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  UE-Home → History → Online Empire 51 → Editorial last update: 20.03.2019, 22:26:04  

Stimmbruch sucks!

Nicht erst seit gestern wei├č ich, da├č ich auf weiblichen Gesang stehe - und diesbez├╝glich seien die eventuellen optischen Vorz├╝ge, die die holden Damen mitbringen, mal komplett au├čen vor. Generell ist es nur zu begr├╝├čen, da├č nicht nur unter den Fans der weibliche Anteil immer mehr steigt, sondern da├č sich eben auch immer mehr M├Ądels als Musikerinnen profilieren. Wenn ich n├Ąmlich an die Fr├╝hzeiten des metallischen Aufbruchs in den Achtzigern denke, dann war Metal in der Tat ├╝ber weite Strecken "M├Ąnnersache". Als sich meinereiner damals bei einem SLAYER-Konzert umschaute, dann beschlich mich schon damals das Gef├╝hl, da├č wir Metaller so nicht ├╝berlebensf├Ąhig sein w├╝rden. Um so erfreulicher, da├č man beim Blick auf das Publikum eines heutigen Sommerfestivals oftmals das Gef├╝hl hat, hier seien einfach eine ganze Menge Familienausfl├╝ge zum gleichen Ort gemacht worden.

Denkt man ├╝ber den weiblichen Anteil der Musikerschaft Mitte der Achtziger nach, dann mu├č man jenseits des Trios Doro, Lita Ford und Lee Aaron schon l├Ąnger in den Hirnwindungen kramen. Zwar sind auch heute Frauen immer noch deutlich in der Unterzahl, doch es stellt schon l├Ąngst keine Sensation mehr dar, wenn eine Band ein weibliches Mitglied in ihren Reihen wei├č. Mehr noch: Eine Stilrichtung wie der Gothic Metal h├Ątte ohne die Mitwirkung der holden Weiblichkeit und ihres Gesanges wohl niemals entstehen k├Ânnen.

Doch nicht nur in Sachen Innovation und Entwicklung neuer Spielarten des Metal mu├č man den hartgesottenen Damen danken, sondern sie sind im Gro├čen und Ganzen auch viel "ungef├Ąhrlicher"... Ihr glaubt nicht, wieviele Demo-CDs meinereiner in den letzten Jahren etwa zehn Sekunden nach Einsetzen des Gesangs in die Ecke gepfeffert hat! Das Anfertigen von Aufnahmen ist heute bekanntlich recht einfach, und viel zu viele Bands tun dies in grober Fehleinsch├Ątzung des eigenen K├Ânnens auch viel zu fr├╝hzeitig, um dann Presse oder Plattenfirmen mit diesen "Werken" zu begl├╝cken. Nun ja, wenn eine Rhythmusmannschaft so untight rumschlabbert wie Rote Gr├╝tze oder wenn M├Âchtegernsaitenhelden noch nicht mal ein morsches Riffbrett zurechtzimmern k├Ânnen, dann ist das ja noch zu ertragen. Aber wehe da legt jemand los, der irrt├╝mlicherweise meint, er k├Ânne singen...

Ernsthaft - es ist unglaublich, wie unendlich viele M├Ąnner (="Stimmbruchopfer") die Demo-CDs von neuen Bands ruinieren - solche, die es dann noch nicht mal zu einem Review auf diesen unseren Seiten bringen. Nicht etwa, weil da jemand mit Obelix' Lieblingsspeise um die Wette grunzen w├╝rde, das geh├Ârt bei gewissen Stilrichtungen ja zum guten Ton und wird demzufolge durchgewunken, sofern es amtlich gemacht wird, sondern weil da so hundsmiserabel ins Mikro geshoutet wird, da├č sich bei jedem, der noch nicht stocktaub ist, einfach die Zehn├Ągel nach oben rollen m├╝ssen. Hat man es indes mit einer Band mit S├Ąngerin zu tun, ist die Gesangsterrorgefahr im Schnitt deutlich geringer. Anscheinend bringen Frauen von Natur aus im der Gro├čzahl der F├Ąlle ein gewisses Level an Gesangsf├Ąhigkeiten mit - und au├čerdem haben sie ja auch nicht das Handicap des Stimmbruchs, nach dessen Eintritt sich bei vielen Herren die Stimme wohl doch noch am besten zum Brikettz├Ąhlen eignet. Fakt ist eindeutig, da├č sich die Reinf├Ąlle bei Demo-Bands mit Damengesang deutlich mehr in Grenzen halten. Das mag wohl auch ein Grund sein, weshalb ich ├╝ber die Jahre immer mehr ein Fan von Frauengesang geworden bin. Da├č allerdings eine Tarja ebensowenig vom Himmel f├Ąllt wie ein Dio, versteht sich dabei freilich von selbst. Und ob man mit Gothic-Gesang oder ├Ąhnlichem aus seiner pers├Ânlichen, ganz subjektiven Warte klarkommt, steht freilich auch auf einem ganz anderen Tirili-Blatt... Dennoch:

Ein Hoch auf die Frauen!

Stefan Glas

P.S.: Wir freuen uns ganz besonders, da├č Annie Haslam, S├Ąngerin von RENAISSANCE und immer noch die gr├Â├čte weibliche Stimme im Prog, eines ihrer Kunstwerke f├╝r unser aktuelles Cover zur Verf├╝gung gestellt hat. Auf ihrer Homepage findet Ihr viele weitere von Annies Gem├Ąlden, wo Ihr auch Drucke kaufen k├Ânnt.

 
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