier verewigt worden. Das verwendete Photo entstand auf einer Hetzjagd quer durch Kaiserslautern: Mit der Kamera bewaffnet scheuchte ich die Photomodelle von SUPERIOR kreuz und quer durch die Stadt bis wir endlich auf einer stillgelegten Bahnstrecke die Location für die definitve Session gefunden hatten. Aufgrund der gleißenden Sonne an diesem Tag waren die Sonnenbrillen das einzige, was das Augenlicht der Musiker retten konnte, was aber einigen nicht ganz wohlgesonnenen Zeitgenossen den Anlaß gab, diskreditierlich von "Sonnenbrillen-Posern" zu sprechen. Anyway...

Stefan Glas

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