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SANCTUARY (US, WA)-Bandphoto 1

Nach dem unschönen Ende von NEVERMORE versuchten Frontmann Warrel Dane und Bassist Jim Sheppard ihre Fans durch die Wiederbelebung von SANCTUARY bei Laune zu halten. Das stieß jedoch nicht überall auf Begeisterung. Erst als klar war, daß doch ein langfristig angelegter Plan im Hintergrund steht und man nicht nur die alten Nackenbrecher des Unternehmens auf den Bühnen präsentieren wollte und 2014 mit »The Year The Sun Died« auch noch frischer Stoff kredenzt wurde, waren nahezu alle Zweifler besänftigt.
Aber eben nicht alle, wie diverse Reaktionen auf die Scheibe im Nachhinein belegen. Doch die Truppe selbst steht logischerweise nach wie vor vollends hinter dem Album und scheint durch kritische Meinungen sogar einen zusätzlichen Motivationsschub verabreicht bekommen zu haben, wie uns Gitarrist Lenny Rutledge am Telefon unmißverständlich zu wissen gab.

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Lenny, auch wenn es Dir vielleicht sauer aufstoßen mag, aber zunächst einmal müssen über Euer Comeback-Album sprechen. »The Year The Sun Died« sorgte bei aller Freude der Die-Hard-Fans über die Rückkehr der Band für geteilte Meinungen. Wie seht Ihr die Sache selbst im Nachhinein?

Ich hab' kein Problem mit einer solchen Frage! Wir selbst waren mit dem Album sehr zufrieden und sind es auch noch immer. Uns war klar, daß da eine verdammt schwierige Aufgabe auf uns zukommen würde, als wir die ersten Gigs in Europa gebucht hatten. Doch da die ersten Songs ohnehin schon geschrieben waren, kurz nach dem wir uns überhaupt zu unserer Reunion entschlossen hatten, und diese auch live verdammt gut funktioniert haben, fühlten wir uns in unserem Vorgehen bestätigt und machten entsprechend ambitioniert weiter. Den Großteil dieser kritischen Stimmen kann ich übrigens bis heute nicht nachvollziehen, denn man unterstellte Warrel eine dürftige Gesangsdarbietung. Es ist zwar korrekt, daß er inzwischen seine Stimme bei weitem nicht mehr so ausreizt wie früher, aber jeder, der sich mit den NEVERMORE-Scheiben oder seinem Soloalbum auseinandergesetzt hat, dürfte mitbekommen haben, daß er es schon seit Jahren nicht einmal mehr versucht, ähnlich zu singen wie in frühen SANCTUARY-Tagen. Auf der Bühne nicht, und im Studio noch weniger!

Einverstanden. Ist denn die eben erschienene Demokollektion »Inception« in gewisser Weise als Wiedergutmachung zu verstehen?

Generell nicht, aber wenn es uns damit auch gelingt, notorische Nörgler zum Schweigen zu bringen, warum nicht? [lacht] Das kann jeder für sich entscheiden, ganz wie er will.

Wie kam es denn überhaupt zu dieser Idee?

Eher zufällig. Eines Tages stieß ich auf dem Dachboden jenes Gebäudes, in dem unser Proberaum eingerichtet ist, auf eine alte Kiste. Ich wußte, daß hier immer wieder mal das verschiedenste Material aus dem Bandarchiv deponiert wurde, doch als ich diese Kiste mit den alten Bändern entdeckte, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich dachte, ich hätte eine echte Schatzkiste gefunden! Leider bemerkte ich aber sehr bald, daß die jahrlange Lagerung wie auch die Feuchtigkeit den Bändern ziemlichen Schaden zugefügt hatte. Von daher war meine Freude zunächst auch nicht von sonderlich langer Dauer, denn ich dachte, ich hätte es mit einer Kiste Müll zu tin.

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Nach "Recycling" klingt die Chose nun aber auch ganz und gar nicht...

Ein Glück, daß wir mit den richtigen Leuten kooperieren! Es war nämlich unser Produzent Chris "Zeuss" Harris, der mich mehr oder weniger dazu nötigte, ihm das Material zu zeigen und auszuhändigen, um die Chose genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Überraschung und die Freude waren entsprechend groß, als er bald darauf zu vermelden wußte, daß man damit auf jeden Fall noch arbeiten könnte!

Irgendwie unerwartet, daß er sich für altes SANCTUARY-Material in diesem Ausmaß interessiert. Aufgrund seiner Tätigkeit denkt man eher, er wäre eher auf "zeitgenössisches" Material spezialisiert. Ich nehme an, der Kontakt kam in erster Linie dadurch zustande, da er »The Year The Sun Died« produzierte?

Das schon, aber "Zeuss" ist seit jeher Fan der Band und mochte unsere alten Demosongs schon immer. Dadurch war es geradezu logisch, ihn mit den weiteren Arbeiten an den Bändern zu beauftragen. Für mich war es obendrein eine überaus lehrreiche Phase, denn der Kerl hat echt eine Ahnung davon. Zunächst konnte man überhaupt nicht sicher sein, ob das Zeug überhaupt für irgendetwas zu gebrauchen wäre. Doch nach einiger Zeit der Trocknung schafften wir es tatsächlich, das Songmaterial zu verwenden und in weiterer Folge zu digitalisieren. Danach ging es an die Arbeit, die Aufnahmen wieder "hörbar" zu gestalten.

Das klingt für einen Fan spannend und aufschlußreich, sagt aber noch nichts über die nötige weitere Vorgehensweise. Selbst ein Laie wird nämlich erkennen, daß Ihr noch so einiges nachbearbeiten habt müssen, um jenen Sound hinzubekommen, der nun aus der heimischen Anlage dröhnt.

Korrekt. Das war notwendig! Schon der Sound der ursprünglichen Demos war nicht der feinste, durch das Altern des Trägermaterials klang die Chose inzwischen aber nur noch katastrophal. Unter anderem waren die Becken nur noch ganz leise zu hören. Doch das alles konnte im Studio nachbearbeitet werden und ist nun Schnee von gestern. Wir können mit Stolz unseren Fans nach über einem Jahr Arbeit endlich auch unsere ersten Demoaufzeichnungen von 1986 in einer feinen, neu abgemischten Version anbieten. Auch wenn es harte Arbeit war, jede Sekunde Zeit, die wir in dieses Projekt investiert haben, hat sich gelohnt. Auch wenn anderes dadurch zu kurz gekommen ist.

Du meinst nicht etwa ein weiteres Studioalbum?

Doch! Bekanntermaßen befinden wir uns ja schon seit geraumer Zeit mitten in den Arbeiten für das zweite Studioalbum nach unserem Comeback. Doch nicht zuletzt wegen »Inception« gibt es dazu momentan noch nicht allzu viel zu vermelden. Moment, doch! Jim Sheppard kann seit einiger Zeit nicht mehr mit dabei sein!

Wie bitte?

Ja, leider. Jim hat sich in aller Freundschaft aus gesundheitlichen Gründen aus der Band zurückgezogen, oder genauer gesagt zurückziehen müssen. Wir sind aber immer noch gute Freunde. Das ist wohl auch damit bewiesen, daß er uns seinen Nachfolger mehr oder weniger empfohlen hat. Der frühere PANIC-Musiker George Hernandez war aber auch eine logische Wahl, denn zum einen war der Kerl vor Urzeiten schon einmal mit uns auf Tournee, und zum anderen ist er ein überaus versierter Musiker.

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Alles klar. Dann heißt nun also doch noch ein wenig abwarten ehe wir uns über das nächste Album freuen dürfen. So lange können wir uns aber mit »Inception« über Wasser halten. Apropos: Ihr habt der Scheibe auch ein entsprechendes Artwork verpassen lassen. In bekannter "Old school"-Manier habt Ihr dafür...

Jawohl! Es mußte Ed Repka sein! Jemand anderen wollten wir überhaupt nicht, und von daher war schnell beschlossen, daß er den Auftrag erhält. Nicht zuletzt durch ihn haben wir nun ein in sich stimmiges Gesamtpaket anzubieten. Unsere Anforderung war, daß nicht nur die Musik und das Cover zueinander passen sollten, sondern auch der Querverweis auf unser Debut »Refuge Denied« sollte sofort herzustellen sein. Das hat er in seiner typischen Art perfekt umgesetzt. Schlußendlich ging es uns genau darum - denn ohne unsere Demos wäre unsere Bandhistory sicherlich anders verlaufen!

http://www.enterthesanctuary.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Patrick Haeberli [Photo 1]

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siehe auch: Warrel Dane als Sprecher bei der Animationsserie "Metalocalypse"
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